Velten [] ist eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Oberhavel in Deutschland. Aufgrund der bedeutenden Rolle der Tonwarenindustrie trägt Velten den Beinamen Ofenstadt.
Geographie Lage Velten liegt am naturräumlichen Übergang von der Zehdenick-Spandauer Havelniederung zur Hochfläche des Gliens.
Nachbargemeinden Velten grenzt von Norden ausgehend im Uhrzeigersinn an Leegebruch, Oranienburg, Hohen Neuendorf, Hennigsdorf und Oberkrämer.
Stadtgliederung Neben dem eigentlichen Ort Velten gehören die Wohnplätze An der Marwitzer Trift, Heidekrug, Hohenschöpping und Siedlung am Bärenklauer Weg zum Stadtgebiet.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Stadt Velten
Hohenschöpping liegt südöstlich der Kernstadt am Oder-Havel-Kanal, Heidekrug im Osten.
Geschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche, erbaut 1750 Von den Anfängen bis zur Industrialisierung Erste Spuren menschlicher Besiedlung im Veltener Stadtgebiet, stammen aus der Zeit um 1500 v. Chr. bis 800 v. Chr. In der Breiten Straße im Bereich des Angers, der Kirche, sowie der Realschule fand man 1999 bei Bauarbeiten Keramikscherben eines Gefäßes (eventuell einer Urne) aus der Bronzezeit. In die Zeit um 600 v. Chr. fallen die Reste eines Back- oder Brennofens, den Bauarbeiter in der Breiten Straße ausgruben.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 9–10.
Der Ortsname Velten ist auf eine Namensübertragung im Zuge der deutschen Ostexpansion zurückzuführen. Etwa um 1180 wurden hier Bauern aus dem Ort Veltheim am Fallstein (ostfälisch: Velten) angesiedelt.Heinrich Harmjanz: Frühaskanische Landnahme im brandenburgischen Havelland (gezeigt am Beispiel des Glin). Berlin 1942. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 24. Februar 1355, als der Markwart von Lauterbach unter anderen Velten an den Ritter Copke von Bredow verkaufte. Die nächsten drei Jahrhunderte gehörte Velten dem Adelsgeschlecht der von Bredow. In dieser Zeit sind die Schreibweisen Felthim, Feltheim, Feltin, Feltein, Feltzin und Feltym in unterschiedlichen Dokumenten vorgekommen.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 13–14.
Im Jahre 1750 erbaute man auf dem Anger die evangelische Dorfkirche und 1863 nördlich davon das Pfarrhaus.
Während des Zweiten Schlesischen Krieges drangen am 10. September 1760 russische Soldaten in Velten ein, brandschatzten, verübten Gewalttaten und erpressten 100 Taler von der Bevölkerung.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 19. mini|hochkant|Denkmalgeschütztes märkisches Mittelflurhaus Breite Straße 30
Anfang des 19. Jahrhunderts war Velten ein reines Ackerdorf mit dem für diese Gegend typischen Anger, um den sich zwölf Hofwirtschaften gruppierten. Das typische Gebäude dieser Zeit war das märkische Mittelflurhaus aus Lehmwänden und mit Schilfrohr gedeckt. Ab 1800 baute man diese Häuser auch mit Ziegelsteinen. Bei diesem Haustyp befand sich der Eingang auf der der Straße zugewandten Giebelseite, auf der abgewandten Giebelseite lagen die Viehställe unter demselben Dach.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 17.
Im Jahre 1806 nach der durch Preußen verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt erschienen französische Truppen und nahmen das Vieh und die Kirchenkasse mit. Ab August 1807 mussten französische Truppen beherbergt werden, die bis 1812 blieben.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 22. Im Jahre 1816 gehörte Velten zum neu gebildeten Landkreis Osthavelland.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 49.
Industrialisierung 1828 begann die Geschichte der Veltener Ofen- und Kachelindustrie. Grundlage dafür waren die westlich des Ortes gelegenen Tonvorkommen. 1835, als Velten nur 500 Einwohner hatte, ließ der Maurerpolier Johann Ackermann die erste Ofenkachelfabrik erbauen, 1878 wurden in 22 Ofenkachelfabriken etwa 22.000 Öfen hergestellt. 1894 waren es schon 35 Fabriken mit 2000 Beschäftigten, bis zum Jahr 1903 kamen noch 18 Unternehmen dazu, Velten zählte somit zu diesem Zeitpunkt 43 Ofenfabriken und keramische Werkstätten. 1905 war der wirtschaftliche Höhepunkt mit einer jährlichen Produktion von 100.000 Kachelöfen erreicht. Durch die Erfindung der weißen Schmelzglasur wurde die Veltener Kachel ein Weltbegriff.
