mini|hochkant=1.5|Planungsmodell der HafenCity, Blickrichtung Osten, Januar 2010 mini|Luftaufnahme, September 2010
Die HafenCity (offizielle Schreibweise, alternativ auch Hafencity) ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Er wurde offiziell 2008 gegründet und besteht aus der historischen Speicherstadt und den ab 2001 auf ehemaligen Hafenflächen neu errichteten Wohn- und Geschäftsvierteln. Der Stadtteil grenzt im Norden, durch den Zollkanal getrennt, an die Hamburger Altstadt, im äußersten Nordwesten (Baumwall) an die Neustadt, im Süden an die Elbe und nach Osten, durch den Oberhafen begrenzt, an Hammerbrook und Rothenburgsort. Der Stadtteil ist vollständig von Fluss- und Kanalläufen umgeben und hat eine Gesamtfläche von rund 2,4 Quadratkilometern.
Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff HafenCity das rund 157 Hektar große Neubaugebiet auf dem ehemals zum Freihafen gehörenden Großen Grasbrook. Die HafenCity erweitert die Fläche der Hamburger Innenstadt um 40 Prozent. Der im Jahr 2000 von der Hamburger Bürgerschaft beschlossene „Masterplan Hafencity“ sah die Vollendung des neuen Stadtteils bis 2025 vor.Stella Bandemer, Jonna Lange, Anna Leena Wacker (2014): Die Hamburger Hafencity - Leben (in) der Zukunft? Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg. Abgerufen am 14. April 2025 Die HafenCity-Betreibergesellschaft gab 2025 an, dass bis voraussichtlich zum Beginn der 2030er-Jahre auf dem Areal Wohneinheiten für bis zu 16.000 MenschenHafencity.com: (PDF, 7,3 MB) bis zu 3000 Hotelzimmer und Arbeitsplätze für bis zu 45.000 Menschen, vornehmlich im Büro- und Dienstleistungssektor, entstehen. Darüber hinaus wird mit bis zu 10.000 Schülern und Studenten sowie rund 50.000 Kunden und Touristen pro Tag kalkuliert, so dass nach Fertigstellung über 120.000 Menschen täglich den Stadtteil beleben sollen. Es galt zeitweilig als eines der größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte in Europa.
Vorarbeiten Der erste Spatenstich erfolgte am 9. April 2001, die erste Grundsteinlegung am 20. Juni 2001. 2009 wurde mit dem Teilquartier Am Dalmannkai/Sandtorkai der erste Teil der HafenCity fertiggestellt. Nach Aussage der für die Entwicklung und Vermarktung der HafenCity verantwortlichen HafenCity Hamburg GmbH wurde bereits die Hälfte des im Masterplan zugrunde gelegten Bauvolumens realisiert, befindet sich in Bau oder in der Bauvorbereitung.
Abgrenzung mini|Magellan-Terrassen im Juni 2009
Stadtteil HafenCity Am 1. März 2008 wurde die HafenCity durch das Gesetz über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg (RäumGlG)Gesetz über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg (RäumGlG) vom 6. Juli 2006. In: HmbGVBl. 2006, S. 397 (Anlage). zum eigenen Hamburger Stadtteil erklärt. Er setzt sich aus den ehemaligen Hafenflächen des Großen Grasbrooks sowie der Speicherstadt auf den ehemaligen Inseln Kehrwieder und Wandrahm zusammen und bezieht damit abgetrennte Gebiete der angrenzenden Stadtteile Altstadt, Rothenburgsort und des mit der Gründung des Stadtteils HafenCity aufgelösten Stadtteils Klostertor ein. Die genaue Grenzfestlegung der beiden Ortsteile des neuen Stadtteils erfolgte am 20. Februar 2007 durch Verordnung des Senates. Fünf Jahre zuvor, am 1. Januar 2003, wurde das Gebiet aus der zollfreien Zone des bis 2012 bestehenden Hamburger Freihafens entlassen, um Wohnbebauung und die Anlegung der entsprechenden Infrastruktur zu ermöglichen.
Geschichte mini|Grasbrook um 1930: im Vordergrund das Gaswerk mit Gasometer, dahinter Grasbrook- und Sandtorhafen, im Hintergrund die Speicherstadt und die Türme der Hamburger Innenstadt, rechts der Magdeburger Hafen Das Gelände der ehemaligen Insel Grasbrook, auf der die HafenCity gebaut wird, lag bis Anfang des 19. Jahrhunderts überwiegend vor den Toren der Stadt. Die Stadtbefestigung verlief in etwa entlang des heutigen Straßenzuges Am Sandtorkai–Brooktorkai. Innerhalb der Mauern, im Bereich der heutigen Speicherstadt, lagen Wohngebiete. Vor dem Stadtwall dienten sumpfige Wiesen als Weideland, die Westspitze des Großen Grasbrooks wurde im 15. Jahrhundert als Richtplatz genutzt, bekannt ist insbesondere die Hinrichtung des Piraten Klaus Störtebeker und der Vitalienbrüder. Im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten sich Schiffbauer und Hafengewerke an. 1844 wurde im südlichen Teil der Insel die erste Hamburger Gasanstalt errichtet.
