mini|Pfarrkirche St. Georg in Großweikersdorf Die Pfarrkirche zum heiligen Georg ist eine römisch-katholische Kirche in der Marktgemeinde Großweikersdorf in Niederösterreich, die nordöstlich des Hauptplatzes steht und von Nordost (Apsis) nach Südwest ausgerichtet ist.

Sie ist Dekanatskirche des Dekanat Schmidatal im Vikariat Unter dem Manhartsberg der Erzdiözese Wien und steht gemäß Verordnung des Bundesdenkmalamtes (§ 2a DMSG) unter Denkmalschutz ().

Baugeschichte mini|hochkant|links|Grundriss der Kirche Die Mutterpfarre von Großweikersdorf war ursprünglich Kirchberg am Wagram. Von dieser wurde Großweikersdorf in der Babenbergerzeit abgetrennt.

In einem Register von Papst Honorius III. aus dem Jahre 1221 ist festgehalten, dass ein geplantes, aber nicht nachweisbares Chorherren-Stift neben einer Georgskirche in „Wirgensdorf“ errichtet werden sollte. Der Stiftungswunsch ging von Herzog Leopold VI. von Österreich und dem Passauer Archidiakon Siegfried aus, dem Besitzungen in Weikersdorf zustanden. Letzterer gehörte dem Geschlecht der Waisen/Orphani an – einer niederösterreichisch-mährischen Adelsfamilie, deren Mitglieder als Herren von Weikersdorf an der Schmida galten.

Im Jahre 1241 wurde Großweikersdorf erstmals urkundlich als eigenständige Pfarre erwähnt.

Vorgängerbau Nach dem Register Honorius III. war im 13. Jahrhundert eine Georgskirche vorhanden; in der Pfarrchronik Großweikersdorfs gibt es keine Hinweise auf einen Neubau in den darauffolgenden Jahrhunderten, sondern nur wenige Einträge zu kleineren Umbauten oder Renovierungen zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert. Die alte Pfarrkirche, die bis zu ihrer Abtragung (ab 1755) in Benutzung war, wurde demnach im Kern ihrer Baugestalt vermutlich kaum verändert.

Im Zuge einer Pfarrvisitation bezeichnete der Dechant Franz Josef Garzerall die alte Kirche im Jahre 1696 als einen großen Bau, dessen Glockenturm eine Höhe von ca. 8 Klaftern (ungefähr 15,12 m) messe – das entspricht ungefähr der Höhe des heutigen Kircheninneren. Das Datum der Kirchweihe ist nicht bekannt.

Eine Feuersbrunst, der unter anderem der Turm und das Dach der Kirche zum Opfer fielen, zerstörte im Jahre 1727 einen Großteil des Ortes. Das Kirchenschiff erlitt durch herabfallende Turmsteine Sprünge im Gewölbe; der Innenraum der Kirche blieb jedoch verschont. Der Patronatsherr, Adrian Wenzel Graf Enckevoirt (1660–1738) sprach sich gegen eine Reparatur der stark beschädigten Kirche aus und entschloss sich zu einem Neubau in der Ortsmitte.

Neubau 1733 begutachteten der Dombaumeister Johann Baptist Martinelli und der Architekt Joseph Emanuel Fischer von Erlach das Kirchengebäude. Den Entwurf lieferte Fischer von Erlach, die Ausführung erfolgte durch den Dombaumeister. Als der Patronatsherr im Jahre 1738 starb, ging der Ausbau der neuen Kirche aufgrund des fehlenden Geldflusses aber nur noch langsam vonstatten. Um die Seelsorge weiterhin gewährleisten zu können, konzentrierte man sich in den folgenden Jahren vorrangig auf die Einrichtung des Gebäudes; der Turm blieb zunächst unvollendet und wurde von einem hölzernen Notdach abgedeckt.

Erst im Zuge der Bauphase von 1834 bis 1838 wurde der Turmausbau nach Plänen von Leopold Ernst, Dombaumeister von St. Stephan in Wien, fortgesetzt und das Projekt abgeschlossen. Umfassende Renovierungen und Restaurierungen der Kirche erfolgten in den Jahren 1886, 1937 und 1978 bis 1982. Auch die Objekte im Kircheninneren wurden in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konserviert. Restaurierungen an Pfarreigentum innerhalb des Einzugsgebietes der Erzdiözese Wien werden von deren Bauamt und dem Referat für Kunst und Denkmalpflege betreut.