Im Jahre 1895 baute die katholische Gemeinde in der heutigen Schulstraße die Kirche St. Joseph im neoromanischen Stil und ein Pfarrhaus.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 45–46. Im Jahre 1890, Velten hatte inzwischen rund 7000 Einwohner, gehörten 5422 der evangelischen und 179 der katholischen Konfession an. mini|1885 erbautes Schulgebäude, seitdem durchgehend als Schule genutzt Das erste Schulgebäude, das als solches gebaut wurde, war die 1877 errichtete Schule in der Breiten Straße 16. Der erste moderne Schulbau entstand 1885 in der Viktoriastraße und wird bis heute durchgehend als Schule genutzt. Die Freiwillige Feuerwehr entstand 1887 mit 22 aktiven und sechs passiven Mitgliedern.
Seit 1893 war Velten durch die Kremmener Bahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Jahre 1910/11 wurde der Veltener Hafen angelegt und durch den Veltener Stichkanal mit der Havel verbunden. Verschiedene Firmen, wie Eisenfabriken, Gießereien, Steingutfabriken, chemische Werke und Sägewerke siedelten sich im umliegenden Industriegebiet an.
Im Ersten Weltkrieg war Velten Standort der 5. Eskadron der Train-Ersatz-Abteilung Nr. 3. Aufgrund von Rohstoff- und Arbeitermangel mussten viele Unternehmen ihre Produktion einstellen. Insgesamt fielen 280 Veltener an der Front.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 72–73.
Am 5. Februar 1922 wurde das neue Rathaus, ein ehemaliges Elektrizitätswerk, eingeweiht. Dadurch befand sich die Gemeindeverwaltung, die zuvor auf drei Standorte verteilt war, erstmals unter einem Dach. Im gleichen Jahr entstand durch Umbau einer alten Scheune die heute noch bestehende Schule in der Breiten Straße. Am 16. März 1927 erreichte die erste S-Bahn aus Berlin-Stettiner Bahnhof im fahrplanmäßigen Verkehr den Bahnhof. Zur Wartung der neuen Züge hatte die Deutsche Reichsbahn eine neue Triebwagenhalle errichten lassen. Im Jahre 1931 entstand das neue Postgebäude und die Poststraße. Anfang der 1930er Jahre produzierten noch 15 Ofenfabriken im Ort.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 79–81.
Zeit des Nationalsozialismus Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielten die Sozialdemokraten 1756 Stimmen, die Nationalsozialisten 1687 und die Kommunisten 1340 Stimmen. In der heutigen Karl-Liebknecht-Straße wurde das Adolf-Hitler-Haus als Lager des RAD eingeweiht. Durch die zunehmende Industrialisierung des Ortes wuchs die Einwohnerzahl auf rund 9000, so dass Velten 1935 das Stadtrecht verliehen wurde.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 84–91. Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde im Meisnershof im Forstbezirk Hohenschöpping ein frühes KZ eingerichtet, das zur Verschleierung des brutalen Umgangs mit den dort inhaftierten politischen Gefangenen als „Fahrschule der SA“ bezeichnet wurde. Im Juni 1933 wurde es aufgelöst – wie alle frühen KZ – und die Gefangenen in das KZ Oranienburg überführt.Günter Morsch, Agnes Ohm (Hrsg.): Terror in der Provinz Brandenburg, Frühe Konzentrationslager 1933/34. Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Band 46. Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-211-4, S. 85. Von 1938 bis 1941 befand sich in Velten das Depot, in dem die als „entartet“ beschlagnahmten Kunstwerke, die in der Nazipropaganda-Wanderausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt werden sollten, gelagert wurden.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
