Quellen: Die Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn war eine Kohleneisenbahn von Tollwitz nach Bad Dürrenberg und wurde am 15. September 1836 eröffnet. Sie hatte eine Spurweite von 585 mm und diente dem Transport von Braunkohle zur Beschickung der Siedeöfen der Saline Dürrenberg, aber auch zum Abtransport der Asche. Sie war die erste Eisenbahn in der damaligen preußischen Provinz Sachsen.
Geschichte mini|Benzollok (vor 1935) Von der Eröffnung bis zum Jahre 1908 wurde der Betrieb ausschließlich mit Pferden abgewickelt. Erst als die Saline ein eigenes Elektrizitätswerk, angetrieben durch die Wasserkraft der Saale, eröffnete, wurde auf Betrieb mit Lokomotiven umgestellt. Durch das eigene Kraftwerk konnte nun auch die Bahn elektrisch versorgt werden. Es wurde eine Fahrleitung errichtet, durch die Elektrolokomotiven mit 500 V Gleichspannung gespeist wurden. Wegen des geringen Lichtraumprofils wurde jedoch die Strecke durch den Tunnel nicht mit Oberleitung versehen, hier dienten eine Diesel- sowie eine Akku-Lokomotive als Betriebsmittel. Es wurde eine oberirdische Strecke zur Saline eingerichtet.David Falk: Die Kohleneisenbahn Tollwitz–Bad Dürrenberg 1836–1935 (1963) Große Geschichte einer kleinen Bahn. Eisenbahnfreunde Kötzschau e. V. (Hrsg.), 2013.
Der letzte Betriebstag der Gesamtstrecke war der 1. August 1935. Seit diesem Zeitpunkt verkehrte die Kohlenbahn noch bis zum Jahr 1963 innerhalb des Salinengeländes, welches 1938 zum Teil mit einer elektrischen Oberleitung versehen wurde.
Es bestand eine normalspurige Anschlussbahn zum Bahnhof Bad Dürrenberg.
Streckenverlauf (1930)
mini|Tunnel Die Strecke begann an der Aschenhalde, an der die Rückstände der Braunkohlenverbrennung abgelagert wurden. Sie führte in südöstlicher Richtung über ein Viadukt und überquerte die Salinenstraße und die Straßenbahnstrecke Halle-Ammendorf–Bad Dürrenberg zum Salinegelände. Dort verteilten sich die Gleise zum Wasserkraftwerk an der Saale, zum Borlachplatz (Witzlebenturm) sowie zu den einzelnen Siedehäusern.
Im Salinengelände begann der Tunnel. Dieser lag in einer Kurve und hatte eine Steigung von West nach Ost. Nach dem östlichen Tunnelausgang folgten Rangiergleise und der zweiständige Lokomotivschuppen. Hier begann die Oberleitung Richtung Tollwitz, ferner zweigte hier die oberirdische Strecke zum Salinengelände ab, welche die heutige Hauptstraße höhengleich kreuzte.
Im weiteren Verlauf bog die Strecke in südlicher Richtung zum Gradierwerk V ab, ungefähr parallel zum Verlauf der heutigen Breiten Straße bis zur Leipziger Straße. Nach einem Schwenk wieder in östliche Richtung kreuzte sie einen Feldweg und führte auf einen Bahndamm nördlich parallel der Leipziger Straße. Auf Höhe der heutigen Tankstelle befand sich eine Ausweichstelle.
Es folgten mehrere kleine Bahnübergänge. Nördlich der Ortschaft Tollwitz bog die Strecke wieder in nördliche Richtung ab und führte über Felder bis zu einer Rechtskurve nach Osten. Kurz vor der Straße Schladebach–Lützen (L184) folgte eine Rechtskurve in nördliche Richtung bis zum Kohlenschacht Nr. 7 bei Tollwitz. Hier bestand eine größere Gleisanlage zum Abstellen und Beladen der Kohlewagen.
