Rolf-Jürgen Kirsch (* 1959 in Kirchen/Sieg) ist ein deutscher Maler und Konzeptkünstler.
Leben Kirsch studierte Malerei an den Kölner Werkschulen bei Franz Dank. Durch die Begegnung mit dem amerikanischen Fluxuskünstler Al Hansen entstand Anfang der 1990er Jahre eine intensive Auseinandersetzung mit der Aktions- und Performancekunst. 1991 gründete er das Kunstmagazin „Der Stillstand“,"Der Stillstand" als dessen Herausgeber er bis heute wirkt. Zwischen 1994 und 1998 verfolgte er eine regelmäßige Teilnahme an Projekten der ASA-European, insbesondere „Die Gabe“."Die Gabe" Als freier Kurator organisierte und konzipierte er Performanceveranstaltungen wie „100 Performances im Urania Theater 1995“100 Performances im Urania Theater 1995 oder „Graz Performances 2003“.Graz Performances 2003 R.J.Kirsch ist Mitglied der Kölner Performance-Organisation PAERSCHE.PAERSCHE
Kirsch lebt und arbeitet in Köln.
Werk Kirschs befasst sich mit der Möglichkeit des Malens vor allem auch vor dem Hintergrund aktueller technologischer Entwicklung Hierbei ist es vor allem der Entwicklungsstand technischer bedingter Bildmedien, auch bildgebender Verfahren, die ihn malerisch besonders beschäftigen.Kunstverein Viernheim In der Werkserie PhantomMuseum Albstadt generiert Kirsch aus einer ungegenständlichen Auffassung von Malerei in einem fortlaufenden Abstraktionsprozess eine Art kalligrafischen Zeichenfluss, der zuletzt mittels Skulpturen in Schattenszenarien übersetzt wird. Ergebnis sind sowohl Schattenprojektionen im Raum als auch Fotogramme, Farbfotogramme, die als Gegenstück zur traditionellen Malerei seine kompositorische Arbeit repräsentieren.Kunstverein Viernheim Darüber hinaus nimmt Kirsch mit seinen Schattenprojektionen Bezug auf die Arbeit des Bauhaus-Künstlers László Moholy-Nagy, der bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit Licht-Projektionen im Raum experimentierte. Doch wo Moholy-Nagys sogenannter Licht-Raum-Modulator mit seinem geometrisierten Formenkanon, Lochblechen und rechten Winkeln die Maschinenästhetik seiner Epoche thematisieren, ist Kirschs Formenrepertoire durch vielfach gebrochene Fragmente bestimmt.Moholy, nicht nur für Arme
Unfälle, Havarien oder Abstürze als Symbole technischen Scheiterns stellen einen zweiten Schwerpunkt in der Entwicklung seiner Arbeit dar. In Rhythmus der Statistik,Peter Gerlach: Rhythmus der Statistik. 2006. einer Serie mit Unfallszenen von Flugzeugen, Schiffen oder Eisenbahnen, an der Kirsch seit 2002 arbeitet, erfasst diese Inszenierung den beschleunigten Gegenstand. Die Aneinanderreihung zumeist kleinformatiger Arbeiten erzeugt ein Panorama des Scheiterns hochtechnisierter Fortbewegungsmittel.
