Röttgen ist ein Ortsteil der Bundesstadt Bonn im gleichnamigen Stadtbezirk und liegt auf dem Höhenzug der Ville. Er grenzt im Norden an die Ortsteile Brüser Berg, Ückesdorf, Ippendorf und Venusberg und im Osten an die Ortsteile Friesdorf und Schweinheim. Jenseits der Stadtgrenze Bonns im Westen und Süden grenzen an Röttgen die Nachbargemeinden des Rhein-Sieg-Kreises, Alfter und Meckenheim. Röttgen ist mit Abstand der flächengrößte Ortsteil Bonns und größer als der gesamte Stadtbezirk Hardtberg, allerdings besteht der überwiegende Teil von Röttgen aus den Wäldern des Kottenforstes. Durch starken Zuzug in den Anfangsjahren Bonns als Bundeshauptstadt wurde die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Struktur aufgebrochen.
Die etwa 4500 Einwohner leben heute überwiegend in neueren Einfamilien- und wenigen Mehrfamilienhäusern. Historische Gebäude gibt es nur bei dem alten Dorfkern kurz vor der Dorfausfahrt in Richtung Bonn. Zu nennen sind hier die barocke Venantiuskapelle von Kurfürst Clemens August und der ehemalige Hof an der Reichsstraße (ehemalige B 257), welcher das älteste Gebäude Röttgens ist. Er wurde in den 1990er-Jahren renoviert, nachdem er lange Zeit leer gestanden hatte.
Herkunft des Ortsnamens Der Name „Röttgen“ ist etymologisch auf das Verb „roden“ zurückzuführen und ist in der rheinischen Toponymie mehrfach belegt (so auch in Villiprott, das in alten Urkunden noch als Röttgen bezeichnet wird). Das Diminutivum bezeichnet eine kleine Rodung. Urkundlich erstmals erwähnt wird der Ort 1433 als „Roitgin“ in einer Rechnung des Kanonissenstifts Dietkirchen zu Bonn. 1532 erscheint er als „Roitgen“, 1605 „uffm Röttgen“, 1845 als „Röttchen“ und 1899 als „Röttgen“.Horst Bursch: Die Siedlungsnamen der Stadt Bonn. Bonn 1987, S. 126.
Geschichte mini|Bonn-Röttgen aus der Luft, im Hintergrund das Bonner Stadtzentrum mini|Schloss Herzogsfreude mini|Jägerhäuschen im Kottenforst
Ausgrabungen durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland führten nach 2014 in Röttgen zu zahlreichen Funden im Gebiet um den Hölder (siehe weiter unten bei 'Neubaugebiet Am Hölder'). Sie lassen auf eine frühe Besiedlung um etwa 2500 bis 2600 v. Chr. schließen. Dabei ging es auch, so der Archäologe Jens Berthold, um den seltenen Fall eines Bestattungsplatzes aus der Eisenzeit mit zahlreichen Grabbeigaben, der später auch in der Römerzeit benutzt wurde.Stefan Hermes: Auf den Spuren der frühen Siedler. In: General-Anzeiger (Bonn) vom 19. Juli 2021, S. 21
Möglicherweise von dem viel älteren und in der Nähe Röttgens gelegenen Ückesdorf aus entstand wohl im 13. Jahrhundert entlang des mittelalterlichen Wegs von Bonn durch den Kottenforst über Meckenheim nach Trier eine kleine, nur wenige Hofstellen umfassende Rodung als Keimzelle des heutigen Orts.Herbert Müller-Hengstenberg: Röttgen – Geschichte eines kurkölnischen Dorfes. In: Bonner Geschichtsblätter. Band 49/50, Bonn 2000.
