Bolwieser ist der Titel eines zweiteiligen Fernsehfilms des deutschen Regisseurs, Autors und Darstellers Rainer Werner Fassbinder, hergestellt im Auftrag des ZDF. Die Kinofassung des Films wurde erst 1983 gezeigt. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf aus dem Jahr 1931, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Es ist Fassbinders 28. Spielfilm in acht Jahren. Thematisiert wird die unterwürfige Beziehung des Bahnhofsvorstehers Bolwieser (Kurt Raab) zu seiner Frau Hanni (Elisabeth Trissenaar).

Handlung Der preußisch-pflichtbewusste Bahnhofsvorsteher Xaver Bolwieser versucht, es seiner Frau Hanni rechtzumachen, wo immer es geht. Saufgelage mit seinen Freunden unterlässt er ihr zuliebe. Hanni langweilt sich jedoch zunehmend in ihrem Leben als Hausfrau. Das ändert sich, als ihr alter Schulfreund Frank Merkl im Ort eine Wirtschaft übernimmt. Sie leiht ihm Geld aus ihrer Erbschaft, schickt ihren Mann zur Ankurbelung des Geschäfts wieder in die Kneipe und freut sich an den Tanzveranstaltungen in der Wirtschaft. Da Xaver nicht tanzt, kommt sie Frank Merkl beim Tanzen näher. Daraus entwickelt sich eine Liebesaffäre, die von immer mehr Dorfbewohnern beobachtet wird. Xaver merkt zunächst nichts, wundert sich jedoch einmal über ein leeres Bett, als er im Nachtdienst nach Hanni schaut. Erst nachdem er auf einer Beerdigungsfeier dem Spott der Dorfbewohner ausgesetzt ist, wagt Xaver, Hanni auf den Tratsch anzusprechen. Sie reagiert mit Entrüstung und vorwurfsvollen Worten. Als Merkl erfährt, dass Dorfbewohner über ihn und Hanni geredet haben, verklagt er sie. Xaver tritt als Zeuge auf und schwört unter Eid, dass er nie einen Verdacht gehegt habe.

Obwohl Hanni das Verhältnis mit Merkl aufgibt, wird sie mit Bolwieser nicht mehr glücklich. Als sich der Friseur Schafftaler für Hanni interessiert, fängt sie eine neue Liebschaft mit ihm an. Das bleibt Merkl nicht verborgen. Er bedrängt Hanni, das Verhältnis mit ihm fortzusetzen. Als sie ihn zurückweist und ihm wegen seiner Aufdringlichkeit auch den Kredit kündigt, rächt er sich: Er berichtet Bolwieser „als Freund“ von Hannis Verhältnis mit dem Friseur. Der nimmt das resigniert hin. Er duldet auch, dass Hanni unter einem Vorwand eine Woche mit dem Friseur verreist. Doch Merkls Rache ist noch nicht zu Ende: Er zeigt Bolwieser wegen Meineids an. In seinem Pflichtbewusstsein kann der nicht anders als gestehen.

Hintergrund

Regie

Produktion Die Dreharbeiten erfolgten an 40 Tagen im Oktober/November 1976, unter anderem im oberfränkischen Bahnhof Marxgrün und in Hof (Saale), in Teilen der Altstadt und im ehemaligen Café Moltke.Seeing Fassbinder at Work – and not remembering much, auf ubeeh.net Die Produktionskosten beliefen sich auf ca. 1,8 Millionen DM. Die Erstausstrahlung beider Fernsehfilm-Teile (201 Minuten) erfolgte am 31. Juli 1977 im ZDF; die kürzere Kinoversion (112 Minuten) wurde aus rechtlichen Gründen erst an Fassbinders erstem Todestag am 10. Juni 1983 uraufgeführt.Rainer Werner Fassbinder Werkschau – Programm, Rainer Werner Fassbinder Foundation (Hrsg.), Berlin 1992.

Musik Peer Raben antwortete auf die Frage, ob er ein Beispiel nennen könne, bei dem die Zusammenarbeit mit Fassbinder – zwischen der Musik, den Bildern und der Geschichte – vollkommen funktioniert habe:

Im Film verwendet Peer Raben das Thema Urlicht aus der 2. Sinfonie (Auferstehungssinfonie) von Gustav Mahler sowie das Menuett K334 von Mozart.Fassbinder über Fassbinder, Robert Fischer (Hrsg.), S. 641, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-88661-268-6.

Kamera

Kritik

Literatur Oskar Maria Graf: Bolwieser: Roman einer Ehe. List, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-60987-4. Oskar Maria Graf: Bolwieser – Roman eines Ehemanns. Drei Masken Verlag, München 1931 (Erstausgabe).

Weblinks

Bolwieser (TV-Version), Film- und Hintergrundinformationen, Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin Bolwieser (Kinoversion), Film- und Hintergrundinformationen, Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1977 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Fernsehfilm (ZDF) Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Rainer Werner Fassbinder