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Obwohl Portugiesisch und Spanisch eng verwandt sind – bis zu einem gewissen Grad gegenseitiger Verständlichkeit –, gibt es auch entscheidende Unterschiede, die für Personen, welche eine der beiden Sprachen beherrschen und die andere lernen wollen, Schwierigkeiten darstellen können. Beide sind Teil einer größeren, als westiberische Sprachen bekannten Gruppe, der noch andere Sprachen oder Dialekte mit weniger Sprechern angehören, wobei alle zu einem gewissen Grad gegenseitig verständlich sind.

Die deutlichsten Unterschiede liegen in der Aussprache. Die geschriebenen Sprachen sind oft signifikant gegenseitig verständlicher als die gesprochenen. Zum Vergleich folgender Satz:

A buen entendedor pocas palabras bastan (Spanisch ) und Para bom entendedor, poucas palavras bastam (brasilianisches Portugiesisch , europäisches Portugiesisch ), deutsch etwa „Dem Weisen genügt ein Wort.“

Es gibt einige auffällige Verschiedenheiten zwischen brasilianischem und europäischem Portugiesisch, ebenso wie es sie zwischen britischem und amerikanischem Englisch oder europäischem und lateinamerikanischem Spanisch gibt. Im Artikel besonders erwähnt werden diese Unterschiede nur, wenn:

brasilianisches und europäisches Portugiesisch nicht bloß untereinander, sondern auch von Spanisch verschieden sind; sowohl europäisches als auch lateinamerikanisches Spanisch sich nicht nur untereinander, sondern auch vom Portugiesischen unterscheiden; oder entweder brasilianisches oder europäisches Portugiesisch sich vom Spanischen in der Syntax unvereinbar unterscheidet (während der jeweils andere Dialekt dies nicht tut).

Beispiele Portugiesisch und Spanisch teilen eine große Zahl an Wörtern, die entweder gleich buchstabiert (wenngleich eventuell recht unterschiedlich ausgesprochen), fast gleich buchstabiert werden (wenn sie auch mehr oder minder gleich ausgesprochen werden) oder ähnlich vorhersagbar sind. Als Beispiel dient hier folgender Absatz aus der von Manuel Seco (Espasa Calpe, 1989), zu vergleichen mit der portugiesischen Entsprechung darunter, was die beträchtliche lexikalische Ähnlichkeit und lediglich geringfügige Änderungen der Wortstellung verdeutlicht:

Einige sehr geläufige Wörter unterscheiden sich jedoch erheblich in den beiden Sprachen, etwa:

Bedeutung Spanisch Portugiesisch Herkünfte Anmerkungen Laden, Geschäft tienda loja vulgärlat. *TENDAM (< TENDERE); aus altfranz. loge ‚Hütte, Galerie, Vorhalle, gedeckter Vorbau‘ Hauptbedeutung von port. tenda ist ‚Zelt‘ (auf Spanisch kann tienda auch ‚Zelt‘ heißen). Span. lonja ‚Markt‘ ist selten. Knie rodilla joelho vlat. ROTELLAM ‚Kniescheibe‘; *GENUCULUM ‚Knie‘ Gelehrtes rótula ‚Kniescheibe‘ auf Spanisch und Portugiesisch ist etymologisch mit volkstümlich span. rodilla verwandt. Das span. Idiom de hinojos ‚kniend‘ hat dieselbe Wortgeschichte wie port. joelho. Straße calle rua lat. CALLEM ‚Pfad‘; (VIAM) RUGAM ‚Weg mit Spuren‘ Span. rúa und port. calhe existieren ebenfalls, sind jedoch seltener (und ihre Formen zeigen an, dass sie eher Anleihen aus der anderen Sprache sind als Überbleibsel aus dem Lateinischen). Fenster ventana janela Ableitung von vento ‚Wind‘; IĀNUELLA (IĀNUA+ELLA) Span. vento heißt ‚Wind‘, ventana ist abgeleitet ‚Windöffnung‘. Port. janela stammt von lat. IĀNUELLA, Diminutivbildung zu IĀNUA ‚Haustür, Öffnung‘, mit gleicher Wurzel wie deutsch Januar (ursprünglich vom Gottesnamen IANUS ‚Gott der Türen, des Ein- und Ausgangs‘). Das span. Erbwort hiniestra ist veraltet und sein port. Kognat fresta (aus altport. fẽestra ‚Fenster‘) hat seine Bedeutung zu ‚Ritze; Guckloch‘ gewandelt. löschen borrar apagar von borra abgeleitet, aus spätlat. BURRA ‚grober Wollstoff‘; lat. ADPĀCĀRE Dasselbe Wort borrar existiert auf Port., bedeutet aber ‚beschmutzen‘ (z. B. está borrado ‚es ist verschmutzt‘, vgl. span. borroso ‚unklar‘); und span. apagar heißt ‚ausschalten‘ (eine auch im Portugiesischen vorkommende Bedeutung, etwa bei apagar a luz ‚das Licht ausschalten‘). vergessen olvidar esquecer vlat. *OBLĪTARE; EXCADĒSCERE ‚abfallen, loswerden‘ Olvidar gibt es auch wesentlich weniger gebräuchlich im Portugiesischen wie auch die gelehrten Wörter obliterar und obliviar, was auch franz. oublier, okz./katal. oblidar, rumän. uita entspricht. Esquecer kann verglichen werden mit sardisch scadèsciri, iscadèssere.