Kurfürst Clemens August ließ von 1753 bis 1755 das Schloss Herzogsfreude in Röttgen errichten. Das Schloss, das von den Ausmaßen sehr eindrucksvoll war – allein das Hauptgebäude ohne die Seitenflügel wies eine Länge von 70 Metern mit 19 Fensterachsen auf – wurde zwar fertiggestellt und auch teilweise möbliert, jedoch starb der Bauherr Clemens August 1761 und besuchte sein Schloss nicht mehr. Im Jahr 1804 wurde Herzogsfreude, das Clemens Augusts Nachfolger nie betreten hatten, nach einer öffentlichen Versteigerung vom französischen Staat für 3550 Francs an den Bonner Dachdecker Peter Lander verkauft. Der neue Besitzer trug das Schloss ab und verwendete das Baumaterial im Haus- und Straßenbau. 1810 war das Schloss fast vollständig verschwunden. Das um das Schloss herum angelegte Wegenetz, das den Wald vom Schloss ausgehend sternförmig durchzieht, blieb aber erhalten und hinterließ dem dort entstandenen Dorf Röttgen eine günstige Verkehrslage. Das ebenfalls erhalten gebliebene Jägerhäuschen (Foto) liegt am Schnittpunkt zweier kurfürstlicher Jagdwege und diente dazu, dort während der Jagd die Pferde zu wechseln. Das Jägerhäuschen enthält neben einem kleinen Aufenthaltsraum für die Jagdhelfer deshalb noch einen größeren Pferdestall. Vom Schloss selbst sind heute keine Ruinen oder Überreste mehr zu sehen. Im heutigen Röttgen erinnert nicht mehr viel an das Schloss Herzogsfreude. Außer den Straßennamen „Schlossplatz“, „Kurfürstenplatz“ und „Herzogsfreudenweg“, findet man als Überreste des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses lediglich Teile des ehemaligen Kellergewölbes, die heute unter einigen Privathäusern zu finden sind. Noch vorhanden ist in Röttgen die an der Reichsstraße gelegene Sankt-Venantius-Kapelle, die der Kurfürst gleichzeitig mit dem Schloss errichten ließ. Seit 1984 befindet sich auf dem Schlossplatz in Röttgen ein kleines Denkmal, das in Form eines Bronzemodells an das ehemalige Schloss Herzogsfreude erinnert. Historisch interessant ist das gleichfalls aus der Zeit von Clemens August I. stammende sogenannte Wolfskreuz im Kottenforst.
1879 wurde im Kottenforst unweit von Röttgen die sog. „Kaisereiche“ vom damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen dem späteren Kaiser Wilhelm II. „allerhöchst eigenhändig“ gepflanzt. Sie sollte ausweislich des vor ihr platzierten Gedenksteins dem Andenken an seine in diesem Revier genossenen Waidmannsfreuden dienen. Neben der Kaisereiche steht die 1904 gepflanzte Prinz-Friedrich-Eiche. Beide Eichen befinden sich an der Wegekreuzung, an der auch das Jägerhäuschen steht. Die Eichen sind heute beliebte Ausflugsziele und befinden sich unweit des archäologischen Denkmals Ringwall Venne.
In Röttgen befanden sich früher zwei Tongruben: Die „Alte Tongrube“, mit Mühlwerk zum Mahlen von trockenem Ton befand sich am heutigen Tennisplatz. Von dieser Tongrube führte eine Feldbahn entlang der Flerzheimer Allee bis zum Bahnhof Kottenforst. In der Nähe des Schlossplatzes (ein Teil des Standortes des ehemaligen Schlosses) gab es die „Neue Tongrube“, in der weißer Ton abgebaut wurde. Heute befindet sich dort ein See mit kleinen Rasenflächen am Rand, der in einer Vertiefung liegt, die durch den Tonabbau entstanden ist.
Am 1. August 1969 wurde Röttgen zusammen mit den anderen Gemeinden des Amtes Duisdorf im Rahmen der Gemeindereform nach Bonn eingemeindet. Die Gemarkung Röttgen in den Grenzen der ehemaligen Gemeinde besteht bis heute.Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen: (Stand 2005; PDF-Datei; 237 kB)
Kirchen und Jugendtreff Es gibt die evangelische Kirchengemeinde mit der Thomaskirche und die katholische Kirchengemeinde mit der Kirche Christi Auferstehung, beide mit angeschlossenem Kindergarten. Die Gemeinden beider Konfessionen haben eine Tradition der Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe entwickelt. So läutete der evangelische Glockenturm auch für die Katholiken mit, bis diese einen eigenen gebaut hatten, und nach einem Brand in der evangelischen Kirche konnten Räume der Katholischen Kirche genutzt werden. Aber auch im alltäglichen Miteinander gibt es viele Gemeinsamkeiten, so machen bei der Katholischen Jugend Röttgen (KJR) auch viele evangelische Jugendliche mit und Veranstaltungen wie zum Beispiel der Andheri-Basar für die Andheri-Hilfe Bonn in der katholischen Kirche werden gemeinsam geplant und durchgeführt (siehe auch: Religionen in Bonn).
Der 1996 von den beiden Kirchengemeinden ins Leben gerufene Jugendtreff „Ran“ des „Vereins zur Förderung der ökumenischen Jugendarbeit in Röttgen und Ückesdorf“ musste aus der Ückesdorfer Kirche aufgrund deren beschlossener Schließung im Jahr 2004 zunächst innerhalb von Ückesdorf umziehen, kam dann nach Röttgen in die Räumlichkeiten der dortigen evangelischen Thomaskirche und hat jetzt seine Heimat im Gebäude des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Ückesdorf gefunden.
