Todtmoos ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Der heilklimatische Kurort liegt im Südschwarzwald auf über 700 Meter Höhe.

Geographie Geographische Lage Todtmoos liegt im Süden des Hochschwarzwaldes im oberen Wehratal. Das Gemeindegebiet umfasst 13 Ortsteile und erstreckt sich über eine Höhenlage von 700 m über Normalnull im Wehratal bis zum 1263 m hohen Hochkopf. Todtmoos grenzt an den Hotzenwald.www.hotzenwald-online.de Es liegt etwa 20 Kilometer nördlich der Schweizer Grenze und etwa je 50 Kilometer von Freiburg und Basel entfernt.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Todtnau im Landkreis Lörrach und Bernau, im Osten an Ibach, im Süden an Herrischried und im Westen an den Ortsteil Gersbach (Schopfheim) der Stadt Schopfheim und Häg-Ehrsberg, beide im Landkreis Lörrach.

Gemeindegliederung mini|Ortsteile von Todtmoos (Karte nach Westen ausgerichtet) Das Gemeindegebiet besteht aus 13 räumlich voneinander getrennten Ortsteilen. Die Namen der Ortsteile – ausgenommen Vordertodtmoos und Hintertodtmoos – werden mit dem vorangestellten Namen der Gemeinde und mit diesem durch Bindestrich verbunden geführt.Gemeinde Todtmoos. Hauptsatzung vom 24.09.2004 in der Fassung vom 17.11.2017. Abschnitt VI. Ortsteile. Die Gemeinde Todtmoos gliedert sich in die Ortsteile Vordertodtmoos, Todtmoos-Höfle, Hintertodtmoos, Todtmoos-Rütte, Todtmoos-Prestenberg, Todtmoos-Strick Todtmoos-Weg, Todtmoos-Lehen, Todtmoos-Mättle, Todtmoos-Schwarzenbach, Todtmoos-Glashütte, Todtmoos-Berghütte, Todtmoos-Au.

In diesen Ortsteilen liegen die Häuser Auerhäusle, Huberhaus, Wehrawald und Zumkeller Säge.

Per 1. Januar 1977 wurde der bis dahin zum Ortsteil Gersbach der Stadt Schopfheim gehörige Weiler Gersbach-Au der Gemeinde Todtmoos zugeordnet, wodurch er auch vom Landkreis Lörrach zum Landkreis Waldshut wechselte.Bekanntmachung des Regierungspräsidiums Freiburg über die Änderung von Gemeinde- und Landkreisgrenzen (Schopfheim, Landkreis Lörrach, und Todtmoos, Landkreis Waldshut) vom 22. Dezember 1976. Der Weiler ist in Todtmoos-Au aufgegangen.

Im Gemeindegebiet liegt die Wüstung Neuenstein,Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 1020–1021 wo sich nach Metz die Burg Neuenstein der Herren von Stein erhob.Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds. 1980, ISBN 3-7946-0174-2. Heute wird davon ausgegangen, dass sich die Burg Neuenstein auf dem Burgholz bei Raitbach befand.Klaus Schubring: Die Herrschaft Neuenstein und Hausen im Wiesental. In: Das Markgräflerland, Heft 1/1994, S. 42–64 Digitalisat der UB Freiburg Siehe dort v. a. S. 50 f.

Klima Der heilklimatische Kurort Todtmoos ist eingebettet ins steile und waldreiche Wehratal. Das milde Reizklima der Mittelgebirgslage zeichnet sich durch lange Sonnenscheindauer, Luftreinheit, Nebelarmut, winterliche Temperaturumkehr gegenüber dem Rheintal (Inversionswetterlage) und angenehme Frische an Hochsommertagen aus. Weiterhin ist Todtmoos niederschlagsreich, es fallen im Durchschnitt 1900 mm im Jahr. Dies ist auf die Wolken-Blockade des 1263 m hohen Hochkopfes zurückzuführen. In Wintermonaten beträgt die durchschnittliche Schneehöhe 40 cm bis 60 cm, in Einzelfällen bis zu 150 cm.

