Bernhard Klee (* 19. April 1936 in Schleiz; † 10. Oktober 2025 in Kreuzlingen, Schweiz) war ein deutscher Dirigent und Pianist. Als Orchesterleiter erlangte er internationales Ansehen.

Nachdem er mit 29 Jahren Generalmusikdirektor in Lübeck geworden war, führten ihn Verpflichtungen zu sinfonischen Klangkörpern, so war er Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie in Hannover (1976–1979 und 1991–1995) und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen (1992–1997). Als Generalmusikdirektor wirkte er von 1977 bis 1987 in Düsseldorf. Ab den 1970er Jahren war er als ständiger Gastdirigent eng mit der britischen BBC verbunden, zuletzt gastierte er beim Philharmonischen Staatsorchester Halle.

Klee gilt als anerkannter Mozart-Interpret, dessen Schallplattenaufnahmen mit dem Deutschen Schallplattenpreis und der Wiener Flötenuhr ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus machte er sich um die Aufführung moderner und zeitgenössischer Musik verdient, u. a. brachte er Werke von Hans Werner Henze (Ode an eine Äolsharfe) und Sofia Gubaidulina (Märchenpoem) zur Uraufführung.

Leben Herkunft und Studium mini|Leipziger Thomanerchor (1953) Bernhard Klee wurde 1936 im thüringischen Schleiz geborenAlain Pâris: Klassische Musik im 20. Jahrhundert. Instrumentalisten, Sänger, Dirigenten, Orchester, Chöre. 2., völlig überarbeitete Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997, ISBN 3-423-32501-1, S. 407f. und wuchs zunächst in Jena auf.

Klee lernte Klavier, Violine und Kontrabass und war unter Thomaskantor Günther Ramin von 1948 bis 1955 Mitglied im Leipziger Thomanerchor, zuletzt als Präfekt.Wolf-Eberhard von Lewinski: Erfahrungen eines Gastdirigenten. Gespräch mit Bernhard Klee. In: Fono Forum 10/1976, S. 920–924, hier: S. 920. Im Alter von zehn Jahren hörte er seine erste Mozart-Oper (Le nozze di Figaro), was ihn fortan prägen sollte.Robert Croan: Conductor Klee. From Choir to Podium. In: Pittsburgh Post-Gazette, 24. April 1997. Nach dem Abitur 1955 an der Thomasschule zu Leipzig studierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik Köln, wo Günter Wand (Orchesterleitung), Else Schmitz-Gohr (Klavier) und Maurits Frank (Kammermusik) zu seinen Lehrern gehörten. Später hob er hervor, dass es vor allem Fritz Schieri war, der ihn handwerklich auf den Dirigentenberuf vorbereitet hatte.Wolf-Eberhard von Lewinski: Erfahrungen eines Gastdirigenten. Gespräch mit Bernhard Klee. In: Fono Forum 10/1976, S. 920–924, hier: S. 924.

Berufliche Anfänge Im Jahr 1957 begann er seine Karriere als Korrepetitor an den Städtischen Bühnen Köln, deren Generalmusikdirektor Otto Ackermann war. 1958 wechselte er an das Stadttheater Bern. Der Kölner Generalmusikdirektor Wolfgang Sawallisch holte ihn zurück an den Rhein und machte ihn zu seinem Assistenten. Sein Debüt als Dirigent gab Klee 1960 in der Oper Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart; die Solisten waren seinerzeit Elisabeth Grümmer, Edith Mathis, Fritz Wunderlich und Franz Crass.

Danach durchlief er erste Kapellmeisterstationen an den Theatern Salzburg (1962/63), Oberhausen (1963–1965) und Hannover (1965/66).Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn, Dennis McIntire: Klee, Bernhard. In: Laura Kuhn (Hrsg.): Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Band 3: Haar–Levi. 9. Ausgabe. Schirmer Reference, New York 2001, ISBN 0-02-865528-1, S. 498.

