Thessalos von Tralleis († spätestens 79), latinisiert Thessalus, war ein griechischer Arzt aus Karien. Er lebte und wirkte in Rom und war als Nachfolger Themisons der führende Vertreter der medizinischen Schule der Methodiker.
Leben Die wenigen bekannten Tatsachen seines Lebens werden von den ebenfalls in Rom wirkenden Gelehrten Plinius dem Älteren und von Galen überliefert.Ferdinand Peter Moog: Galen liest „Klassiker“ – Fragmente der schöngeistigen Literatur des Altertums im Werk des Pergameners. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2020), S. 7–24, hier: S. 21. Thessalos stammte aus TralleisGalen, Band XIV, Galeno ascripta Instructio seu Medicus, Cap. IV. und verbrachte als Sohn eines wenig begüterten (μοχδηρώς = elend, kummervoll) Vaters die Jugend Wolle zupfend im Frauenhaus.Galen, Band X, Galeni Methodi Medendi, Liber I, Cap. II. Trotzdem gelang ihm der Aufstieg zum bekannten und als Praktiker erfolgreichen Arzt.Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771). 6. Auflage. Philipp Reclam jun., Leipzig 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 18 f., 51 und 180. Er richtete einen Brief an Kaiser Nero, in dem er sich rühmte, eine medizinische Schule gegründet zu haben, die alle vorangegangenen übertreffe.Galen, Band X, Galeni Methodi Medendi, Liber I, Cap. II. Das Gefolge, mit dem er in der Öffentlichkeit auftrat, übertraf das der Schauspieler und Rennfahrer seiner Zeit und sein Grabmal auf der Via Appia ließ er mit der Aufschrift iatronicen („Besieger der Ärzte“, „Sieger unter allen Ärzten“) versehen.Plinius, Naturkunde, Buch XXIX, 9.
Rezeption Caelius Aurelianus bezeichnet ihn als unus e principibus nostris, also als einen der führenden Ärzte der Methodiker.Caelius Aurelianus, De morbis acutis II, 37. Kapitel. Er zitiert aus zwei Büchern (De regulis, „Über die gesunde Lebensweise“) und erwähnt ein Buch über Chirurgie. Insgesamt nennt er Thessalos aber weniger häufig als andere Ärzte der Methodiker, weist ihm auch Behandlungsfehler nach und sogar proterua festinatio (= unverantwortliche Übereilung).Caelius Aurelianus, De morbis chronicis II, 1. Kapitel.
Auch Galen spricht sich häufig negativ über Thesallos aus, insbesondere über seine Lehrtätigkeit. Ihn empört das Versprechen, die ärztliche Kunst mehreren Schülern zugleich in sechs Monaten vermitteln zu können.Galen, Band X, Galeni Methodi Medeni, Liber I, Cap II. Allerdings ist das negative Urteil Galens nicht frei von Berufsneid. Thessalos hat die methodische Schule weiterentwickelt, insbesondere die Trennung der Behandlung der akuten und chronischen Krankheiten,Theodor Meyer-Steineg: Das medizinische System der Methodiker, Thessalos von Tralles die er erstmals deutlich voneinander unterschied.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 11.
Von den Werken des Thessalos, die auch Galen erwähnt, hat sich nichts erhalten. Nach Caelius Aurelianus wird er nicht mehr erwähnt. Ob der erhaltene astrologisch-medizinische Traktat, der mit Thessalos in Verbindung gebracht wurde, von ihm stammt, ist fraglich.
Quellen Caelius Aurelianus: De morbis acutis et chronicis, herausgegeben von Gerhard Bendz, Berlin 1990. Galen: Claudii Galeni opera omnia, herausgegeben von Karl Gottlob Kühn, Leipzig 1821. C. Plinius Secundus der Ältere, Naturkunde. Buch XXIX. Herausgegeben und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Joachim Hopp. Darmstadt 1991.
Literatur Hans-Veit Friedrich (Hrsg.): Thessalos von Tralles, griechisch und lateinisch, Meisenheim am Glan 1968. Theodor Meyer-Steineg: Das medizinische System der Methodiker, Jena 1916.
Véronique Boudon-Millot: Thessalos de Tralles. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 6, CNRS Éditions, Paris 2016, ISBN 978-2-271-08989-2, S. 1137–1141 Wolfgang Wegner: Thessalos von Tralleis. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1395.
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Kategorie:Mediziner der Antike Kategorie:Person (Römisches Reich) Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Mann