Die Stadtwerke München GmbH (kurz: SWM) sind eines der größten deutschen kommunalen Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen. Eigentümerin ist die Stadtverwaltung München. Die SWM sind in den Bereichen Strom-, Erdgas-, Fernwärme-, Fernkälte- und Trinkwasserversorgung, öffentlicher Nahverkehr, Betrieb der Münchner Bäder und Telekommunikation tätig. Strom- und Erdgasprodukte vertreibt das kommunale Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen bundesweit. Darüber hinaus bieten die Stadtwerke München Wärmepumpen, maßgeschneiderte Solaranlagen sowie Ladelösungen für Elektroautos an. Nach eigenen Angaben sind die SWM das größte europäische Stadtwerk und zählen zu den größten Energieversorgern Deutschlands. Seit 2008 ist der Ausbau der erneuerbaren Energien zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Das Unternehmen sieht sich als Vorreiter der Wärmewende.
Geschichte
1998 ist das Gründungsjahr der Stadtwerke München GmbH. Doch schon lange vorher gab es Vorgänger-Organisationen, die die Stadt München geprägt haben, mit wichtigen Fortschritten in der Energie- und Wasserversorgung sowie bei den Verkehrsbetrieben. Einige der Meilensteine in der Historie der Stadtwerke München:Bähr, Johannes und Erker, Paul: NetzWerke. Die Geschichte der Stadtwerke München, München 2017, ISBN 978-3-492-05850-6.
1883 wurde erstmals Trinkwasser, das im Mangfalltal im Voralpenland gewonnen wurde, in das 40 km entfernte München geleitet. 1895 nahm die Stadt die elektrische Straßenbahn in Betrieb. 1899 wurden die öffentliche Strom- und Gasversorgung der Stadt München zusammengefasst. 1939 fasste man die städtischen Unternehmen Gas- und Wasserversorgung, Elektrizitätswerke und Verkehrsbetriebe zusammen. 1955 ging das Heizkraftwerk Müllerstraße in Betrieb und realisierte zum ersten Mal Kraft-Wärme-Kopplung in einer relevanten Größenordnung. 1971 wurde die erste U-Bahnstrecke eröffnet, die anlässlich der Olympischen Spiele 1972 gebaut wurde. 1998 beschloss der Münchner Stadtrat, den Eigenbetrieb Stadtwerke in eine GmbH umzuwandeln, die zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt verbleibt. 2007 wurde das Gelände des Heizkraftwerk in der Müllerstraße verkauft. 2008 starteten die SWM ihre Ausbauoffensive Erneuerbare Energien mit dem Ziel, ab 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu erzeugen, wie München verbraucht. 2010 begann der Ausbau des Glasfasernetzes im München, an das 2019 bereits eine halbe Million Kundinnen und Kunden angeschlossen waren. 2015 wurde der Offshore-Windpark DanTysk eingeweiht und in Betrieb genommen. DanTysk ist der erste Offshore-Windpark, an dem sich die SWM im Zuge der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien beteiligten.
Unternehmensbereiche mini|Windkraftanlage Fröttmaning der SWM auf dem Fröttmaninger Berg
Strom Unter dem Namen „M-Strom“ vertreiben die SWM Strom verschiedene Stromtarife und begleitende Dienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden in München und der Region. Viele Angebote sind auch bundesweit erhältlich. Mit mehr als 250.000 Ökostromkunden gehören die SWM nach eigenen Angaben deutschlandweit zu den größten Ökostrom-Anbietern im Privat- und Geschäftskundenmarkt. Die SWM sind im Stadtgebiet München und der Münchner Region Betreiber von 13 Wasserkraftwerken, 2 Windkraftanlagen, 6 Geothermieanlagen, über 400 PV-Anlagen, 7 Solar-Parks und den drei Heizkraftwerken Süd, Nord und Freimann, die rund 70 Prozent des Stroms mit Kraft-Wärme-Kopplung (u. a. mit Müll- und Steinkohleverbrennung im Heizkraftwerk München Nord, ebenso mit Gas) erzeugen. Die SWM sind mit ihren Beteiligungsgesellschaften auch zu 25 Prozent am Kernkraftwerk Isar 2 beteiligt.
Gas Als Teil des europäischen Verbundnetzes versorgen die SWM ihre Kunden mit Erdgas. Dafür steht auch ein eigener Untertagespeicher zur Verfügung. Die SWM bieten verschiedene Erdgas-Tarife an, die zum Teil bundesweit erhältlich sind. In München betreiben die SWM acht Erdgastankstellen, an denen regeneratives Biomethan getankt werden kann.
