Logwino (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Selenogradsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Selenogradsk.
Geographische Lage Das Dorf liegt in den historischen Region Ostpreußen, etwa 22 Kilometer westnordwestlich von Kaliningrad (Königsberg) und 16 Kilometer ostnordöstlich der Stadt Primorsk (Fischhausen).
Ortsname Der Name Medenau leitet sich von dem prussischen Gau Medenowe ab.
Der Name Logwino wurde von dem russischen Wort log für Hohlweg abgeleitet. Es bezog sich offenbar auf die etwa zwei Kilometer östlich gelegene Erosionsrinne Hohler Grund, die heute mit owrag Skryty (ru. овраг Скрытый) bezeichnet wird.
Geschichte mini|Medenau, nördlich des Frischen Haffs und ostnordöstlich der Stadt Fischhausen, auf einer Landkarte von 1910. mini|Häuser im Dorf (2022) Das Gründungsjahr des bis 1947 Medenau genannten Ortes war 1263.D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Medenau Bereits um 1000 v. Chr. war die Gegend besiedeltLogwino – Medenau bei ostpreussen.net.. In der Nähe besiegte im Jahre 1255 der böhmische König Ottokar II. die Samländer. Ab 1258 gehörte Medenouwe zum Fürstbistum Samland. Hier fanden sich noch bedeutende Reste alter prußischer Wallanlagen.
1263 erwähnte man hier eine Burg der Bischöfe, die jedoch keine Bedeutung erlangte und deren Kellerräume 1840 zugeschüttet wurden.
Im Jahre 1874 wurde Medenau Sitz und namensgebender Ort für einen neu errichteten AmtsbezirkRolf Jehke, Amtsbezirk Medenau, der bis 1945 bestand und bis 1939 zum Landkreis Fischhausen, danach zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.
Am 9. September 1879 hielt Kaiser Wilhelm I. hier eine Heerschau anlässlich eines Kaisermanövers ab. Daran erinnerte ein Denkmal auf dem Pfarrland von Medenau. Auf dem Granitobelisk, auf dem ein Adler sitzt, stand die Inschrift: Mit Gott für König und Vaterland. Darunter war zu lesen: Seine Majestät der Kaiser und König Wilhelm I. beobachtete von dieser Feldmark das Manöver des ersten Armeekorps am 9. September 1879. Heil dem Heldengreise. Die Rückseite ließ wissen: Zur Erinnerung gewidmet von G.W. Loewner. Adl. Medenau, den 9. September 1881.August Ambrassat, Die Provinz Ostpreußen, ein Handbuch der Heimatkunde, 1912 (Nachdruck Frankfurt am Main 1978), S. 374 Kaiser Wilhelm verband mit Medenau Jugenderinnerungen, feierte er hier doch mit seiner Familie 1809 den Geburtstag seines Vaters, des Königs Friedrich Wilhelm III. im Gutshaus des damaligen Besitzers Barclay.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand das spätklassizistische Gutshaus, in dem als letzter Besitzer die Familie Rautenberg wohnte und das 1945 zerstört wurde.
Um 1910 hatte die aus dem Dorf Medenau und dem Rittergut Adlig Medenau bestehende Ortschaft eine evangelische Pfarrkirche, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Maschinenbauanstalt, eine Molkerei und eine Mühle. Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 456,4 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Medenau 63 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 80 Pferde, 234 Stück Rindvieh, sechs Schafe und 94 Stück Borstenvieh hielten. Zur gleichen Zeit befanden sich auf dem 187,8 Hektar umfassenden Gutsbezirk Adlig Medenau 16 viehhaltende Haushaltungen, die zusammen 40 Pferde, 96 Stück Rindvieh, 247 Stück Borstenvieh und neun Ziegen hielten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Königsberg, 23. Kreis Fischhausen, S. 22–23, Ziffer 74 (Google Books), und S. 28–29, Ziffer 208 (Google Books). Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Adlig Medenau einen Flächeninhalt von 187 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte dieser Gutsbezirk 126 Einwohner. Zu den gleichen Zeiten hatten der Gutsbezirk Kathrinhöfen einen Flächeninhalt von 339 Hektar und 127 Einwohner, der Gutsbezirk Klein Medenau einen Flächeninhalt von 268 Hektar und 97 Einwohner, der Gutsbezirk Sickenhöfen einen Flächeninhalt von 329 Hektar und 82 Einwohner sowie der Gutsbezirk Warengen einen Flächeninhalt von 207 Hektar und 61 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 370–371, 3. Kreis Fischhausen, Ziffer 39, 45, 66, 100 und 111 (Google Books). Am 30. September 1928 erfolgte der Zusammenschluss der Landgemeinden Kosnehnen (nicht mehr existent) und Medenau und der Gutsbezirke Adlig Medenau, Kathrinhöfen, Klein Medenau, Sickenhöfen (russisch: Murmanskoje) und Warengen – alle existieren ebenfalls nicht mehr – zur neuen Landgemeinde Medenau.Amtsbezirk Medenau (Territorial.de)
