mini|Logo des malaysischen Schulministeriums Das Bildungssystem in Malaysia untersteht dem Ministry of Education (Kementerian Pendidikan Malaysia). Es ist in zwei Hauptabteilungen gegliedert, von den sich der Education Sector mit allen Belangen der Vorschulen, der Primar- und Sekundarschulen befasst, während der Higher Education Sector für die Hochschulen zuständig ist. Obwohl für die Bildungspolitik die Bundesregierung zuständig ist, hat jeder malaysische Bundesstaat ein eigenes Kultusministerium. Die Rechtsgrundlage für die staatliche Bildungspolitik ist der Education Act 1996.
Malaysia hat ein Schulsystem in öffentlicher Trägerschaft, das allen Bürgern kostenlosen, mehrsprachigen Unterricht garantiert. Daneben gibt es die Möglichkeit, eine Privatschule zu besuchen oder am homeschooling teilzunehmen. Die Schulpflicht beschränkt sich auf die Primarstufe. Wie in vielen asiatisch-pazifischen Ländern, wie etwa Südkorea, Singapur und Japan folgen die Lehrpläne und Abschlussprüfungen einem schulübergreifenden, einheitlichen System.
Geschichte mini|Der historische Flügel der 1888 gegründeten St. Michael’s School in Sandakan mini|Batu Pahat High School, Johor
Die Sekolah Pondok (wörtlich Hüttenschule), die Madrasa und andere islamische Schulen waren die ältesten Schulformen Malaysias. Bereits frühe Werke der malaiischen Literatur, wie etwa Munshi Abdullahs Autobiographie Hikayat Abdullah erwähnen diese Schulen und beweisen, dass diese dem säkularen Schulmodell vorausgingen.
Säkulare Schulen kamen in Malaysia durch die Britische Kolonialregierung auf. Viele der ältesten Schulen des Landes wurden in den Straits Settlements Penang, Malakka und Singapur gegründet. Die älteste englischsprachige Schule in Malaya war die Penang Free School, die 1816 gegründet wurde, gefolgt von der Malacca High School und der anglochinesischen Schule in Klang. Viele dieser alten Schulten genießen ein hohes Ansehen.
Der britische Historiker Richard O. Winstedt spielte eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Bildung der Malaien und wirkte federführend beim Aufbau des Sultan Idris Training College mit, das der Heranbildung malaiischstämmiger Lehrer dienen sollte. Richard James Wilkinson etablierte 1905 das Malay College Kuala Kangsar, dessen Aufgabe die Bildung der malaiischen Elite war.
Ursprünglich verweigerte sich die Britische Kolonialregierung jeglicher Förderung von malaysischsprachigen Sekundarschulen und zwang diejenigen, die in der Primarschule nur Malaysisch gelernt hatten, sich dem englischsprachigen Unterricht anzupassen. Viele bildungswillige Malaysier scheiterten an dieser Hürde.Mavis Puthucheary: The Politics of Administration: The Malaysian Experience. Kuala Lumpur: Oxford University Press, 1978, ISBN 0-19-580387-6, S. 9. Trotz Beschwerden über diese Regelung, erklärte der British Director of Education dazu:
Sowohl im Bundesrat als auch in der Gesetzgebenden Versammlung von Singapur protestierten malaiische Abgeordnete vehement gegen dieses Statement, das einer von ihnen als „Britische Politik, die die Malaien zu Arbeitslosen mache, da sie vom Erlernen der Broterwerbssprache Malayas ausgeschlossen werden“ bezeichnete.
Um diesem Problem abzuhelfen, gründete die Britische Regierung das Malay College Kuala Kangsar. Allerdings lag der Zweck der Schule eher in der Ausbildung von Beamten des Einfachen und Mittleren Dienstes als darin, den Malaien die Tür zum Handel zu öffnen — und schon gar nicht war es jemals die Absicht, dass ihre Schüler damit auf den Besuch höherer Bildungsinstitutionen vorbereitet wurden.Puthucheary, S. 10–11.
Christliche Missionare wie etwa die der Missionsgesellschaft vom hl. Joseph von Mill Hill, der Brüder der christlichen Schulen, der Maristen-Schulbrüder, der Adventisten, Anglikaner und Methodisten gründeten eine Vielzahl von Missionsschulen, die Unterricht für die Primar- und Sekundarstufe in englischer Sprache anboten. Die meisten dieser Schulen waren monoedukative Schulen. Obwohl sie heute vollständig in malaysischsprachigen Nationalschulen integriert wurden und obwohl der Zugang zu diesen Schulen ungeachtet des Geschlechts, der Herkunft und des religiösen Hintergrundes möglich ist, tragen viele dieser Schulen noch immer ihre ursprünglichen Namen, in denen die Namen von Heiligen oder religiös konnotierte Worte wie „Katholisch“, „Konvent“, „Advent“ und „Methodist“ enthalten sind.
