Die kenianische Cricket-Nationalmannschaft (; ), deren Spieler auch unter dem Spitznamen Simbas bekannt sind, vertritt Kenia auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Cricket Kenya (, CK; ) geleitet und ist seit 1981 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council, nachdem es zuvor Teil der ostafrikanischen Cricket-Nationalmannschaft gewesen war; als Ostafrika nahmen sie am ersten Cricket World Cup 1975 teil. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Namibia und Uganda, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Afrikas hinter den Vollmitgliedern Südafrika und Simbabwe. Kenia verfügt seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Größte Erfolge bei Turnieren waren das Erreichen des Halbfinales beim Cricket World Cup 2003 sowie zweimal die Vorrunde bei der Champions Trophy (2002 und 2004) und einmal beim T20 World Cup (2007).

Geschichte Anfänge des Crickets in Kenia Britische Kolonialisten führten Cricket zum Ende des 19. Jahrhunderts in Kenia ein. Das erste Match – East African Protectorate v Rest of the World – fand im Dezember 1899 in Mombasa statt. Nationale Spiele (Officials vs. Settlers, also „Behörden gegen Siedler“) wurden regulär von 1910 bis 1964 ausgetragen. 1914 spielte eine kenianische Mannschaft in Uganda erstmals auswärts und obsiegte mit fünf Wickets in Entebbe. Nach dem Zustrom indischer Arbeiter nach Afrika für den Bau des Schienennetzes in der Region nahm die Beliebtheit von Cricket zu. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war es eine der meist ausgeübten Sportarten in der Region.

Erste internationale Spiele fanden im Jahr 1951 statt, als sie gegen Tanganjika spielte. Zwei Jahre später wurde der Verband Kenya Cricket Association (KCA) gegründet. In der Folge tourten einige Teams, wie die „nichtweiße“ Mannschaft Südafrikas, durch das Land und bestritten Spiele.

Bestandteil des ostafrikanischen Teams

1951 gründete sich die East Africa Cricket Conference (EACC, später East and Central Africa Cricket Conference, ECACC) als Cricketverband für die Region. Sie organisierte die interkolonialen Spiele zwischen ihren drei Gründungsmitgliedern Kenia, Uganda und Tanganjika. Später im selben Jahr empfing eine ostafrikanische Mannschaft Rhodesien.

Ostafrikas folgendes Spiel war 1956 gegen eine besuchende pakistanische Mannschaft. Unter ihrem Kapitän Denis Dawson (dem Bruder des südafrikanischen Test-Cricket-Spielers Ossie Dawson) verloren die Ostafrikaner das Dreitagesspiel mit acht Wickets. Im darauf folgenden Jahr unterlagen sie dem besuchenden Sunder Cricket Club mit neun Wickets. 1958 besuchte eine südafrikanische Mannschaft aus nichteuropäischen Spielern das Gebiet für ein Spiel gegen Ostafrika in Nairobi. Unter ihrem Kapitän Malcolm Ronaldson, einem früheren First-Class-Spieler für die Eastern Province, unterlag Ostafrika in dem Spiel den Südafrikanern mit sieben Wickets.

In den 1960er Jahren traf Ostafrika auf mehrere besuchende Mannschaften. 1962 trafen sie in zwei Spielen auf die Cricket-Mannschaft des Commonwealth. Im ersten Spiel in Nairobi (10. bis 12. Februar 1962) unterlagen die Ostafrikaner mit 20 Runs. Dieses Spiel blieb vor allem wegen des zügigen Century von Basil D’Oliveira im zweiten Innings des Commonwealth in Erinnerung. Im zweiten Spiel im Oktober, ebenfalls in Nairobi, schlug die Mannschaft des Commonwealth Ostafrika mit 118 Runs. Der Marylebone Cricket Club (MCC) bestritt 1963/64 drei Spiele in Uganda, eines in Tanganjika und sieben in Kenia. Eines der Spiele gegen die Ostafrikaner in Kampala gewann der MCC mit einem Innings und 71 Runs. 1966 trat Ostafrika der International Cricket Conference (ICC; heute International Cricket Council) als assoziiertes Mitglied bei. Im selben Jahr trat Sambia dem jährlichen interregionalen Turnier bei, das damit zu einem Viererturnier wurde. Im August 1967 gewannen die besuchenden Inder ein First-Class-Dreitagesspiel mit acht Wickets. Eine internationale Mannschaft von englischen First-Class-Spielern erzielte 1968 in einem Dreitagesspiel gegen Ostafrika in Nairobi ein Remis.

