mini|hochkant=0.9|Wappen der Familie von Siemens
Siemens ist der Name einer deutschen Unternehmerfamilie.
Geschichte mini|Siemenshaus in Goslar
Herkunft Die Familie Siemens ist Teil eines bis heute verbreiteten bürgerlichen Stadtgeschlechts der Reichsstadt Goslar. Mit dem Ackerbürger Henning Symons wird sie am 2. Januar 1384Urkunde im Stadtarchiv Goslar. erstmals urkundlich erwähnt.
Die sichere Stammreihe beginnt mit Ananias Siemens (* um 1538, † 1591), einem Goslarer Bürger, Brauer, Ölmüller und Mitglied der Schuhmachergilde. In Goslar steht auch das Stammhaus der Familie, das Siemenshaus. Neben angesehenen Handwerksmeistern, die in Goslarer Gilden leitende Stellungen einnahmen, brachte die Familie seit Anfang des 17. Jahrhunderts auch erfolgreiche Kaufleute hervor. Sie stellte der Reichsstadt zahlreiche Gilde- und Ratsherren und vier Bürgermeister, zuletzt Johann Georg (1748–1807). Im 18. Jahrhundert gehörte die Familie dem Bildungsbürgertum an. Etliche Familienmitglieder pachteten Gutsbetriebe im Harzvorland, darunter Johann Georg Heinrich Siemens (1735–1805) und, im frühen 19. Jahrhundert, dessen Sohn Christian Ferdinand Siemens, der Vater der Generation der Unternehmensgründer.
Familie Siemens und Siemens AG mini|Siemens-Kabelwerk in Berlin-Siemensstadt um 1900
Der bekannteste Zweig der Unternehmerfamilie geht zurück auf den Landwirt und Gutspächter Christian Ferdinand Siemens (1787–1840). Seine Söhne Werner, Carl, Hans, Friedrich und William wurden als Unternehmer und Ingenieure tätig. Werner Siemens gründete 1847 zusammen mit Johann Georg Halske in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske, aus der 1897 die Siemens & Halske AG entstand, in der später viele Familienmitglieder leitend mitarbeiteten. 1913 wurde das Vermögen der Familie Siemens auf 77,5 Millionen Mark geschätzt. Unter der Leitung von Ernst von Siemens wurde 1966 die Siemens & Halske AG mit der Siemens-Schuckertwerke AG und der Siemens-Reiniger-Werke AG zum heutigen Weltkonzern Siemens AG verschmolzen. Als dessen größter Einzelaktionär ist die Gründerfamilie bis heute im Aufsichtsrat vertreten.
Wappen mini|110px|Wappen von Berlin-Siemensstadt, kombiniert aus den Wappen des Bezirks Charlottenburg, des Bezirks Spandau und der Familie von Siemens (Darstellung am Wernerwerk-Hochhaus)
Das Wappen der Familie von Siemens zeigt in Blau eine silberne Petersilienwurzel mit ihrem Kraut (symbolisiert die Herkunft als Ackerbürger), beseitet von zwei goldenen Sternen. Auf dem Helm mit rechts blau-silbernen, links blau-goldenen Decken die Petersilienwurzel zwischen zwei in den Mündungen jeweils mit einem goldenen Stern besteckten blauen Büffelhörnern.