Geschichte Nach einer Legende errichtete der Leutpriester Dietrich von Rickenbach 1255 nach einer Marienerscheinung eine Kapelle auf dem Schönbühl. 1268 wurde an dieser Stelle eine Kirche errichtet, die sofort zur Unserer Lieben Frau (Todtmoos) erhoben wurde. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Todtmoos 1267, 1275 wird der Ort als Besitz der Habsburger erwähnt. Im Jahr 1300 wurde die Kirche erweitert. 1319 kam Todtmoos als Lehen an das Benediktinerkloster St. Blasien. 1439 wird von einer Wallfahrt Basler Einwohner berichtet, an der 1000 Personen teilgenommen haben sollen. mini|Pioniere unter Herzog Karl V. von Lothringen vor Todtmoos Nach einem Brand der Kirche im Jahr 1627 wurde die Wallfahrtskirche im Folgejahr wieder errichtet; sie erhielt einen gewölbten Chor und zwei Seitenschiffe. 1678 zog Herzog Karl V. von Lothringen mit der kaiserlichen Armee durch Todtmoos. 1733 errichteten die Äbte von St. Blasien im Ort eine Sommerresidenz, das Superioratsgebäude, das heute das katholische Pfarrhaus ist. Es wurde durch den Vorarlberger Baumeister Johann Michael Beer von Bleichten erbaut. Die Ausstattung des repräsentativen Bauwerks besorgten Handwerksmeister der Wessobrunner Schule, genannt wird der Stuckateur Hans Michael Hennenvogel. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche auf dem Schönbühl wurde in den Jahren 1770 bis 1778 durch den Architekten Franz Joseph Salzmann barock umgebaut. 1778 erhielt der Ort das Marktrecht.

Nachdem Vorderösterreich als Herrschaftsgebiet der Habsburger 1806 erloschen war, ging der Ort an das Großherzogtum Baden und Todtmoos wurde dem Bezirksamt St. Blasien zugeteilt. 1847 wurde mit dem Bau einer Straße durch das Wehratal begonnen, 1852 ist die Straße fertig. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert wurde der Ort als Erholungsort und Luftkurort entdeckt: 1897 wurde das Kurhaus Luisenbad eröffnet, 1901 folgte das Sanatorium Wehrawald im englischen Baustil als Heilstätte für Tuberkulose-Kranke. Auch die dörfliche Infrastruktur wurde verbessert: 1903 wurde ein neues Rathaus fertig, 1905 das Forstamt, und 1908 wurde die erste elektrische Leitung durch die Kraftabsatzgenossenschaft Waldelektra in Betrieb genommen. Größere Investitionen gab es erst wieder nach dem Ersten Weltkrieg: 1925 wurde der Aussichtsturm auf dem Hochkopf errichtet, 1927 wurde die Wallfahrtskirche erweitert. 1935 wurde die Teilselbständigkeit der Ortsteile aufgehoben, Todtmoos wurde eine Einheitsgemeinde. Von der Auflösung des Bezirksamtes St. Blasien (1924) bis 1936 gehörte Todtmoos zum Bezirksamt Schopfheim und nach dessen Auflösung zum Bezirksamt Säckingen.

In der NS-Zeit wurde eine Person jüdischer Herkunft mit Wohnsitz in Todtmoos deportiert und ermordet. Heinrich Wollheim (geboren 1885 in Schmiegel) wurde am 22. August 1942 nach Ghetto Theresienstadt deportiert und am 19. Oktober 1944 nach KZ Auschwitz. Er wohnte in der Hauptstraße 35a im „Haus Kaiser“. Fünf weitere Personen in Todtmoos wurden nach Nazi Rassengesetzen als jüdisch eingestuft: Berta Boedeker, geborene Rosenbaum (1904–1986) und ihre fünf Kinder. Sie überlebte mit ihren Kindern in einer sogenannten Mischehe mit dem Facharzt für Lungenkrankheiten Anton Boedeker (1901–1979).

Die erste Lungenresektion in Deutschland an einem Tuberkulosekranken wurde 1948 durch den damaligen leitenden Arzt Dr. Good im Sanatorium Wehrawald durchgeführt. 1951 gründete Karlfried Graf Dürckheim zusammen mit Maria Hippius Gräfin Dürckheim die Existential-psychologische Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte.

Auf 960 Meter Höhe befand sich unter Leitung des Facharztes K. Kaufmann das Sanatorium und Kurheim „Sonne“ und versprach Erfolgskuren bei Erkrankungen der Atmungswege.Sammelanzeige des Verbandes Deutscher Privatkrankenanstalten e. V. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXV. Die Folgejahre waren in der Gemeinde geprägt von Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur: 1953 Bau von Wasserleitung und Kanalisation in Vordertodtmoos, 1956 Einweihung der neuen evangelischen Kirche „Zum guten Hirten“, 1960 Einweihung des neuen Schulhauses auf der Jägermatt, 1961 Bau einer großen Zentralkläranlage für Vordertodtmoos. Im Jahr 1968 konnte die Todtmooser Pfarrei ihr 700-jähriges Jubiläum feiern.

