Das Durchschnittseinkommen ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die den Mittelwert aller Bruttoeinkommen der Erwerbstätigen wiedergibt.

Allgemeines Das Durchschnittseinkommen ist also jenes Einkommen, das auf jede erwerbstätige Person entfallen würde, wenn das gesamte Einkommen aller Personen gleichmäßig auf alle erwerbstätigen Personen aufgeteilt würde.Andreas Quatember: Statistik ohne Angst vor Formeln, 2011, S. 35 Zugrunde gelegt wird das Bruttoeinkommen, weil die Abzüge höchst individuell sind und einen Vergleich von Nettoeinkommen erschweren würden.

Die Aggregate Bruttonationaleinkommen oder Volkseinkommen sind als solche wenig aussagekräftig. Ein Vergleich (etwa das Bruttoeinkommen zwischen Berufen oder einer Privatperson im Inland im Vergleich zum Ausland) ist nur beim Durchschnittseinkommen möglich.

Das Durchschnittseinkommen wird oft mit dem Mittleren Einkommen (Median) verwechselt.

Ermittlung Das Durchschnittseinkommen wird aus dem arithmetischen Mittel aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse in Deutschland vom Statistischen Bundesamt berechnet. Das Einkommen wird nach Wirtschaftszweigen oder Einkunftsarten (Arbeitseinkommen, Kapitaleinkommen) differenziert. Dabei wird dem arithmetischen Mittel eine bestimmte Einkommensart in Bezug auf die Anzahl der Einkommensbezieher zugrunde gelegt, um dieser Kennzahl mehr Aussagekraft zu verleihen.

Die Beziehungszahl des Durchschnittseinkommens errechnet sich durch die Gegenüberstellung des Bruttoeinkommens mit der Zahl der Erwerbstätigen : . Anstelle des Bruttoeinkommens kann auch das Bruttonationaleinkommen oder Volkseinkommen – mit den erläuterten Nachteilen – als Zähler gewählt werden.

Bei der Berechnung des Durchschnittswertes werden alle Bruttoeinkommen summiert und anschließend durch die Anzahl der Einkommensbezieher geteilt. Das hat zur Folge, dass überdurchschnittlich hohe oder niedrige Einkommen den Wert verfälschen. Der Median des Durchschnittseinkommens ist ein zentraler Wert, der genau in der Mitte aller Löhne/Gehälter liegt. Das bedeutet, dass genau 50 % der Einkommen über dem Median und 50 % der Einkommen unter dem Median liegen müssen. Die Durchschnittslage ist derjenige Prozentsatz der Privathaushalte, die weniger als das Durchschnittseinkommen verdienen, Zentralwert ist der absolute Durchschnitt und Modalwert das häufigste Einkommen.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2002, S. 307

Statistik Das jährliche Bruttoeinkommen lag 2021 in Deutschland in Form des Durchschnittseinkommens bei 43.722 Euro. Das bedeutet, dass vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im Durchschnitt monatlich 3.644 Euro brutto verdient haben. Betrachtet man alle Arbeitnehmer in Deutschland, also auch alle Arbeitnehmer in Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung, lag das Durchschnittseinkommen im gleichen Jahr bei rund 3.199 Euro im Monat. Das Durchschnittseinkommen aller Arbeitnehmer betrug monatlich 2.165 Euro (Nettoeinkommen).

Das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen wurde 2021 in ausgesuchten Staaten wie folgt angegeben:Laenderdaten.info, Das durchschnittliche Jahreseinkommen 2021

Staat Bruttoeinkommen 2021 in Euro 56.451 48.448 43.722 40.115 16.250 29.694 34.223 50.018 70.447 7.594 51.005 61.467 47.177 14.490 83.011 27.483 12.726 45.570 63.193

Auch hier zeigt sich der Effekt, dass in Kleinstaaten die Werte sehr viel höher liegen als in Flächenstaaten.

Verwendung Allgemein Mit Hilfe des Durchschnittseinkommens kann jeder Arbeitnehmer sein eigenes Einkommen besser einordnen, Unternehmen können hiermit im Marketing das Marktpotenzial für die mögliche Güternachfrage ermitteln. Es bildet zudem auch die wichtigste Grundlage für die Ermittlung des Gender-Pay-Gap.

Rentenversicherung Die gesetzliche Rentenversicherung verwendet das Durchschnittseinkommen sowohl zur Berechnung der Entgeltpunkte als auch zur Ermittlung des Standardrentenniveaus.Sozialgesetzbuch (SGB) Sechstes Buch (VI), Gesetzliche Rentenversicherung, 1989, o. S. Die Entgeltpunkte sind entscheidend für die individuelle Rentenhöhe. Sie errechnen sich aus dem versicherten Arbeitsentgelt, indem das persönliche Entgelt zum Durchschnittsentgelt eines Kalenderjahres ins Verhältnis gesetzt wird. Bei der Rentenberechnung wird dieses Entgelt Jahr für Jahr zu dem jeweiligen Durchschnittsentgelt aller Arbeitnehmer ins Verhältnis gesetzt. Dieser Wert wird als Entgeltpunktwert des entsprechenden Jahres bezeichnet.Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.), Rente: So wird sie berechnet (alte Bundesländer), 2023, S. 4 f. Die Rechtsgrundlage für die Heranziehung des „Durchschnittsentgelts“ ist SGB VI.

Messung der Armut Einkommensarmut wird in den EU-Mitgliedstaaten in Armutsstudien bei einem Einkommen von 50 % des Durchschnittseinkommens angenommen, 40 % ist die Grenze für starke Armut, 60 % für schwache Armut (Armutsnähe).Ute Arentzen/Eggert Winter, Gabler Wirtschafts-Lexikon, Band 1, 1997, S. 266 Andere Teile der Fachliteratur sehen die Armutsgrenze () bereits bei 15 % des Durchschnittseinkommens.Eggert Winter/Katrin Alisch/Ute Arentzen, Gabler Wirtschafts-Lexikon, Band 1, 2004, S. 199 Geringes Einkommen bedeutet geringe Kaufkraft, so dass im Extremfall nicht einmal die Grundbedürfnisse Gesundheit, Kleidung, Nahrung, Trinkwasser oder Wohnung befriedigt werden können. Zur Ermittlung von relativer Einkommensarmut wird häufig das mittlere Einkommen bevorzugt, da es im Gegensatz zum arithmetischen Mittel unempfindlicher gegenüber Extremwerten ist.

Nach der Definition der Weltbank sind Menschen extrem arm, wenn sie weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben.

Abgrenzung Das Durchschnittseinkommen ist vom Pro-Kopf-Einkommen abzugrenzen. Letzteres stellt das jährliche Bruttoeinkommen aller Einwohner eines Staates dar. Anstelle des Bezugswerts „Erwerbstätige“ wird für das Pro-Kopf-Einkommen die Einwohnerzahl verwendet, was auch jene Einwohner einbezieht, die nicht erwerbstätig sind.

Weblinks GeVestor vom 22. Juni 2022, Durchschnittseinkommen in Deutschland – Definition, Höhe & Statistik

Siehe auch Äquivalenzeinkommen Mittleres Einkommen

Weblinks/Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Einkommen Kategorie:Volkswirtschaftslehre Kategorie:Volkswirtschaftliche Kennzahl