Fernwärme Bei der Erzeugung von Strom im Kraft-Wärme-Kopplungs-Prozess entsteht Wärme, die von den Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen der SWM in das Fernwärmenetz geleitet wird. In ihren Heizkraftwerken und Heizwerken erzeugen die SWM Fernwärme, die über 800 km Dampf- und Heißwassernetze an große Gebäude und Hausanschlüsse verteilt und zur Heizung und Bereitung von Warmwasser genutzt wird.
Unter dem Münchner Stadtgebiet liegt die Temperatur des in einer wasserführenden Kalksteinschicht vorhandenen Thermalwassers zwischen 80 °C und 140 °C. In Sauerlach kann Wasser mit 140 °C aus 4.200 Meter Tiefe gepumpt werden. Aus dem Malm-Kalkstein kann an den genutzten Standorten ausreichend Thermalwasser gefördert werden, weil diese Bohrungen entweder an tektonische Störungen (Klüfte) oder an verkarstete Bereiche angeschlossen sind. Da diese Malmschicht von Norden nach Süden „einfällt“, also im Süden Münchens deutlich tiefer liegt, und das Grundwasser dementsprechend höhere Temperaturen hat, ist im Süden eine kombinierte Nutzung zur Strom- und Wärmeerzeugung (KWK) möglich, in Norden hingegen nur eine Wärmenutzung.
Die erste Geothermie-Anlage Münchens wurde 2004 in Riem in Betrieb genommen, die Riem und die Neue Messe München rund um die Uhr mit Wärme versorgt. Bei der Förderung wird ein aus zwei Bohrungen bestehendes Dubletten-System eingesetzt. Dabei wird dem Tiefenwasser, das mit einer Temperatur von 94 °C gefördert wird, Wärme entzogen, bevor es über die zweite Bohrung wieder zurückgeführt wird, sodass dem Untergrund kein Wasser entzogen wird.
Eine zweite Geothermie-Anlage in Sauerlach produziert neben Wärme auch Strom. Eine weitere Anlage in Freiham ist an das Fernwärmenetz der Innenstadt angeschlossen und versorgt weitere Gebiete über ein nachgelagertes Niedertemperaturnetz. Am Energiestandort Süd haben die SWM die größte Geothermieanlage Deutschlands gebaut, sie produziert seit Mitte 2021 Fernwärme.
Durch umfassende Investitionen ist ein Anschluss an das Fernwärmenetz der SWM in immer mehr Stadtteilen Münchens möglich. Seit November 2015 werden weitere Thermalwasserschichten unter dem Stadtgebiet erkundet. Es wird damit gerechnet, bis zu 16 weitere Geothermie-Anlagen errichten zu können.D. Koenemann: Geothermie in München. In: Elektropraktiker, Ausgabe 2/2016. Verlag HUSS Medien, Berlin 2016, ISSN 0013-5569. Bis 2040 soll Fernwärme in München CO2-neutral, überwiegend aus Tiefengeothermie gewonnen werden.
Fernkälte Im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen ist Fernkälte umweltschonend und energieeffizient – rund die Hälfte des Primärenergieaufwandes lässt sich einsparen. Als Energiequelle dient kaltes Grundwasser, das in einem geschlossenen Kreislauf zur Kühlung eingesetzt wird. Industriekunden wird Fernkälte über ein Rohrnetz zur Verfügung gestellt. Lediglich die Pumpen werden mit Strom betrieben. Das leicht erwärmte Grundwasser wird anschließend wieder dem Grundwasserstrom zugeführt.
Wasser
75 Prozent des Trinkwassers für München stammen aus dem oberbayerischen Mangfalltal bei Weyarn, 20 Prozent aus dem Loisachtal nahe Garmisch, zwischen Oberau und Farchant. Die südliche Münchner Schotterebene dient als Reserve für Bedarfsspitzen. Auf diese Gewinnungsgebiete im bayerischen Voralpenland sowie auf die ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Forstwirtschaft in diesen Regionen ist die hohe Qualität des Münchner Trinkwassers u. a. zurückzuführen.
Bäder
Die SWM betreiben in München insgesamt acht Hallenbäder, ein Winter-Warmfreibad, acht Saunen und acht Sommerbäder, und zwar gemäß dem vom Münchner Stadtrat im Jahr 1991 beschlossenen „Münchner Bäderkonzept“, das eine Aufwertung der Schwimmbäder zu Erholungs- und Freizeitbädern vorsah. In München gibt es unter den Bädern drei Kombibäder (Kombination aus Hallen- und Freibad): das Westbad in der Weinbergerstraße im Westen und das Michaelibad an der Heinrich-Wieland-Straße im Osten. Das Michaelibad ist das größte Erholungs- und Freizeitbad Münchens. Im Dantebad ist ein Freibad und ein Winter-Warmfreibad vereint.
