Sommerau ist ein Gemeindeteil des Marktes Eschau im unterfränkischen Landkreis Miltenberg in Bayern. Im Jahr 2021 hatte Sommerau 989 Einwohner.

Zum Gemeindeteil Sommerau mit seinem Wasserschloss, gehören neben dem Schafhof auch die Hesselsmühle (Die Geschichte der Hesselsmühle reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück, als sie in einer Bestandsaufnahme von Liegenschaften der Freiherrn von Fechenbach als „Haslismühle“ erwähnt wird) und die Neumühle (ehem. Mahl- und Sägemühle), erbaut 1862/63, – meist Geißheckenmühle genannt, die sich mit 4 weiteren Wohnhäusern von Familienangehörigen zu einer kleinen Siedlung entwickelt hat. Bis zur Eingemeindung gehörten Schloss (Wasserschloss Oberaulenbach) und Wald Aulenbach zu Sommerau. Die Gemarkungsfläche beträgt ca. 1138 Hektar.

Geographie mini|Spessartkarte des Paul Pfinzing, Nürnberg, von 1562/1594 mini|Sommerau („Sumerau“) in der Karte des Spessarts von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts) Lage Sommerau liegt im südwestlichen bayerischen Teil des Spessart an der Elsava in der Region Bayerischer Untermain. Der Ort liegt an der Staatsstraße 2308 (Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee) zwischen Obernburg (Bundesstraße 469) und Mespelbrunn bzw. ab Hobbach über die Staatsstraße 2317 nach Dammbach und Rohrbrunn zur (Bundesautobahn 3). Seit Montag, 17. Juli 2017 rollt der Autoverkehr über die neue Umgehungsstraße an Sommerau vorbei.

Sommerau liegt ca. 18 km von der Kreisstadt Miltenberg, ca. 10 km von Obernburg am Main (ehemalige Kreisstadt), ca. 25 km von Aschaffenburg, ca. 70 km von Frankfurt am Main und ca. 70 km von Würzburg entfernt.

Gemarkung Die Gemarkung Sommerau hat eine Fläche von 6,652 km². Sie ist in 1204 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5524,96 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Schafhof und Sommerau.

Folgende Gemarkungen grenzen an das Ortsgebiet von Sommerau:

Geschichte Bodenfunde bezeugen eine bereits jungsteinzeitliche Besiedelung der Region. Das Gebiet um Eschau und Sommerau war bereits vor mehr als 5000 Jahren besiedelt, davon zeugen bandkeramische (bronzezeitliche) Gräberfunde nordwestlich von Sommerau bei Eichelsbach und auf Eschauer Gemarkung gegen Mönchberg hin. Aus vorfränkischer Zeit hat es vermutlich keine kontinuierliche Besiedlung gegeben. Für den Zeitraum um 1600–700 v. Chr. lässt sich eine relativ dichte Besiedlung durch Hügelgräber bei Eichelsbach belegen.

Der Spessart hat eine wechselvolle Geschichte. Zunächst war er kaiserlicher Bannforst und diente vor allem der Jagd. In der Folge waren lange Jahrhunderte die Mainzer Erzbischöfe die Landesherren. Erst ab dem 12. und 13. Jahrhundert duldeten sie die Besiedlung des Spessarts. Der Spessart wurde immer von außen regiert. So wurde er beherrscht durch das Erzbistum Mainz (→ Geschichte des Bistums Mainz), das Hochstift Würzburg, sowie einige kleinere Herrschaften, wie zum Beispiel die Grafen von Rieneck.

Ortsgründung bzw. erste Nennung Die erste, wenngleich indirekte Nennung einer Burg bzw. eines Ansitzes in Sommerau, findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1277. Damals gaben der Ritter Gernod von Fechenbach, Vicedom des Erzbischofs zu Mainz, genannt von Sommerau („dictus de Sumerawe“), und dessen Ehefrau Juta dem Kloster Himmelthal, in das ihre Tochter Mechtildis als Nonne eintrat, Abgaben von ihrem Hof in Eschau („Eschehe“). Als eigentlicher Ortsname taucht Sommerau erstmals in einer Urkunde desselben Klosters aus dem Jahre 1354 als „Summerawe“ auf (siehe unten – Pfarreigründung). Er bezeichnet ein im Süden auf der Sonnenseite gelegenes Gelände in der Aue, das heißt im feuchten Wiesengrund.

