Lady Saw (eigentlich Marion Hall; * 12. Juli 1972Siehe Allmusic-Biographie, Biographie bei laut.de und Bio auf www.ladysaw.com. Alle abgerufen am 5. April 2012. in Galina, St. Mary, Jamaika) ist ein Dancehall- und Reggae-Deejay.
Karriere Lady Saw stand bereits im Alter von 15 Jahren auf der Bühne. Nachdem sie sich in den frühen 1980er Jahren in ihrer Heimatstadt einen Namen als Sängerin gemacht hatte, zog sie nach Kingston, um sich dort vor einem breiteren Publikum Gehör zu verschaffen. Sie arbeitete mit einem Soundsystem namens Romantics zusammen und versuchte sich an nur wenigen wirklichen Dancehall-Tunes, so coverte sie unter anderem Chaka-Khan-Songs.
Zu dieser Zeit erhielt sie auch ihren Künstlernamen Lady Saw, in Anlehnung an den damals populären Sänger Tenor Saw, an dessen Art zu singen Halls Stil erinnerte.
Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt trat sie bei einer vom Soundsystem Stereo One initiierten Show in St. Mary auf. Hier verschaffte sie sich nicht nur den Respekt des Publikums, sondern auch der anderen Dancehallgrößen dieser Zeit. Sie kehrte in der Folge zurück nach Kingston und veröffentlichte auf Capricorn Love Me or Lef Me, gefolgt von Bogle Dance und Am I Losing You, die sowohl auf Jamaika als auch in England erfolgreich waren.
Das Stück If Him Lef wurde maßgebend für ihre oft harten und sexuell anzüglichen Texte. Mit Stab Out Mi Meat zeigte sich dann endgültig, dass sich diese Thematik zu ihrem Leitmotiv entwickeln sollte. Der Erfolg solcher Songs lässt sich wohl auch damit begründen, dass Lady Saw die erste Frau in der männerdominierten Gesangskultur Jamaikas war, die sexuelle Gedanken und Wünsche auf derart unmissverständliche Weise ausdrückte und damit vielen Frauen aus der Seele sprach (wohingegen dies bei männlichen Deejays bereits gang und gäbe war). Sie wurde so zur Begründerin des heute noch von weiblichen Dancehall-Artists aufgegriffenen „Rude-Gyal“-Images.
Ihre erste Nummer-Eins-Single wurde Find a Good Man (Diamond Rush), wodurch sie Zugang zu den großen Reggae- und Dancehall-Festivals wie Reggae Sunsplash, Sumfest und Sting bekam. Hier verstand sie es wie keine andere, die Massen zu begeistern und die öffentliche Kritik an ihr und vor allem an ihren Lyrics nur noch mehr anzuheizen – was dazu führte, dass sie für einige Zeit von sämtlichen Shows verbannt wurde. Für Nachahmer und Konkurrenten fand und findet Saw noch heute drastische Worte, etwa für Patra, die Anfang der 1990er Jahre durch lukrative Plattenverträge ihr international den Rang abzulaufen drohte („bout she a queen a di pack we - fi who?“ in Follow Me) oder in seit ihrem Zerwürfnis mit Tanya Stephens gehäuften Angriffen gegen die Kollegin (u. a. Way Back, Pop Down Peggy).
Heute gehört Lady Saw zu den Größen des Dancehall und ihrem Status als „Queen a di Dancehall“ zollten die Fans abermals durch eine Namensgebung Tribut, indem sie sie nunmehr als „Muma Saw“ zur Mutter aller weiblichen Dancehall-Artists erklärten – eine Ehre, die vor ihr nur Sister Nancy als Patronin der Raggamuffin-Girls zuteilwurde. Zu ihren erfolgreichsten Liedern gehören unter anderem Give Me a Reason, Sycamore Tree, Bossman (mit Beenie Man und Sean Paul), Son of a Bitch (als Antwort auf Shaggys It Wasn’t Me), Baddest Girl und Loser (mit Ce’Cile). Sie arbeitet mit unter anderem Missy Elliott, Sean Paul oder UB40 zusammen. 2001 steuerte sie den Rap-Track zu No Doubts Hit Underneath It All bei. 2004 veröffentlichte sie zwei Best-Of-Alben und eine Live-DVD.
Im April 2007 veröffentlichte sie mit Walk Out ihr letztes Album für das Independent-Label VP Records, benannt nach dem Titeltune auf dem Baddis-Riddim. Darauf enthalten ist Infertility, das in Jamaika Aufmerksamkeit erregte und in dem Saw nach einigen Fehlgeburten ihre eigene Unfruchtbarkeit thematisiert. In dem sehr persönlichen Stück verarbeitet sie die Erfahrung, dass unfruchtbare Frauen in ihrem Kulturkreis oft nicht als vollwertige Frauen akzeptiert werden. Lady Saw hat drei Adoptivkinder.