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Medenau zum Kreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Medenau zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich unter eigene Verwaltung genommen. Im Jahr 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Logwino.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Primorsk. Nach Auflösung des Dorfsowjets im Jahr 1963 gelangte Logwino in den Dorfsowjet Pereslawski selski Sowet. Von 2005 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Pereslawskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Selenogradsk.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – Ortschaft in drei Anteilen mit insgesamt 28 Feuerstellen (Haushaltungen): 1) königliches Dorf mit 16 Feuerstellen und einer Kirche, zum Domänenamt Kragau gehörig; 2) adliges Vorwerk mit sechs Feuerstellen, im Besitz des Obristen v. Stach befindlich, zum Hauptamt Fischhausen gehörig; 3) adliges Gut mit sechs Feuerstellen, zu Powayen und dem Hauptamt Fischhausen gehörig, im Besitz des Generals v. Rosenberg befindlichJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen – Erster Theil welcher die Topographie von Ost-Preussen enthält, Königsberg und Leipzig 1785; Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 112 (Google Books). 1818 279 Ortschaft in vier Anteilen: 1) königliches Dorf mit 182 Einwohnern, zum Amt Kragau gehörig; 2) adliger Hof mit 33 Einwohnern, in Privatbesitz; 3) adliges Gut mit 41 Einwohnern, zur Herrschaft Powaien gehörig; 4) adliges Grundstück mit 23 Einwohnern, zur Herrschaft Kathrinhöfen gehörigAlexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 3: Kr–O. Halle 1822, S. 180, Ziffer 1784 (Google Books). 1831 345 Pfarrkirchdorf mit 1019 Morgen Land, sieben Freigütern, 15 Eigenkätnern, 15 Handwerkern und 25 InstleutenLeopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 148–149, Ziffer 132 (Google Books). 1852 541 Dorf und Gut, davon 436 in der Landgemeinde und 105 im GutsbezirkTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 383 (Google Books). 1858 577 chatoul-kölmisches Dorf (Waldbauerndorf) mit 1301 Morgem Land und 483 evangelischen Einwohnern sowie adliges Gut mit 1264 Morgen Land und 94 evangelischen EinwohnernAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 70, Ziffer 205–206 (Google Books). 1864 787 am 3. Dezember, Gutsbezirk mit 245 Einwohnern und 3060,22 Morgen Land sowie Gemeindebezirk mit 542 Einwohnern und 1625,97 Morgen Land Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Königliche Staatsdruckerei, Berlin 1866, 11. Kreis Königsberg, S. 26–33, Ziffer 164–165 (Google Books). 1867 821 am 3. Dezember, davon 547 in der Landgemeinde und 274 im Gutsbezirk 1871 845 am 1. Dezember, davon 586 in der Landgemeinde (583 Evangelische, drei Katholiken) und 259 im Gutsbezirk (255 Evangelische, eine katholische Person, drei sonstige Christen)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 18–19, Ziffer 91 (Google Books), und S. 24–25, Ziffer 242 (Google Books). 1885 813 am 1. Dezember, davon 648 in der Landgemeinde (623 Evangelische, neun Katholiken, zwölf sonstige Christen und vier Juden) und 165 im Gutsbezirk (162 Evangelische, eine katholische Person und zwei sonstige Christen)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 20–21, Ziffer 83 (Google Books), und S. 28–29, Ziffer 233 (Google Books). 1890 772 am 1. Dezember, davon 612 in der Landgemeinde und 160 im GutsbezirkKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1894, S. 8, Ziffer 80 (Google Books), und S. 11, Ziffer 223 (Google Books). 1895 742 am 2. Dezember, davon 613 in der Landgemeinde (582 Evangelische, neun Katholiken, sechs andere Christen und 16 Juden) und 129 im Gutsbezirk (122 Evangelische, drei Katholiken und vier andere Christen)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 18–19 , Ziffer 77 (Google Books), und S. 24–25 , Ziffer 220 (Google Books). 1910 657 am 1. Dezember, Dorf und Rittergut, davon 531 in der Landgemeinde und 126 im GutsbezirkMedenau, Dorf und Rittergut Adlig Medenau, Landkreis Fischhausen, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Medenau (meyersgaz.org). 1933 1231 1939 1201
Amtsbezirk Medenau (1874–1945) Der am 13. Juni 1874 errichtete Amtsbezirk Medenau bestand anfangs aus elf Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirken (GB): Name Russischer Name Bemerkungen Adlig Medenau (GB) 1928 in die Landgemeinde Medenau eingegliedert Kathrinhöfen (GB) 1928 in die Landgemeinde Medenau eingegliedert Klein Medenau (GB) 1928 in die Landgemeinde Medenau eingegliedert Kosnehnen (LG) 1928 in die Landgemeinde Medenau eingegliedert Kragau (LG) Prochladnoje Kragau, Domäne (GB) 1927 in die Landgemeinde Kragau eingegliedert Medenau (LG) Logwino Mossehnen (LG) 1928 in die Landgemeinde Kragau eingegliedert Ponaken (LG) Woroneschskoje 1928 in die Landgemeinde Wischehnen eingegliedert Schuditten (LG) Orechowo Wischehnen (LG) Aufgrund der mannigfachen Umstrukturierung bildeten am 1. Januar 1945 noch vier Gemeinden den Amtsbezirk Medenau: Kragau, Medenau, Schuditten und Wischehnen. Von ihnen existieren heute nur noch Kragau (Prochladnoje) und Medenau (Logwino).
Logwinski selski Sowet 1947–1963