Baubeschreibung Außen mini|hochkant|Das ehemalige Friedhofstor Ursprünglich war die Kirche von einem Friedhof umgeben. Im Zuge des Josephinismus musste dieser aber 1783 auf die Brandstatt hinaus verlegt werden. Von dem ehemaligen Friedhof sind noch große Teile der Mauer sowie das kunstvoll ausgeführte spätbarocke Tor aus Schmiedeeisen mit zwei Wappen aus dem Jahre 1740 von Johann Adam Kühn erhalten. Es sind die Wappen der Grafen Enckevoirt und Starhemberg. Ein ähnliches Gitter aus demselben Jahr, ebenfalls von Johann Adam Kühn, befindet sich am Eingang zur Kreuzkapelle in der Pfarrkirche Hadersdorf.

Neben dem Tor befindet sich innen an der Mauer eine Grabplatte (dat. 1712, Hieronimus de Rusco) aus der Zeit des Vorgängerbaus. Weitere Grabplatten und Grabsteine des alten Friedhofes sind an anderen Stellen der Mauer angebracht.

Der hohe frühklassizistische Kirchenbau erhebt sich über einem quadratischen Grundriss. Der Chorraum ist apsidal geschlossen und wird im Bogenscheitel um einen quaderförmigen Annex erweitert, der als Hochaltargehäuse dient. Sowohl der Chor als auch der Westturm werden seitlich von zweigeschoßigen Anbauten ergänzt, die im Osten an den Außenflanken um je einen runden Treppenturm mit Glockenhelm erweitert werden. links|mini|hochkant|Der Chor-Zubau Das Kirchenschiff trägt ein Zeltdach und über dem Chor erhebt sich ein Satteldach, das über der Apsis in ein spitz endendes Zeltdach ausläuft. Der östliche Zubau und die zweigeschoßigen Anbauten im Osten und Westen tragen Pultdächer.

Die Langhausfassaden sowie die Zwickelbauten im Osten sind durch Rechteckfenster, Putzfelder, Lisenen und Nutungen gegliedert. An den Langhausseiten befindet sich zwischen zwei Rechteckfenstern je ein großes Lünettenfenster. Die Westfassade ist dreiachsig mit flachem Mittelrisalit. Auch hier wird die Wandfläche von Rechteckfenstern, Putzfeldern und Nutungen gegliedert. Das Westportal ist ein einfaches Rechteckportal mit kräftigem, dreieckigem Flachgiebel über Voluten. Zu beiden Seiten befindet sich je eine Standfigur (Werner Marinko, 1957) – die heilige Elisabeth und die heilige Notburga. Über dem Portal befindet sich ein querovaler Okulus, im darüber liegenden Turmaufsatz liegt ein Segmentbogenfenster.

In der Fassade, links und rechts der Statuen, befindet sich je ein Blendfenster mit innenliegendem Relief. In der rechten Achse der Turmfassade befindet sich der reliefierte Epitaph des Patronatsherrn Graf Hans von Turzo aus dem Jahre 1587. Im Blendfenster der linken Achse zeigt eine Gedenktafel die symbolische Kirchenstiftung durch Graf Enkevoirt. Die Bildhauersignatur der Stifterplatte von 1937 lautet „R. Fenner“.

Der Turm mini|hochkant|Turm und Zeltdach Der Kirchturm zählt zusammen mit den Türmen des Stifts Zwettl und der Pfarrkirche Stockerau zu den höchsten Niederösterreichs. Der über dem Portal liegende Turmaufsatz dient als Sockel für den durch Blendnischen und -arkaden, Pilaster und Eckeinzüge gegliederten zweigeschoßigen Turmaufbau. An den Giebelschenkeln befinden sich Figuren des heiligen Leopold und des heiligen Georg. Das erste Geschoß des Turmaufbaus trägt rundbogige Blendnischen mit inne liegenden Rechteckfenstern und darüber befindlichen Turmuhren. Es wird durch ein umlaufendes Gesims mit Zahnschnitt gegen das darüber liegende Schallgeschoß – mit Rundbogenfenstern und Flachgiebeln – abgegrenzt. Das Turmdach ist ein mehrteiliger oktogonaler Zwiebelhelm mit Laterne und bekrönendem Kreuz.

Innen mini|Innenansicht der Pfarrkirche Der quadratische Kirchenraum zeichnet sich durch vier eingezogene Eckkompartimente aus, die dem Schiff im Grundriss die Form eines gleichseitigen Kreuzes verleihen. Der Längsarm sowie das Chorjoch besitzen Stichkappengewölbe, die queroblonge Vierung ist von einer Böhmischen Kappe überwölbt und über den seitlichen Kreuzarmen liegen Gurttonnen. Die Südostkapelle und die Sakristei haben Flachdecken über Kehlungen; die „Heilig-Grab-Kapelle“ hat ein Flachtonnengewölbe mit Deckengemälden: „Mariae Verkündigung“ von Hans Fischer und „Heilige Dreifaltigkeit“ von Alfred Lauer aus der Zeit um 1930. Die Eckpfeilerblöcke sind im Erdgeschoß zum Raum hin in Segmentbögen geöffnet und weisen im Obergeschoß sich dem Kirchenraum hin öffnende Oratorien auf. Die Belichtung des Langhauses erfolgt durch die Lünettenfenster in den Langhausseiten und durch Okuli, die sich über den Oratorien befinden. Die Belichtung der Oratorien erfolgt durch die Rechteckfenster der Langhausseiten.

