mini|hochkant|Fürstbischof Ferdinand II. – Stifterbild für das Franziskanerkloster in Paderborn von Johann Georg Rudolphi 1672

Ferdinand Freiherr von Fürstenberg (* 26. Oktober 1626 auf Burg Bilstein im Herzogtum Westfalen; † 26. Juni 1683 in Paderborn) war als Ferdinand II. seit 1661 Fürstbischof von Paderborn und seit 1678 auch von Münster, bereits 1667/68 dessen Koadjutor. Er beseitigte maßgeblich die Folgen des Dreißigjährigen Krieges im Hochstift Paderborn. Außenpolitisch folgte er dem Grundsatz der bewaffneten Neutralität, neigte aber immer deutlicher der französischen Position zu. Er zeichnete sich als Autor historischer Werke, als Dichter lateinischer Lyrik sowie als Korrespondent mit den bedeutenden Gelehrten seiner Zeit aus. Daneben trat er auch als Mäzen hervor und ließ insbesondere zahlreiche Kirchenbauten errichten oder erneuern. Er gilt als einer der herausragendsten Vertreter des Barockkatholizismus.Zum Begriff Barockkatholizismus vgl. Jörg Ernesti: Drei Bischöfe – ein Reformwille. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde. Band 83, S. 50 f.

Herkunft und Ausbildung Ferdinand von Fürstenberg stammte aus dem westfälischen Adelsgeschlecht von Fürstenberg. Sein Vater war der kurkölnische Landdroste Friedrich von Fürstenberg. Die Mutter war Anna Maria, geb. von Kerpen. Er war das elfte Kind aus dieser Ehe. Zu seinen Geschwistern zählen der Geistliche, Künstler und Offizier Caspar Dietrich von Fürstenberg, der spätere Dompropst in Münster und Paderborn Johann Adolf von Fürstenberg, der Stammherr Friedrich, der Domdechant Wilhelm und der Landkomtur Franz Wilhelm. Sein Patenonkel war der Kurfürst Ferdinand von Bayern.

Diesem hatte er es zu verdanken, dass er bereits im Alter von sieben Jahren eine Dompräbende in Hildesheim erhielt. Durch die Fürsprache des Kaisers kam 1639 eine Pfründe im Domkapitel von Paderborn hinzu.

Entsprechend dem Familienbrauch erhielt Ferdinand von Fürstenberg eine für einen Adeligen der damaligen Zeit überdurchschnittlich gute Ausbildung.Vgl. dazu Horst Conrad: „Splendor Familiae.“ Generationendisziplin und Politik bei der Familie von Fürstenberg. Eine Skizze. In: Südwestfalenarchiv 6. Jg. 2006. Fürstenberg besuchte zunächst das Jesuitengymnasium in Siegen. Danach studierte er Philosophie in Paderborn und Münster.

Nach dem Tod seiner Eltern kehrte Fürstenberg zeitweise auf die Burg Bilstein zurück, wo ihn der dortige Verwalter in die Grundlage der Jurisprudenz einführte. Im Jahr 1648 begann er sein Studium der Theologie und des Rechts an der Universität in Köln. Dort kam er in Kontakt mit bedeutenden Gelehrten insbesondere aus dem Umfeld der Jesuiten.

Vor allem in Münster und Köln kam er in Kontakt mit führenden Gelehrten der Zeit. Dazu zählten etwa Aegidius Gelenius. In dieser Zeit begann Fürstenberg selbst historische Studien zu treiben. In Münster lernte er auch Fabio Chigi, den Nuntius bei den Friedensverhandlungen des Dreißigjährigen Krieges und späteren Papst Alexander VII. kennen.

Im Jahr 1649 erhielt er nach dem Abschluss des Studiums Sitz und Stimme im Paderborner Domkapitel. Ein Jahr später wurde er zum Subdiakon geweiht. Von Fabio Chigi erhielt er die Einladung nach Rom zu kommen. Dort kam er zusammen mit dem Bruder Johann Adolf 1652 an.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 119f.

