Die Erdfunkstelle Aflenz ist die einzige Erdfunkstelle Österreichs. Betreiber ist die A1 Telekom Austria. Sie wurde 1980 erbaut, Architekt war Gustav Peichl. Der Standort in Graßnitz wurde gewählt, da dort keine elektromagnetischen Störungen von Flughäfen (Radar) auftreten.
miniatur|links|hochkant=2|Erdfunkstelle Aflenz (Überblick vom Gegenhang)
Geschichte Die Anlage wurde von der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung, der Vorläuferorganisation der A1 Telekom Austria, in rund 17 Monaten Bauzeit errichtet. Die Investitionssumme betrug über 600 Millionen Schilling (umgerechnet rund 44 Millionen Euro). Die Architektur von Gustav Peichl, bei der die Betriebsgebäude weitgehend unterirdisch angelegt sind, wurde mit dem Landespreis für Architektur der Steiermark sowie dem Geramb-Dankzeichen für gutes Bauen ausgezeichnet.
Die Anlage ging am 30. Mai 1980 in Betrieb. Anfänglich bestand sie aus einer mobilen und drei stationären Parabolantennen, die bis Anfang der 2010er Jahre auf vier mit über 10 m Durchmesser und rund 50 kleinere Parabolantennen für den Satellitenfunkverkehr ausgebaut wurden. In den 2020er Jahren umfasste die Anlage insgesamt mehr als 60 Antennen. Die Anlage erstreckt sich auf rund 130.000 m² Fläche, die Betriebsräume liegen weitgehend unterirdisch.
Seit 2013 versorgt eine Photovoltaikanlage mit 790 Modulen auf 4.800 m² die Erdfunkstelle mit rund 190.000 kWh Strom pro Jahr, was den CO₂-Ausstoß um rund 90.000 kg jährlich reduziert.
Im Dezember 2020 zeichnete die World Teleport Association (WTA) die Erdfunkstelle Aflenz mit der Tier-4-Zertifizierung aus, der höchsten Stufe ihres vierstufigen Teleport Certification Program. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig und wurde 2023 verlängert. Es war die 42. weltweit im Rahmen dieses seit 2015 laufenden Programms vergebene Zertifizierung.
Technik Es gibt zwei große Parabolantennen mit einem Durchmesser von jeweils 32 m und einem Gewicht von jeweils rund 275 t. Die Antennen lassen sich mit einer Genauigkeit von etwa 0,03 Grad ausrichten. Die Hohlleiter-Speisesysteme werden mit erwärmter, getrockneter Luft gespült, um die Signalqualität zu erhalten.
Um das Jahr 2008 waren einzelne Großantennen fest bestimmten Satelliten zugeordnet, etwa eine 32-m-Antenne auf Intelsat 904 (60° Ost), eine 18-m-Antenne auf Telstar 12 (15° West), eine zweite 32-m-Antenne auf Telstar 10 (76,5° Ost) sowie eine 11-m-Antenne auf Eutelsat W5 (70,5° Ost). In den 2020er Jahren nennt der Betreiber in eigenen Publikationen die Satelliten Eutelsat 16A, Eutelsat 9B und APSTAR-7 als von Aflenz aus bediente Satelliten im Rahmen der „direct2home“-Plattform für Europa, Asien und Australien sowie IP-basierte Zustellung in die USA. Die tatsächliche Satellitenbelegung wird im Betrieb periodisch angepasst.
Die Erdfunkstelle deckt den geostationären Orbitbogen von etwa 55° West bis 85° Ost ab und erreicht eine Datenübertragungszeit von rund 400 Millisekunden pro Signalweg. Sie ist über das Backbone-Netz der A1 International Business mit Knotenpunkten in 47 Ländern verbunden und stellt satellitengestützte Dienste in mehr als 70 Ländern bereit. Die Erdfunkstelle ist durch Notstromaggregate unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung und hat einen eigenen Leitstand, welcher als 24-Stunden-Network-Operations-Center durchgängig besetzt ist. Über diese Funkstation werden TV- und Internet-Verbindungen innerhalb Europas und Nordamerikas bis nach Asien durchgeführt. Die ehemalige mobile Antenne „TES“, die auf einem Anhänger montiert ist, wird mittlerweile nur noch stationär genutzt.
Die Erdfunkstelle Aflenz dient als eine von drei Stellen weltweit für die Einmessung neuer Erdfunkstellen des Eutelsat-Systems und fungiert als Referenzstation für ESVA-Tests (Earth Station Verification and Approval) sowie für TVCSM-Messungen (TV Carrier/Signal Monitoring).
Kulturelle Bedeutung Über die Erdfunkstelle Aflenz werden bedeutende österreichische Veranstaltungen international per Satellit übertragen, darunter der Wiener Opernball, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und der Life Ball.
Besuch Im kostenlos zugänglichen Besucherraum wird ein rund dreiminütiges Infovideo über die Station gezeigt. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr. Führungen für Schulklassen und Firmen werden aktuell nicht mehr angeboten. Die Anlage befindet sich in Graßnitz 160, 8624 Aflenz.
Weblinks
Fotos der Erdfunkstelle Aflenz
Einzelnachweise
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