Im westlichen Joch liegt die Orgelempore, die mit den Oratorien auf der westlichen Seite des Langhauses verbunden ist. Der Zugang zur Empore und den mit ihr verbundenen Oratorien erfolgt über eine Treppe, die in einem Raum nördlich der Turmfassade liegt. Der Kirchenraum ist von einem umlaufenden Gebälk mit Triglyphenfries gegliedert, das sich unter einem weit vorkragenden Kranzgesims befindet und auf toskanischen Pilastern aufliegt.

Ausstattung Das Chorgestühl wurde im Jahre 1739 von Anton Gerber geschaffen, die Kirchenbänke sind laut Urkunde aus dem Jahre 1741 und die spätbarocke Kanzel mit Baldachinbekrönung stammt aus dem Jahre 1758 und wurde vom Wiener Bildhauer Jakob Rechländer angefertigt. Die nachbarocken Kreuzwegbilder von Leopold Mitterhofer aus der Schule des Kremser Schmidt wurden 1833 geweiht.

Das teilweise vergoldete, muschelförmige Taufbecken aus Marmor wird von zwei Putten und einer Wolkensäule gehalten. Es ist ein Werk des Eggenburger Bildhauers Johann Georg Schmutzer aus dem Jahre 1725. Der kuppelförmige Deckel von 1957 ist aus marmoriertem und teilweise vergoldetem Holz und endet in einem vollvergoldeten, hölzernen Aufsatz mit einer Darstellung der Taufe Christi, die an Stelle einer verlorengegangenen Statue Johannes’ des Täufers dort angebracht worden ist.

Zur Ausstattung zählt darüber hinaus ein Kruzifix aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie ein geschnitztes Relief aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das den Tod des heiligen Franz Xaver zeigte.

In der Grabkapelle, die im SW der Kirche liegt, ist eine 1742 vollendete Kulissenmalerei in der Art der „Heiligen Theater“ zu finden. Dargestellt ist die Kreuzabnahme mit den heiligen Frauen und Johannes in einer zum Teil von Pflanzen überwucherten Felsgrotte. Davor befindet sich eine gemalte Sarkophagmensa mit beschrifteter Kartusche („venit et tulit Corpus Jesu“). Da das Werk von einem „Herrn Ingenieur geschaffen“ wurde und dieser Titel dem Hof- und Theatermaler vorbehalten war, wird es einem Angehörigen der Familie Galli da Bibiena zugeschrieben, die in Wien und Melk tätig gewesen ist.

Das „Heilige Theater“ wurde im Jahre 1964 vom Bundesdenkmalamt restauriert. In Österreich sind nur mehr sieben oder acht seiner Art erhalten, eines von Johann Baptist Wenzel Bergl, einem Schüler Paul Trogers, befindet sich in der ehemaligen Stiftskirche Garsten.

Der Corpus Christi der Großweikersdorfer Grabkapelle stammt aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Unterhalb des östlichen Langhauses liegt die Unterkirche, deren Gestaltung und Einrichtung, einschließlich der Bestuhlung und Beleuchtung, Robert Kramreiter in den Jahren 1939/1940 oblag. Der Altar besteht aus Adneter Marmor; auf dem darüber liegendem geschmiedeten Kreuz befinden sich altchristliche Katakombensymbole.

Hochaltar mini|Hochaltar, „List-Altar“ (links) und „Herz-Jesu-Altar“ Der spätbarocke marmorne Hochaltaraufbau wurde 1740 in der Kirche aufgestellt. Die Ädikula mit vorgezogenen korinthischen Doppelsäulen steht auf hohen Postamenten über einem konkaven Grundriss. Der segmentbogige Aufsatz der Ädikula endet in vasenbesetzten Volutenanläufen und trägt ein Relief des Auges Gottes, das von einem Strahlenkranz und Wolken umgeben ist. Vor der Nische befindet sich eine Sarkophagmensa, entworfen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach. Die Tempiettoform des vergoldeten, spätbarocken Tabernakelaufbaus ist vom Gnadenaltar in der Basilika von Mariazell abgeleitet.