Geheimkämmerer und Gelehrter in Rom mini|Abbildung aus den Monumenta Paderbornensia, 2. Auflage 1672 In Rom bewegte sich Fürstenberg im Gefolge Chigis. Durch diesen kam er in Kontakt mit den dortigen Gelehrten. Er lebte mit dem Philologen Nikolaes Heinsius unter einem Dach. Mit diesem verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Ebenfalls engen Kontakt hatte er mit Lukas Holste. Dieser hat Ferdinand zu weiteren Sprachstudien veranlasst und hat ihm den Zugang zur Vatikanischen Bibliothek verschafft, die er leitete. Auch mit zahlreichen italienischen Gelehrten kam Fürstenberg in engen Kontakt.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 120f.

Mit der Wahl von Fabio Chigi zum Papst Alexander VII. 1655 wurde Fürstenberg zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt. Wie später sein Bruder Wilhelm diente Fürstenberg dem Papst als Berater für die deutschen Angelegenheiten.

Er wurde Mitglied einer Akademie der schönen Künste. Später wurde er sogar Präsident dieser Einrichtung. Im Jahr 1657 war er Kämmerer der Erzbruderschaft am Campo Santo und Provisor der deutschen Kirche Anima.

Vor allem aber widmete er sich der wissenschaftlichen Arbeit. So fertigte er zahlreiche Abschriften von Urkunden aus den vatikanischen Archiven an. Dazu zählten etwa die Capitulatio de partibus Saxoniae Karls des Großen. Einige Funde überließ er anderen zur Veröffentlichung, einige gab er selbst heraus. Darüber hinaus trat er als Förderer großangelegter wissenschaftlicher Vorhaben wie der Herausgabe der Acta Sanctorum durch Jean Bolland und dessen Nachfolger, die Bollandisten, in Erscheinung. Die Entdeckung von Urkunden aus seiner westfälischen Heimat ließ in Ferdinand den Entschluss entstehen, eine Geschichte des Bistums Paderborn zu schreiben.

Im Jahr 1659 wurde er zum Priester geweiht. In der Folge erhielt er mehrere Pfründen. Darunter war die Propstei vom heiligen Kreuz in Hildesheim, eine Domherrenstelle in Münster und die Aussicht auf eine solche in Halberstadt.

Im Jahr 1660 wurde er Legat und überreichte Franz Wilhelm von Wartenberg die Kardinalswürde. Außerdem hatte er diplomatische Missionen bei Leopold I. und zahlreichen Reichsfürsten durchzuführen. In Westfalen hat er außerdem Quellenstudien für seine geplante Bistumsgeschichte betrieben. Nach seiner Rückkehr nach Rom widmete sich Fürstenberg vorwiegend historischen Studien im Vatikanischen Archiv.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 122f.

Zeit als Bischof Insbesondere seinem Bruder Wilhelm hatte er 1661 die Wahl zum Bischof von Paderborn zu verdanken. Unterlegener Gegenkandidat war Maximilian Heinrich von Bayern. Noch in Rom wurde Ferdinand zum Bischof geweiht. Er empfing die Mitra in der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima durch Kardinalstaatssekretär Giulio Rospigliosi. Erst am 4. Oktober 1661 zog er in Paderborn ein.

Innenpolitik in Paderborn mini|Ferdinand von Fürstenberg Das Land litt noch immer unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges, da sein Vorgänger aus finanziellen Gründen das Land nicht aufbauen konnte. Ein Hauptanliegen von Ferdinand von Fürstenberg war daher die innere Gesundung des Landes. Seine zahlreichen Bauvorhaben dienten nicht zuletzt zur Beschäftigung der Handwerker des Hochstifts. Darüber hinaus kam es unter ihm zur Neunutzung von verödeten Feldern. Er erließ eine Waldordnung und ließ Einwohner- und Steuerlisten anlegen. Mit begrenztem Erfolg förderte er die Anlage von Manufakturen. Auch das Heilbad in Bad Driburg erfuhr seine Unterstützung. Zur Verbesserung der Kommunikation wurde eine Fahrpost zwischen Kassel und Amsterdam unterstützt.

Nach einem Vergleich fiel Lügde von der Grafschaft Pyrmont an das Hochstift Paderborn. In seine Zeit fällt auch die Verschärfung der Zugangsbedingungen für den Adel zum Landtag des Landes. Fortan mussten die Rittergutsbesitzer sechzehn adelige Ahnen nachweisen, wenn sie dort Sitz und Stimme haben wollten. Die Stadt Paderborn ließ er stark befestigen.

