Otto Seydel (* 1945 in Potsdam) ist ein deutscher Pädagoge und Schulreformer.

Biografie Otto Seydel ist Sohn von Liselotte Seydel, geb. Schrecker, und Joachim Seydel. Nach dem Abitur an der Tellkampfschule Hannover studierte er an den Universitäten Göttingen und Marburg evangelische Theologie und Pädagogik, u. a. bei dem Theologen Manfred Josuttis sowie den Pädagogen Hartmut von Hentig und Dieter Baacke.

Nach Abschluss des Vikariats im Jahr 1972 wechselte Seydel als wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Pädagogik an die neu gegründete Universität Bielefeld und promovierte bei Dieter Baacke zum Thema „Konflikt. Studie über einen Grundbegriff politischer Bildung und sozialen Lernens“ (1976).

Von 1976 bis 2001 arbeitete er als Lehrer und Erzieher an der Internatsschule Schloss Salem. 1992 übernahm er dort die Aufgabe der Stufenleitung der Salemer Unterstufe auf Burg Hohenfels, 1997 die Stufenleitung der Salemer Oberstufe auf Schloss Spetzgart. 2001 gründete er das selbstständige Institut für Schulentwicklung in Überlingen (Bodensee).

Wirken 1981 initiierte Seydel die Reform des Salemer Mittelstufenunterrichts (Bildung von Jahrgangsteams, Epochen- und Projektunterricht u. a.). 1986 baute er von Salem aus die Pädagogische Arbeitsstelle der Deutschen Landerziehungsheime auf, die erste gemeinsame Lehrerfortbildungseinrichtung der Internatsschulen in reformpädagogischer Tradition.

Im Rahmen dieser Arbeitsstelle gründete er 1989 mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung den Schulverbund Blick über den Zaun. In diesem Schulverbund sind inzwischen ca. 130 Schulen auf der Basis gemeinsamer Qualitätsstandards zusammengeschlossen.

Nach der Gründung seines Instituts für Schulentwicklung moderierte Seydel gemeinsam mit Wolfgang Harder 2002/2003 den „Runden Tisch Bildung“ der Stadt Bremen, der den Anstoß zu tiefgreifenden Veränderungen der Bremer Schullandschaft gab.

Von 2003 bis 2008 initiierte und leitete er das Schulentwicklungsprojekt der Robert Bosch Stiftung „Lehrer im Team“.

Ab 2004 entwickelte und realisierte Seydel das Konzept für die Bremer Schulinspektion. Bremen war das einzige Bundesland, das auf dieser Basis die Schulinspektion extern vergab und ausschließlich qualitativ orientiert gestaltete.

Ab 2005 war Seydel gemeinsam mit Peter Fauser maßgeblich an der Konzeptentwicklung des Deutschen Schulpreises beteiligt und von 2006 bis 2011 Mitglied der Jury.

In diese Jahre fielen darüber hinaus Begleitungen einzelner Schulen, u. a. als Koordinator der Leiterkonferenz der Hermann-Lietz-Schulen.

Für das Thema Schulbau erstellte er 2003/2004 im Rahmen eines Projekts der Wüstenrot Stiftung eine Studie zum Schulbau. Seit 2010 bildet dieses Thema seinen zentralen Arbeitsschwerpunkt, u. a. im Rahmen verschiedener Projekte der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft.

Schriften Kirchliche Jugendarbeit: Freiraum und Konflikt. Kohlhammer, Stuttgart 1974. Zum Lernen herausfordern. Das reformpädagogische Modell Salem. Klett-Cotta, Stuttgart 1995. Anforderungen an ein Schulgebäude. Lernräume – Arbeitsräume – Lebensräume. Klett/Kallmeyer, Hannover 2023. Pädagogische Perspektiven. 21 Thesen zum Schulbau im 21. Jahrhundert. pedocs, 2026, (pedocs.de).

Einzelnachweise

Weblinks Institut für Schulentwicklung (Otto Seydel)

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