Wortschatz Überblick Wortschatzabweichungen zwischen beiden Sprachen entwickelten sich durch folgende Faktoren:

Arabischer Einfluss. Spanisch behielt viel vom mozarabischen Vokabular arabischen Ursprungs, wohingegen das mozarabische Element geringeren Einfluss auf das Portugiesische hatte. So finden sich Fälle, in denen das gewöhnliche spanische Wort dem Arabischen entstammt, während die portugiesische Entsprechung ein lateinischer oder keltischer Abkömmling ist, beispielsweise: Sp. albañil, Port. pedreiro „Steinmetz“; Sp. alcalde, Port. presidente da câmara (Portugal)/prefeito (Brasilien) „Bürgermeister“; Sp. alfarero, Port. oleiro „Töpfer“; Sp. alfil, Port. bispo („Läufer“ beim Schach; port. zudem „Bischof“, wofür man spanisch obispo sagt), Sp. rincón, Port. canto „Ecke“; Sp. tazón, Port. bacia „Bassin“ usw. In einigen dieser Fälle kann es im Spanischen ein weniger gebräuchliches Synonym lateinischen, auf Portugiesisch ein solches arabischen Ursprungs geben. Einflüsse weiterer europäischer Sprachen während des Mittelalters und der Renaissance. Portugiesisch wurde starker französischer Einfluss zuteil, wohingegen Spanisch autonomer und eher dem Mittelmeer zugewandt war. Einflüsse anderer Sprachen (amerindische, afrikanische, asiatische). Als Beispiel die jeweiligen gebräuchlichen spanischen/portugiesischen Wörter für: „Ananas“: piña (vom span. Wort für „Kienapfel“) / abacaxi (von Tupí ibakatí) oder ananás (ananá(s) auch Spanisch, wenngleich unüblicher; von Tupí–Guaraní (a)naná; Spanisch über Portugiesisch). „Tabakpfeife“: pipa (wahrscheinl. Spätlatein PĪPA) / cachimbo (von Kimbundu kixima).Cândido Figueiredo: Dicionário da Língua Portuguesa. Mérito, Rio de Janeiro 1949. Francisco da Silveira Bueno: Grande Dicionário Etimológico-Prosódico da Língua Portuguesa. Saraiva, São Paulo 1964 „Tee“: té (vom Min Nan (Amoy) tê) / chá (von Kantonesisch (Macau)). Bedeutungswandel, der sich ähnelnde Kognaten hervorbringt, welche jedoch verschiedenes bedeuten (falsche Freunde): diseñar heißt „entwerfen“ auf Spanisch, während sein port. Kognat desenhar „zeichnen“ bedeutet. Ebenso heißt dibujo „Zeichnung“ auf Spanisch, debuxo allerdings „Sketch“ auf Portugiesisch (auch wenn es eher schriftsprachlich ist und großteils durch rascunho ersetzt wurde; vgl. Spanisch rasguño: „Kratzer“). Wörter haben zwei Formen: Port. criar geht einher mit span. crear „erschaffen“ und criar „aufziehen“, während spanisch sueño sowohl mit port. sonho „Traum“ als auch sono „Schlaf“ korrespondiert.

Wochentage Anders als andere romanische Sprachen gebraucht Neuportugiesisch nicht das römische planetarische System für die Wochentagsnamen Montag bis Freitag. Stattdessen werden die Werktage einfach durchgezählt und entstammen der kirchenlateinischen Wochenrechnung (z. B. FERIA SECUNDA ‚Montag‘, FERIA TERTIA ‚Dienstag‘ usw.). Der Begriff feira, mit Grundbedeutung ‚Messe, Markt‘ (aus lateinisch FERIA), bezieht sich auf den (röm.-katholischen) liturgischen Sprachgebrauch; er ist verwandt mit (gelehrt) férias ‚Urlaub‘ und feriado ‚Feiertag‘. Im Spanischen sind die Wochentage alle maskulin; auf Portugiesisch sind die feiras feminin, während sábado und domingo maskulin sind. Spanisch Altportugiesisch Portugiesisch Deutsch lunes (< vulgärlat. LŪNIS DIĒS ‚Tag der Mondgöttin Luna‘) lũes segunda-feira ‚zweite Feria‘ Montag martes (< vlat. MARTIS DIĒS ‚Tag des Mars‘) martes terça-feira ‚dritte Feria‘ Dienstag miércoles (< vlat. MERCORIS DIĒS ‚Tag des Merkur‘) mércores quarta-feira ‚vierte Feria‘ Mittwoch jueves (< vlat. IOVIS DIĒS ‚Tag des Jupiter‘) joves quinta-feira ‚fünfte Feria‘ Donnerstag viernes (< vlat. VENERIS DIĒS ‚Tag der Venus‘) vernes sexta-feira ‚sechste Feria‘ Freitag sábado (< lat. SABBATUM ‚Sabbat‘) Samstag domingo (< lat. DOMINICUS (DIĒS)) (m. sg.)‚Tag des Herrn‘; cf. DOMINICA (DIĒS) (f. sg.) Sonntag