Während der britischen Kolonialzeit immigrierte eine große Zahl Chinesen und Inder nach Malaya. Diese Gruppen betrieben ihre eigenen Schulen, benutzten ihre eigenen Lehrpläne und stellten Lehrer aus ihren eigenen Reihen ein.
Für die notwendige Umgestaltung des Bildungssystems lagen in den 1950er Jahren vier verschiedene Vorschläge auf dem Tisch: Der von den Malaien favorisierte Barnes Report, der Ordinance Report, der lediglich aus einem modifizierten Barnes-Report bestand, der von Chinesen und Indern unterstützte Fenn-Wu Report und der Razak Report, der einen Kompromiss zwischen beiden Vorschlägen darstellte. Gegen den Protest der Chinesen wurde der Vorschlag Barnes’ 1952 durch die Bildungsverordnung (Education Ordinance 1952) implementiert. In Vorbereitung zur Gründung eines unabhängigen Malaya wurde 1956 das Bildungssystem auf den Razak Report umgestellt. Der Razak Report forderte ein System von Nationalschulen mit den Unterrichtssprachen Malaysisch, Englisch, Chinesisch und Tamil in der Primarstufe und Malaysisch und Englisch in der Sekundarstufe. Außerdem war darin ein von der Unterrichtssprache unabhängiger, landesweit geltender Lehrplan enthalten. Schulen mit der Unterrichtssprache Malaysisch sollten als „National Schools“ klassifiziert werden, alle anderen als „National-type Schools“.
In den früheren Jahren der Unabhängigkeit wurden die chinesisch- und tamilsprachigen Schulen sowie die Missionsschulen finanziell von der Regierung unterstützt und durften ihre Unterrichtssprache beibehalten, wenn sie dafür den landesweiten Lehrplan akzeptierten. Die chinesischsprachigen Sekundarschulen mussten sich entscheiden, entweder staatliche Unterstützung zu bekommen und zu einer „national-type School“ zu werden oder als Privatschule ohne staatliche Unterstützung weiter zu existieren. Die meisten Schulen akzeptierten den Wechsel; die anderen setzten ihre Arbeit als Chinese Independent High School fort. Kurz nach dem Wechsel gründeten einige der neuen National-type Schools eine Chinese Independent High School als Zweigstelle.
In Übereinstimmung mit der malaysischen Sprachpolitik begann die Regierung in den 1970er Jahren, alle englischsprachigen National-type-Schulen in malaysischsprachige Nationalschulen umzuwandeln. Diese Umwandlung betraf jeweils die Schulanfänger der folgenden Jahre, so dass eine allmähliche Einführung stattfand. Die vollständige Überführung in das neue System war daher erst Ende 1982 abgeschlossen.
1996 trat der Education Act 1996 in Kraft und ersetzte Education Ordinance 1956 und Education Act 1961.
Klassenstufen mini|Schüler der Klassenstufe Standard 6 mini|Unterricht in der SRK Pensiangan (5. Schuljahr) Das Schuljahr ist in zwei Halbjahre aufgeteilt. Das erste Semester beginnt Anfang Januar und endet im Juni, das zweite beginnt im Juli und endet im Dezember. Benennung der Klassenstufe Typisches Alter Vorschule Vorschul-Spielgruppe 3–4 Kindergarten 4–6 Primarschule Standard 1 oder Tahun 1 oder Darjah 1 7 Standard 2 oder Tahun 2 oder Darjah 2 8 Standard 3 oder Tahun 3 oder Darjah 3 9 Standard 4 oder Tahun 4 oder Darjah 4 10 Standard 5 oder Tahun 5 oder Darjah 5 11 Standard 6 oder Tahun 6 oder Darjah 6 12 Sekundarschule Form 1 13 Form 2 14Form 3 15 Form 4 16 Form 5 17 Form 6 18–19 (in einigen Schulen möglich) Tertiärer Bildungsbereich College oder University (Hochschule)Die einzelnen Jahre eines vierjährigenStudiums werden gelegentlich alsFreshman Year, Sophomore Year,Junior Year undSenior Year bezeichnet. Kein definiertes Alter.
