Thomas Röhler (* 30. September 1991 in Jena) ist ein deutscher Leichtathlet, der sich auf den Speerwurf spezialisiert hat. Er ist Olympiasieger 2016 und Europameister 2018.
Berufsweg Röhler besuchte das Sportgymnasium in seiner Heimatstadt Jena und legte 2011 das Abitur ab. Er nahm ein Sport- und Wirtschaftsstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf und erlangte darin 2016 einen Bachelorabschluss.
Sportliche Karriere Thomas Röhler kam über eine AG in der Grundschule zum Sport und trat dann einem Leichtathletikverein bei.DLV Team-Broschüre: Leichtathletik Team-EM Gateshead/Großbritannien 22.–23. Juni 2013, S. 43. 1998 begann er mit Sprung und Mehrkampf und wechselte Ende 2009 zum Speerwurf. Erster Speerwurftrainer des Thüringers war Burkhard Looks. Von Oktober 2013 bis zu dessen Tod am 26. Mai 2025 arbeitete er mit Trainer Harro Schwuchow in Jena. 2010 wurde Thomas Röhler in das Nationalteam des Bundestrainers Boris Henry aufgenommen. Teilnahmen bei den U20-Weltmeisterschaften 2010, den U23-Europameisterschaften 2011 und den Europameisterschaften 2012 in Helsinki beweisen die Leistungsentwicklung der ersten Jahre der Wurfkarriere.Moncton 2009 U20 WM. Artikel Ostthüringer Zeitung.Bericht des Sportgymnasium Jena. Website des GutsMuths Sportgymnasium Jena. In den Jahren 2012 bis 2015 wurde er jeweils Deutscher Meister im Speerwurf.
Im Jahr 2014 wurde Röhler Gesamtsieger der Diamond League. In Kuortane erzielte er am 8. August 2015 mit 89,27 m eine persönliche Bestleistung. Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking wurde er mit 87,41 m Vierter; zur Bronzemedaille fehlten nur 23 cm. Seine Bestleistung verbesserte er am 9. Juni 2016 in Oslo auf 89,30 m und am 29. Juni 2016 beim Meeting in Turku auf 91,28 m. Bei den Europameisterschaften 2016 in Amsterdam konnte er diese Leistung nicht bestätigen und belegte mit 80,78 m den fünften Rang.
Am 20. August 2016 gewann er mit einem Wurf über 90,30 m die Goldmedaille im Speerwurf bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.
2017 erzielte Röhler am 5. Mai beim Diamond-League-Meeting in Doha eine Weite von 93,90 m und übertraf damit den bisherigen deutschen Rekord von Raymond Hecht (92,60 m) aus dem Jahr 1995 um mehr als einen Meter.Jan-Henner Reitze: , Diamond League, auf: leichtathletik.de, vom 5. Mai 2017, abgerufen am 5. Mai 2017 Der Wurf war der weltweit weiteste Speerwurf seit 1997 und machte Röhler zum zweitbesten Werfer in der Geschichte des 1986 eingeführten neuen Speers, nur übertroffen von Jan Železný aus Tschechien (Weltrekord: 98,48 m).Javelin Throw men – All time best. In: iaaf.org, abgerufen am 12. Juli 2017. Am 11. Juli des Jahres verlor Röhler den deutschen Rekord bereits wieder, als Johannes Vetter in Luzern eine Weite von 94,44 m erzielte und Röhler auf Rang drei der ewigen Bestenliste verdrängte.Jan-Henner Reitze: 94,44 Meter! Rekord und sensationelle Serie von Johannes Vetter, auf: leichtathletik.de, vom 11. Juli 2017, abgerufen am 12. Juli 2017
Bei der Team-Europameisterschaft 2017 im nordfranzösischen Lille errang Röhler mit der deutschen Mannschaft den Titel; in seiner Disziplin belegte er den dritten Platz. Bei den Weltmeisterschaften 2017 in London verfehlte er wie bereits 2015 knapp das Podium und belegte mit 88,26 m den vierten Platz.
Am 9. August 2018 wurde Röhler in Berlin mit 89,47 m Europameister. Beim Continentalcup in Ostrava belegte er mit der europäischen Mannschaft den zweiten Platz, wozu er durch einen Sieg im Einzel beitrug.
mini|links|Röhler beim ISTAF Berlin 2019 2019 kam Röhler mit 82,70 m bei den Deutschen Meisterschaften auf den Bronzerang und schied bei den Weltmeisterschaften in Doha mit 79,23 m in der Qualifikation aus.