Bauwerke mini|hochkant|Tunneleingang Überregionale Bekanntheit erlangte die Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn durch ihre teilweise spektakulären Ingenieurbauten, wie den ersten, nach heutigem Maß 169 Meter langen Tunnel an der Einfahrt zum Salinengelände, damals bezeichnet als „unterirdischer gewölbter Weg“. An der tiefsten Stelle lag der Stollen 5 Meter unter der Erdoberfläche. Dieser Tunnel war der erste deutsche Eisenbahntunnel überhaupt. Am westlichen Tunnelportal befindet sich das Symbol „Schlägel und Eisen“ sowie das Schild „Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn MDCCCXXXVI“ als Replica, das Original ist im Borlachmuseum zu sehen. Außerdem war eine etwa 150 Meter lange gemauerte Bogenbrücke vorhanden. Dieses Viadukt überspannte die Salinestraße und führte die Strecke hin zur Aschenhalde.Dürrenberger Eisenbahn, in: Polytechnisches Zentralblatt, 3. Jahrgang (1837), S. 299–300, Digitalisat
Heute noch erhalten:
Tunnel (heute auf einer Länge von etwa 110 m zugänglich) Lokschuppen, zweiständig (heute umgebaut zum Wohnhaus). Dieser wurde um 1920 mit Beschaffung der dritten elektrischen Lokomotive erbaut (BMAG FNr. 7318/1921) und ersetzte den weiter westlich stehenden einständigen Lokschuppen Gewölbebogen des steinernen Viaduktes Bahndamm Ortsausgang Bad Dürrenberg Richtung Tollwitz Gleisreste im Bereich Apothekerberg / Tunnelausgang Widerlager Brücke Salinenstraße nicht landwirtschaftlich genutzte Fläche im Bereich des Kohlenschacht
Fahrzeuge
mini|Elektrolok BMAG 1921/7318 (vor 1935) Triebfahrzeuge:Jens Merte: Kohlebahn Dürrenberg-Tollwitz In: Magazin für Werkbahnfreunde, abgerufen am 25. Oktober 2017.
AK FNr. ?/1906, B-el, 585 mm; neu geliefert an Königliches Salzamt Dürrenberg, Grube Tollwitz-Saline Dürrenberg AK FNr. ?/1906, B-el, 585 mm; neu geliefert an Königliches Salzamt Dürrenberg, Grube Tollwitz-Saline Dürrenberg BMAG FNr. 7318/1921 (MSW 95), Typ mech. Teil, B'B'-el, 585 mm; neu geliefert an Salzamt Dürrenberg Deutz FNr. 6281/1922, Typ ML132 R, B, 1435 mm; 29. Dezember 1922 geliefert an Staatl. Salzamt, Dürrenberg Deutz FNr. 6359/1923, Typ ML122 F, B, 585 mm; 12. Januar 1923 geliefert an Staatl. Salzamt, Dürrenberg
Erwähnenswertes mini|Kohlenbahntunnel medial als Vogelstollen inszeniert Während des Zweiten Weltkrieges diente der Eisenbahntunnel als Schutzraum für die Einwohner von Bad Dürrenberg.
Zur Erinnerung an diese Bahn und anlässlich 180 Jahre Kohleneisenbahn Tollwitz – Bad Dürrenberg am 15. September 2016 gab es einen exklusiven Sonderstempel der Deutschen Post. Dazu wurde auch ein Umschlag aufgelegt, welcher als Zudruck ein Motiv aus der Saline Bad Dürrenberg trägt.
Im Rahmen der Landesgartenschau in Bad Dürrenberg wurde der Tunnel öffentlich zugänglich gemacht und mit einer medialer Lichtanlage im sogenannten Vogelstollen versehen. Vögel dienten in früheren Jahren als Indikator für den im Tunnel vorhandenen Sauerstoff. Als der Zugang noch nicht verschlossen war, nutzte die örtliche Jugend diesen Teil des Tunnels heimlich als Diskothek, woran die Lichtanlage erinnern soll.Informationen während der Tunnelführung
Heute besteht die Möglichkeit, im Rahmen von Gästeführungen den Tunnel zu besichtigen. Eigentümer des Tunnels ist die Solestadt Bad Dürrenberg.
Das Borlachmuseum in Bad Dürrenberg sowie das Eisenbahnmuseum Kötzschau informieren in ihrer Ausstellung über die Geschichte dieser Eisenbahnstrecke.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Spurweite 585 mm Kategorie:Spurweite 1435 mm Kategorie:Bahnstrecke in Sachsen-Anhalt Kategorie:Bauwerk in Bad Dürrenberg Kategorie:Verkehrsbauwerk im Saalekreis Kategorie:Verkehrsgeschichte (Sachsen-Anhalt) Kategorie:Geschichte (Saalekreis) Kategorie:Pferdebahn