mini|Wasserschloss Sommerau im heutigen Eschau, Nordwestansicht mini|Eingangswappen am Renaissancebau: Allianzwappen Fechenbach und Hettersdorf mini|Stammtafel der Familie Fechenbach, von 1845 In der älteren Literatur gilt ein Eberhard von Fechenbach (Vechinbach) als Erbauer des Sommerauer Schlosses, der die Anlage um das Jahr 1143 errichtet haben soll. Allerdings lässt sich für diese 1891 von Freiherr Friedrich Karl Konstantin von Fechenbach aufgestellte Behauptung heute keine Quelle mehr nachweisen. Der Kreisheimatpfleger Wolfgang Hartmann trug deshalb in seinem jüngsten Beitrag (2009) über die frühe Geschichte des Sommerauer Schlosses berechtigte Zweifel an dieser Zuordnung vor. Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet, würde es sich um einen der ältesten Adelssitze im Spessart handeln. Die Erbauung einer Niederadelsburg in einer Talaue in dieser Zeit ist zwar theoretisch denkbar, fügt sich jedoch im Elsavatal schwerlich in den regional- und lokalgeschichtlichen Kontext. Vielmehr steht die frühe Geschichte von Sommerau mit dem Mainzer Erzbistum einerseits und den Grafen von Rieneck andererseits in Verbindung, also mit den beiden Territorialmächten, die im 13. Jahrhundert um die Vorherrschaft im Spessart kämpften. Bischof Werner von Eppstein begann nach seinem Amtsantritt 1259 die Machtansprüche der Grafen rigoros zu beschneiden. Er ließ die Burg Wildenstein nahe Eschau erobern und rang den Rieneckern die Zusage ab, im westlichen Spessart keine Burg oder sonstige Befestigung mehr zu erbauen. Dennoch begannen diese 1261 mit der Errichtung einer Befestigung in Eschau. Nachdem der Versuch einer Schlichtung gescheitert war, ließ der Erzbischof den Wehrbau der Grafen zerstören und begann seinerseits mit dem Bau einer Burg in Eschau. Nach erneuten Verhandlungen kam es zwischen den Brüdern Ludwig, Gerhard und Heinrich von Rieneck und dem Erzbischof von Mainz zu einem Abkommen: Die Grafen erklärten sich zu einem noch umfassenderen Verzicht auf Burgenbauten bereit und im Gegenzug ließ Bischof Eppstein sein „castrum esche“ wieder abbauen. 1271 war damit der erbitterte Kampf um die Herrschaft im Spessart zugunsten des Mainzer Erzstiftes entschieden.

Die Darstellung der geschichtlichen Ereignisse lässt die Vermutung zu, dass es jenseits der Elsava damals noch keine befestigte Anlage gab. Auf den Standort des „castrum esche“ gibt es bislang keine näheren Hinweise. Seine Lage im Bereich der späteren Wasserburg auf Sommerauer Seite erscheint aus dem historischen Zusammenhang heraus fragwürdig.

Von großer Bedeutung für die Frühgeschichte von Sommerau ist das so genannte Mainzer Koppelfutterverzeichnis (um/nach 1250), ein Abgabenverzeichnis für von der Herrschaft eingeräumte Weiderechte, das die Siedlungsverhältnisse der Gegend Mitte des 13. Jahrhunderts widerspiegelt. Die jüngste Forschung ist nicht mehr davon überzeugt, dass der dort genannte, zwischen Himmelthal und Eschau gelegene Ort „Sahsen“ mit dem heutigen Sommerau gleichzusetzen ist. Vielmehr sieht man darin eine wüst gefallene Siedlung in dem Bereich, wo die von Mönchberg, Streit und früher auch von Klingenberg her kommenden Altwege auf die Talstraße treffen. Der entsprechende Hinweis auf Eschau lautet „Escehe ex altera parte“, das heißt, es handelte sich hier um einen Teil der Siedlung „auf der anderen Seite“ (Anmerkung: Siedlung rechts der Elsava), die das Koppelfutter zu entrichten hatte. In den vergleichbaren Orten Faulbach und Altenbuch wurde die Abgabe nur von dem Teil erhoben, der auf Mainzer Seite des den Ort rechtlich trennenden Baches lag. Wie spätere Quellen nahelegen, war der ältere Siedlungsteil, also das links der Elsava gelegene Eschau, vom Koppelfutter befreit. Das Register und die Zusammenhänge lassen deutlich erkennen, dass es damals noch keinen Ort mit dem Namen Sommerau gab und dass die rechts des Baches gelegene Ansiedlung zu dieser Zeit noch bzw. ebenfalls Eschau hieß.

