mini|hochkant|Schloss
Debrzno-Wieś ( Dobrin, früher Dobbrin) ist ein Dorf bei der Stadt Złotów (Flatow) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Es gehört zur Landgemeinde Lipka im Powiat Złotowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt im Netzedistrikt im ehemaligen Westpreußen, etwa vier Kilometer nördlich des Dorfs Lipka (Linde), 23 Kilometer nordöstlich der Stadt Złotów (Flatow) und 175 Kilometer östlich von Stettin (Szczecin). mini|hochkant|Dorfkapelle
Geschichte Das Dorf ist in dem ehemaligen Gutsbezirk Dobrin entstanden, zu dem mehrere adlige Güter gehörten. Im 18. Jahrhundert war die Ortschaft Dobbrin ein Marktflecken, der mit der Stadt Preußisch Friedland eine gemeinsame Grenze hatte und in dem regelmäßig Jahrmärkte stattfanden. Im Ort wohnten mehrere jüdische Familien, die hier eine Synagoge und einen Friedhof hatten.Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2, Teil I, Marienwerder 1789, S. 105, Nr. 6) (Online).
Das seinerzeit etwa 1500 ha große Rittergut mit Schloss kaufte im Jahre 1869 der Kreisdeputierte Leberecht Wilckens (1824–1900). Dessen jüngerer Sohn Fritz (von) Wilckens (1861–1913), der 1911 vom preußischen König in den erblichen Adelsstand als von Wilckens erhoben wurde, wandelte das Gut 1909 in ein Fideikommiss um, wobei er seine beiden Söhne als Fideikommiss-Anwärter einsetzte.Heimatbuch für den Kreis Flatow – Grenzmark Posen-Westpreußen – Provinz Pommern. Herausgegeben vom Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow mit Unterstützung des Patenschaftskreises Gifhorn. Druck Karl Neef oHG (Wittingen), Gifhorn 1971, S. 238–239. Im Jahr 1896 war noch der ältere Bruder Hans Wilckens (1857–1891)Vgl. Hans Wilckens-Dobrin, in: Erich Weiß: Gustav Ferdinand Wilckens, eine biographische Miniatur aus der preußischen Finanzverwaltung zum sogenannten preußischen Bauernbefreiungsedikt vom 9. Oktober 1807, in: Zeitschrift für das Öffentliche Vermessungswesen des Landes Sachsen-Anhalt (LSA VERM) 1/2008. Hrsg. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt, Bonn/Magdeburg 2008, S. 83 f. (Anmerkungen unten) PDF Online (in Bärenwalde, Kreis Schlochau) als Besitzer des Guts mit Brennerei und Ziegelei genannt worden, der es von dem Administrator Gröschke verwalten ließ.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. Band 11a: Westpreussen, Nürnberg 1896, S. 177 (Online). Das Gut Dobrin hatte 1903 mit Annenfelde, Klein Fier, Minnenrode und Neu-Dobrin einen Umfang von zusammen 1666 ha.Westpreussisches Güter-Adressbuch. Verzeichnis sämtlicher Güter. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet, in: Niekammer’s Güter-Adreßbücher, Band II, Selbstverlag Paul Niekammer, Stettin 1903, S. 96–97. Besitzer war Fritz (von) Wilckens. Ihm folgte als Gutsbesitzer der Herrschaft DobrinOskar Köhler, Kurt Schleising: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen sowie Freistaat Danzig und Ostpr. Reg.- Bezirk Marienwerder, 3. Auflage, in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band II, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 14–15. samt allen Vorwerken sein jüngerer Sohn Fritz Jochem von Wilckens, verheiratet mit Margarethe Reinhard, Tochter der Margarethe Meyer und des Generals Wilhelm Reinhard.
Am 1. April 1927 betrug die Flächengröße des Guts Dobrin 1631 ha, und 1925 wohnten im Gutsbezirk 712 Personen. Die Gemeindefläche von Dobrin war Anfang der 1930er Jahre 20,3 km² groß, und auf ihr standen 95 Wohnhäuser an sechs verschiedenen Wohnorten:Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Dobrin im ehemaligen Kreis Flatow in Pommern (2011). Annenfelde Dobrin Kolonie Kleinfier Minnenrode Vorwerk Minnenrode Ziegelei Dobrin war der Hauptwohnort der Gemeinde Dobrin.