Im Juni und Juli 1972 besuchte Ostafrika England für 18 Spiele gegen Regionalauswahlen und erzielte einen Sieg über Nordwales. Keines dieser Spiele besaß First-Class-Status. 1973/74 besuchte der MCC erneut Ostafrika. Im Dezember 1973 absolvierte er zwei Spiele in Sambia, gefolgt von zwei weiteren in Tansania und danach vier in Kenia. Das einzige Spiel gegen eine komplette Mannschaft Ostafrikas, das First-Class-Status besaß, gewann der MCC mit 237 Runs.

Ostafrika wurde zum ersten Cricket World Cup 1975 eingeladen, als eine von zwei Nicht-Testnationen neben Sri Lanka. Kenia stellte die Hälfte der 14 Spieler der ostafrikanischen Mannschaft. Vor dem Turnier schien die Teilnahme jedoch fraglich, nachdem Tansania damit gedroht hatte, seinen Spielern die Reise nach England aus Protest gegen die Südafrikatour 1974 der Rugbymannschaft British and Irish Lions zu verbieten. Die Teilnahme Ostafrikas galt als wichtiger Schritt für dieses Turnier, da die Teilnahme einer afrikanischen Mannschaft diesem erst den Status einer Weltmeisterschaft verlieh. Die zwei besten Cricketländer Afrikas, Südafrika und Rhodesien, beriefen ihre Spieler aufgrund ihrer „Rasse“ und wurden als Teil des Sportboykotts gegen Südafrika ausgeschlossen, woraufhin Ostafrika als Vertreter Afrikas teilnahm. Nach Aufwärmspielen gegen Somerset, Wales, Glamorgan und mehrere andere County Clubs traf es in der Vorrunde auf England, Indien und Neuseeland, unterlag jedoch in allen Spielen. Nach dem Turnier absolvierten die Ostafrikaner ein First-Class-Match gegen Sri Lanka auf dem County Ground in Taunton.

1978 besuchte die Minor Counties Cricket Association für sieben Spiele Kenia, davon zwei gegen Ostafrika. Das erste Spiel mit 60 Over gewannen die Minor Counties mit acht Wickets. Ein geplantes Dreitagesspiel wurde abgesagt. Bei der ICC Trophy 1979 verpasste das Team die Qualifikation für den Cricket World Cup 1979 in England, als es sich in der Vorrunde nicht gegen Bermuda durchsetzen konnte.

Nach der Eigenständigkeit Nachdem es lange Zeit als der stärkste Teil der ostafrikanischen Mannschaft gegolten hatte, löste sich Kenia kurz nach einer Simbabwetour im Jahr 1981 von der Mannschaft und versuchte sich nun eigenständig im ICC zu etablieren. Während der Tour bestritt Kenia zwei dreitägige Matches gegen Simbabwe, die beide mit Niederlagen endeten. Danach standen die Qualifikationen zu den nächsten Weltmeisterschaften im Vordergrund. Bei der ICC Trophy 1982 wurde es in der Vorrundengruppe hinter Simbabwe, Papua-Neuguinea und Kanada Vierter und schied damit aus. Bei der Ausgabe 1986 belegten die Kenianer ebenfalls den vierten Platz in der Vorrunde. Besser verlief es bei der ICC Trophy 1990. Hier überstanden sie als Vorrundenzweiter in einer Vierergruppe die Vorrunde. In der Zwischenrunde belegte das Team ebenfalls den zweiten Platz hinter Simbabwe. Erst im Halbfinale, wo es mit fünf Wickets gegen die Niederlande verlor, endete für die Mannschaft das Turnier. Im September 1986 bestritt Kenia das erste First-Class-Match gegen Pakistan B.

