mini|Fahrzeug-Antenne der Zugbeeinflussung Mirel
Mirel ist die Fahrzeugausrüstung eines Zugbeeinflussungssystems, das mit der Streckenausrüstung des Zugbeeinflussungssystems LS zusammenarbeitet. Mirel wird bei der slowakischen Eisenbahn ŽSR verwendet und ist für den Einsatz bei den tschechischen Eisenbahnen zugelassen.
Die erste Bauart dieser Fahrzeuggeräte war Mirel S1 560. Mit dem Gerät wurden die elektrischen Triebzüge der Baureihe 560 der ŽSR nachgerüstet. Seither kommt ausschließlich das Nachfolgegerät Mirel VZ1 zum Einsatz.
Mirel VZ1 mini| Mirel VZ1 kam erstmals bei den ŽSR-Lokomotiven der Baureihe 350 zum Einsatz. Der Betrieb damit wurde 2000 in der Slowakei und in Tschechien aufgenommen.Webseite des Herstellers HMH (slowakisch), abgerufen am 6. Februar 2013
Mirel VZ1 wird auch in Triebfahrzeugen der ČD, RegioJetJosef Petrák, První lokomotiva RegioJetu je otestována a čeká na schválení, ŽelPage, 3. února 2011 (tschechisch) und weiterer Eisenbahnverkehrsunternehmen eingesetzt. Mirel VZ1 ist optional in der Lage, mit der Streckenausrüstung der ungarischen Zugbeeinflussung EVM zusammenzuarbeiten. Zudem ist ein Interface zum SHP-System der Polnischen Staatsbahn PKP verfügbar.
Das System Mirel VZ1 arbeitet in Mikroprozessortechnik und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 160km/h zugelassen. Grundlegende Verbesserungen gegenüber dem System LS bestehen in der Überwachung der Geschwindigkeit und der Berechnung von Bremskurven, bei deren Überschreitung eine Zwangsbremsung ausgelöst wird.
Funktionen in der Betriebsart ŽSR/ČD Nach der Inbetriebnahme des Fahrzeugs muss einer der vier Modi gewählt werden:
Rangierbetrieb Betrieb mit voller Funktionstüchtigkeit Gesperrt (Betrieb ohne Informationsübertragung der Streckenausrüstung) Schleppfahrt oder Schiebedienst
Rangierbetrieb In diesem Modus werden keine Signalinformationen der Streckenausrüstung empfangen. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs beträgt 40km/h, wobei bei Geschwindigkeiten über 20km/h die Wachsamkeitskontrolle aktiviert ist.
Betrieb Vor Beginn einer Zugfahrt hat der Triebfahrzeugführer die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit einzugeben. Während der Fahrt werden aus den empfangenen Signalinformationen die folgenden Höchstgeschwindigkeiten berechnet:
SignalzeichenAnzeige aufdem FahrzeugGeschwindigkeitfreie Fahrtgrünvoreingestellte maximale ZugsgeschwindigkeitVorsichtgelb120km/h40 und Vorsichtgelber Ring40km/h(beziehungsweise 60, 80 oder 100km/h durchmanuelle Eingabe nach Übertragung dieses Signalzeichens)Haltrot40km/hohne Übertragung–120km/h
Erkennt Mirel aus den empfangenen Signalinformationen, dass die zulässige Geschwindigkeit niedriger als die tatsächliche Zugsgeschwindigkeit ist, berechnet das Gerät eine Bremskurve, die zur zeitabhängigen Geschwindigkeitskontrolle während des Bremsvorgangs dient. Dabei wird auf der Anzeige die aktuell geltende Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Bei Überschreitung dieser Geschwindigkeit wird eine Zwangsbremsung ausgelöst, außer der Triebfahrzeugführer schaltet das Gerät auf manuelle Steuerung um, während die Bremskurve wirksam ist. mini| Die ÖBB-Lokomotiven der Baureihe 1216, die in Tschechien und der Slowakei eingesetzt werden, sind mit Mirel VZ1 ausgerüstet.
Die Wachsamkeitstaste muss in folgenden Fällen bedient werden:
Bei Unterbrechung der Signalzeichenübertragung Wenn auf manuelle Steuerung umgeschaltet wird, solange eine Bremskurve wirksam ist Bei der Übertragung des Signalzeichens Halt Bei der Übertragung des Signalzeichens Vorsicht bei Geschwindigkeiten über 90km/h Wenn bei der Übertragung des Signalzeichens 40 und Vorsicht die Zielgeschwindigkeit durch manueller Eingabe auf über 40km/h erhöht wurde
Wenn der Triebfahrzeugführer seine Wachsamkeit nicht bestätigt, wird eine Zwangsbremsung ausgelöst. Beim Stillstand des Fahrzeugs oder bei Geschwindigkeiten unter 15km/h und angezogener Hand- oder Feststellbremse ist die Wachsamkeitskontrolle nicht aktiv.