Generalmusikdirektor in Lübeck Von 1966 bis 1973 wirkte er in der Nachfolge von Gerd Albrecht als Generalmusikdirektor in Lübeck. Nach Klaus Matthias, der ihn als „einen begnadeten Mozart-Dirigenten“ bezeichnete, widmete er sich in Lübeck erstmals intensiv der Musik Haydns und Mozarts, aber auch Beethovens und Brahms. Außerdem führte er zweijährlich die Brucknerpflege fort und griff erneut die Sinfonien Gustav Mahlers auf. Weiterhin gestaltete er einen Sibelius-Zyklus. Entsprechend wurde er „in besonderem Maße der historisch begründeten Ausrichtung Lübecks nach Skandinavien gerecht“, wie Matthias betonte. Darüber hinaus ließ er auch andere Vertreter der Romantik sowie der klassischen Moderne, etwa Igor Strawinsky, Béla Bartók und Dmitri Schostakowitsch spielen. Nicht zuletzt beachtete er bisher eher vernachlässigte barocke und vorklassische Komponisten, was Matthias auf seine Thomanerzeit zurückführte. Wiederholt trat auch seine Frau, die bekannte Sopranistin Edith Mathis, in Lübecker Konzerten auf. Ab 1967 etablierte Klee Vorkonzerte und später Werkeinführungen zu modernen Stücken von Karl Amadeus Hartmann und Wolfgang Fortner. Seine Konzertreihe „Musik der Zeit“ zeigte „avantgardistische Anläufe, die so offensichtlich vom Publikum abgelehnt werden und sich nicht halten können“. Ferner setzte er sich für Kinderkonzerte ein. 1973 löste er sich „in couragierter geistiger Unabhängigkeit vorzeitig“ von seinen Verpflichtungen in Lübeck.Klaus Matthias: Musikgeschichte Lübecks im 20. Jahrhundert. Kirchenmusik und Konzertwesen. In: Arnfried Edler, Heinrich W. Schwab (Hrsg.): Studien zur Musikgeschichte der Hansestadt Lübeck (= Kieler Schriften zur Musikwissenschaft, Band 31). Bärenreiter, Kassel u. a. 1989, ISBN 3-7618-0901-8, S. 177 ff., hier: S. 200f.

Gastdirigate und internationaler Durchbruch Im Jahr 1968 debütierte er beim Berliner Philharmonischen Orchester,Peter Muck: Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Erst- und Uraufführungen. Schneider, Tutzing 1982, ISBN 3-7952-0341-4, S. 458. mit dem er während der Amtszeit Karajans und Abbados wiederholt in Erscheinung treten sollte. Nach seinem Einstand 1979 beim Radio-Symphonie-Orchester Berlin war er in den 1980er Jahren regelmäßiger Gast bei dessen Symphoniekonzerten in der Berliner Philharmonie und im Haus des Rundfunks.Künstler: Klee, Bernhard. dso-berlin.de; abgerufen am 21. April 2020. Peter Ruzicka: 40 Jahre Radio-Symphonie-Orchester Berlin. 1946–1986. RSO, Berlin 1986.

mini|Londoner Royal Albert Hall (1986) Ein Gastspiel der Hamburgischen Staatsoper führte ihn 1969 mit Wagners Der fliegende Holländer zum Edinburgh Festival nach Schottland. 1971/72 war er Gastdirigent des BBC Symphony Orchestra in London,Friedrich Herzfeld (Hrsg.): Das neue Ullstein-Lexikon der Musik. Mit 5000 Stichwörtern, 600 Notenbeispielen. Neubearbeitete und aktualisierte Jubiläumsausgabe, Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1993, ISBN 3-550-06523-X. wo er mit Pierre Boulez zusammenarbeitete. Bei den Proms in der Royal Albert Hall in London dirigierte er in den 1970er Jahren neben dem BBC Symphony Orchestra (1972) auch das London Symphony Orchestra (LSO / 1973, 1975). In einem Interview erklärte er, dass er sich von den drei Londoner Orchestern, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitete,Wolf-Eberhard von Lewinski: Erfahrungen eines Gastdirigenten. Gespräch mit Bernhard Klee. In: Fono Forum 10/1976, S. 920–924, hier: S. 920. ganz besonders dem LSO verbunden fühlte.Wolf-Eberhard von Lewinski: Erfahrungen eines Gastdirigenten. Gespräch mit Bernhard Klee. In: Fono Forum 10/1976, S. 920–924, hier: S. 923 f. Sein Debüt am Royal Opera House in Covent Garden gab er 1972 mit der WiederaufnahmeCosì fan tutte - 21 December 1972 Evening. rohcollections.org.uk; abgerufen am 19. April 2020. von Mozarts Così fan tutte. Noch während seiner Düsseldorfer Jahre 1985 wurde Klee erster Gastdirigent des BBC Philharmonic Orchestra in Manchester, wo er bis 1989 tätig war.Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. In vier Bänden und einem Ergänzungsband. Ergänzungsband: A–Z. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schott, Mainz 1995, ISBN 3-7957-8359-3. Mit diesem trat er ab Mitte der 1980er Jahre regelmäßig bei den Proms auf.Performances of Bernhard Klee at BBC Proms. bbc.co.uk; abgerufen am 19. April 2020. 1991 gab er sein letztes Proms-Konzert.