Diskografie Alben 1994: Lover Girl 1994: Bare as You Dare 1996: Give Me the Reason 1996: Lady Saw & Friends (Alpha – nur in Japan erschienen) 1997: The Collection (Diamond Rush) 1997: Passion 1998: Raw, The Best of Lady Saw 1998: 99 Ways (VP) 2002: Tightness Supply 2004: Strip Tease 2007: Walk Out 2009: Extra Raw 2010: My Way
Singles 1980: Bogle Dance 1992: Stone 1994: Baby Face 1994: Limbo 1994: Unite 1994: Why Worry 1994: Freedom of Speech 1994: Hardcore 1995: Boxing (mit Cornel Campbell) 1995: Darnest Things 1995: Ism & Skism 1995: Condom 1995: Everyday 1995: Strong Wuk & Devotion 1995: Incline Thine Ears 1996: Healing (mit Beenie Man) 1996: Want You Tonight (mit Shabba Ranks) 1996: Sycamore Tree 1996: Wrong from Right 1996: Good Wuk 1996: Money a Fi Spend 1996: You’ll Never Find 1996: Daddy 1996: Fine Style (mit Determine) 1996: No Long Talking 1996: Woman Wi Name 1996: Ole’ Wukka 1996: Gimi Way 1996: Night Nurse (mit Gregory Isaacs) 1996: Ladies (mit Morgan Heritage) 1996: Christmas with Saw 1996: Slut 1996: Taller They Come 1996: Rich Man for Christmas 1997: I Don’t Need to Know 1997: Eh Em 1997: Stale Fronto 1997: Down with This Nigga 1997: Long ’til it Bend (mit Merciless) 1997: Get a Straw 1997: Hice it Up 1997: Smile (Vitamin C feat. Lady Saw) 1998: Teenie Weenie Love (mit Beres Hammond) 1998: No Matta Me 1998: Oh Yeah 1998: Nuh Dis Me 1998: Don’t Even Stress Dat 1998: Hardcore Lover (mit T.O.K.) 1998: Lollipop 1998: Hold On 1998: Don’t Stress Dat 1998: Sloppy in a Bed 1998: No Matta Me 1998: So Hot (mit Beenie Man) 1999: No Pay 1999: Dial Tone 1999: Call U (mit Lexxus) 1999: Cool and Loving (Barrington Levy feat. Lady Saw) 1999: Mr. D. J. (mit Missy Elliott) 1999: Ride 1999: Hot Gal Lawya 1999: Buck Them Up (mit Tanya Stephens) 1999: One Night Stand 1999: Nah Mix Nah Mingle 1999: Wet Dreams 1999: 10 Dupee 1999: No Bellyas 1999: Straight Sex 1999: Swarm Me 1999: Feel Like Working 1999: Go 2000: Bump ’n’ Grind (...I Am Feeling Hot Tonight) (M Dubs feat. Lady Saw) 2000: Son of a Bitch (mit Marsha) 2000: Ain’t No Sunshine (feat. Bounty Killer) 2000: Current Affair 2000: Cass Cass (mit Major Sample) 2000: New Checkie Book 2000: Natural High / Misbehave (mit Elephant Man) 2000: No Nee 2001: Hottie Hottie Girls (mit Papa Dee) 2001: Woman Beater 2002: Underneath It All (mit No Doubt) 2002: Hottest Girl 2002: Dem Wine Ya 2002: Blessings in Disguise 2002: Can’t Tie Me Down 2003: Na Na Na (Remix) (112 feat. Spragga Benz, Lady Saw, Buccaneer und Damian Marley) 2003: Bossman (Beenie Man feat. Lady Saw und Sean Paul) 2003: Mek Sure Yuh Prepare Tonight (mit Buju Banton und Angel Doolas) 2003: Video Light 2003: I’m Ready 2003: Nah Mind No Man 2003: Pretty Pu**y 2003: Pumps in the Dance 2003: Still Convinced 2003: Two Night 2003: Man Is the Least 2004: I’ve Got Your Man 2004: Sexual Healing (mit Marvin Gaye) 2004: Sweat (A La La La La Long) 2004 (Inner Circle feat. Lady Saw) 2004: Mack Daddy 2004: Nooki Power 2004: Best Pum Pum 2004: 5 Star Hotel 2004: F*ck Fest 2004: Party 2004: Paint the Town 2004: Don’t Trespass 2004: Been so Long 2004: Dis Gal Ya 2005: One Night 2005: Tek De Fence 2005: Ya So 2005: Waste Time 2005: Bling 2005: All Right (mit Elephant Man) 2005: Please (mit Seeed) 2005: Should Have Known 2006: Something 2006: Just One Dance 2006: Welcome to My World (mit Beenie Man) 2008: Over Joy 2008: Natiness 2009: Stress Free 2009: Hot Wud / Mercury Overdose
Quellen
Weblinks
Website von Lady Saw
Lady Saw Cuts Loose: Female Fertility Rituals in Jamaican Dancehall Culture von Carolyn Cooper (englisch) Interview mit Lady Saw (englisch)
Kategorie:Dancehall-Sänger Kategorie:Pseudonym Kategorie:Jamaikaner Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Frau Kategorie:Musiker (Jamaika)