Kadri Aytaç (* 6. August 1931 in Istanbul; † 28. März 2003 ebenda) war ein türkischer Fußballspieler, -trainer und -funktionär. Obwohl er auch für den Erzrivalen Fenerbahçe Istanbul aktiv war, wird er durch seine Tätigkeit für Galatasaray Istanbul vorwiegend mit diesem Verein assoziiert. Auf Fan- und Vereinsseiten wird er als einer der bedeutendsten Spieler der Klubgeschichte bezeichnet.webaslan.com: „Kadri Aytaç toprağa verildi“ (abgerufen am 2. Februar 2013)fcnblog.com: „Balayında maça çıkan adam; Kadri Aytaç“ (abgerufen am 9. Dezember 2012) Er war ein wichtiger Bestandteil jener Mannschaft, die mit Spielern wie Metin Oktay, Suat Mamat, İsfendiyar Açıksöz, Ali Beratlıgil und Turgay Şeren den türkischen Fußball der 1950er und 1960er Jahre stark beeinflusste. (abgerufen am 2. Februar 2013)ntvmsnbc.com: „Üzgünüm gidenler için/2“ (abgerufen am 1. Dezember 2012) Durch seinen Wechsel von Galatasaray zum Stadtrivalen Karagümrük SK wurde er auch Hauptakteur des ersten großen Transfercoups im türkischen Fußball. An diesen Wechsel wird bei großen Transfers im türkischen Fußball heute noch gerne erinnert.karagumrukefsanesi: „Kadri Aytaç“ (abgerufen am 2. Februar 2013) Mit der Türkischen Nationalmannschaft nahm er an der Weltmeisterschaft 1954 teil. Nach seiner Karriere als Spieler begann er eine erfolgreiche Trainerkarriere und erreichte in dieser Funktion mehrere Rekorde im türkischen Fußball.

Spielerkarriere Kindheit und Jugend Kadri Aytaç kam 1931 im Istanbuler Viertel Kasımpaşa (Stadtteil Beyoğlu) auf die Welt und wuchs hier in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war ein Schneider, der sich auf das Herstellen von Bettwaren für die nähere Umgebung spezialisiert hatte, seine Mutter eine Hausfrau. Um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, waren die Eltern aus der Schwarzmeerregion der Türkei nach Istanbul umgezogen, wo sie sich im Stadtteil Kasımpaşa niederließen. Die Bevölkerung des damaligen Kasımpaşa setzte sich aus einer Vielzahl verschiedener Gruppen zusammen: Einerseits war da die alteingesessene christliche Minderheit, bestehend aus den Istanbuler Griechen und Armeniern, und andererseits gab es alteingesessene türkische Istanbuler. Darüber hinaus machten, neben den Roma, die aus unterschiedlichen Gebieten Anatoliens eingewanderten Menschen das Bezirksbild aus. Jene beiden Gruppen gehörten zur sozialen Unterschicht und lebten am Rande des Existenzminimums. Aytaçs Familie gehörte zur letztgenannten Gruppe. In diesem Umfeld erlernte Aytaç das Fußballspielen auf der Straße. Hier spielte er mit seinen Freunden auf einer ungenutzten Fläche gegenüber der berühmten Elhamra Pasajı (deutsch: Alhambra-Passage), die sie zu einem provisorischen Bolzplatz aufgebaut hatten, regelmäßig als Kiezmannschaft Fußball. Weitere oft besuchte Orte seiner Jugend waren die Aynalıçeşme (deutsch: Spiegelbrunnen) und die İtalyan Yokuşu (deutsch: Der italienische Hang). Einige seiner Freunde sollten später zu bekannten Persönlichkeiten der Türkei werden, etwa Gazanfer Özcan (Theater- und Filmschauspieler), Orhan Günşiray (Filmschauspieler), Feridun Karakaya, auch als Cilalı İbo bekannt (Komiker und Filmschauspieler), Fikret Hakan (Filmschauspieler) und Adnan Şenses (Musiker und Schauspieler). Während seine Freunde allmählich das Interesse am Fußball verloren, vertiefte sich Aytaç immer mehr in dieses Hobby. Obwohl sein Vater ihm das Fußballspielen untersagt hatte und ihn deswegen auch mehrfach verprügelte, ließ er vom Fußball nicht ab. Er nähte sich sogar aus den Arbeitsmaterialien seines Vaters eigene Fußbälle. Nachdem in dem Teehaus, das sein Vater oft besuchte, Aytaçs Fußballtalent mehrfach gelobt worden war, erlangten Aytaçs Bestrebungen auch das Wohlwollen seines Vaters.

