mini|hochkant=1.2|Lustenfelden (Kaplanhof) nach einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674 Der Edelsitz Lustenfelden lag im heutigen Linzer Stadtteil Kaplanhof. Die Bezeichnung Lustenfelden wurde vom nahen Augebiet Lustenau abgeleitet.Franz Brosch: Flurnamen sprechen. In: Jahrbuch der Stadt Linz. 1950, S. 307, 313, 330 (; Lustenau, Lustenfelden und der Lustenauerhof, der spätere Freisitz Posthof, könnten ihre Namen vom großen Hausmeninger/Hausmanninger Lusfeld bekommen haben). Die spätere Bezeichnung Kaplanhof stammt vom kaiserlichen Forstmeister Kaplan, der den Freisitz 1589–1600 besaß, und ging schließlich auf den gesamten Stadtteil über.
Geschichte Vom Bauernhof zum Edelsitz Zu einem nicht mehr näher zu bestimmenden Zeitpunkt entstand östlich von Linz der Hof zu Pfaffenhart. Ursprünglich war dieser ein Passauer Lehen, ausgereicht an die Pfaffenhart (1260), die bis ins 15. Jahrhundert den Hof bewirtschafteten. Die urkundliche Überlieferung beginnt im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Die damaligen Besitzer waren die Schaller (Schuller), ein Freistädter Rittergeschlecht. Walchun der Schaller siegelte erstmals 1408, dann auch noch 1425. Er hinterließ seiner Frau Barbara eine Tochter Elspet, diese übernahm als Erbe den Hof zu Pfaffenhart und brachte ihn in die Ehe mit Peter Greil zu Erdperg ein, der mit den Schallers schon früher in enger geschäftlicher Beziehung stand. Beide verkauften 1431 den Hof zu Pfaffenhart an den Linzer Bürger und Ratsmitglied Michael Herzog. Dieser wurde vom Passauer Bischof als Lehensnehmer bestätigt.
In dieser Familie verblieb Pfaffenhart bis Mitte des 15. Jahrhunderts. Dann vermählte sich die Tochter Barbara des Michael Herzog mit Wolfgang Hohenfurtner I. († 1471) und brachte ihren Anteil am Hof in die Ehe ein. Bis 1476 waren der ganze Hof und weitere Hofstätten im Besitz des Hohenfurtners. Wolfgang Hohenfurtner hatte vier Söhne (Thomas, Hans, Sigmund, Wolfgang II.) und drei Töchter (Ottilie, Amalie, Margareth). Hans Hohenfurtner erscheint in einem Lehensbrief erstmals 1468 als Mitbesitzer des Hofes zu Pfaffenhart. Der Passauer Bischof Ulrich von Nußdorf verlieh letztendlich 1476 dem Sigmund Hohenfurtner den Hof zu Pfaffenhart. Nach dem Tode des Sigmunds (vor 1507) bekam sein Bruder Wolfgang gemeinsam mit seinem Vetter Bernhart von Bischof Wiguleus von Passau den Hof zu Pfaffenhart zum Lehen. Bernhart († 1531), der mehrere wichtige Ämter ausfüllte (Pfleger zu Waxenberg 1527, Siechenmeister des „Sundersiechenhauses“ zu Linz 1522) blieb in der Folge der einzige männliche Hohenfurtner und so kam der ganze Familienbesitz an ihn.