Schularten mini|Kindergarten und Vorschule „Chen Sin“ in Tuaran mini|Schüler mit dem Zertifikat für die bestandene Abschlussprüfung UPSR Vorschulerziehung Es gibt keine festgelegten Regeln, wann ein Kind eine Vorschulerziehung (preschool education) beginnen muss, aber die Mehrheit startet im Alter von fünf Jahren. Die schulische Ausbildung kann dabei schon früher, mit 3–6 Jahren im Kindergarten beginnen. Die Vorschulerziehung dauert normalerweise zwei Jahre und endet mit der Einschulung im Alter von 7 Jahren. Für die Vorschulerziehung gibt es keinen Lehrplan, allerdings ist ein Training und eine Zertifizierung notwendig, um eine Vorschule zu betreiben oder um dort als Lehrer tätig zu werden. Das Training umfasst Kinderpsychologie, Didaktik und andere relevante Themen rund um das Kindeswohl und die Kindesentwicklung.
Die Vorschulerziehung wird zumeist von privatwirtschaftlichen Unternehmen angeboten, daneben sind hier auch kirchliche Gruppen und einige wenige staatliche Organisationen tätig. Einige Primarschulen haben angeschlossene Vorschulabteilungen. Die Akzeptanz von Vorschulprogrammen ist unterschiedlich; während die Menschen im urbanen Raum ihre Kinder in private Kindergärten schicken können, geschieht dies im ländlichen Raum eher selten. Registrierte Vorschulen unterliegen einer Gebietsaufteilung und müssen die einschlägigen Bestimmungen des Gesundheits- und Brandschutzes einhalten. Viele Vorschulen liegen in dichtbevölkerten Gebieten und waren ursprünglich normale Wohnhäuser, die zu Schulen umfunktioniert wurden.
Primarstufe Die Primarstufe (Primary education) beginnt mit dem siebten Lebensjahr und dauert sechs Jahre. Die Klassen werden fortlaufend von 1 bis 6 gezählt und mit dem Präfix Tahun („Jahr“) oder Darjah („Standard“) versehen. Tahun 1 bis Tahun 3 wird als Stufe I (tahap satu) und Tahun 4 bis Tahun 6 als Stufe II (tahap dua) bezeichnet. Die Versetzung in das nächste Jahr wird ungeachtet der schulischen Leistungen vollzogen.
In den Jahren von 1996 bis 2000 wurden die Schüler am Ende der Stufe I der Prüfung Penilaian Tahap Satu (PTS) unterzogen. Das Bestehen dieses Tests erlaubte dem Schüler, das vierte Jahr zu überspringen und direkt mit Tahun 5 fortzufahren. Allerdings wurde der Test 2001 wieder abgeschafft, da man befürchtete, dass er Eltern und Lehrer dazu verleite, unnötigen Erfolgsdruck auf die Schüler auszuüben.
Am Ende der Stufe II der Primarschule steht für alle Schüler am Ende des sechsten Jahres der Primarschul-Abschlusstest (Ujian Pencapaian Sekolah Rendah, UPSR). Geprüft werden Rechtschreibung und Sprachverständnis der malaysischen Sprache, Englisch, Naturwissenschaften und Mathematik. Zusätzlich zu diesen fünf Fächern kommen für die Schüler chinesischsprachiger Schulen Verständnistests und Rechtschreibung des Chinesischen und für tamilsprachige Schulen eine entsprechende Prüfung für Tamil stattfindet.
Schularten und Unterrichtssprache mini|Grundschule SK Biah Batu im Padas-Tal bei Beaufort mini|SJK (C) Kung Ming Beaufort Die öffentlichen Schulen der Primarstufe sind entsprechend der Unterrichtssprache in zwei Kategorien unterteilt: malaysischsprachige Nationalschulen (National Schools, Sekolah Kebangsaan, SK) nicht-malaysischsprachige Nationalschulen (National-Type Schools, Sekolah Jenis Kebangsaan, SJK), auch als Volkssprachliche Schulen (vernacular schools) bekannt, die wiederum in chinesischsprachig (National-type School (Chinese), Sekolah Jenis Kebangsaan (Cina), kurz SJK(C)) oder tamilisch (National-type School (Tamil), Sekolah Jenis Kebangsaan (Tamil), kurz SJK (T)) ausgerichtet sind.
Alle Schulen nehmen Schüler ohne Einschränkungen hinsichtlich ihrer Rasse und ihres sprachlichen Hintergrunds auf.