mini|Kirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ in Neusalza Die evangelisch-lutherische Kirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ von Neusalza in der Stadt Neusalza-Spremberg ist eine ehemalige Exulantenkirche, die heute zur Ephorie Löbau-Zittau der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gehört.

Politische Situation und Besonderheiten Mit der Gründung im Jahr 1670 und dem weiteren Ausbau der Kleinstadt Neusalza, gelegen auf den Fluren der damaligen kurfürstlich-sächsischen Dorfgemeinde Spremberg im Oberlausitzer Bergland an der sächsisch-böhmischen Grenze, war eine „Stadt im Dorf“ entstanden. Neu-Salza war umschlossen von der Muttergemeinde und stellte somit ein Novum nicht nur in der Regionalgeschichte der Oberlausitz dar. Gleichzeitig entwickelten sich eine selbständige Stadtkommune und von der dörflichen Ansiedlung Spremberg auch eine unabhängige Kirchgemeinde – ein Prozess, der nicht problemlos verlief. Die Kirchgemeinde der jungen Stadt wurde durch den Zuzug von Exulanten aus Böhmen, Mähren, Ungarn und Schlesien sogar zu einem grenzüberschreitenden Kirchspiel.

Die Ursachen für die Entstehung und die weitere Urbanisierung Neu-Salzas lagen in den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und der damit einhergehenden (katholischen) Gegenreformation in Böhmen, Mähren und Ungarn im 17. Jahrhundert begründet. Die protestantischen Glaubensbrüder in diesen Ländern wurden ihrer Religion wegen gewaltsam vertrieben und suchten unter anderem Asyl im protestantischen Kurfürstentum Sachsen. Zahlreiche Exulanten fanden eine neue Heimat in dem neugegründeten Städtchen Neu-Salza, später kurz Neusalza, und schufen sich hier eine neue Existenz. Der internationale Charakter der Stadtgemeinde widerspiegelte sich damals auch im Amtsdeutsch, in dem der Stadtrat Neu-Salzas z. B. im Jahr 1678 so unterzeichnete: „Bürgermeister, Rathmann sammt der ganzen Gemeinde deutscher, böhmischer und ungarischer Nation.“Gustav Hermann Schulze 1917, S. 25 Noch um 1700 gab es 67 ehemalige Exulanten als Stadtbürger Neusalzas, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren und demzufolge auch die Predigten nicht verstanden.

mini|Mangels eigener Kirche besuchten die deutschen Stadtbürger von 1670 bis 1679 den Gottesdienst in der Spremberger Kirche.

Vorausschauend hatte der einflussreiche protestantische Stadtgründer, Christoph Friedrich von Salza, die erforderlichen Dokumente, so auch hinsichtlich der kirchlichen Belange in Neu-Salza, für den Landesherrn, Kurfürst Johann Georg II., erarbeitet und beim sächsischen Hof in Dresden eingereicht. Die Gründungsurkunde für die Stadt Neusalza unterzeichnete der Landesherr bereits am 12. Januar 1670, aber die kurfürstliche Bestätigung, die auch den Bau einer Kirche nebst Berufung von Geistlichen für die junge Stadt vorsah, erfolgte erst am 14. Oktober 1674 – anderthalb Jahre nach dem Tode des Stadtstifters – und ging in die Lokalgeschichte als „Neusaltzer Kirchen-Receß“ ein.August Adolph Tuchatsch (Hrsg.) 1870/72, S. 29 ff Die Witwe des Stadtgründers, Anna Catharina von Salza (gest. 1682), setzte trotz zahlreicher bürokratischer Hürden schließlich die Realisierung des „Kirchen-Rezesses“ für Neusalza durch und erfüllte damit das Vermächtnis ihres Gemahls. Der nicht gerade betuchten Stadtgemeinde fehlten in der Anfangsphase die finanziellen Mittel für den Bau eines Gotteshauses. Deshalb wurden städtische Vertrauensmänner ausgesucht, deren Aufgabe darin bestand, „… Beiträge christlicher Bruderliebe einzusammeln, in allen evangelischen Gemeinden der Lausitzen, des Meißner Landes und auch sonsten weithin in der Welt, absonderlich in Schweden, Dänemark und den Hansestädten Bremen und Lübeck, sowie anderer Orten mehr“.August Adolph Tuchatsch, S. 37 Die übergeordneten kirchlichen Instanzen Kursachsens bewilligten diese Maßnahmen. Mit nationaler und internationaler finanzieller Hilfe wurde es den Stadtbürgern Neu-Salzas nun möglich, ihr eigenes Gotteshaus zu bauen. Zuvor, in den Jahren von 1670 bis 1679, fanden die Gottesdienste in böhmischer (tschechischer) Sprache in einer „Betstube“ im sogenannten „Weißen Haus“ am Obermarkt statt, das 1856 abbrannte. Die deutschen Stadtbürger hingegen besuchten während dieser Zeit die Dorfkirche im benachbarten Spremberg.Eduard Herrmann Volkmar Ficker 1839, Abschrift 1997, S. 2

