Kampfradler (auch Rüpelradler oder Radrowdy) ist ein Schlagwort aus der deutschen Verkehrspolitik und den Medien, das oft in Debatten über verkehrswidriges und angeblich aggressives Verhalten von Fahrradfahrern verwendet wird.
Herkunft Bekannt wurde das Schlagwort zunächst wohl durch eine anonyme Plakataktion mit dem Slogan „Kampf den Kampfradlern“ im Sommer 2011 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.Kathrin Hollmer: Verkehrserziehung für Kampfradler Auf: Jetzt.de vom 10. April 2012. Eine ähnliche Diskussion gab es in Österreich, wo Politiker der Wiener FPÖ „grüne Radrowdys stoppen“ wollen und dafür unter anderem Radkennzeichen forderten."Rad-Rambos": FPÖ Wien wagt neuen Vorstoß für Radkennzeichen. Der Standard vom 2. Oktober 2012.
Kontroverse Hintergrund ist die Zunahme des Radverkehrs auf deutschen StraßenJonas Jansen: Die fabelhafte Siegesfahrt des Fahrrads. In: FAZ vom 29. September 2012. sowie die Wahrnehmung einer – so im Jahr 2012 der seinerzeitige deutsche Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer – „zunehmenden Verrohung“, die mit einer Missachtung von Verkehrsregeln und mangelndem Unrechtsbewusstsein einhergehe.Ramsauer beklagt „Verrohung der Kampf-Radler“. Der Spiegel vom 10. April 2012 Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2014 an zwei Dritteln der gemeldeten Unfälle von Fahrradfahrern Autofahrer beteiligt; nur bei einem Viertel dieser Unfälle trug der Radfahrer die Hauptschuld.Statistisches Bundesamt: Zweiradunfälle im Straßenverkehr (2014).
Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2017 bei Unfällen zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern in 60 % der Fälle die Fahrradfahrer schuld.
Im Zusammenhang mit der Diskussion über die sogenannten Kampfradler oder Rüpel-Radler wurden vermehrte Polizeikontrollen, höhere Strafen, Schulungen oder eine Kennzeichnungspflicht für Fahrradfahrer gefordert,Kampfradler schulen. Interview mit dem Verkehrspsychologen Klaus-Peter Kalwitzki, In: Frankfurter Rundschau vom 29. September 2012. so etwa von der Gewerkschaft der Polizei. Der frühere Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof und spätere Präsident des Verkehrsgerichtstags Kay Nehm kritisierte, dass sich „kaum ein Radfahrer“ an Regeln wie Fahren mit Beleuchtung oder Rechtsfahrgebot halten würde.Matthias Breitinger: Eine populistische Rüpelradler-Attacke. In: Zeit Online vom 24. Januar 2013.ADFC: . Pressemitteilung vom 24. Januar 2013.
Die Benutzung des Schlagworts wurde von einigen Kommentatoren als unfundiert, pauschal und polarisierend angesehen.Siehe die vom Radfahrerverband ADFC zusammengestellte Presseübersicht, .Vgl. auch den Vorschlag als Unwort des Jahres, Röslers Kandidatur für das Unwort des Jahres. In: Wirtschaftswoche vom 21. November 2012.
Der ADFC verwies auf die Unfallstatistik, nach der unachtsames Abbiegen und Missachtung der Vorfahrt durch Autofahrer Hauptursache für Unfälle zwischen Radfahrern und Kraftfahrzeugen seien.Siehe Pressemitteilung des ADFC Hamburg vom 30. Juli 2014: Die Missachtung von roten Ampeln durch Radfahrer sei seltener als Geschwindigkeitsüberschreitungen von Autofahrern.
Einige Fahrradaktivisten gingen dazu über, den Begriff des „Kampfradlers“ als Eigenbezeichnung affirmativ zu verwenden.Florian Rötzer: Aufruf der Kampfradler. In: Telepolis vom 6. Oktober 2012. vom 24. April 2012. „Die herrschende Verkehrspolitik ließe ihnen keine Wahl als gegen bestimmte Regeln zu verstoßen, die Radfahrer im Straßenverkehr benachteiligen oder sogar gefährden würden“.Jeder Radfahrer muss ab und zu kampfradeln, Jens Siemering und Mehmed Dechert im Interview mit Matthias Breitinger, Zeit-Online vom 14. Dezember 2012.
Weblinks
Martin Randelhoff: Der Systemische Fehler des Radverkehrs – Gastartikel zur “Kampf-Radler”-Debatte. Auf: Urbanophil. Netzwerk für urbane Kultur, 12. April 2012.
Einzelnachweise
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