Die in weiteren Werkserien darauf folgende Übersetzung kinetischer Verformungen in einen malerischen Duktus macht die außer Kontrolle geratenen Bewegungsenergien sichtbar.CIRCUS EINS: PHANTOME. 2019. In seinen neuesten Arbeiten treibt Kirsch den Faltenwurf in reliefartige Oberflächen aus Aluminium, die frei vor der Wand schweben.PAN kunstforum niederrhein: REANIMATION.NRZ Emmerich | PAN zeigt Wucht und Transformation von UnfällenPresseecho 2008-2022 – Artikelauswahl Darüber hinaus entstehen immer wieder Serien, in denen Kirsch in einem malerischen Aneignungsprozess vorgefundene, vor allem auch technische Bildwelten thematisiert.blueprint - Katalog zur Ausstellung bei ABEL Neue Kunst, Berlin, 2006
Rezeption
Kirschs kritische Position steht im Vordergrund, wenn Ulrike Brandenburg im Wiesbadener Kurier zur Ausstellung im Bellevuesaal Wiesbaden schreibt, Kirsch bremse „Stilistisch folgerichtig in virtuosen wie in jedem Sinne realistischen Gemälde das Prinzip uneingeschränkter Mobilität aus“.Ausstellungskatalog Bellevue Saal 2010-2011, Seite 32 https://www.koelnlink.de/2018/bilder/presse/bellevue_wiesbadener_1300.jpg Die formalen Aspekte seiner Malerei benennt Emmanuel von Stein im Kölner Stadtanzeiger. Kirsch analysiere „malerisch die Aggregatzustände sich verformender Materialien“.Artikel im Kölner Stadtanzeiger, Emmanuel von Stein: Hier trifft man kein Zeichen zwei Mal an https://www.koelnlink.de/2018/presseartikel.php#ksta Michael Weiser weist im Nordbayrischen Kurier auf die Verschmelzung der einzelnen Bildformate zu einem Gesamtpanorama hin, dass zuletzt wie eine Antwort auf die mediale Präsenz der Nachrichtenbilder erscheine.Artikel im Nordbayrischer Kurier, Michael Weiser: Von Unfällen und Werken, die sich selbst erschaffen https://www.koelnlink.de/2018/presseartikel.php#bayreuth_2 Die Kunsthistorikerin Sabine Schütz erwähnt in ihrer Eröffnungsrede im Kunstverein Viernheim den Bezug zu den medialen Bildwelten, derer sich Kirsch für seine Umsetzungen bedient und attestiert ihm eine distanziert-kritische, und zuweilen auch ironische Haltung. Zwar bediene sein Ansatz die „großen Sujets der postmodernen Kunst“ und seien insofern nicht neu, Kirsch habe aber „eine ganz eigene und neuartige Bildsprache erschaffen“.Sabine Schütz, REANIMATION, Katalog zur Ausstellung PAN kunstforum niederrhein, Emmerich, Seite 26, Unsafe at any Speed https://koelnlink.de/2018/reanimation_2023.pdf Peter Lodermeyer sieht in Kirschs Arbeit schließlich eine Gegenthese zum Futurismus eines Tommaso Marinetti. In seiner kritischen Haltung zeige Kirsch den Unfall als „gerne verdrängte Wahrheit der Technik“. In Bezug auf die Theorien des Kulturwissenschaftlers Aby Warburg betrachtet er Kirschs Verfaltungskompositionen als „Pathosformeln“ der technischen Moderne.Peter Lodermeyer, REANIMATION, Katalog zur Ausstellung PAN kunstforum niederrhein, Emmerich, Seite 8, https://koelnlink.de/2018/reanimation_2023.pdf