Bedeutende Personen Namensträger Adolf Siemens (1811–1887), deutscher Artilleriegeneral und Erfinder Alexander Siemens (1847–1928), deutsch-britischer Ingenieur und Unternehmer, Sohn von GustavWilfried Feldenkirchen: Werner von Siemens. Erfinder und internationaler Unternehmer. München / Zürich 1996, ISBN 3-8009-4156-2, S. 100 ff., 192. Arnold von Siemens (1853–1918), deutscher Industrieller Carl Siemens (1829–1906), 1895 geadelt als von Siemens, deutsch-russischer Industrieller, Mitinhaber von Siemens & Halske und Siemens Brothers & Co. Carl Friedrich von Siemens (1872–1941), deutscher Industrieller Carl Georg Siemens (1809–1885), geadelt als von Siemens, deutscher Technologe und Hochschullehrer, Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim bei Stuttgart Christian Ferdinand Siemens (1787–1840), Landwirt, Vater von Werner, William, Carl, Hans und Friedrich Ernst von Siemens (1903–1990), deutscher Industrieller Friedrich Siemens (1826–1904), deutscher Erfinder, Ofen- und Glasfabrikant Georg Siemens (1839–1901), 1899 geadelt als von Siemens, deutscher Bankier. Gründungsdirektor der Deutschen Bank Gustav Siemens (1806–1874), deutscher Jurist und Politiker Hans Siemens (1628–1694), deutscher Kaufmann, Achtmann und Stadthauptmann in Goslar Hans Siemens (1818–1867), deutscher Glasfabrikant Hermann von Siemens (1885–1986), deutscher Industrieller Johann Georg Siemens (1804–1878), deutscher Justiziar, Rechtsanwalt und Politiker, Vater von Georg Nathalie von Siemens (* 1971), Mitglied des Aufsichtsrats der Siemens AG (seit 2015) und der Siemens Healthineers AG (seit 2018), Vorstandssprecherin der Siemens-Stiftung (2013–2020)Biographisches zu Nathalie von Siemens bei marjorie-wiki.de Peter von Siemens (1911–1986), deutscher Industrieller Peter C. von Siemens (1937–2021), deutscher Industrieller Werner Siemens (1816–1892), 1888 geadelt als von Siemens, deutscher Industrieller. Begründer der Firma Siemens & Halske, Erfinder der Dynamomaschine und kaiserlich deutscher Geheimer Regierungsrat. (Carl) Wilhelm Siemens (1823–1883), 1883 geadelt als Sir William Siemens, deutsch-britischer Ingenieur, Naturforscher und Industrieller, seit 1859 britischer Staatsbürger. Mitinhaber von Siemens & Halske und Siemens Brothers (Georg) Wilhelm von Siemens (1855–1919), deutscher Industrieller
Bilder
Weitere Familienangehörige Anna Zanders geb. von Siemens (1858–1939), Tochter von Werner von Siemens, Kulturstifterin Hertha Harries geb. von Siemens (1870–1939), jüngste Tochter von Werner von Siemens, Ehefrau des Chemikers Carl Dietrich Harries, engagierte sich für die sozialen Belange der Siemens-Belegschaft Johanna von Siemens geb. Schomburg (1894–1984), Schwiegertochter Arnolds, übernahm die sozialen Aufgaben von Hertha Harries Gerd von Brandenstein (1942–2023), Nachfahre von Carl, vertrat die Familie von 2008 bis 2015 im Aufsichtsrat der Siemens AG
Adels- und Standeserhebungen Folgende Mitglieder der Familie Siemens wurden geadelt:
Franz Ernst Siemens (1781–1854), persönlicher Adelstitel für seine ErfindungenConrad Wandrey: Werner Siemens. Geschichte seines Lebens und Wirkens, Band 1, München: Albert Langen / Georg Müller, 1942, v.a.S. 48f. 1883: Britischer persönlicher Adelsstand für Carl Wilhelm Siemens (1823–1883, danach Sir Charles William Siemens), Bruder von Werner und Carl Siemens – Ritterschlag als Knight Bachelor durch Königin Victoria vor 1885: Württembergischer persönlicher Adelsstand für Carl Georg Siemens (1809–1885), Vetter dritten Grades von Werner, Carl und Sir William Siemens; seit 1869 Schwiegervater von Werner Siemens (1816–1892) 1888: Preußischer erblicher Adelsstand für Werner Siemens (1816–1892) für seine Verdienste um die deutsche Industrie. Bruder von Carl und Sir William Siemens – Verleihung am 5. Mai 1888 durch den preußischen König und deutschen Kaiser Friedrich III. 1895: Russischer erblicher Adelsstand für Carl Siemens (1829–1906), Bruder von Werner und Sir William Siemens – Verleihung am 25. Februar 1895 durch Zar Nikolaus II. 1899: Preußischer erblicher Adelsstand für Georg Siemens (1839–1901), Neffe zweiten Grades von Werner, Carl und Sir William Siemens
Die heutigen Namensträger von Siemens sind sämtlich Nachkommen Werners.
Genealogie (Auszug) Familienzweige
Linie ab Ananias Siemens (Stammvater) Generationen 1–9
Linie ab Christian Ferdinand Siemens Generationen 7–12
(*) Leitende Funktion bei Siemens & Halske, Siemens Brothers & Co und/oder der Siemens AG.