Der Tagsname terça-feira (< nach kirchenlat. FERIA TERTIA) weicht in seinem Vorderglied vom gewöhnlichen port. Zahlwort für ‚dritter/e/es‘, terceiro, ab.

Umgangssprachlich wird das Hinterglied feira oftmals weggelassen:

Vou visitar-te na segunda. (EP) Vou te visitar na segunda. (EP und BP) „Ich werde dich am Montag besuchen.“

Verwandte Neben einer bedeutenden Anzahl falscher Freunde gibt es ebenfalls einige Kognaten, deren Bedeutung in einer Sprache weiter gespannt ist als in der anderen. Einige Beispiele:

Todo und tudo Das spanische Indefinitpronomen todo kann „alle/jeder“ oder „alles“ heißen. Portugiesisch differenziert zwischen todo („alle/jeder“) und tudo („alles“) (gebraucht wenn es sich auf ein Neutrum, unbestimmtes Objekt oder eine Abstraktion bezieht).

Todos los insectos tienen seis patas. (spanisch) Todos os insetos têm seis patas. (portugiesisch) „Alle Insekten haben sechs Beine.“

El ladrón robó todo. (spanisch) O ladrão roubou tudo. (portugiesisch) „Der Dieb stahl alles.“

Muy, mucho und muito Spanisch unterscheidet das Adjektiv mucho („viel/viele“) vom Adverb muy („sehr/ziemlich“). Portugiesisch nutzt muito für beides (das Kognat mui existiert noch im Portugiesischen, wird jedoch in der gesprochenen Sprache kaum gebraucht, außer in sehr formalen Kontexten).

Tomé muchas fotos durante el viaje. (spanisch) Tirei muitas fotos durante a viagem. (portugiesisch) „Ich habe viele Bilder während der Reise gemacht.“

Las cerezas están muy maduras. (spanisch) As cerejas estão muito maduras. (portugiesisch) „Die Kirschen sind ziemlich reif.“

Als Adjektiv wird muito gemäß Genus und Numerus des bezeichneten Nomens gebeugt, wie mucho. Als Adverb ist es unveränderlich wie muy. Somit wäre es inkorrekt, *muitas maduras im zweiten Beispiel zu sagen.

Kardinalzahlen Die Kardinalzahlen sind im Spanischen und Portugiesischen sehr ähnlich, allerdings bestehen Unterschiede im Gebrauch von eins und zwei. Spanisch kennt verschiedene Wörter für den unbestimmten Artikel Singular Maskulinum („ein“) und den numerischen („eins“), also un capítulo („ein Kapitel“), aber capítulo uno („Kapitel eins“). Auf Portugiesisch sind beide Wörter identisch: um capítulo und capítulo um. Spanisch uno kann auch als Pronomen gebraucht werden, wie Deutsch „man“, um ein unbestimmtes Subjekt zu bezeichnen, was jedoch nicht beim portugiesischen um geht; stattdessen wird das Reflexivpronomen se verwendet. Se kann auf Spanisch zur Formung passiver und unpersönlicher Konstruktionen ebenso benutzt werden.

Uno (oder Se) debe pensar antes de actuar. (spanisch) Deve-se pensar antes de agir. (portugiesisch) „Man sollte erst denken, dann handeln.“

Dies gilt noch für Fälle, wo ein relativ unbestimmtes Subjekt mit einem Genus belegt wird, wie Spanisch todos a una [voz] („alle zugleich“, wörtl. „alle mit einer [Stimme]“). Portugiesisch sollte es ohne Kardinalzahl stehen. Z. B. todos juntos („alle gemeinsam/zugleich“).

Andererseits wird im Portugiesischen die Kardinalzahl „zwei“ nach Genus dekliniert (dois maskulin, duas feminin), während Spanisch dos für beides nimmt.

Uno más uno es igual a dos. (spanisch) Um mais um é igual a dois. (portugiesisch) „Eins und eins ist zwei.“

Dos cabezas piensan mejor que una. (spanisch) Duas cabeças pensam melhor que uma. (portugiesisch) „Zwei Köpfe denken besser als einer.“

Tengo dos hermanos y dos hermanas. (spanisch) Tenho dois irmãos e duas irmãs. (portugiesisch) „Ich habe zwei Brüder und zwei Schwestern.“

Konjunktionen