Verein Beyoğluspor Ermutigt durch diese familiäre Unterstützung, versuchte er sich fußballerisch weiterzuentwickeln. Zu dieser Zeit hatte sein Heimatbezirk zwei große Fußballvereine vorzuweisen: Kasımpaşa Istanbul und Beyoğluspor. Letzterer war zu dieser Zeit populärer und vertrat eher jenen Teil des Bezirkes, in dem Aytaç aufwuchs. Beyoğluspor, früher auch unter dem Namen Pera SK bekannt, war eigentlich die Mannschaft der Istanbuler Griechen. Dennoch repräsentierte der Verein den gesamten Bezirk. So umfasste der Mannschaftskader neben den überwiegend griechischstämmigen Spielern auch immer einige türkische Spieler. Gleiches galt auch für die Anhängerschaft.

Im Rahmen von Feierlichkeiten zum Osterfest organisierten die christlichen Bevölkerungsgruppen ein Fußballturnier, an dem auch einige Verantwortliche und Spieler von Beyoğluspor teilnahmen. Aytaç sah hier eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Als Jugendlicher ging er in voller Fußballermontur bereits Stunden vor Turnierbeginn zum Austragungsort. Während einer Begegnung näherte er sich dem Trainerstab der griechischen Mannschaft und gab hörbar abfällige und vorlaute Bemerkungen, wie „Soll man mit diesen Spielern etwa das Spiel gewinnen…“, über die Leistung der Mannschaft ab. Von seinen Bemerkungen genervt, ließ der Trainer Aytaç einwechseln. Prompt gelang es dem jungen Aytaç, durch ansehnliche Spielzüge alle Anwesenden von seinem Talent zu überzeugen. Nach diesem Auftritt sprach sich das Talent von Aytaç auch innerhalb der Fußballgemeinschaft des Viertels herum. So machte Beyoğluspor das erste Angebot und engagierte das damals achtzehnjährige Talent für eine Summe von 1000 Türkischen Lira. Aytaç spielte zunächst eine kurze Zeit für die Jugendmannschaft Beyoğluspors. Für ein Freundschaftsspiel gegen Fenerbahçe Istanbul wurde er in den Kader der Profis aufgenommen und spielte bei dieser Begegnung von Beginn an. Dabei gelang ihm gegen den damals unumstritten besten türkischen Torhüter Cihat Arman ein ansehnlicher Treffer aus der Distanz, wobei Aytaç einen Fehler von Arman ausnützte. Diese Vorstellung machte das junge Talent noch bekannter und sorgte dafür, dass er im Profikader blieb.26. März 1968, Milliyet Spor Beilage, Seite 3 Beyoğluspor spielte damals in der İstanbul İkinci Küme (dt.: Zweite Istanbuler Liga), in der sich u. a. auch Vereine wie Eyüpspor, Adalet Istanbul, İstanbulspor, Kasımpaşa Istanbul, Topkapı Istanbul, Rami SK und Taksim SK befanden. Aytaç wurde zu einem der Shootingstars der Liga. So wurden die drei großen Vereine Fenerbahçe Istanbul, Beşiktaş Istanbul und Galatasaray Istanbul auf Aytaç aufmerksam und versuchten ihn zu verpflichten.

Zur Saison 1952/53 stieg Beyoğluspor in die damals prestigeträchtigste Liga der Türkei, in die İstanbul Profesyonel Ligi (dt.: Istanbuler Profiliga) auf und spielte fortan gegen Fenerbahçe, Beşiktaş und Galatasaray. Auch in dieser Liga war Aytaç mit acht Toren in 18 Spielen einer der auffälligsten Spieler.

Galatasaray Istanbul Im Sommer 1953 reagierte zunächst Beşiktaş durch den damaligen Trainer und Manager Sadri Usuoğlu am schnellsten und einigte sich mit Spieler und Klub. Der Wechsel zu Beşiktaş wurde dadurch begünstigt, dass Beyoğluspor sein Training im Şeref Stadium absolvierte, welches sich damals im Besitz von Beşiktaş befand. Aytaç nahm mit Beşiktaş am Saisonvorbereitungscamp in der Provinz Adana teil und kam bei Vorbereitungsspielen gegen Milli Mensucat SK und eine Auswahlmannschaft Adanas zum Einsatz. Als die Mannschaft nach Istanbul zurückkehrte, wurden die Spieler für ein paar Tage beurlaubt.