Im Betriebsmodus wird zudem die Einhaltung der gewählten Fahrtrichtung kontrolliert. Bei einer Abweichung wird nach einer Wegstrecke von zehn Metern eine Zwangsbremsung eingeleitet.
Gesperrt Beim Ausfall der Streckenausrüstung bekommt der Triebfahrzeugführer die Anweisung, Mirel VZ1 in den Modus gesperrt umzuschalten. Außer der Signalzeichenübertragung und der Kontrolle der Höchstgeschwindigkeit – sie beträgt 120km/h – arbeitet das Gerät gleich wie im Betriebsmodus.
Schleppfahrt oder Schiebedienst Wenn sich das Triebfahrzeug nicht an der Zugspitze befindet, werden nur die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs und die Fahrtrichtung kontrolliert.
Funktionen in der Betriebsart MÁV Mirel VZ1 arbeitet in der Betriebsart MÁV entweder im Modus Rangierbetrieb oder Betrieb.
Im Rangiermodus werden keine Signalinformationen von der Streckenausrüstung empfangen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 40 km/h begrenzt.
Im Betriebsmodus wird dem Triebfahrzeugführer eine der folgenden Signalstellungen angezeigt: Halt, freie Fahrt oder Geschwindigkeitsbeschränkung auf 15, 40, 80 oder 120km/h. Bei Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit löst Mirel VZ1 eine Zwangsbremsung aus.
In beiden Betriebsmodi ist bei Geschwindigkeiten über 15km/h die Wachsamkeitskontrolle eingeschaltet. Nach jeweils 1550m wird die Wachsamkeit des Triebfahrzeugführers kontrolliert. Bei stillstehenden Fahrzeugen ist die Wegrollsicherung aktiviert.
Vor- und Nachteile mini|Bei der ČD-Baureihe 380 kommt Mirel VZ1 in Tschechien, in der Slowakei und in Ungarn zum Einsatz.
Mit Mirel wurde im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten ein Zugbeeinflussungssystem entwickelt, das zu einer weiteren Erhöhung der Sicherheit führte. Es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Halt zeigende Signale überfahren werden. Weil die Streckenausrüstung des Systems LS nur vier Geschwindigkeitsbegriffe – inklusive Halt und freie Fahrt – übertragen kann, muss bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60, 80 oder 100km/h der Triebfahrzeugführer die Geschwindigkeit manuell eingeben. Somit bleibt ein wesentlicher Teil der Verantwortung beim Triebfahrzeugführer.
In gleicher Weise ist das der Fall, wenn Mirel VZ1 die Aufforderung zum Halten empfängt und die Bremskurve stark vom tatsächlichen Bremsweg abweicht. Bei der Berechnung der Bremskurve wird weder das Bremsgewicht des Zuges noch der tatsächlich zur Verfügung stehende Bremsweg mitberücksichtigt.Bei Zugsbeeinflussungssystemen, die wie LS kodierte Gleichstromkreise zur Signalübertragung auf das Fahrzeug benutzen, stimmen in der Regel Blockabschnitt und Bremsweg überein. Mirel VZ1 gibt dem Triebfahrzeugführer die Möglichkeit, bei übermässig langen Blockabschnitten die Überwachung der Bremskurve auszuschalten. Der Bremsweg beträgt einheitlich 1500m bei Geschwindigkeiten von 120km/h und mehr beziehungsweise 1000m bei tieferen Geschwindigkeiten.
Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Einhaltung der Bremskurve nur bis zur Geschwindigkeit von 40km/h überwacht wird. Dann erfolgt lediglich eine Wachsamkeitskontrolle – ob der Zug zum Stillstand kommt, wird nicht kontrolliert.
Für den Triebfahrzeugführer stellt Mirel VZ1 eine Komfortsteigerung dar, da er weniger häufig die Wachsamkeitstaste bedienen muss als bei der Original-LS-Fahrzeugausrüstung. Weil Mirel VZ1 auch mit Zugbeeinflussungen einiger Nachbarländer zusammenarbeiten kann, reicht für den Einsatz in der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Polen eine einzige Fahrzeugausrüstung aus.
Mirel ist voraussichtlich der Höhepunkt in der Entwicklung der Zugbeeinflussung LS. Mirel wird in der einheitlichen europäischen Zugbeeinflussung ETCS als abzulösendes Class-B-System betrachtet und kann als STM nachgerüstet werden.
Weblinks HMH (Hersteller): Bedienungsanleitung Mirel VZ1, Bratislava, 2009 (PDF; 790 kB), abgerufen am 4. Februar 2013 Moritz Dorka: Zugbeeinflussungssysteme in Polen, der Slowakei und Tschechien, Dresden, 2012 (PDF; 6,7 MB), abgerufen am 4. Februar 2013
Einzelnachweise, Anmerkungen
Kategorie:Zugbeeinflussung