Der oben genannte Ritter Gernod „von Sommerau“ war ein Angehöriger der nach ihrem Beinamen Kottwitz benannten Ritterfamilie und bekleidete damals das Amt des mainzischen Vizedoms zu Aschaffenburg. Die Bedeutung der Aschaffenburger Vizedome für die Burgenpolitik im Spessart zeigt sich unter anderem auch im nahe gelegenen Mönchberg sowie bei der jüngst ergrabenen Burg Waldenberg nordwestlich von Sommerau. Bald nach der Unterwerfung der Rienecker in ihrem Streit mit dem Mainzer Erzstift erfolgte offensichtlich die Erbauung der Burg Sommerau durch Erzbischof Werner von Eppstein und seinen Vizedom Gernod Kottwitz, der sich daraufhin nach Sommerau benannte. Möglicherweise wurde der Bau bereits unter dessen Vorgänger im Amt, einem gewissen Gozzo, der vermutlich ebenfalls ein Kottwitz war, begonnen, was die ganerbenschaftliche Teilung der Anlage erklären würde. Die Burg verkörperte nicht nur die Machtansprüche der Mainzer, sondern stellte auch eine Gegenposition zum Besitzkomplex Wildenstein-Eschau-Himmelthal der Grafen von Rieneck im mittleren Elsavatal dar. Offensichtlich übernahm Sommerau einen räumlich konzentrierten Teil der Funktionen, die ursprünglich der Burg Wildenstein zugedacht waren, die sich zur Zeit ihrer Zerstörung in der Hand der Rienecker befunden haben dürfte. Die Burg Sommerau wurde nicht, wie bisher angenommen, um 1143 durch die Ritter von Fechenbach errichtet, sondern ab bzw. nach 1271 von den Kottwitz in ihrer Eigenschaft als Vizedome des Mainzer Erzbischofs errichtet. Der gewählte Name „Sommerau“ verdrängte dabei den zuvor die beiden Siedlungsteile rechts und links der Elsava umfassenden Ortsnamen Eschau und beschränkte ihn auf die links des Bachlaufs gelegene, von den Rieneckern beherrschte Muttersiedlung.Wolfgang Hartmann: Zur frühen Geschichte von Sommerau und seiner Wasserburg In: Spessart, Juli 2009, S. 3–11.

19. bis 20. Jahrhundert mini|Wasserschloss Oberaulenbach, Nordostseite, Eingangsbereich mit Treppenturm, am Turm das Wappen der Kottwitz von Aulenbach Bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 gehörte Sommerau zum Mainzer Kurfürstentum, im Anschluss daran zum neu gegründeten Fürstentum Aschaffenburg, welches 1810 im Großherzogtum Frankfurt aufging. 1814 kam Sommerau zum Königreich Bayern. Als Ergebnis des den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte folgenden Wiener Kongresses 1814/15 musste Bayern seine österreichischen Zugewinne im Vertrag von München großenteils wieder aufgeben, bekam aber zum Ausgleich Teile der Pfalz sowie die fränkischen Gebiete um Würzburg und Aschaffenburg. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die selbständigen Gemeinden.

Nach dem Historischen Atlas von Bayern Unterfranken-Obernburg wurden Schloss und Wald Aulenbach (Wasserschloss Oberaulenbach) am 12. September 1838 von Hobbach (Landgericht Obernburg) getrennt und Sommerau (Landgericht Klingenberg) einverleibt.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Sommerau lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Sommerau war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main (Kfz-Kennzeichen OBB – seit 15. Januar 2018 wieder möglich). Mit Auflösung des Landkreises Obernburg am 1. Juli 1972, kam Sommerau in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

Mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Obernburg-Elsenfeld–Heimbuchenthal im Januar 1910 wurden Eschau und Sommerau mit dem Bahnhof Eschau-Mönchberg und dem Haltepunkt Eschau-Sommerau verkehrstechnisch an das Maintal angeschlossen.

Eingemeindung nach Eschau