Erste Erfolge Die ICC Trophy 1994 wurde im eigenen Land ausgetragen und anders als in den Vorjahren waren drei Plätze beim Cricket World Cup 1996 in Indien, Pakistan und Sri Lanka zu vergeben. Sowohl in der Vorrunde als auch in der Zwischenrunde belegte Kenia den ersten Platz der Gruppe und nach einem Sieg über Bermuda im Halbfinale verlor die Mannschaft im Finale mit zwei Wickets gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, womit sie sich für das Turnier qualifizierte. Kenia spielte im August 1995 gegen Indien A und besuchte im September/Oktober desselben Jahres Südafrika. Beim Hauptturnier gelang ein überraschender Sieg über die West Indies, es verlor jedoch alle anderen Spiele gegen Australien, Indien, Sri Lanka und Simbabwe. So schied Kenia als Letzter der Vorrundengruppe aus. Als Konsequenz stufte das ICC die Mannschaft als einzige Nicht-Testnation mit ODI-Status ein, was ihr neue Spielgelegenheiten verschaffte. Zu dieser Zeit galt das Team weithin als kommende Testnation.

Im September/Oktober 1996 waren die Kenianer Gastgeber des Sameer Cups, an dem auch Pakistan, Südafrika und Sri Lanka teilnahmen. Im Dezember besuchten die Niederlande Kenia für vier First-Class-Matches, die Kenia alle gewann. Im März 1997 erreichte es das Viertelfinale des südafrikanischen Standard Bank Cups, unterlag gegen Natal im Kingsmead jedoch mit 104 Runs. Darauf folgte die ICC Trophy 1997 in Malaysia. Kenia erreichte das Finale, unterlag dort jedoch gegen Bangladesch mit zwei Wickets, was zur Qualifikation für den Cricket World Cup 1999 ausreichend war. Im Oktober desselben Jahres wurde in Nairobi der President’s Cup ausgetragen, an dem Bangladesch und Simbabwe teilnahmen.

Im Januar 1998 besuchte England A Kenia. Ein dreitägiges Match endete unentschieden und England A gewann das einzige ODI, das nicht aufgrund des Wetters ausfiel. Beim darauf folgenden Standard Bank Cup erreichte das Team das Finale, unterlag dort jedoch gegen Gauteng mit acht Wickets. Im Mai besuchte es für eine ODI-Tri-Series Indien, an der sich noch Bangladesch beteiligte. Im letzten Gruppenspiel gelang Kenia ein Überraschungssieg über Indien mit 69 Runs. Danach nahm Kenia am Cricketturnier der Commonwealth Games 1998 in Malaysia teil und traf in seiner Gruppe auf Neuseeland, Pakistan und Schottland. Es gelang jedoch nur ein Sieg über Schottland und das Team landete auf dem dritten Tabellenplatz.

Kenia bereitete sich mit einer Tri-Series in Bangladesch gegen den Gastgeber und Simbabwe auf den Cricket World Cup 1999 vor. Beim Hauptturnier traf es in der Gruppenphase auf England, Indien, Südafrika, Sri Lanka und Simbabwe. Nach Aufwärmspielen gegen Somerset, Gloucestershire und Glamorgan unterlag Kenia in allen Gruppenspielen deutlich. Nach dem Turnier war Kenia Gastgeber des LG Cup 1999/2000, an dem Indien, Südafrika sowie Simbabwe teilnahmen, verlor jedoch alle Spiele.

Das 21. Jahrhundert begann für Kenia mit einem Besuch in Simbabwe für das ICC Emerging Nations Tournament gegen Dänemark, Irland, die Niederlande, Schottland und Simbabwe A. Kenia gewann das Turnier und hielt diese Performance während der Indientour für sieben Spiele bei, von denen nur eines verloren ging. Im Juli besuchte Pakistan A Kenia für fünf ODIs und ein viertägiges First-Class-Match. Das viertägige Match endete unentschieden, woraufhin Kenia die ODI-Serie mit 4–1 gewann. Die ICC KnockOut 2000 wurde in Kenia ausgetragen, der Gastgeber verlor jedoch das Qualifikationsspiel gegen Indien.

Im Januar 2001 besuchte Sri Lanka A Kenia für zwei First-Class-Matches und vier ODIs. Beide First-Class-Matches endeten unentschieden, während Sri Lanka A zwei der ODIs gewann. Die West Indies besuchten im August für zwei First-Class-Matches und eine ODI-Serie von drei Spielen Kenia. Die West Indies gewannen das erste First-Class-Match, das zweite endete unentschieden und die Gäste entschieden auch die ODI-Serie für sich. Kenia beteiligte sich im Oktober an der Tri-Series in Südafrika, an der neben dem Gastgeber auch Indien teilnahm, und erzielte dabei den zweiten Sieg über Indien.