Dobrin war bis 1945 eine selbständige Landgemeinde im Landkreis Flatow. Mit dem Kreis Flatow gehörte Dobrin bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrags 1920 nach dem Ersten Weltkrieg zur Provinz Westpreußen, danach zur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und seit deren Auflösung 1938 zur Provinz Pommern.
Ende Januar/Anfang Februar 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Region von der Roten Armee eingenommen. Ein Großteil der Bewohner flüchtete vor den Kampfhandlungen in Pferdewagentrecks, darunter auch die Gutsbesitzerfamilie des Fritz Jochem von Wilckens, die im Januar 1945 zusammen mit den Bedienstetenfamilien des Gutsbetriebs mit einem Pferdewagentreck aufgebrochen war. Viele mussten jedoch zurückkehren oder wurden später von den sowjetischen Soldaten zurückgeschickt und nur wenigen gelang die Flucht in den Westen. Einwohner von Dobrin, die im Dorf verblieben waren, wurden später von den Besatzern zu Arbeiten herangezogen, so zum Beispiel am 28. Februar, als sie zu diesem Zweck von Sowjetsoldaten im Wald von Bärenwalde zusammengetrieben wurden.Lothar O. Gaunitz (Hrsg.): Die Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland. Podzun-Pallas, Friedberg/H. 1987, S. 181. ISBN 3-7909-0325-6.Günter Böddeker: Die Flüchtlinge - Die Vertreibung der Deutschen im Osten. 3. Auflage, Ullstein, Berlin 1997, S. 205. ISBN 3-548-34322-8. 1945 erfolgte die Enteignung, die Familie von Wilckens-Dobrin lebte dann in Lübeck.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen Thiedicke von Flotow, Walter von Hueck (Red. et al.): Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser, B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert) 1956, Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 517–519.
Bald nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde Dobrin seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wurden die Dorfbewohner von der polnischen Administration aus Dobrin vertrieben. Das deutsche Dorf Dobrin wurde in Debrzno-Wieś umbenannt.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1766 431 Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorn 1867, S. 299. (Online) 1783 – adliger Marktflecken und Vorwerk mit Ziegelei und einer Juden-Synagoge sowie 18 Feuerstellen (Haushaltungen)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 45. (Online). 1818 285 adliges Hauptgut mit 277 Einwohnern und adlige Ziegelei mit acht EinwohnernAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A–F, Halle 1821, S. 275, Ziffer 1245–1246. (Online). 1837 ca. 300 Friedrich Christoph Förster: Statistisch-topographisch-historische Uebersicht über den Preußischen Staat. Berlin und Leipzig 1839, S. 97. (Online) 1852 490 1864 596 1910 944 am 1. Dezember, davon 317 im Dorf (259 Evangelische und 58 Katholiken; zwei Einwohner mit polnischer Muttersprache) und 627 im Gutsbezirk (darunter 508 Evangelische und 115 Katholiken; neun Einwohner mit polnischer Muttersprache)Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder, 4. Kreis Flatow, S. 18–19, Ziffer 12 (books.google.de) und S. 22–23, Ziffer 119. (Online). 1925 966 davon 820 Protestanten, 118 Katholiken und sechs Juden; 712 Einwohner im GutsbezirkKurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 405. (Online). 1933 821 1939 852
Literatur Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Verlag Ernst Lambeck, Thorn 1867, S. 274. (Online) Dobrin, Dorf und Rittergut, links der Dobrinka, Kreis Flatow, Regierungsbezirk Marienwerder, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Dobrin (meyersgaz.org). Heimatbuch für den Kreis Flatow – Grenzmark Posen-Westpreußen – Provinz Pommern. Herausgegeben vom Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow mit Unterstützung des Patenschaftskreises Gifhorn. Druck: Karl Neef oHG (Wittingen), Gifhorn 1971.
Weblinks
Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: William Remus: Dobrin (Debrzno-Wieś), Kreis Flatow, West Prussia (2015) (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Großpolen Kategorie:Gmina Lipka