Der Bau des Kirchengebäudes Als Baumeister für die künftige Neusalzaer Kirche konnte Hans Sarn oder Sare – in den Quellen unterschiedliche Schreibweise – mit seinen Gehilfen aus Bautzen verpflichtet werden. Der Baumeister entschied sich für einen einfachen dreigliedrigen Kirchengrundriss: Apsis – Altarraum (Chor) – Langhaus (Kirchenschiff). Kirchturm und Sakristei wurden später angebaut. Schon nach Ostern 1675 begannen die ersten Transporte von Baumaterialien mit Fuhren zum vorgesehenen Platz für den Kirchenbau und das Anfertigen der Fundamente. Dabei soll der votierte erste Prediger bzw. Pfarrer der jungen Gemeinde Stephan Pilarick, ein gebürtiger ungarischer Geistlicher und Philosoph, der drei Sprachen beherrschte, drei Bausteine aufgehoben und dabei die Bibel-Worte gesprochen haben: „Im Namen der hochgelobten Dreieinigkeit, Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, diese Steine, die ich hier aufhebe, sollen ein Gotteshaus werden.“E.H.V. Ficker, S. 3 Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgte bereits am 12. Juli 1675. Nach vierjähriger zügiger Arbeit war der rechteckige Bau der Neu-Salzaer „Exulantenkirche“ – mit einem Spitz- bzw. Satteldach und einer halbkreisförmigen Apsis als Polygon nach Osten – architektonisch im schlichten Barockstil vollendet. Das Langhaus erhielt an seiner Nord- und Südseite je zwei Spitzbogenfenster, der Altarraum je ein und die polygonale Apsis insgesamt drei. An das südliche Fenster des Altarraums wurde später (1715) die Sakristei mit zwei Fenstern und einem Durchgang zum Altarraum konstruiert. Die Apsis und der Altarraum gingen außen nicht direkt in das Langhaus über, sondern versetzt. Dadurch entstand ein hoher Absatz an der Nordwestkante bis zur Dachtraufe in einer Breite von zwei Ellen, also einem reichlichen Meter (1,13 m), der am Kirchendach zum First hin allmählich ausläuft und sich noch heute so zeigt.

Am 4. Februar 1679 konnte das neue Gotteshaus „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ geweiht werden. Die Festpredigt hielt der damalige Superintendent Dr. Andreas Kühn aus Bischofswerda. Damit wurde die junge Stadt ein selbständiges Kirchspiel und aus der Muttergemeinde Spremberg ausgepfarrt. Mit dem Kirchenbau war auch die Anlage des ersten Neusalzaer Gottesackers verbunden, der sich südlich der Kirche – heute Wiesengelände – befand. Im Jahr 1817 wurde dieser mit der Errichtung eines neuen auf dem Lindenberg seiner Bestimmung enthoben und eingeebnet. Die damals erbaute und um 1720 vollendete Friedhofsmauer wurde ebenfalls entfernt.

Bereits im Einweihungsjahr fand die erste Taufe statt: Es war Constantin Knöchel, der Sohn des ersten Schulmeisters und Organisten der Stadt böhmischer Herkunft Matthias Knöchel. Bei dem ersten hier vermählten Paar handelte es sich um den Bäckermeister Bartholomäus Grohmann und seiner Ehefrau Barbara von Rodewitz. Am 27. Juli 1679 erfolgte das erste Begräbnis, der Schneider Gottfried Nachtigall wurde bestattet.