Im Jahr 1973 trat er das erste Mal bei den Salzburger Festspielen auf,Norbert Tschulik: Chronik der Salzburger Festspiele 1973. In: Österreichische Musikzeitschrift 28 (1973) 9, S. 409f. bei denen er mit dem Mozarteum-Orchester sowie Robert Kerns (Bass) und Alexander Jenner (Klavier) Werke Mozarts interpretierte.2. Mozart-Matinee – Matineen-Ensemble des Mozarteum-Orchesters, Bernhard Klee. salzburgerfestspiele.at 1973; abgerufen am 14. Oktober 2025. Weitere Auftritte in Salzburg sollten folgen, etwa 1979 mit den Wiener Philharmonikern, als ihm Karajan drei Aufführungen der Jean-Pierre-Ponnelle-Inszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro überließ.Norbert Tschulik: Salzburger Festspiele 1979. In: Österreichische Musikzeitschrift, 34, 1979, 9, S. 435–438, hier: S. 438; Wolfgang A. Mozart Le nozze di Figaro, archive.salzburgerfestspiele.at; abgerufen am 19. April 2020. 1975 gab er sein dirigentisches Debüt im Wiener Musikverein, wo er wiederholt mit den Wiener Symphonikern und den Stockholmer Philharmonikern auftreten sollte.Suche im Konzertarchiv. musikverein.at; abgerufen am 25. April 2020.

Außerdem führte es ihn nach München, wo er in der musica-viva-Konzertsaison 1973/74 Werke Hartmanns und Henzes dirigierte. Karl Heinz Ruppel lobte ihn in der Süddeutschen Zeitung für sein präzises Dirigat.Karl Heinz Ruppel: Die Musica viva gedenkt ihres GründersBernhard Klee dirigiert Hartmann und Henze. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 279, 3. Dezember 1973, S. 14. Weitere Auftritte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks schlossen sich anRenate Ulm (Hrsg.): 1949–1999. 50 Jahre Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks, Bärenreiter, Kassel u. a. 1999, ISBN 3-7618-1395-3, S. 143 ff. u. a. beim Mozartfest Würzburg.Wilhelm Hilpert: Der Sieger muß ohne Gage spielen. Violinwettbewerb für den Nachwuchs beim 44. Würzburger Mozartfes. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 133, 13. Juni 1975, S. 17. Beeindruckt zeigte sich Joachim Kaiser von Klees Leistung beim 9. Rundfunksymphonieorchester-Konzert im Herkulessaal im Jahr 1976, die „ihn zum Dirigenten von Rang“ mache.Joachim Kaiser: Klee - und die Impressionisten. 9. Rundfunksymphonieorchester-Konzert im Münchner Herkulessaal. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 61, 13./14. März 1976, S. 12. In der Interimszeit zwischen Rudolf Kempe und Sergiu Celibidache war Klee dann einer der Gastdirigenten bei den Münchner Philharmonikern.Gabriele E. Meyer: Dirigenten/Ur- und Erstaufführungen der Münchner Philharmoniker 1893–1973. In: Regina Schmoll gen. Eisenwerth (Hrsg.): Die Münchner Philharmoniker. Von der Gründung bis heute. Wolf, München 1985, ISBN 3-922979-21-1, S. 431–446, hier: S. 432. Anlässlich seiner ersten Münchner Opernfestspiele 1979 leitete er im Cuvilliés-Theater die Premiere von Mozarts La finta giardiniera; die Inszenierung übernahm Ferruccio Soleri.Erik Werba: Premieren bei den Münchner Opernfestspielen. In: Österreichische Musikzeitschrift 34 (1979) 9, S. 444f.

Nachdem sich Daniel Barenboim in der Saison 1973/74 in Folge eines Orchesterstreiks vorzeitig von seiner Verpflichtung bei den New Yorker Philharmonikern zurückgezogen hatte,John Canarina: The New York Philharmonic: From Bernstein to Maazel. Amadeus Press, New York 2010, ISBN 978-1-57467-188-9, S. 91. konnte Klee hier in der Avery Fisher Hall sein US-Debüt geben. Harold C. Schonberg von der New York Times bewertete seine Darbietung von Werken Webers, Hartmanns und Mahlers als grundsolide, aber wenig einfallsreich, wobei ihm auch das Programm entgegengestanden habe.Harold C. Schonberg: Music: Bernhard Klee Makes Debut at Philharmonic. In: The New York Times. Band 20, April 1974, S. 16. Klee wurde in der Folge zu weiteren großen US-amerikanischen Orchestern (Washington, D.C., Chicago, San Francisco, Cleveland, Pittsburgh u. a.) eingeladen.Kenneth Herman: German Maestro a Champion of Newer Music. In: Los Angeles Times. 22. Januar 1988. Beim Pittsburgh Symphony Orchestra war er in den 1990er wiederholt in der Heinz Hall zu Gast. pittsburghsymphony.org; abgerufen am 14. Oktober 2025.