Alladorf (oberfränkisch: Alla-doafE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 199. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „alladoʳf“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Thurnau im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Alladorf hat eine Fläche von 15,446 km² und ist in 1909 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lochau und Trumsdorf. Der Ort ist für seine Töpferei und Keramik-Herstellung bekannt.
Geographie Das Kirchdorf liegt im Tal der Lochau am nördlichen Rand der Fränkischen Schweiz mit den Erhebungen Ziegenberg (, 0,8 km nordöstlich) und Schirdigberg (, 1,2 km östlich). Die Kreisstraße KU 7 führt nach Trumsdorf (1,3 km südlich) bzw. nach Tannfeld (2,5 km nordöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Kleinhül zur Kreisstraße KU 23 (3,2 km westlich).
Etymologie des Ortsnamens Der Ortsname erschien relativ spät in Urkunden: Die älteste bekannte Namensnennung in einer Originalurkunde aus dem Jahr 1433 lautet „Alachtorf“. Eine ältere Nennung als „Altdorf“ des Jahres 1388 ist nur als Abschrift aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Weitere Namen bis zum Jahr 1500 waren 1421 „Alachtdorf(f)“, 1441 „Alhadorff“, 1468 „Alerdorf“, 1470/77 und 1500 „Alat(t)dorf“. Durch Textvergleiche frühmittelalterlicher Schriften kam Gütter zum Schluss, dass es sich bei Alladorf um einen fränkischen Ortsnamen handelt, denn der Namenstyp Alachdorf und so weiter trat nur in fränkischen Siedlungsgemeinschaften auf. Der Ortsname dürfte entweder Ort mit/bei einer Kirche oder geschützte Siedlung bedeuten.Adolf Gütter: Alladorf, S. 37.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 3 f.
Geschichte Alladorf gehört zu den ältesten fränkisch-deutschen Siedlungen des Kulmbach-Bayreuther Raums. Dies beweist ein Gräberfeld wenige hundert Meter nordöstlich der Alladorfer Kirche, das schon seit dem 8. Jahrhundert belegt wurde. Die Belegung endete vor Beginn des 10. Jahrhunderts. Vermutlich war es der Friedhof der Ortsgründer und ihrer Nachfahren. In den Jahren 1955 (Jahr der Entdeckung) bis 1984 wurden 228 Gräber untersucht. Es handelt sich um das größte bis heute bekannte frühmittelalterliche Gräberfeld Nordostbayerns. Es ist zu vermuten, dass ein derart großes Gräberfeld mit einer Kirche verbunden war.Adolf Gütter: Alladorf. 1998, S. 33. Jedenfalls ist Alladorf ein wichtiges Zeugnis für die Anwesenheit von fränkischen Siedlern spätestens zu Beginn der Karolingerzeit im Kulmbacher Raum.Adolf Gütter: Alladorf, S. 39.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Alladorf aus 60 Anwesen. Das Hochgericht übte das bayreuthische Vogteiamt Wonsees aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das bayreuthische Kastenamt Sanspareil. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (53 Anwesen; Kastenamt Sanspareil: 5 Höfe, 1 Halbhof, 2 Höflein, 3 Halbhöflein, 3 Söldengütlein, 1 Tropfsölde mit Backhaus, 1 Haus mit Schmiede, 1 Haus mit Hofrait, 1 Haus, 1 Halbhaus, 1 Tropfhaus, 3 Tropfhäuslein; Kanzleilehen: 2 Mühlen, 1 Wirtshaus, 1 Badstube, 1 Hof, 1 Dreiviertelhof, 2 Halbhöfe, 1 Gütlein, 3 Söldengütlein, 8 Sölden, 2 Sölden jeweils mit Schmiede, 1 Halbsölde, 1 Haus mit Fleischbank, 1 Haus, 1 Häuslein, 1 Tropfhäuslein, 2 Hofstätten; Pfarrei Trumsdorf: 1 Halbsöldengut), das Rittergut Thurnau (1 Gut, 1 Gütlein, 1 Hofstatt), das Rittergut Danndorf (1 Haus, 1 Hofstatt), das Rittergut Guttenberg (1 Haus), die Gemeinde Alladorf (1 Wohnhaus). Neben den Anwesen gab es noch 1 Kirche, 1 Schulhaus und 1 Gemeindehirtenhaus.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 580 f. Dort wird abweichend eine Gesamtzahl von 56 Anwesen angegeben.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Sanspareil. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Alladorf gebildet, zu dem Lochau, Tannfeld und Trumsdorf gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 entstand die Ruralgemeinde Alladorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Hollfeld zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth. 1852 wurde die Gemeinde dem Landgericht Thurnau und 1856 dem Rentamt Thurnau (1919 in Finanzamt Thurnau umbenannt) überwiesen. 1821 wurde Tannfeld eine eigenständige Ruralgemeinde. Ab 1862 gehörte Alladorf zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Thurnau (1879 in das Amtsgericht Thurnau umgewandelt), von 1929 bis 1959 war das Amtsgericht Hollfeld zuständig, seit 1959 ist es das Amtsgericht Bayreuth. Die Finanzverwaltung wurde 1929 vom Finanzamt Kulmbach übernommen.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 747 f. Die Gemeinde hatte 1961 eine Fläche von 15,444 km².
Am 1. Juli 1975 wurde Alladorf in den Markt Thurnau eingemeindet.
Baudenkmäler Haus Nr. 3, 35: Wohnstallhäuser Haus Nr. 9: Gutshof Haus Nr. 13: eingeschossiges Haus des 18. Jahrhunderts; Giebel und Dachgauben verschiefert, ersterer mit ornamentaler Silbermalerei, bezeichnet „1878“; Nebengebäude am Obergeschoss mit schlichtem Fachwerk, verschieferter Giebel ebenfalls mit SilbermalereiAugust Gebeßler: Stadt und Landkreis Kulmbach, S. 47. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Haus Nr. 28: ehemaliges Schulhaus Haus Nr. 51: Wohnhaus Haus Nr. 60: Die evangelisch-lutherische Filialkirche St. Nikolaus ist eine Chorturmkirche. Sie wurde 1445 zum ersten Mal erwähnt und entstand vermutlich als Stiftung des Rittergeschlechts Blassenburg/Guttenberg. Dieses besaß in Alladorf ein Schloss und Lehengüter.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Alladorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 574 638 643 651 661 666 692 678 685 741 710 671 645 634 625 622 606 551 517 669 622 607 527 480HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 116 115 120 119 116 115 110 114 Quelle
Ort Alladorf Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 275 267 310 317 354 311 282 297 253 239 220Häuser 58 59 56 56 52 56 53Quelle Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis. S. 727.
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Michael (Trumsdorf) gepfarrt.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 581.
Literatur
Adolf Gütter: Alladorf. In: Historischer Verein von Oberfranken (Hrsg.): Archiv für Geschichte von Oberfranken. Band 78, Bayreuth 1998, S. 33–40.
Ruprecht Konrad-Röder: Geschichte von Alladorf, o. O., o. J. [≥ 2004] Beate Leinthaler: Der karolingisch-ottonische Ortsfriedhof von Alladorf, Die Grabungskampagne 1984, in: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 16/17 (1988/89) 7–122. Thomas Münch: Der Markt Thurnau mit seinen Ortsteilen. Geiger, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-785-2
Weblinks Der Friedhof von Alladorf. Ein Reihengräberfeld aus dem frühen Mittelalter (8. bis 9. Jahrhundert nach Christi Geburt)
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Thurnau Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kulmbach) Kategorie:Ersterwähnung 1398 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1975 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach