mini|hochkant|Wappen derer von Gundlach.

Gundlach ist der Name eines mecklenburgischen Adelsgeschlechts. Angehörige leben gegenwärtig in Deutschland, in Österreich, in Dänemark und den USA.

Geschichte Die Gundlach (Gundelach, Gondelach) entstammen einer alten hessischen Glasmacherfamilie, die sich urkundlich bis um 1500 in die damalige Glashochburg Großalmerode zurückverfolgen lässt. Im nahen Allendorf lassen sich die Gundlach bereits vor 1500 urkundlich fassen und besaßen schon 1461 Vorwerke im benachbarten Wahlhausen,Dieter Krieger: Hessisches Wappenbuch 1999. Familienwappen Teil 3, Band 1. In: Hessisches Wappenbuch. C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1999, S. 66. (sowie Tafeln 11 und 37). ISBN 3-7980-0002-6. wo Curt Gundelach bereits in jenem Jahr Hüttenmeister war.Klaus Kunze: Chronologische Personenliste aus dem Glasmacher-Sippenbuch. (Die Liste entspricht dem Bearbeitungsstand vom 9. Mai 2010.) Diesem Geschlecht entstammte auch der Sohn des Großalmeroder Gläsner-Zunftmeisters Frantz Gundelach, gen. der jüngere Becker (* vor 1546; † um 1628), Matthäus Gundelach (* 1566; † 1653), der 1609 in Prag Kammermaler Kaiser Rudolfs II. wurde. Ebenso aus Großalmerode und zu diesem Geschlecht gehörte Franz GondelachBedeutender Pokal (Franz Gondelach, Kassel, um 1700, Katalogpreis: 60.000 – 90.000 €) Dr. Fischer Kunstauktionen; abgerufen am 22. Januar 2013. (* 1663; † 1723), der als bedeutendster Glasschneider seiner Zeit angesehen wird.Franz Gondelach (Gundelach, 1663–1716), , Kopenhagen, Schloß Rosenborg-MuseumFranz Gondelach, Seine Werke finden sich heute in den wichtigsten Glassammlungen der Welt.Michael Funk: Glas von der Weser – gestern, heute und morgen. Skizzen zu einer regionalen Branchengeschichte. Festvortrag zur 82. Glastechnischen Tagung am 20. Mai 2008 in Hameln. In: dgg journal, 7. Hrsg. Deutsche Glastechnische Gesellschaft, Selbstverlag, Offenbach 2008, S. 11 ff. (hier besonders S. 411.); pressglas-korrespondenz.de (PDF; 1,1 MB)

Eine Stammverwandtschaft mit der Tiroler bzw. Wiener Familie Gundlach des 15./16. Jahrhunderts ist nicht bekannt.Georg Gundlach, Münzmeister in Österreich, erhielt am 11. August 1503 vom Wiener Stadtrichter Sigmund Pernfues eine Mitteilung, dass er seiner Aufforderung entsprochen habe und den Wiener Bürger Georg Reinhart im Gericht verhört habe. Georg Gundlach, der in seinem Wiener Haus Münzgericht besessen hat, stellte am 18. Dezember 1503 einen Gerichtsbrief aus. Sein angehängtes Siegel (Siegelumschrift: Jorg Gundloch) zeigt im geteilten Schild eine farbgewechselte Doppel-Lilie. Auf dem bekrönten Stechhelm mit ornamentaler Helmdecke ein wachsender Löwe.Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien); S. CCXXII (unten rechts); S. CCXXIII (oben links, mit Wappensiegel-Abbildung Georg Gundlach) Den gleichen Schild, aber mit anderer Helmzier, verlieh 1455 Kaiser Friedrich dem Hanns Gundlach, der gut mit dem gleichnamigen Silberkämmerer identisch sein kann, der 1470 ein weiteres kaiserliches Privileg erhielt. In den Protokoll- und Urteilsbüchern des Königlichen Kammergerichts aus den Jahren 1465 bis 1480 wird ein Johann Gundlach aus Rothenburg/Tauber genannt, der „mglw.“ kaiserlicher Silberkämmerer war.Claudia Helm, Christine Magin: Die Protokoll- und Urteilsbücher des Königlichen Kammergerichts aus den Jahren 1465 bis 1480, Band 3, Hrsg. Friedrich Battenberg, Bernhard Diestelkamp, Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2004, S. 1511. Auch zum mit den Wiener Gundlach wappenverwandten Ratsherrengeschlecht Gundlach der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber des 15. JahrhundertsEinem Hanns Gundlach erteilt Kaiser Friedrich III. bereits d.d. 28. Februar 1455 Wiener Neustadt einen Wappenbrief: Blau über Silber geteilt, darin farbgewechselt „ein zwifache lilgen“ (eine ansonsten normale heraldische Lilie, nur ist der untere Teil genau so groß wie der obere). Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wie der Schild bezeichneter Flügel. Dem Silberkämmerer Hanns Gundlach erteilt selber Kaiser d.d. 22. August 1470 Graz das Privileg, dass er von den Renten zu Gmunden („die er mitsamt Janen Wernstorffer, Amtmann daselbst einnehmen wird und zu ihm geordent ist“) sich selbst 68 Pfund Pfennige zahlen soll (Chmel 6098). In den Protokoll- und Urteilsbüchern des Königlichen Kammergerichts aus den Jahren 1465 bis 1480 wird ein Johann Gundlach aus Rothenburg/Tauber genannt, der „mglw.“ kaiserlicher Silberkämmerer war.Claudia Helm, Christine Magin: Die Protokoll- und Urteilsbücher des Königlichen Kammergerichts aus den Jahren 1465 bis 1480, Band 3, Hrsg. Friedrich Battenberg, Bernhard Diestelkamp, Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2004, (S. 1511.). Johann Gundlach war 1460 Mitglied des seit 1455 16-köpfigen Inneren Rates der Reichsstadt Rothenburg.Karl Borchhardt: Die ratsfähigen Familien in Rothenburg (Vortrag 23. Februar 2007 in Rothenburg). Hans Gundlach vertrat mit Lienhart Wernitzer gen. Beheim die Reichsstadt auf dem Anfang Oktober 1487 zum Abschluss einer Weinordnung in Rothenburg abgehaltenen Tages in Anwesenheit der Gesandten Kaiser Friedrichs III. (Regesta Imperii). scheint es keine Verwandtschaft zu geben.Das Wappen der Gundlach zu Rothenburg ist zu finden in Karl Borchardt: Patrizier und Ehrbare: Die Wappen im Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag (1703–1780) zu Rothenburg ob der Tauber. Insingen 2007; Verlag (PDF; 122 kB).