Stiftungen Die Unternehmerfamilie hat einen Teil ihrer Beteiligung am Unternehmen in verschiedene Familienstiftungen eingebracht, die überwiegend gemeinnützigen Zwecken dienen, insbesondere der Förderung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Sozialem: die Carl Friedrich von Siemens Stiftung, die Ernst von Siemens Musikstiftung, die Ernst von Siemens Kunststiftung, welche öffentliche Kunstsammlungen beim Ankauf von bedeutenden Kunstwerken unterstützt und die Werner Siemens-Stiftung, welche im Bereich von Technik und Naturwissenschaften Projekte an Universitäten und Hochschulen fördert. Die 1909 gegründete Hertha-von-Siemens-Stiftung ermöglichte Firmenangehörigen den Aufenthalt in Erholungsstätten und Ferienheimen gegen ein geringes Entgelt. Eine private Familienstiftung unterhält seit 1916 das Siemenshaus in Goslar als Sammelstätte für das Familienarchiv mit Dokumenten, Bildern und Büchern. Die von der Siemens AG 2008 als Unternehmensstiftung eingerichtete Siemens Stiftung zur Förderung von Grundversorgung, Bildung und Kultur in Entwicklungs- und Schwellenländern wurde von 2013 bis 2020 von Nathalie von SiemensSiehe: Nathalie von Siemens als Vorstandssprecherin geleitet; sie ist zugleich seit 2015 Mitglied des Aufsichtsrats der Siemens AG und seit 2018 der Siemens Healthineers AG.
Archive Im Goslarer Siemenshaus befindet sich ein Archiv zur Familiengeschichte. Die Unternehmensgeschichte, beginnend mit der persönlichen Korrespondenz der „Brüdergeneration“ seit den 1830er Jahren und dem Gesellschaftsvertrag zwischen Johann Georg Halske und den Brüdern Werner und Carl Wilhelm Siemens vom 1. Oktober 1847 zur Gründung der Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske, über die Geschäfts- und Privatkorrespondenzen sowie Notizen und Tagebücher auch der folgenden Generationen, bis hin zu den Unternehmensentwicklungen der Gegenwart, wird seit 1906 im Siemens-Archiv (heute Siemens Historical Institute) in Berlin-Siemensstadt dokumentiert.
Literatur Ludwig Clericus: Die Familie Siemens. Hrsg. Herold (Verein) zu Berlin, In: Der Deutsche Herold. Nr. 19, Berlin 1888. Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 1, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch. (Redaktion und Druck im Vorjahr/Auszug): Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1908, 2. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 858–859. Mit Älterer Genealogie. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel), 31. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 580–582. Stammbaum der Familie Siemens. Stammbaum der Familie Siemens. Hrsg. Leo Siemens, U. Hölscher, F. A. Lattmann, Goslar 1910. Hermann Werner Siemens: Stammbaum der Familie Siemens. Druck C. H. Beck Nördlingen, J. F. Lehmann, München 1935. Leni Siemens: Stammbaum der Familie Siemens. Ergänzungsband 1958, Druck Gebr. Parcus KG München, J. F. Lehmann, München 1958. Alfred Siemens, Sigfrid von Weiher: Stammbaum der Familie Siemens. Ergänzungsband 1973, Kommission Werner-von-Siemens-Institut München, Druck Jocham München, Selbstverlag der Familienstiftung, München 1973. Stiftung Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Sigfrid von Weiher: Stammbaum der Familie Siemens. München 1985. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B (Briefadel), Band XIII, Band 73 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1980. Christoph Franke, Klaus von Andrian-Werburg: Genealogisches Handbuch des Adels. Band XIII, Band 128 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 2002, S. 349–350. . ISBN 978-3-7980-0829-8. Johannes Bähr: Werner von Siemens 1816–1892. München, Zürich 2016. ISBN 978-3-406-69820-0. Wilfried Feldenkirchen: Werner von Siemens. Erfinder und internationaler Unternehmer. 2. Auflage, Piper, München 1996. ISBN 978-3-492-03897-3. Bodo von Dewitz: Werner von Siemens. Sein Leben, sein Werk und seine Familie. Das Lebenswerk in Bildern. Thomas Helms Verlag Schwerin 2016, ISBN 978-3-944033-39-6. Bodo von Dewitz: Carl von Siemens. Sein Leben, sein Werk und seine Familie. Das Lebenswerk in Bildern. Thomas Helms Verlag Schwerin 2016, ISBN 978-3-944033-40-2.
Wolfgang König: Sir William Siemens. 1823–1888. Eine Biographie, C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-75133-2.
Weblinks
Siemens History Site mit Biographien aufeinanderfolgender Unternehmergenerationen und anderer wichtiger Persönlichkeiten der Familie Siemens
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Unternehmerfamilie Kategorie:Deutsches Adelsgeschlecht Kategorie:Stammtafel