Der neuerbaute steinerne Kirchenbau, dessen spitzes Dach mit Schindeln gedeckt wurde, besaß damals keinen massiven Turm, sondern nur einen kleinen hölzernen Glockenstuhl, der zwei Glocken als Dachreiter in der Mitte des Kirchendaches trug. Im Kircheninneren, in der Nähe des Altars, muss seinerzeit auch die herrschaftliche Gruft in Form eines Gewölbes integriert worden sein, da hier nachweislich drei Mitglieder des Stadt-Gründungsgeschlechts von Salza beigesetzt wurden: Anna Catharina von Salza, die Witwe des Stadtgründers (1682), der Sohn Hiob Friedrich von Salza (1677) und die Tochter Lucretia Hedwig von Salza, verehelichte Gräfin von Nostiz und von Gersdorf (1701). Die Gruft wurde jedoch bis heute nicht gefunden, obwohl der Stadtchronist und spätere Bürgermeister Carl Gottlob Hohlfeld in seinem „Historischen Bericht“ (1768) extra vermerkte, dass die Adligen „… in hiesiger Kirche bey Altar in ein dazu gefertigtes Gewölbe beerdiget worden“.Carl Gottlob Hohlfeld 1768, Neubearbeitung von Siegfried Seifert 2002, S. 7 Der Stadtgründer Christoph Friedrich von Salza fand seine letzte Ruhestätte im Erbbegräbnis der Familie in Ebersbach bei Görlitz (1673). In der Turmvorhalle der Dreifaltigkeitskirche Neusalza befindet sich jedoch nach Cornelius Gurlitt (1910, S. 420f) das Denkmal der Frau Lucretia Hedwig von Gersdorf verwitwete von Nostiz geb. von Salza in Form einer Sandsteinplatte (88 × 173 cm), an deren Ecken sich die Wappen der Adelsfamilien von Salza, von Röder und von Sommerfeldt befinden. Das von einem Lorbeerkranz umrahmte Schriftoval in der Mitte der Platte trägt die Inschrift: „Allhier ruhet in Herrn / Jesu sanfft und selig und erwartet / der frölichen Aufferstehung die Weyl. / Wohlgeborene Frau / Frau Lucretia / Hedwig von Gersdorff gebohrne von Saltza auß dem Hauße Ebersbach, wurde gebohren d. 16 Martij 1664, starb in Budißin, d. 11. Januarij / Anno 1701. Nach dem sie ihr Christliches Alter … usw. / dero Seele Gott gnädig / sein wolle.“

In den folgenden fünfundzwanzig Jahren erfolgten die ersten Reparaturen. So musste 1705 der hölzerne Turmaufsatz (Dachreiter) durch einen neuen und mit Blech beschlagenen ersetzt werden. Diese Arbeiten führte der Zimmermannsmeister Hans Knote aus Berthelsdorf mit seinen Gesellen aus. Damit in Verbindung erhielt der Dachreiter am 24. April 1706 eine von dem Mechaniker und Uhrmacher Christoph Matthes aus Seifhennersdorf angefertigte Schlaguhr, die 44 Taler kostete. Das Zifferblatt der Kirchturmuhr kam aus dem nordböhmischen Rumburg. Diese Turmuhr verrichtete ihre Dienste 271 Jahre lang bis 1977. Da die Zahl der Gemeindemitglieder stetig wuchs und das nur mit Stühlen (Schemmeln) versehene Kirchenschiff für Gottesdienste nicht mehr ausreichte, ermöglichten die vermögenden Städter Hans Christoph Müller und Michael Nitzschke, beide Kaufleute, im Jahr 1705 den Einbau von Emporen.C.G. Hohlfeld, S. 39f

Seltsam mag erscheinen, dass auch die Scharfrichter (Henker), die in Neu-Salza wohnten und als solche arbeiteten, einen eigenen Kirchenstand besaßen, um von den übrigen Kirchgängern abgeschottet zu sein. Der Neu-Salzaer Scharfrichter Hanß Friedrich Ötte, der vierte in der Lokalgeschichte, gab sich mit dem seiner Gerechtsame zugewiesenen Stand nicht mehr zufrieden. Er ließ ihn deshalb 1706 abreißen, unter Empore und Orgel an die Mauer versetzen und mit einem Gitter versehen.Hohlfeld, S. 40 Erst 1715 konnte die Sakristei – mit Kreuzgewölbe überdeckt und Rundbogentür versehen – errichtet werden, da die wohlhabenden Neu-Salzaer Gebrüder und Kaufleute Friedrich und Michael Priebs den Bau privat finanzierten. Ein Jahr später (1716) erfolgte der Anbau der neogotischen Halle vor der Kirchentür an der Nordseite, dessen Kosten der Ratsherr Christian Hohlfeld trug. Ein Neubau der erst 1829 reparierten Halle machte sich 1839 erforderlich. Diese Vorhalle besteht heute nicht mehr, aber die ehemalige Eingangstür, die nicht mehr benutzt wird. In den Jahren zuvor (1836/37) wurde die Sakristei mit Dielen versehen und mit einem Teil des Kirchendaches neu gedeckt.E.H.V. Ficker 1839, Abschrift 1997, S. 10

Der Bau des Kirchturms