mini|Landkarte der Diözese Passau (1719) – Detail: Linz und Umgebung mit Lustenfelden Bernhart Hohenfurter gelang unter Kaiser Ferdinand I. der Aufstieg in den Adelsstand. Am 30. März 1528 gewährte ihm der Kaiser die Allodifizierung seines Lehens. Am 20. Dezember 1529 bekam er das Recht, drei Dreilinge Wein aus seinen niederösterreichischen Weingärten auf seinem Sitz Pfaffenhart „ohne Behinderung“ ungeldfrei auszuschenken, obwohl das Gut innerhalb der Meile der Stadt Linz lag. Für seine Verdienste um das „Haus Österreich“ erhielt er am 26. April 1530 von Kaiser Ferdinand schließlich die Bewilligung, sein Stammgut Pfaffenhart in Lustenfelden umzunennen und sich selbst und seine Erben als „Hohenfurtner von Lustenfelden“ zu bezeichnen.Wilflingseder 1952, S. 7 und 19–24. Damit war Lustenfeld endgültig zu einem Dominikalgut geworden. Die an Lustenfelden zinspflichtigen Bauernhöfe bildeten aber kein geschlossenes Herrschaftsgebiet, sondern waren über das Mühlviertel und Traunviertel verstreut; dies war für viele Herrschaften typisch. Bernhard zeugte mit seiner Frau Ursula, geb. Grandner, fünf Töchter (Katharina, Anna, Felicitas, Barbara, Margreth). Den großen Besitz Bernharts verwaltete vorerst seine Witwe für ihre Kinder, wobei in den folgenden Jahren (1544 bzw. endgültig 1564 nach dem Tod der Ursula Grandner) der Besitz unter diesen aufgeteilt wurde. Für die Historie von Lustenau am wichtigsten ist die Tochter Felicitas, in erster Ehe verheiratet mit dem Linzer Bürger Wolfgang Düer und in zweiter Ehe mit Christoph Hackhl; sie hatte einen Sohn (Bernhart Düer).
Lustenfelden wird zum Kaplanhof Der Freisitz Lustenfelden ist nach dem Tode Bernhart Hohenfurtners als erledigtes Lehen an das Bistum Passau zurückgefallen. Diesen erwarb Hieronymus Freiherr von Sprinzenstein und erhielt ihn auch als „adeliges vermants valligs Lehen“ vom Hochstift Passau. Nach 1540 ging der Sitz durch Kauf an Anton von Taxis, der römisch kaiserlichen Majestät Hofpostmeister, über, der ihn 1548 an seinen Sohn Christoph von Taxis vererbte. Allerdings sind die Dinge nicht so klar, wie es scheint. Christoph von Taxis führt in einem Schreiben von 1550 an, dass es seinem Vater und auch ihm nicht gelungen war, seines Besitzes Lustenfelden habhaft zu werden. Eine von ihm an den Pfleger von Ebelsberg, Johann Stierl, gerichtete Klage auf Abtretung verlief im Sande und so können die Taxis trotz ihres Rechtstitels mit Lustenfelden in keine Beziehung gebracht werden. Offenkundig hat Felicitas Hohenfurtner den Besitz behaupten können und scheint hier mit ihren Ehemännern weiter auf.
Eine größere Auseinandersetzung zwischen diesen und der Stadt Linz begann 1556 wegen der Ungeltbefreiung (Schanksteuer) von 1529 und dem Versuch, Wein in Lustenfelden auszuschenken. Die Stadt Linz ließ mehrmals Weinfässer des Christoph Hackhl beschlagen, da nach ihrer Rechtsauffassung das kaiserliche Privileg an die Hohenfurtner rechtsirrig ausgestellt war (nach früheren Linzer Freiheitsbriefen habe nur die Stadt Linz das Recht zum Ausschank bzw. das Recht zur Einforderung von Ungelt). Mehrere von Felicitas Hohenfurtner (Hackhl) bzw. Christoph Hackhl angestrengte Prozesse gingen zu Gunsten der Stadt Linz aus. Erst ein späterer Besitzer von Lustenfelden, nämlich der politisch wesentlich potentere Wolfgang Jörger, setzte diesen Anspruch durch. Sein Nachfolger, Helmhart Christoph Ungnad von Weißenwolff, errichtete sogar 1687 in Lustenfelden eine eigene Brauerei, wobei ihm seine Stellung als Landeshauptmann von Oberösterreich dienlich war.