In Nürnberg lässt sich ein patrizisches Geschlecht Gundlach auf einen Heintz Gundlach († 1476, begraben zu St. Sebald) zurückverfolgen, dessen gleichnamiger Vater um 1411 aus Bamberg kam,Hans-Dietrich Lemmel: Familienblatt Heintz Gundloch – in Bamberg und Nürnberg. geneal.lemmel.at – Das Lemmel-Archiv. wo es ein seit 1096 bezeugtes Ministerialengeschlecht der Fürstbischöfe war.Hans-Dietrich Lemmel: Stammtafel Gundloch in Bamberg 1100–1400. geneal.lemmel.at – Das Lemmel-Archiv. In Nürnberg, unter anderem mit so bedeutenden Patriziern wie den Lemmel, Tucher, Paumgartner und PömerJohann Gottfried Biedermann: Geschlechtsregister des Hochadelichen Patriciats zu Nürnberg. Bayreuth 1748, Tabula DLXXII; . verschwägert, erlosch das Geschlecht mit dem Handelsherrn Michael Gundlach, dessen Wappen auf einem „Jetton“ vom Jahre 1616 dargestellt ist.Johann Ferdinand Roth: Geschichte des Nürnbergischen Handels: Ein Versuch. Band 1. Leipzig 1800, (S. 327.); der achteckige „Jetton“ zeigt auf der Vorderseite das Ehewappen seiner Eltern, von Hanns Gundlach und Salome Ohmig, und auf der Rückseite das Ehewappen der Eltern seiner Ehefrau Regina, von Ruprecht Unterholzer vom (auch zu) Haus (1564 im Großen Rat Nürnbergs, ursprgl. Salzburger Adel. J. F. Roth, S. 387 f.) und Barbara Rosenhart genannt Glockengießer von Glockenhofen (Kaiserl. Wappenbrief 1529; Reichsadel 1569; auch zu Ulm, Regensburg, Frankfurt und in der schwäbischen Ritterschaft), vgl. Georg Andreas Will, Nürnbergische Münz-Belustigungen. Nürnberg 1767, S. 323 ff.; .

Ausbreitung und Persönlichkeiten Die Gundlachs als Glasmacher Die durchgängige Stammreihe des Geschlechts in Mecklenburg beginnt um 1600 mit dem Glashüttenmeister Jobst Gundlach aus dem hessischen Großalmerode. Seine Nachfahren zeichneten in Mecklenburg und darüber hinaus eine beispiellose wirtschaftliche Erfolgsgeschichte.