2020 verzichtete er auf die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften; nach eigenen Angaben beruhte diese Entscheidung „auf dem Mix aus familiärem Fokus und sicherer Planung für das Jahr 2021“.Thomas Röhler verzichtet auf DM-Start in Braunschweig. In: leichtathletik.de, 26. Juli 2020, abgerufen am 26. Juli 2020#
In den Jahren danach hatte er immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen.„Es geht nur Schritt für Schritt“: Speerwerfer Röhler peilt Olympia 2024 in Paris an. In: kicker.de, 30. Juni 2023. In den Jahren 2024 und 2025 belegte er bei den Deutschen Meisterschaften hinter Julian Weber Platz zwei.
Verbandsfunktionen Während der Weltmeisterschaften 2017 wurde Thomas Röhler in die IAAF-Athleten-Kommission gewählt, der er von 2018 bis 2022 angehörte. Er war der erste deutsche Athlet, der in diese Kommission gewählt wurde.
Vereinszugehörigkeiten Röhler startet für den Leichtathletik Club Jena. Sein erster Verein war der TuS Jena.EM 2016 Amsterdam Team-Broschüre des DLV, S. 44
Privates Im Juli 2020 wurden Röhler und seine Verlobte Lucia Schauerhammer Eltern eines Sohnes.
Auszeichnungen 2016: Leichtathlet des Jahres in Deutschland 2016: Silbernes Lorbeerblatt 2016: Sportler des Jahres, 8. Rang 2018: Sportler des Jahres, 9. Rang
Erfolge und Leistungsentwicklung Jahr Bestweite Ort Platzierungen 2019 82,70 m Berlin (GER) 3. Platz Deutsche Meisterschaften2018 89,47 m Berlin (GER) Goldmedaille Europameisterschaften 91,78 m Doha (QAT) 1. Platz IAAF Diamond League Meeting 2017 93,90 m Doha (QAT) 1. Platz IAAF Diamond League Meeting (ehemaliger deutscher Rekord) 2016 90,30 m Rio de Janeiro (BRA) Goldmedaille Olympische Spiele 91,28 m Turku (FIN) 1. Platz Paavo Nurmi Games89,30 m Oslo (NOR) 1. Platz IAAF Diamond League Meeting 2015 89,27 m Kuortane (FIN) 1. Platz Kuortane Games 84,73 m Nürnberg (GER) 1. Platz Deutsche Meisterschaften 87,41 m Peking (CHN) 4. Platz Weltmeisterschaften 2014 87,63 m Zürich (SUI) 1. Platz Weltklasse Zürich 86,99 m Glasgow (GBR) 1. Platz Sainsbury’s GrandPrix 81,17 m Leiria (POR) 2. Platz Winterwurf-Europacup 84,28 m Ulm (GER) 1. Platz Deutsche Meisterschaften 2013 83,95 m Dessau-Roßlau (GER) 3. Platz 81,87 m Castellon (ESP) 2. Platz Winterwurf-Europacup 83,26 m Ancona (ITA) 1. Platz Länderkampf/Winterwurf U23 83,56 m Ulm (GER) 1. Platz Deutsche Meisterschaften 83,31 m Gateshead (GBR) 2. Platz Team-Europameisterschaft 81,74 m Tampere (FIN) 3. Platz U23-Europameisterschaften 2012 80,79 m St.Wendel (GER) 3. Platz World Class Meeting 78,58 m BO-Wattenscheid (GER) 1. Platz Deutsche Meisterschaften 77,53 m Kandel (GER) 1. Platz Deutsche Meisterschaften U23 78,89 m Helsinki (FIN) 13. Platz Europameisterschaften 2011 78,20 m Ostrava (CZE) 7. Platz U23-Europameisterschaften 74,66 m Bremen (GER) 3. Platz U23-Meisterschaften 2010 76,37 m Ulm (GER) 2. Platz Deutsche Leichtathletik-Jugendmeisterschaften 69,93 m Moncton (CAN) 9. Platz U20-Weltmeisterschaften 2009 61,26 m Halle (GER)
Sonstiges Röhler kritisierte in der Vergangenheit die in vielen Fällen schlechte Bezahlung deutscher Leichtathletiktrainer. Auch sein Trainer Harro Schwuchow sei bis zu Röhlers internationalen Erfolgen davon betroffen gewesen.Ralf Jarkowski: »Lieber an die Supermarktkasse«. In Neues Deutschland vom 13. Februar 2019, S. 16.
Literatur Karl-Heinz Keldungs: Thomas Röhler In: ders.: Die deutsche Leichtathletik in 100 Porträts von Hanns Braun bis Malaika Mihambo. Arete Verlag Christian Becker, Hildesheim 2022, ISBN 978-3-96423-081-2, S. 134f.
Weblinks
Website von Thomas Röhler
Athletenporträt – leichtathletik.de
Einzelnachweise
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