Ab 1938 befand sich an der Berliner Chaussee am Rande Veltens ein Übungsplatz des Regiments Hermann Göring, wo Teile der Einheit bis Kriegsende stationiert waren.Alfred Otte: Die weißen Spiegel, Vom Regiment zum Fallschirm-Panzerkorps. Dörfler Verlag, ISBN 3-89555-271-2, S. 16. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in den Firmen Felix Deichmann, Borsig, Bergmann und Ikaria. Laut Totenliste ruhen auf dem Friedhof 75 Todesopfer der Zwangsarbeit mit einem hohen Anteil aus der Sowjetunion und Polen sowie Rumänien, Bulgarien und Frankreich. Nach anderen Angaben wurden sogar über 100 ausländische Tote dort bei Kriegsende bestattet. Neben dem Zwangsarbeiterlager gab es seit März 1943 ein Außenlager des KZ Ravensbrück mit bis zu 722 Frauen. Diese wurden in der Rüstungsproduktion der Veltener Maschinenbau GmbH Ikaria in der Berliner Straße 12b bzw. der Havelschmelzwerk GmbH in der Berliner Straße 8 eingesetzt und mussten Flugzeugteile montieren, die dann an die Heinkel-Werke Oranienburg geliefert wurden.Norbert Rohde: Historische Militärobjekte der Region Oberhavel. Band 1: Das Heinkel-Flugzeugwerk. Oranienburg, Velten Verlag, Leegebruch 2006, ISBN 3-9811401-0-9, S. 65. Am 23. April 1945 besetzte die Rote Armee Velten. Im Zweiten Weltkrieg fielen 270 Veltener an der Front, und 91 Zivilisten wurden infolge von Bombenabwürfen und Kampfhandlungen bis Kriegsende getötet.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 95.
Nachkriegszeit und DDR Am 27. April 1945 wurde im Rathaus eine sowjetische Kommandantur errichtet und die neue Stadtverwaltung unter Max Dietrich gebildet. Velten blieb zwar bis auf Ausnahmen von kriegsbedingten Zerstörungen verschont, aber die Probleme waren groß. In der Stadt hielten sich viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auf. Es gab kaum Lebensmittel, und die Schule sollte zum 1. Oktober 1945 wieder beginnen. Da die Havelbrücke in Hennigsdorf zerstört war, bestand bis Juli 1946 kein durchgehender Bahnverkehr in Richtung Berlin. Auch in Velten wurde im Rahmen der Bodenreform zum 1. April 1946 Grundbesitz über 100 ha entschädigungslos enteignet und das Land neu verteilt. Den größten keramischen Betrieb im Stadtgebiet, die Veltag, demontierte die sowjetische Besatzungsmacht teilweise, bevor im Oktober 1945 die Produktion wieder anlief. Alle Betriebe wurden enteignet und nach und nach in Volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt.
Am 23. August 1947 ereignete sich bei Velten ein schwerer Eisenbahnunfall: In einem Personenzug lief aus einem Kanister, der in der Gepäckablage deponiert war, Benzin aus, das sich durch eine Zigarette entzündete. Das Feuer griff auf ein Paket mit Zelluloidfilmen über und breitete sich schnell aus. Dem Schaffner gelang es zwar, den Zug anzuhalten. Da in dem betreffenden Wagen aber nur ein einziger Ausgang zur Verfügung stand, gerieten die Reisenden in Panik. 24 Menschen starben, 35 wurden darüber hinaus verletzt.Peter W. B. Semmens: Katastrophen auf Schienen. Eine weltweite Dokumentation. Transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71030-3, S. 120.Martin Weltner: Bahn-Katastrophen. Folgenschwere Zugunfälle und ihre Ursachen. München 2008. ISBN 978-3-7654-7096-7, S. 15.
Seit der Verwaltungsreform in der DDR 1952 gehörte Velten zum Kreis Oranienburg im Bezirk Potsdam. Bis dahin hatte die Stadt zum Kreis Osthavelland gehört. Im Jahre 1961 hatte Velten 10.028 Einwohner. Nach dem Mauerbau hatte Velten keine direkte Bahnverbindung nach Berlin mehr. Um die Wohnungsnot zu mindern, errichtete man zwischen der Poststraße/Bahnstraße/Rosa-Luxemburg-Straße Wohnblöcke. Später ab 1984 begann man, das neue Wohngebiet Velten-Süd in Plattenbauweise zu errichten.Paul Dahms: Velten, Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt. S. 95–104.
Nachwendezeit