Als im 19. Jahrhundert die Kapazitäten des Hafens mit Binnen- und Niederhafen nicht mehr ausreichten, boten sich nach Niederlegung der Stadtmauer die Flächen des Grasbrooks als Hafenerweiterungsgebiet an. 1866 wurde der Sandtorhafen im Verlauf des einstigen Wallgrabens als erstes künstliches Hafenbecken ausgehoben, 1881 kam der Grasbrookhafen hinzu. Es folgten der Strandhafen direkt an der Norderelbe, der Magdeburger Hafen mit Brooktorhafen und Ericusgraben als Verbindung bis zum Oberhafen und schließlich der Baakenhafen mit der Bahnanlage zu den Elbbrücken und der Kirchenpauerhafen mit einem Ankerplatz in der Elbe. Bis 1886 war die gesamte Insel mit Hafenbecken und -anlagen bebaut, zudem war 1872 am Lohseplatz, östlich des Magdeburger Hafens, der Hannoversche Bahnhof eröffnet worden. Exponiertes Bauwerk war der 1875 am Kaiserhöft fertiggestellte erste Kaispeicher A, heutiger Standort der Elbphilharmonie.
Die Wohnviertel Kehrwieder und Wandrahm wurden ab 1883 für die Einrichtung des Freihafens geräumt und abgerissen, rund zwanzigtausend Menschen wurden dabei umgesiedelt. Bereits 1888 konnte an dieser Stelle der westliche Teil der Speicherstadt eingeweiht werden. Am Magdeburger Hafen entstanden 1878 der Kaispeicher B und 1885 das Verwaltungsgebäude des Hafenamts. Zur Jahrhundertwende wurden gegenüber erste beheizte Fruchtschuppen und 1928 am Hübnerkai ein von Fritz Schumacher gestaltetes Heringskühlhaus eingerichtet.
Nach den massiven Kriegszerstörungen und dem Wiederaufbau wuchs ab 1955 der Stückgutumschlag kontinuierlich weiter, Anfang der 1960er Jahre wurde am Sandtorhafen das erste RoRo-Schiff in Hamburg gelöscht. Doch für weitere Modernisierungen waren die damals knapp hundert Jahre alten Hafenbecken ungeeignet. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden die aktiven Hafenflächen für den wachsenden Containerumschlag und die immer größer werdenden Schiffe elbabwärts, westlich des Alten Elbtunnels verlagert, die Flächen des Großen Grasbrook wurden mehr und mehr zur Industriebrache. Bis 2001 betrieb als eines der letzten Unternehmen die Cellpap ein großes Terminal am Strandkai, das die Hamburger Druckindustrie mit Papier versorgte, und benachbart blieb eine Kaffee-Lagerei. Beide wurden verlagert und im Oktober 2002 abgebrochen, so dass einer Bebauung des Gesamtareals nichts mehr im Wege stand. Die Erlöse aus dem Verkauf der stadteigenen Flächen refinanzierten einen Kredit zur Erschließung des Containerhafens Altenwerder in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro.Finanzierung der Zukunftsinvestition „Hafenentwicklung Altenwerder“ (PDF; 94 kB). Bürgerschaft-Drucksache 15/7461, abgerufen am 21. Juni 2009.
In Nutzung Ab 2002/2003 bezogen die ersten Nutzer die Hafencity.
Das Softwareunternehmen SAP war einer der Ersten, der 2003 in einen Neubau am Großen Grasbrook in der Hafencity bezog. Nach Auslaufen des Mietvertrages 2012 verlängerte SAP nicht und zog mit rund 400 Mitarbeitern in einen Neubau im Stadtteil Rotherbaum.
Planung der HafenCity mini|Logo der HafenCity
Vorbilder und Grundüberlegungen Das früheste und womöglich prominenteste Beispiel für die Umnutzung ehemaliger Hafenflächen sind die Docklands in London. Signifikante Umbauten von Waterfrontzonen finden sich seit einigen Jahrzehnten jedoch in vielen großen Hafenstädten. Grund hierfür war die Entwicklung des Containerumschlags. In Hamburg konnte dem Aufkommen von Schiffen mit immer größerem Tiefgang zwar durch Ausbaggerungen des Flussbetts der Elbe begegnet werden, doch der 1911 in Betrieb genommene St.-Pauli-Elbtunnel, dessen beide Röhren in einer Tiefe von rund zwölf Metern unter dem Pegel des mittleren Hochwassers liegen, wurde diesbezüglich zu einer Barriere für einen weiteren Ausbau des östlichen Hafengebiets. Die Erweiterung der Hafenanlagen konzentrierte sich daher auf den Ausbau der Kapazitäten im westlichen Teil des Hafens. Durch die zentrale Lage der brachen Flächen konnte diese Beschränkung jedoch als Chance für die Stadtentwicklung begriffen werden.
