mini|Lady Jane Maxwell, verheiratete Duchess of Gordon, in einem grünen Reitkostüm. An der rechten Hand trägt sie einen Handschuh. Handschuhe waren seit ihrem Unfall in Edinburgh die ständigen Begleiter der Duchess. Porträtiert von Daniel Gardner (um 1780). Jane Maxwell, verheiratet Jane Gordon, Duchess of Gordon (* 1748 oder 1749 in Myrton Castle in Monreith, Wigtownshire; † 14. April 1812 in Pulteney’s Hotel in London) war eine Dame der Gesellschaft adliger Herkunft mit besten Beziehungen zum britischen Königshaus und der Tory-Partei.
Zusammen mit ihrem Ehemann, Alexander Gordon, 4. Duke of Gordon, und ihrem Sohn George Gordon, Marquess of Huntly und späteren 5. Duke of Gordon, war Jane maßgeblich an der Gründung des Infanterieregiments der Gordon Highlanders für die britische Armee beteiligt. Das Regiment bestand bis 1994.The Gordon Highlanders Museum, St Lukes, Aberdeen: History of the Gordons.
Kindheit in Schottland miniatur|Die Ruine von Myrton Castle, dem Geburtsort von Jane Maxwell. