Antikommunistischer Widerstand in Rumänien bezeichnet den Widerstand durch politische, militärische und zivile Gruppen sowie Einzelpersonen gegen das kommunistische Regime der Rumänischen Kommunistischen Partei zur Zeit der Volksrepublik und Sozialistischen Republik Rumänien zwischen dem Ende des Königreichs Rumänien 1947 und der Rumänischen Revolution 1989.

Geschichte Vorgeschichte Rumänien unter der Militärdiktatur Ion Antonescus hatte sich von 1941 bis 1944 an der Seite Hitlerdeutschlands am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Im Zuge der sich abzeichnenden Niederlage wechselte das Land am 23. August 1944 die Seiten (Königlicher Staatsstreich) und kämpfte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit der Sowjetunion gegen Deutschland. Trotzdem besetzten sowjetische Truppen das Land. Die politische Führung der Sowjetunion verleibte Rumänien zielstrebig ihrem Machtbereich ein; die zahlenmäßig bis dahin sehr schwache Rumänische Kommunistische Partei (rumänisch: Partidul Comunist Român) eroberte nach und nach alle wichtigen Machtpositionen. Am 30. Dezember 1947 musste König Michael I. abdanken. Die Anhänger des Königs, der faschistischen Legionärsbewegung (Eiserne Garde), aber auch die der bürgerlichen, antikommunistisch ausgerichteten Parteien sahen sich einer massiven Verfolgung ausgesetzt.

Unter den Opponenten des sich etablierenden Regimes machte die Kommunistische Partei auch zahlreiche Studenten aus, deren politische Ansichten besonders argwöhnisch beobachtet wurden. Die Parteiführung unter Ana Pauker entschloss sich – möglicherweise auf Weisung der Sowjetunion – gegen den tatsächlichen oder vermuteten antikommunistischen Widerstand mit aller Härte vorzugehen.Gheorghe Boldur-Lățescu: The communist genocide in Romania. Nova Science Publishers, New York 2005, ISBN 1-59454-251-1, S. 21, in englischer SpracheAlexandru Daniel Popescu: Petre Țuțea: between sacrifice and suicide. Ashgate Publishing Ltd, Aldershot 2004, ISBN 0-7546-5006-5, S. 69, in englischer Sprache So wurden in der Nacht vom 14. zum 15. Mai 1948 in Bukarest, Cluj-Napoca und Iași etwa 1000 Studenten verhaftet,Dennis Deletant: Communist terror in Romania: Gheorghiu-Dej and the Police State, 1948–1965. C. Hurst & Co. Publishers, London 1999, ISBN 1-85065-386-0, S. 200f, in englischer Sprache was etwa 2 Prozent der damaligen Studentenzahl entsprach. Die meisten Verhafteten wurden zu Gefängnisstrafen von mindestens fünf Jahren verurteilt.

Bewaffneter Widerstand in der Nachkriegszeit mini|400px|Hochburgen (rot) des bewaffneten anti-kommunistischen Widerstands in Rumänien Die nichtkommunistischen Parteien Rumäniens setzten sich bis zu ihrer Auflösung 1947 entschieden gegen die Machtübernahme der Kommunisten zur Wehr; auch die Kirchen verteidigten in dieser Phase noch ihre traditionellen Rechte.

Bei den Widerstandskräften handelte es sich um ähnliche Erscheinungen wie in den anderen osteuropäischen Ländern in der Phase des Übergangs zum Kommunismus. Neben der Volksrepublik Polen, der Ukrainischen SSR und dem Baltikum gab es nur in Rumänien bewaffnete Widerstandsgruppen. Diese hatten sich vor allem in unzugänglichen Gebieten der Karpaten verschanzt, aber auch im Banat und im Donaudelta. Die Träger dieser Gruppen waren in der ersten Phase hauptsächlich ehemalige Angehörige des rumänischen Militärs, die nach dem Königlichen Staatsstreich in Rumänien nicht an der Seite der Sowjetarmee gegen das Deutsche Reich kämpfen wollten.

Nach der Zerschlagung des Dritten Reichs nahmen die Widerstandsgruppen in Rumänien gemeinsam den bewaffneten antikommunistischen Kampf auf, jedoch existierte anscheinend keine landesweite Koordination zwischen den einzelnen Gruppen.Memorial Sighet: Museum: Saal 48 – Antikommunistischer Widerstand in den Bergen (→ online) Teilweise überfielen sie auch kommunistische Repräsentanten, wonach die Regierung sie „Banditen“ und „Terroristen“ brandmarkte. Von den Schäfern in den Bergen und von der Bauernbevölkerung wurden diese „Partisanen“ mit Lebensmitteln versorgt, obwohl dies oft harte Bestrafung nach sich zog.

Die Gruppen – im Schnitt zwischen 10 und 40 Personen stark – stellten keine wesentliche Gefährdung für die kommunistischen Machthaber dar, obwohl sie den Anspruch des Regimes auf vollständige Kontrolle des Landes untergruben. Sie bestanden aus Jugendlichen, Alten, Frauen (unter ihnen manche mit Kleinkindern oder Schwangere), Bauern, ehemaligen Armeeoffizieren, Rechtsanwälten, Ärzten, Studenten, Arbeitern. Es waren alle Alters-, sozialen und politischen Schichten vertreten. Sie waren mit Pistolen, Revolvern und Maschinengewehren aus dem Zweiten Weltkrieg ausgerüstet, litten jedoch an akutem Mangel an Munition. Die Untergrundkämpfer mussten oftmals der Verfolgung der Securitate entkommen, die regelrechte Hetzjagden veranstaltete, um sie – tot oder lebend – einzufangen. Die Terrorisierung ihrer Familien durch Verhöre, die Ausschließung ihrer Kinder aus der Schule, die Verwendung grausamer Methoden bewog viele der in den Bergen versteckten Kämpfer sich zum Schutz ihrer Familien zu ergeben. Einige wurden wegen „Verschwörung gegen die soziale Ordnung“ zu langen Gefängnisstrafen verurteilt und ihr Vermögen konfisziert, die meisten fanden jedoch den Tod. Die erfolgreichen „Jäger“ erhielten Belohnungen und Dienstgraderhöhungen.

Teilweise hatten diese Gruppen noch eine lose Verbindung mit deutschen Militärstellen in Österreich und der selbsternannten rumänischen Exilregierung des Führers der faschistischen Eisernen Garde, Horia Sima. Gelegentlich versuchten auch die faschistischen „Legionäre“, die nach 1944 im westlichen Ausland wirkten, mit den bewaffneten Gruppen Kontakt aufzunehmen. 1949 und 1950 gab es in einigen Ortschaften breitere Widerstandsaktionen, als die kommunistischen Machthaber die Bauern mit Gewalt zum Eintritt in Genossenschaften zwangen. Einige Bauern, die danach von der Sicherheitspolizei gesucht wurden, schlossen sich den bewaffneten Gruppen in den Bergen an. Nach dem Beginn des Kalten Krieges unterstützten westliche Geheimdienste die Widerstandsinitiativen. Zumeist wurden die aus dem Ausland eingeschleusten Kräfte jedoch von den Sicherheitskräften gefangen genommen, bevor sie zu den Widerstandsgruppen Kontakt aufnehmen konnten. Die Gruppen hatten darauf vertraut, dass die Westmächte auf Zeichen antikommunistischen Widerstandes warten würden, um zu ihrer Unterstützung einzugreifen. Als das Eingreifen nach der blutigen Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands 1956 ausblieb, ließ auch der Widerstand in den Bergen Rumäniens nach.Mariana Hausleitner: Politischer Widerstand in Rumänien, 1996, (→ Teil 1 Teil 2)