Erste Veröffentlichung 1989 und politische Vorbereitung der HafenCity im Jahr 1997 Erste Planungen für die Bebauung des Großen Grasbrooks wurden im Juni 1989 veröffentlicht, nachdem bereits im März 1988 von der Stadt Hamburg in Person von Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ein Konzept zum Verkauf der Speicherstadt vorgelegt worden war. Ende Mai 1989 setzte von Dohnanyis Nachfolger Henning Voscherau den Hamburger Senat über einen vom Architekten Volkwin Marg erarbeiteten Entwurf der Kehrwieder-Umgestaltung in Kenntnis und sprach auch in der Landespressekonferenz über das Thema.
Der politische Entschluss eines Bebauungsvorhabens wurde erst 1997 umgesetzt: Am 7. Mai 1997 gab Voscherau in einem Vortrag im Übersee-Club die Pläne für die komplette Neubebauung des Grasbrooks bekanntHenning Voscherau: Vortrag zum Übersee-Tag am 7. Mai 1997 (PDF; 175 kB), abgerufen am 21. Juni 2009. und stellte eine Machbarkeitsstudie vor.Zeichnung aus der Machbarkeitsstudie von Volkwin Marg, abgerufen am 21. Juni 2009.
Am 20. Mai 1997 erschien die offizielle Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft, mit der die Gremien über die Planungen informiert wurden. Herausgestellt wurde die historische Bedeutung des Ortes, an dem im 19. Jahrhundert zukunftsweisend der Hamburger Hafen erweitert worden war. In dieser Tradition sollte „die Zukunft aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus gestaltet“ werden.Drucksache 15/7460 – Hamburgs Standort- und Hafenentwicklung im 21. Jahrhundert (PDF; 1,2 MB), Bürgerschaft der Freien uns Hansestadt Hamburg, 20. Mai 1997, abgerufen am 21. Juni 2009.
Nach einer Senatskundgebung mit der Rede des Ersten Bürgermeisters zur Bürgerschaftssitzung am 21. Mai 1997 wurde das Projekt in der Bürgerschaft kontrovers diskutiert. Widerspruch rief insbesondere die Tatsache hervor, dass durch den Verkauf der städtischen Grundstücke im geplanten Neubaugebiet der Bau des Containerterminals Altenwerder (CTA) finanziert werden sollte.Plenarprotokoll der 15. Wahlperiode, 96. Sitzung (15-96) (PDF) Bürgerschaft der Freien uns Hansestadt Hamburg, 21. Mai 1997, S. 4833–4855, abgerufen am 28. November 2009.
Am 18. August 1997 beriet der Stadtentwicklungsausschuss über „Hamburgs Standort- und Hafenentwicklung im 21. Jahrhundert“ und über die daran gekoppelte Finanzierung der Hafenerweiterung in Altenwerder. Am 19. August 1997 stellte die damals oppositionelle CDU-Fraktion einen Antrag unter dem Titel, der grundsätzlich die weitere Planung unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten befürwortet, doch eine Entscheidung in die nächste Legislaturperiode verschieben möchte.
Am 20. August 1997 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft auf der 101. Sitzung die Errichtung einer Hafencity (noch in dieser Schreibweise) auf dem Großen Grasbrook. Dieses Datum gilt als der Startschuss für die Bebauung des neuen Stadtgebiets.
Bebauungspläne der HafenCity Nach einem städtebaulichen Wettbewerb wurde im Jahr 2000 mit dem Masterplan HafenCity das städtebauliche Entwicklungskonzept für die Umwandlung des Hafenrandes zu einer Erweiterung der Hamburger Innenstadt veröffentlicht. Der Masterplan erklärt, dass die HafenCity einer ökonomischen, sozialen, kulturellen und stadtökologischen Zielsetzung folgt. Als besonderes Problem wurde erkannt, dass für einen völlig neu zu bebauenden Stadtteil frühzeitig eine breite Akzeptanz erzielt werden muss, neben dem internationalen städtebaulichen Wettbewerb wurde daher auch ein öffentlicher Planungsdialog vorgesehen.
mini|Großer Grasbrook mit dem damaligen SAP-Haus (rechts), Juli 2005