Die Kosovo-Ausschreitungen von 2004, in Serbien als März-Pogrom bekannt,, b92.net, 17. März 2015. fanden vom 17. bis zum 19. März in bestimmten Teilen innerhalb des Kosovo statt. Es kam zu pogromartigen Ausschreitungen von über 50.000 Kosovo-Albanern,, Human Rights Watch, 30. Mai 2006. vornehmlich gegenüber Gemeinschaften und Enklaven der kosovo-serbischen Minderheit. Bei diesen ethnisch motivierten Übergriffen und den resultierenden Flüchtlingsbewegungen handelte es sich im Kosovo um die schwersten ihrer Art, seit NATO und UN nach dem Kosovo-Krieg die Kontrolle in der serbischen Autonomen Provinz KosovoIn der Regel wurde die serbische Provinz in serbischen und kosovo-serbischen Quellen als „Kosovo i Metohija“ (Kosovo und Metochien) angesprochen, während von kosovo-albanischer Seite von „Kosova“ gesprochen wurde. Die internationalen Organisationen verwendeten in der Regel die vereinfachte Form „Kosovo“, wie sie in der jugoslawischen Verfassung von 1974 verwendet worden war. Quelle: Arnold Suppan, Schwarzes Loch oder Pulverfass? Der (westliche) Balkan 2004/2005, in: Konrad Clewing, Oliver Jens Schmitt, Edgar Hösch, Südosteuropa – von vormoderner Vielfalt und nationalstaatlicher Vereinheitlichung – Festschrift für Edgar Hösch, Oldenbourg Verlag, München 2005, ISBN 3-486-57888-X, S. 477–512, hier S. 479, Fußnote 4. im Juni 1999 übernommen hatten.Peter Bouckaert, Failure to Protect: Anti-minority Violence in Kosovo, March 2004 (englisch). Human Rights Watch, Vol. 16, Nr. 6 (D), Juli 2004, S. 1f. Alternative Internetquelle auf [http://www.unhcr.org/ unhcr.org, zuletzt abgerufen am 12. März 2013.

In mehreren Orten starben insgesamt mindestens 19 Menschen, darunter elf albanischer und acht oder neun serbischer Ethnie.Der Tagesspiegel spricht von zehn getöteten Albanern und neun getöteten Serben, ohne Angabe einer Quelle. Quelle: , Der Tagesspiegel, 26. November 2004, von Caroline Fetscher.Rathfelder nennt zwölf tote Albaner und neun tote Serben, ohne Angabe einer Quelle. Quelle: Ein Funke genügte, taz, Erich Rathfelder, 20. November 2004, zuletzt aufgerufen am 22. Februar 2013. Rund 1000 Personen wurden verletzt., Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier, 24. Oktober 2011, von Julia Nietsch. Über 4000 Menschen (meist Serben, aber auch Roma und Aschkali) mussten aus ihren Häusern fliehen oder wurden vertrieben.Dragan Kojadinović (Hrsg.), March Pogrom in Kosovo and Metohija – March 17–19, 2004 – with a survey of destroyed and endangered Christian cultural heritage (englisch und serbisch). Ministry of Culture of the Republic of Serbia, Museum in Priština (displaced), Belgrad 2004, ISBN 86-85235-00-6 (zuletzt abgerufen am 9. Februar 2013), S. 8. Die Aktionen der großen kosovo-albanischen Menschenmengen gegen sämtliche Spuren serbischer Anwesenheit im Kosovo erstreckten sich von der Hauptstadt Pristina über Städte wie Prizren und Gjakova bis hin zu kleinen Dörfern wie Sllatina und Bellopoje. Sie machten auch vor anderen Minderheiten nicht Halt.

Mindestens 22 orthodoxe Sakralbauten wurden aus- oder niedergebrannt sowie über zehn weitere Kirchen und Klöster zum Teil schwer beschädigt. Die KFOR war beim Niederbrennen und bei der Zerstörung der serbischen Häuser und orthodoxen Kirchen häufig anwesend.