Die Brüder Daniel († nach 1622) und Jobst (* ca. 1587; † 1630) legten 1622 eine Glashütte in Gammelin an, wo ihnen Curd Pentz einen „Ort Holzes“ für 9000 Mark Lübisch verkaufte. Elf Jahre später wurde ein neuer Vertrag zwischen den beiden über eine andere Holzfläche zu 3000 Mark abgeschlossen. Auch die Kriegsjahre vermochten nicht, sie zu vertreiben, denn 1641 waren sie noch Glasmeister in Gammelin und erwarben wieder für 1000 Mark Buchen-Fadenholz. 1659 bis 1693 kamen durch Errichtung, Kauf oder Pacht die Glashütten in Kritzow (1662–1707), Müsselmow (1726–1746), Groß Welzin, Dümmerstück, Griebow, Siggelkow, Krembz und Klein Welzin hinzu, was nicht durchgängig ohne Widerstände oder gar Klagen der Konkurrenz und des landgesessenen Adels abging.

In Holstein, wo die Glasmacherei ebenfalls florierte, erschien das Geschlecht zuerst um 1660 als Hüttenbesitzer. Auch in der Umgebung von Preetz auf den adligen Gütern Kastorf, Lehmkuhl und Perdoel wurden die Glashütten von den Gundlach betrieben. Hans Heinrich Gundlach († 1715) kam von dort nach Mecklenburg. Er war 1709 Hüttenmeister in Wendorf. Glasmeister Jost Cnuth Gundelach begab sich um 1703 von der Glashütte Wendorf nach Holstein. Er war unter anderem 1720 auf der Lindauer Hütte im Gut Ascheberg tätig.Jürgen Lewerenz: Zur Bedeutung der Glasstempel/Glassiegel in der Glasherstellung und die Verwendung von Glassiegeln in den Kritzower Hütten im 17. Jahrhundert. Mecklenburger Waldglasmuseum e. V., Vortrag am 15. November 2009 (; PDF; 254 kB)

1709 wurde der District Conow zusammen mit der Glashütte an den aus Sachsen-Gotha stammenden Hofrat Bartsch zu Lichtenberg für 5000 Taler verpfändet. Als der Hofrat 1715 starb, übernahm zunächst seine Witwe den Besitz, überließ aber schon bald Gut Conow nebst Glashütte Hans Heinrich Gundelach. Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung der Glashütte auf Gut Conow (1701) stellten die Erben des Glasmeisters Leutnant Christian Friedrich von Gundlach († 1749), den Betrieb der Schmelze ein. 1751 fiel Conow samt Pachtgut und Meierei an das mecklenburgische Herrscherhaus zurück.Gut Conow: "Gut Conow - Perle des Feldberger Landes", Chronik von Dr. Peter Hofmann 2008.

1705 errichtete Johann Jürgen Gundlach eine Glashütte in Bolz (1720–1729) und in Hohen Pritz (1731–1740). Um dieselbe Zeit kam auch die Glashütte auf dem Gut Brüel an die Gundlach. Noch heute erinnert der Erbpachthof Hütthof bei Brüel an diese Glashütte. 1707 übernahm Friedrich Gundlach die Toddiner Hütte von der verwitweten Herzogin Christina Wilhelmina (* 1653; † 1722). Bei Toddin existierte noch bis ins 19. Jahrhundert der Nebenort die alte Glashütte. Johann Lukas Gundlach (* 1685; † 1746) schloss 1713 mit Christoph Hans von Grabow auf Woosten (1713–1723) und Christoph Magnus von Barner auf Kressin einen Hüttenvertrag ab, wonach auf der letzteren Feldmark, aber an der Woostener Scheide, eine Glashütte errichtet wurde. Fünf Jahre darauf ersuchte Joachim Friedrich Gundlach Konsens zur Anlegung einer Glashütte auf den Erlenkampschen Gütern Vielist und Grabowhöfe. Der Kontrakt wurde gegen 3000 Taler auf vierzehn Jahre abgeschlossen.

1721 erhielt der Glasmeister Jobst Gundlach zur Rumpshagener Hütte den Konsens zu einer Hütte in Hohen Mistorf auf zehn Jahre. Hier kam es zu juristischen Auseinandersetzungen mit dem Eigentümer Christoph von Levetzow, der für Gundlach noch in seinem Sinne aufzulösen war. Weit weniger erfolgreich ließen sich Rechtsstreitigkeiten für Leutnant Christian Gundlach mit Jobst von Bülow im Jahr 1719 wegen der Glashütte in Woserin (1719–1731) gestalten. Auch die Intervention Herzogs Karl Leopold konnte in der Sache nicht schlichten, so dass Bülow schließlich allein für Strafmandate über 1000 Taler schuldete. Gundlach’s Ausfälle an Produktion und Auslieferung machten ein Vielfaches aus. Noch 1731 kam der Rechtsstreit vor die Reichsexekutionskommission, wo schließlich zu Gunsten Bülows befunden wurde.