Schulen und sonstige Einrichtungen
mini|Bahnhof Kottenforst
In Röttgen gibt es mit der Schlossbachschule eine der größten Bonner Grundschulen mit etwa 290 Kindern in insgesamt zwölf Klassen. Eine Turnhalle, ein Musikraum, eine Schülerbibliothek, ein Lernzentrum und ein Computerraum sind dort vorhanden. Seit dem 1. August 2007 ist die Schlossbachschule zudem eine offene Ganztagsschule (OGS). Die Kinder können dort im Rahmen einer Kurzbetreuung bis 13.30 Uhr oder einer Langbetreuung bis 16.30 Uhr nach dem Unterricht in der Schule verbleiben und erhalten in der Langbetreuung u. a. Mittagessen und eine Hausaufgabenbetreuung.
Nach der Grundschulzeit besuchen viele Röttgener Schüler das am Ortsrand Ückesdorfs – in Richtung Röttgen gelegene – Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (kurz: CvO). Das ehemalige Gymnasium Bonn-Röttgen – das deswegen oft noch „Röttgener Gymnasium“ genannt wird – ist eine staatlich anerkannte Ganztagsschule mit künstlerisch-musikalischem und naturwissenschaftlichem Schwerpunkt. Als Schule mit bis zu vier Parallelklassen in jedem Jahrgang, mit insgesamt ca. 780 Schülern, 50 Lehrern, 8 Referendaren, einer Bibliothekarin, zwei Schulsekretärinnen und einem Hausmeisterehepaar ist es ein Gymnasium überschaubarer Größe und das kleinste städtische Gymnasium in Bonn. Die Einschränkungen für das Kursangebot in der Oberstufe werden durch Kooperation auf dem Gebiet gemeinsamer Leistungskurse mit dem benachbarten Hardtberg-Gymnasium im Ortsteil Brüser Berg abgefangen. In den vergangenen Jahren verließen jeweils zwischen 55 und 65 Abiturientinnen und Abiturienten in einem Jahrgang das Gymnasium. Das etwa 40.000 Quadratmeter große und an ein Waldstück angrenzende Schulgelände verfügt u. a. über einen Basketballplatz, eine Beachvolleyball-Anlage und eine Grillstelle. Neben den beiden Hauptgebäuden, in denen alle Klassenräume, Fachräume und die Verwaltung untergebracht sind, verfügt die Schule über zwei Sporthallen.
Weiterhin ist das Robert-Wetzlar-Berufskolleg (kurz: RWK) mit einer Außenstelle in Röttgen an der Reichsstraße vertreten. Die Ausbildung am RWK erfolgt in den Berufsfeldern Ernährung und Hauswirtschaft mit Hotel- und Gaststättengewerbe, Sozial- und Gesundheitswesen, Körperpflege und Kosmetik sowie Integration und Förderung. Die Andreas-Hermes-Akademie war ein Weiterbildungshaus der Deutschen Landwirtschaft, welches Menschen, die in der Landwirtschaft und agrarnahen Bereichen arbeiten fachliche, soziale und methodische Kompetenzen vermittelte. Seminarräume, Übernachtungen, Kegelbahnen und die Restauration konnten auch von Dritten angemietet bzw. genutzt werden. Ende 2013 verkaufte der Deutsche Bauernverband (DBV) die Liegenschaft an die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ verlegte dorthin nach einem Umbau Ende 2017 die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ).
Weiterhin verfügt Röttgen über den an der Reichsstraße gelegenen städtischen Kindergarten „Pusteblume“ und zwei konfessionelle Kindergärten, die jeweils unmittelbar an den beiden Kirchengebäuden angesiedelt sind. Im neuen Baugebiet „Am Hölder“ (s. u.) wurde ein zusätzlicher – größerer – städtischer Kindergarten gebaut.
In Röttgen befindet sich zudem eine Außenstelle des Forstamts Rhein-Sieg-Erft (Hauptsitz ist Eitorf), welches mit 28 Revieren und einer Waldfläche von etwa 60.000 Hektar das zweitgrößte Regionalforstamt des Landes Nordrhein-Westfalen ist.
Röttgen besitzt einen Kunstrasen-Sportplatz, der zwischen der katholischen Kirche und der Schlossbachschule liegt. Er wurde zum großen Teil aus Spenden der Röttgener Bevölkerung finanziert. Sportplatz, Grundschule und beide Kirchengebäude befinden sich am Herzogsfreudenweg.
Am südwestlichen Rand Röttgens steht auf der Stadtgrenze – mitten im Wald – der Bahnhof Kottenforst (Foto) an der Voreifelbahn, der heute nur noch an Wochenenden bedient wird, dann aber regen Ausflugsverkehr anzieht.
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