Die Ausschreitungen führten zu einer ethnischen Homogenisierung zahlreicher Ortschaften, in denen auch nach den auf den Kosovokrieg folgenden Flucht- und Vertreibungsbewegungen noch immer ethnische Minderheiten im Kosovo gelebt hatten. Noch während der von kosovo-albanischen Medien mit ausgelösten Ereignisse wurden die Ausschreitungen von verschiedenen Seiten als wenigstens teilweise langfristig organisiertes Pogrom der kosovo-albanischen Mehrheit an den ethnischen Minderheiten bezeichnet und zum Teil mit „ethnischer Säuberung“ verglichen oder gleichgesetzt. Insbesondere von offizieller westlicher Seite wurden die Ausschreitungen jedoch auch häufig als „Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern“ oder als „ethnische Konflikte“ bezeichnet. Teilweise wurde die Meinung vertreten, diese seien „spontan“ entstanden und für die Protektoratsmächte überraschend aufgetreten. Von Seite kosovo-albanischer Führer wurden die Ausschreitungen auch als „Revolte“ gegen Missstände im Kosovo bezeichnet und als Argument für die staatliche Unabhängigkeit des Kosovo angeführt.

Den Sicherheitsorganisationen der Protektoratsmächte, besonders der von der NATO geführten KFOR, aber auch der von den Vereinten Nationen gestellten internationalen UNMIK-Polizei und dem von der UNO ausgebildeten KPS (Kosovo-Police-Service), wurde weitestgehendes Versagen und katastrophale Vernachlässigung ihres Schutzmandats während der Ausschreitungen vorgeworfen. In den Fokus der internationalen Kritik rückten besonders die deutschen KFOR-Kontingente in der Region Prizren.Peter Bouckaert, Failure to Protect: Anti-minority Violence in Kosovo, March 2004 (englisch). Human Rights Watch, Vol. 16, Nr. 6 (D), Juli 2004, S. 55f. Alternative Internetquelle auf [http://www.unhcr.org/ unhcr.org, zuletzt abgerufen am 12. März 2013.

Vorgeschichte

Nach dem Ende des Kosovo-Kriegs hatte die überwiegende Mehrheit der Kosovo-Serben und Roma durch Flucht und Vertreibung Hunderttausender vor Gewaltakten und Diskriminierung von kosovo-albanischer Seite den Kosovo verlassen. Das UN-Flüchtlingswerk ging von mehr als 180.000 nicht-albanischen „Flüchtlingen“ (nach rechtlicher Definition: BinnenflüchtlingeKevin Mannion, Leiter des ECHO (European Commission Humanitarian Aid) Büros in Belgrad, weist in dem gezeigten Interview darauf hin, dass es sich nach rechtlicher oder legalistischer Definition nicht um Flüchtlinge handelt, da der Kosovo offiziell als serbische Provinz zum Territorium des ehemaligen Jugoslawiens gehöre oder gehört habe. Somit gelten die vertriebenen und geflüchteten Kosovo-Serben als „internally displaced“, die nicht die Grenze ihres Landes überschritten haben. Quelle: Internally displaced (englisch). TV-Dokumentation, von Ninoslav Randjelovic, 18 Minuten, Produktion: RONIN, Oktober 2002. Auf Videoportalen verfügbar, z. B. YouTube, Teil 1/2 und 2/2, hochgeladen von Nutzer serbia4kosovo am 10. Januar 2008, letzter Abruf am 26. Februar 2013.) aus dem Kosovo aus, das jugoslawische Rote Kreuz von rund 200.000, die Regierung in Belgrad von etwa 350.000. Während des NATO-Krieges 1999 war die Zahl der Kosovo-Serben in der Provinz von westlichen Medien noch konstant mit 200.000 angegeben worden. 80.000 bis 120.000 sollten nach den März-Ausschreitungen von 2004 noch in der Provinz leben. Nach einem Human-Rights-Watch-Bericht soll nach Kriegsende 1999 über Monate hinweg ein hoher Grad an Gewalt gegenüber nicht-albanischen Gemeinschaften, oftmals politisch motiviert und organisiert, geherrscht haben, dem die internationalen Truppen und die UN-Verwaltung weitestgehend unwirksam begegnet sind. mini|Bernard Kouchner: als UN-Sonderbeauftragter und UNMIK-Leiter verantwortlich für das Protektorat Kosovo vom 15. Juli 1999 bis Januar 2001, Neue Zürcher Zeitung Online, 5. April 2011.