Durch die zweite Heirat der Felicitas Hohenfurtner kam Lustenfelden an Christoph Hackhl († 1577). Auch dieser hatte keine männlichen Nachkommen. Seine Gattin Felicitas (die eigentliche Besitzerin von Lustenfeld) dürfte vor ihm gestorben sein. Vermutlich verwaltete nach dem Hackhl Josef Stangl von Waldenfels, Gatte der Anna Hohenfurtner, als „Häcküscher vormund“ Lustenfelden. Durch Kauf kam Lustenfelden 1589 dann an Hans Balthasar Kaplan, kaiserlicher Forstmeister in Österreich ob der Enns (seitdem Kaplanhof genannt). Dieser erhielt vom Passauer Bischof auch den Lehensbrief. Die Kaplans waren ein kleines Mühlviertler Adelsgeschlecht, die auch in Linz Besitzungen hatten.
Lustenfelden unter den Jörgers Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten konnte sich Kaplan nicht lange auf Lustenfelden halten. Nach mehreren Notverkäufen musste er sich von Wolfgang Jörger eine größere Summe Geldes leihen und dafür seinen Lustenfeldener Besitz verpfänden. Wegen ausstehender Rückzahlungen begann Wolfgang Jörger 1599, seine Hand auf Lustenfelden auszustrecken. 1600 übernahm er Lustenfelden in Pfandnutzung. Allerdings war Kaplan damit nicht einverstanden und es entstand darüber ein mehrjähriger Rechtsstreit. Nach dem Tode des Wolfgang Jörgers (1613) wurde dieser von seinem Sohn Helmhart Jörger fortgesetzt. Auch Hans Kaplan erlebte den Ausgang des Streites nicht mehr; ab 1623 trat seine Tochter Anna in den Prozess ein. Ihr vermutlicher Gatte Johann Raesfeldt von Rosenthal (Hallamtsverwalter zu Ischl) bewarb sich 1623 beim Passauer Bischof um die Verleihung des Lehens Lustenfelden.
Auf Lustenfelden schlossen die oberösterreichischen Landstände mit dem Anführer Laurentius Ramée des Passauer Kriegsvolkes (im Volksmund Rammauf genannt), das 1610/11 plündernd das Land durchzog, einen Vertrag, nach dem dieser das Land friedlich räumen sollte. Linz blieb in der Tat verschont, das Kriegsvolk zog vandalisierend durch das Mühlviertel Richtung Budweis ab.
Da Helmhart Jörger ein eifriger Protestant war, kam er nach der Niederlage des protestantischen Adels in der Schlacht am Weißen Berg 1620 in Bedrängnis. Er wurde in Wien verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und eingekerkert. Durch einen Begnadigungsakt des Kaisers von 1625 kam er wieder frei, auch ein Teil seiner Güter (Schloss Köppach, Schloss Erlach) wurde ihm wieder zugesprochen, während die Herrschaft Steyregg, von der aus Lustenfeld verwaltet wurde, in die Zwangsverwaltung des Kaisers gelangen sollte. Zudem hatte der Bischof von Passau 1623 gegen den Jörger einen Prozess wegen Felonie (Lehensuntreue) begonnen und wollte die Gelegenheit nutzen, Lustenfelden wieder an sich zu ziehen. Nach einem langwierigen Rechtsstreit wurden Helmhart Jörger 1628 das Amt Lustenfelden aber ausgefolgt. Damit war der Rechtsstreit aber noch nicht beendet, da Passau wieder die Felonie-Anklage einbrachte. Das Ende des Prozesses hat Helmhart Jörger († 1631) nicht mehr erlebt. Obwohl Jörger zwei Töchter hatte, bestand der Bischof von Passau darauf, Lustenfelden und Steyregg als heimgefallene Lehen zu betrachten. Dem stimmte auch der Kaiser zu. Als Pfleger dieser Güter wurde der Lehensprobst Hans Christoph von Thürheim († 1634) bestimmt.
mini|Lage des Kaplanhofes nach dem Franziszeischen Kataster
Lustenfelden unter der Weißenwolffs