Ausstellungen (Auswahl) 1999 PHANTOM, Museum Albstadt, Katalog 1999 Goethe-Institut, Brüssel/Evere, Belgien 2001 Sammlung SK Köln 2003 The Merry Waitingroom, opening event, Kulturhauptstadt Graz 2003 Zu Hause bleiben, Installation, Moltkerei-Werkstatt, Köln 2004 Status Quo, Galerie Murata&friends, Berlin 2004 Temporary Bell Tone Laboratory, Pilotprojekt Gropiusstadt, Berlin 2004 Mit den Füßen zuerst, Galerie v.d. Milwe, Aachen 2005 cars and races, Galerie Foert/Garanin, Berlin 2006 Rhythmus der Statistik, Galerie Rachel Haferkamp, KölnABEL Neue Kunst 2006 2006 Rhythmus der Statistik, Abel Neue Kunst, Berlin 2007 Gropius Stories, Galerie im Körnerpark, Berlin 2008 Im Konjunktiv der Dinge, Galerie Jürgen Kalthoff, Essen 2008 Passagen, Galerie Abel Neue Kunst, BerlinABEL Neue Kunst 2008 2008 Still Life Pieces, Artgalerie7, Köln 2009 Reanimation, Galerie Jürgen Kalthoff, Essen 2010 Leerlauf, zus. mit Max Scholz, Bellevuesaal WiesbadenWebarchiv | Bellevuesaal 2011 Hot Spot Berlin, Georg-Kolbe-Museum Berlin 2012 Das verortete Verlangen, Feuerwache Friedrichshain, Berlin 2012 Abstracts, Art Galerie 7, Köln 2013 Subversion und Abgrund, Spor Klübü, Berlin 2013 Der Maler im Dunkel, Kunstverein ViernheimWebarchiv | Kunstverein Viernheim 2013 Ostrale – Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste, Dresden, KatalogKatalogbeitrag | Ostrale 2013 2014 phantoms, Kunstverein Bayreuth/Kunstmuseum BayreuthWebarchiv | Kunstmuseum Bayreuth|Kunstverein Bayreuth/Kunstmuseum Bayreuth 2014 Watercolors, Artgalerie7, Köln 2015 Moto Park, Kunstverein Eisenturm MainzEinladungskarte | Kunstverein Mainz PDF 2017 Glanz und Gloria, Künstler der Galerie, Artgalerie7, Köln 2017 Feriengäste, Groupshow, Labor Ebertplatz, Köln 2017 8+1, Groupshow, Studio Victor Dahmen, Köln 2018 Schemen, Petersburger Raum für Kunst, Köln 2018 Das kleine Format, Raumsechs, Düsseldorf 2018 Phantome, Cisrcus1, Susanne Burmester Galerie, Putbus 2019 Souterrain, Labor Ebertplatz, Köln 2019 Wasserspiele, Groupshow, Artgalerie7, Köln 2019 Schemen, Adahan-1 Galeri, Istanbul Biennale 2020 Nachtschatten, Oberwelt, Stuttgart 2020 Schemen, Bunker K101, Hochbunker Körnerstraße, Köln 2021 Lichtbilder, Petersburger Raum für Kunst, Köln 2022 REANIMATION, PAN kunstforum niederrhein, Emmerich
Auszeichnungen und Stipendien 2001: Otzenrath Stipendium, Hausmuseum Otzenrath
Veröffentlichungen R.J.Kirsch/Dietmar Pokoyski: Ultinet art: 10 Jahre Ultimate Akademie; 1987–1997. Krash-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-927452-87-4 Jörg Becker: Phantom. R. J. Kirsch. Städtische Galerie Albstadt, 1999 PDF, 2MB Peter Gerlach: Rhythmus der Statistik. 2006. (online auf: peter-gerlach.eu) ABEL Neue Kunst: R.J.Kirsch, RHYTHUS DER STATISTIK, Ausstellungskatalog, ABEL Neue Kunst, Berlin 2007, PDF, 3MB Kunstverein Viernheim: R.J.Kirsch, PHANTOM, Katalog zur Ausstellung PHANTOM, Kunstverein Viernheim 2013 PDF, 3MB Bunker K101: R.J.Kirsch, SCHEMEN, Katalog zur Ausstellung SCHEMEN, Bunker K101, Köln, 2020 PDF, 3MB PAN kunstforum Emmerich R.J.Kirsch, REANIMATION, Katalog zur Ausstellung REANIMATION, PAN kunstforum Emmerich, 2022 PDF, 1,5MB in Vorbereitung: REANIMATION, Claus Richter Verlag, Köln, mit einem Vorwort von Peter Lodermeyer und Texten unter anderem von Sabine Schütz, Clemens Ottnad und weiteren Autoren, 2022 PDF, 15 MB
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