Photovoltaikanlagen Für Eigenheimbesitzer gibt es bei den Stadtwerken München die Möglichkeit eines Komplettpakets für eine Photovoltaikanlage, von der Planung über die Installation bis zur Wartung, wahlweise mit Batteriespeicher. Es ist auch möglich, die Solaranlage mit Wärmepumpen oder Wallboxen für E-Autos zu kombinieren.
Wärmepumpen Die Stadtwerke München bieten für Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser den Einbau von Luft-Wärmepumpen an.
Elektromobilität Für private und gewerbliche Kunden bieten die Stadtwerke München unter dem Produktnamen "M-Ladelösung" den Einbau von AC-Ladestationen an, z. B. in Garagen und Carports oder an Tiefgaragen-Stellplätzen. Mitte 2026 waren bereits Ladestationen in rund 500 Gebäuden in München und Umgebung verbaut.
Die SWM betreiben außerdem 1.400 öffentlich zugängliche Ladepunkte im Großraum München, an denen mit einer Ladekarte oder per Direktzahlung bezahlt werden kann. An den SWM Ladestationen wird ausschließlich mit Ökostrom geladen.
Energieberatung Weiterer Bestandteil der Energiestrategie der SWM ist die Energieeffizienz. Aus diesem Grund beraten die SWM umfassend zum Energiesparen. Um das Energieeinsparpotenzial zu heben, haben die SWM ihr Beratungsangebot weiter ausgebaut. Zum Angebot zählt auch das Energiesparberatungsprojekt für Haushalte mit geringem Einkommen.
mini|Zentrale in der Emmy-Noether-Straße 2
Projekt zu erneuerbaren Energien
Im Jahr 2008 haben die SWM die „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ begonnen: Ziel des Unternehmens war, ab 2025 rechnerisch so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu produzieren, wie ganz München verbraucht. Das sind rund 7,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien war mit einem Budget von rund neun Milliarden Euro ausgestattet worden, welches insbesondere in Windkraftanlagen in Nordeuropa investiert wurde. Das Ziel der Ausbauoffensive wurde erreicht: Seit 2025 können die SWM so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie ganz München verbraucht. Aktuell sind die SWM u. a. an den Offshore-Windparks Global Tech I, Gwynt y Môr, DanTysk und Sandbank beteiligt. Weitere Projekte sind in Planung, wobei von der SWM geplante Projekte zur Installation von Windkraftanlagen auf dem norwegischen Festland auf erheblichen Widerstand von norwegischen Umweltschützern stoßen. Dem Windpark Roan, einem Teilpark des Windparks Fosen Vind, wurde gerichtlich die Genehmigung entzogen, da er die Rechte des indigenen Volks der Samen beschneide, ihre Kultur der Rentierzucht zu praktizieren.
Die Stadtwerke München streben die Energiewende auch im Wärmebereich an mit dem Ziel, die Wärmeversorgung der Stadt bis 2040 zu 100 % auf erneuerbare Energie, vorwiegend Geothermie, umzustellen. München wäre damit weltweit die erste Millionenstadt mit einer rechnerisch komplett erneuerbaren Wärmeversorgung.
Öffentlicher Nahverkehr
Die Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG), Tochtergesellschaft der SWM, stellt mit U-Bahn, Bus, Tram und weiteren Mobilitätsleistungen ein umweltschonendes Angebot im Münchner Nahverkehr zur Verfügung.
Telekommunikation
Gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft M-net Telekommunikations GmbH verlegen die SWM in München ein Glasfasernetz. Darüber hinaus investiert M-net in weiteren Regionen Bayerns in den Ausbau glasfaserbasierter Breitbandnetze. Die Kommunikationslösungen sind bereits in über 50 Prozent der bayerischen Haushalte sowie im Großraum Ulm für Privat- und Geschäftskunden verfügbar.
Erzeugungsanlagen München und Region In München und der Umgebung erzeugen die SWM in zahlreichen Anlagen Energie.
Heizkraftwerke Blockheizkraftwerk Westbad, seit 1997 in Betrieb Heizkraftwerk Freimann, seit 1974 in Betrieb Heizkraftwerk Nord, in Betrieb seit 1964 Heizkraftwerk Süd, in Betrieb seit 1899 zur Stromerzeugung, seit 1969 zusätzlich zur Fernwärmegewinnung Heizwerk Gaisbergstraße, seit 1974 in Betrieb