Die Verwaltungsreform in Baden-Württemberg brachte für die Gemeinde Todtmoos einige Änderungen: Da der Landkreis Säckingen aufgelöst wurde, kam der Ort 1973 zum Landkreis Waldshut; 1975 konnte der Beitritt zum Gemeindeverwaltungsverband St. Blasien den drohenden Verlust der Selbständigkeit der Gemeinde verhindern. Im gleichen Jahr fand das 1. Schlittenhunderennen statt, eine Veranstaltung, die Todtmoos weltweit bekannt machte. 1985 fand die erste Europameisterschaft in dieser Sportart in Todtmoos statt, 1994 die erste Weltmeisterschaft in Deutschland.

1980 wurde die Wehratalhalle mit Kurhaus, Turnhalle und Feuerwehrhaus eingeweiht. 1980 wurde das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg bestätigt. In den Folgejahren wurde ein neuer Kurpark eingeweiht (1983), das Freibad saniert (1986), das Museum Heimethus eingerichtet (1991), das Schaubergwerk „Hoffnungsstollen“ eröffnet und die Schule saniert (2000).

Politik Gemeinderat Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 10 Mitglieder an.Ergebnis der Gemeinderatswahl 2024 in Todtmoos. In: Badische Zeitung vom 10. Juni 2024 Die Kommunalwahlen 2024 führten zu folgenden Ergebnissen: Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 % 2014 Sitze 2014 % 2009 Sitze 2009 Freie Wähler Todtmoos e. V. - - 52,6 5 56,0 6 57,6 7 Christlich Demokratische Union - - 47,4 5 44,0 4 42,4 5 Bürgerliste 99,4 10 - - - - - - Gesamt 100 10 100 10 100 10 100 12 Wahlbeteiligung 56,9 % 60,6 % 56,4 % 62,2 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 18. September 2022 Marcel Schneider. Er wurde am 26. Juni 2022 mit 77,7 Prozent der Stimmen gewählt. Seine Vorgängerin Janette Fuchs, die ab 2014 amtierte, erhielt lediglich 16,5 Prozent der Stimmen. Auf den dritten Platz landete Tobias Büscher. Zuvor hatte Herbert Kiefer 24 Jahre dieses Amt inne.

Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Todtmoos ist Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbands St. Blasiens. Gemeindeordnung Baden-Württemberg § 59 (gängige Abkürzung = GVV) im baden-württembergischen Landkreis Waldshut, zu dem sich die Stadt St. Blasien und sechs Gemeinden (Höchenschwand, Häusern, Bernau, Todtmoos, Ibach und Dachsberg) zusammengeschlossen haben. Todtmoos wird in der Verbandsversammlung durch den Bürgermeister und einen weiteren Vertreter repräsentiert.

Wappen rechts|90px|Wappen von Todtmoos Blasonierung: „Über grünem Schildfuß von Rot und Silber gespalten, vorn ein goldenes Hochkreuz (lateinisches Kreuz), überhöht von einem achtstrahligen silbernen Stern, hinten eine grüne Tanne.“Todtmoos. In: Das Kreuz weist auf die Bedeutung als Wallfahrtsort hin, die Tanne verweist auf die ehemalige Zugehörigkeit zur Grafschaft Hauenstein. Das Wappen wurde 1911 vom Generallandesarchiv Karlsruhe auf Basis früherer Siegel vorgeschlagen und von der Gemeinde angenommen.Todtmoos. In:

Bevölkerung Einwohner Die Zahl der Einwohner von Todtmoos entwickelte sich wie folgt:Bevölkerungsentwicklung: Todtmoos, zuletzt aufgerufen am 26. September 2024.

Jahr Einwohner 1852 1847 1871 1634 1880 1602 1890 1383 1900 1485 1910 1488 1925 1552 1933 1521 Jahr Einwohner 1939 1558 1950 1783 1956 1803 1961 1937 1970 1940 1981 1989 1990 2279 2000 2104 2010 2014 2023 2084 Quellen: Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs im Jahre 1981 Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs im Jahre 1990 Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs im Jahre 2000

Religion mini|Wallfahrtskirche – Unserer Lieben Frau In Todtmoos gibt es seit dem 14. Jahrhundert eine katholische Pfarrei. Als Gemeinde in Vorderösterreich und Lehen des Klosters St. Blasien blieb der Ort immer katholisch. Die katholische Kirche gehört zu den imposanten Bauwerken der Gemeinde und ist ein Anziehungspunkt für Wallfahrer. Seit 1987 befindet sich in Todtmoos ein Kloster der Pauliner. Zurzeit leben vier Ordensmitglieder aus Polen im Kloster.Paulinerorden Todtmoos

Erst seit Beginn des Kurbetriebs um 1900 kamen vermehrt auch evangelische Christen in den Ort. 1920 gab es einen ersten Pfarrer. Die auch heute noch eher kleine evangelische Gemeinde erhielt 1956 ihre Kirche Zum guten Hirten.Kirche des guten Hirten auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Todtmoos.