Über die Ankunft Aytaçs informiert, setzte sich die damalige Spielerlegende von Galatasaray Istanbul, Gündüz Kılıç (auch als Baba Gündüz bekannt), mit Aytaç in Verbindung. Kılıç hatte gerade seine aktive Laufbahn beendet und als Co-Trainer von Galatasaray zu arbeiten begonnen. Ihm gelang es, Aytaç bei einem Su Muhallebisi, einer Art türkischer Pudding, davon zu überzeugen, dass es für seine Karriere besser wäre, für die Rot-Gelben zu spielen. Da damals im türkischen Fußball keine Verträge unterschrieben wurden, konnte Aytaç problemlos zu Galatasaray gehen.1. August 1953, Milliyet, Seite 5 Er willigte ein, für die Summe von 1500 Lira für Galatasaray zu spielen.8. Juli 1958, Milliyet, Seite 6 Vom damaligen ungarischen Trainer László Székely von Galatasaray wurde er gleich am ersten Spieltag der Saison in der Stammelf eingesetzt und wusste zu überzeugen. Am dritten Spieltag, am 30. Oktober 1953, erzielte er beim 6:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Emniyet SK sein erstes Ligator für seinen neuen Verein. Bis zum Jahresende absolvierte er alle Spiele seiner Mannschaft, erzielte dabei fünf Tore und avancierte zu einem der Stars der Liga.

Der damalige Trainer der türkischen Nationalmannschaft, der Italiener Sandro Puppo, wurde daraufhin auf den Youngster aufmerksam und nominierte ihn für die Mittelmeerpokal-Begegnung gegen die zweite Auswahl der italienischen Nationalmannschaft, damals auch als Italien B bekannt, am 11. Dezember 1953.Spielbericht Türkei-Italien B am 11. Dezember 1953 in tff.org. In dieser Begegnung gab Aytaç, der von Beginn an spielte, sein Länderspieldebüt.

Sein Vereinstrainer Székely verließ nach dem 10. Spieltag den Klub und wurde durch den bisherigen Co-Trainer Gündüz Kılıç ersetzt. Mit diesem Trainer erreichte Galatasaray zum Saisonende hinter Beşiktaş den Vizemeistertitel, woran Aytaç mit seinen elf Treffern in 16 Ligaspielen als treffsicherster Spieler seines Teams maßgeblichen Anteil hatte. In der Torschützenliste der Saison wurde er als noch junger und zuvor unbekannter Spieler hinter den damaligen Stars Lefter Küçükandonyadis und Garbis İstanbulluoğlu überraschend Dritter. Durch diese Erfolge wurde er vom Nationaltrainer Puppo in den Kader der Türkei für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 nominiert, kam aber während des Turniers nicht zum Einsatz.

In der zweiten Spielzeit bei Galatasaray gewann man – zum ersten Mal in dieser erst vier Spielzeiten alten Liga – die Meisterschaft aufgrund der besseren Tordifferenz vor Beşiktaş. Aytaç war mit seinen zehn Ligatoren maßgeblich am Erfolg beteiligt und war hinter Ali Beratlıgil, der 14 Tore erzielte, der zweiterfolgreichste Torschütze seines Vereins. In der darauffolgenden Saison kam mit Metin Oktay ein damals unbekannter junger Stürmer in die Mannschaft, der später zu den wichtigsten Spielern im türkischen Fußball aufsteigen sollte. Mit Metin Oktay, Suat Mamat, İsfendiyar Açıksöz, Ali Beratlıgil und Güngör Okay sollte Aytaç in den nachfolgenden Jahren ein Offensivgespann bilden, das sowohl für Galatasaray als auch für den türkischen Fußball als legendär gelten sollte. Mit Oktay gelang in der Spielzeit 1955/56 die Titelverteidigung. Aytaç war mit sieben Toren hinter Oktay, der mit 19 Toren Torschützenkönig der Liga wurde, zweiterfolgreichster Torschütze. In dieser Saison wurde besonders das effektive Zusammenspiel der fünf Offensivspieler Galatasarays und speziell jenes zwischen Aytaç und Oktay von der Fachpresse hervorgehoben. Aytaç galt als großer Vorlagengeber für Oktay.

In der Saison 1956/57 verfehlte Galatasaray die Titelverteidigung und wurde aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Vizemeister hinter dem Erzrivalen Fenerbahçe. Aytaç erlebte eine eher enttäuschende Saison und blieb hinter seinen üblichen Leistungen zurück. Die verpasste Meisterschaft sorgte für Missstimmung zwischen der Vereinsführung und dem bisherigen Erfolgstrainer Gündüz Kılıç. Kılıç, der von den Spielern sehr geschätzt wurde, trennte sich im Streit vom Verein und wurde wenig später durch Musa Sezer ersetzt. Mit jenem Trainer und ab Dezember 1957 mit dem britischen George Dick gewann Galatasaray die Meisterschaft 1957/58. Aytaç zählte zu den überragenden Spielern der Saison. Mit 14 Toren erlebte er seinen Karriererekord und wurde hinter Oktay, der erneut Torschützenkönig wurde, Zweiter in der Torschützenliste der Liga.

Karagümrük Istanbul