Pangenesis ist ein Begriff aus der Genetik und war methodischer Ansatz Charles Darwins bei seiner Arbeit Das Variieren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication, welche er im Jahre 1868 betrieb. Wie auch die Präformationslehre zählt sie zu den historischen Theorien der Vererbungslehre. Sie geht davon aus, dass die Keimzellen das Sammelbecken für Bestandteile des ganzen Körpers bilden.
Vorgeschichte Bekannt ist die auch als Panspermie oder PangenesislehreBritta-Juliane Kruse: Panspermie (Pangenesislehre). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1095 f. bezeichnete Hypothese bereits seit der Antike, so im Corpus Hippocraticum: „Der Samen geht von dem gesamten Körper aus; gesunder von gesunden Teilen und kranker von kranken Teilen.“ (Hippokrates, ca. 460–370 v. Chr.) Sowohl in den hippokratischen Schriften wie von Demokrit wurde die Auffassung vertreten, dass sich der (bei Männern und Frauen vorhandene) „Samen“ aus Absonderungen aller Körperteile zusammensetzt.Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 76 und 185 f.
Die Pangenesistheorie von Charles Darwin
Darwin entwickelte die Pangenesistheorie in seinen späten Werken als Konzession an Vertreter lamarckistischer Auffassungen wegen bestimmter Anpassungsphänomene bei Lebewesen, die er nicht mit seiner Selektionstheorie erklären zu können glaubte:
Das folgende Zitat zeigt deutlich, dass Darwin weit lamarckistischer im Sinne einer Vererbung erworbener Eigenschaften gedacht hat, als dies heutzutage angenommen wird:
Pangenesistheorie contra Keimplasmatheorie Bedenken gegen diese Pangenesistheorie ergaben sich zunächst aus experimentellen Befunden. So versuchte beispielsweise Francis Galton, ein Vetter Darwins, dessen Theorie zu beweisen. Dazu übertrug er Blut von nicht grau gefärbten Kaninchen auf graue in der Erwartung, die Nachkommenschaft werde gescheckt. Dieser Versuch verlief negativ und so trat Galton ab 1876 gegen die somatische Induktionslehre auf, die eine spezifische Beeinflussbarkeit der Keimzellen durch das Soma postuliert. Er vertrat stattdessen die Hypothese der Unabhängigkeit des Erbgutes vom Soma, jene Theorie, die der Freiburger Zoologe und Hauptvertreter des Neo-Darwinismus August Weismann im Jahr 1892 als Keimplasmatheorie klassisch formuliert hatte.August Weismann: Das Keimplasma. Eine Theorie der Vererbung. Von 1886 bis 1895 führten Weismann und der englische Philosoph Herbert Spencer einen erbitterten, international viel beachteten wissenschaftlichen Disput um die „Faktoren der organischen Evolution“Herbert Spencer: Die Faktoren der organischen Entwicklung. In: Kosmos. Band 10, 1886, S. 241–272, 321–347. (In englischer Sprache: The factors of organic evolution. In: The Nineteenth Century. Band 21, 1886, S. 570–589, 749–770) bei dem es unter anderem um die Pangenesistheorie ging.
Das wissenschaftshistorische Verdienst dieser Keimplasmatheorie Weismanns besteht darin, die Annahme einer Entstehung des Keimgutes im ganzen Körper, also die Pangenesistheorie, erschüttert und widerlegt zu haben. Somit verloren die harten Verfechter der Annahme der „Vererbung erworbener Eigenschaften“ – wie beispielsweise Herbert Spencer – eine ihrer wesentlichen Argumentationsstützen.
Literatur Pangenesistheorie. In: Pangenesis–Theorie. In:
Pangenesis. In: Deutscher Taschenbuch Verlag, Lexikon Redaktion des Verlages F.A. Brockhaus (Hrsg.): dtv – Brockhaus Lexikon. in 20 Bänden, Band 13: Neo–Par. Mannheim/München 1989, ISBN 3-423-03313-4, S. 315.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Genetik Kategorie:Biologiegeschichte Kategorie:Charles Darwin