Das unter Dietrich von Fürstenberg entstandene Schulwesen und die Hochschule der Jesuiten hat Ferdinand stark gefördert. Daneben hat er aber auch versucht, das ländliche Schulwesen zu verbessern. Neue Schulen wurden gegründet.

In besonderer Weise machte sich Ferdinand um die Durchsetzung des Rechts im Land verdient. Notfalls und ohne Ansehen der Person wurden dabei strenge Urteile gefällt. Der Marschall Kurt von Spiegel und ein Pfarrer von Buke wurden etwa hingerichtet.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 123–125.

Koadjutor und Bischof in Münster Die Wahl zum Koadjutor in Münster war problematisch, da von Galen in seiner Wahlkapitulation versprochen hatte, keine solche Position zu schaffen. Insbesondere Wilhelm von Fürstenberg, der inzwischen Geheimkämmerer des Papstes war, erlangte in Rom eine Dispensbulle, die Ferdinand die Annahme des Amtes gestattete. Ferdinand garantierte vor der Wahl zusammen mit seinen Brüdern Johann Adolf von Fürstenberg und Franz Wilhelm von Fürstenberg, dass er sich bis zum Tod von Galens nicht in die Regierung des Hochstifts Münster einmischen würde. In der entscheidenden Abstimmung setzte sich Ferdinand knapp gegen den Konkurrenten den Kölner Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern durch. Beide Seiten wandten sich an die Kurie in Rom. Nicht zuletzt dem Einfluss von Wilhelm von Fürstenberg war es zu verdanken, dass Ferdinands Anspruch bestätigt wurde. Damit war das Recht der Nachfolge in Münster entschieden. Der dortige Domdechant Jobst Edmund von Brabeck trat in Kölner Dienste über und wurde Statthalter im Stift Hildesheim.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 127f.

Das Verhältnis zu von Galen war problematisch. Ihre Korrespondenz blieb unterkühlt. Dem militärisch denkenden von Galen blieb die gelehrte Art Ferdinands fremd.Zum Verhältnis zu Galen vgl. Jörg Ernesti: Drei Bischöfe – ein Reformwille. In: Westfalen, Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde. Band 83, S. 54ff.

Im November 1679 hielt Ferdinand nach dem Tod von Galens feierlich Einzug in Münster. Nach den Jahrzehnten einer ausgreifenden militärischen Machtpolitik erhoffte sich das Land Ruhe und eine Absenkung der Militärausgaben. Daher sah man dem neuen Landesherren, der als friedfertig galt zuversichtlich entgegen.

Tatsächlich ist Ferdinand nach der Übernahme des Hochstifts Münster dort einer neuen politischen Linie gefolgt. Von Galen hat im Hochstift Münster hohe Schulden hinterlassen. Dies, aber auch der eher friedliche Kurs von Ferdinand führten zu einer starken Verkleinerung der Münsteraner Truppen.

Gegenüber den Schweden hat er auf die Eroberung aus der Zeit von Galens verzichtet. Lediglich die Herrschaft Wildeshausen blieb bis zur Zahlung schwedischer Entschädigungen in der Hand des Hochstifts Münster. Von Frankreich erhielt Ferdinand 50.000 Reichstaler und Ludwig XIV. versprach sich für die katholischen Einrichtungen im Herzogtum Bremen und Fürstentum Verden einzusetzen. Weitere für das Hochstift Münster nach außen gerichtete Akte waren höchstens die Zerstörung der Landesburg Bevergern als Geste gegenüber den Niederlanden.

Auch innenpolitisch hat Ferdinand im Hochstift Münster nur wenige eigene Spuren hinterlassen. Sein Schwerpunkt blieb das Hochstift Paderborn. Die laufenden Geschäfte überließ er den von seinem Vorgänger übernommenen Beamten.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster. Teil 7,1: Die Diözese (= Germania sacra. NF Band 37,1). De Gruyter, Berlin 1999, ISBN 978-3-11-016470-1, S. 276–278.Helmut Lahrkamp: Ferdinand von Fürstenberg. In: Helmut Lahrkamp u. a.: Fürstenbergsche Geschichte. Band 3, S. 134.

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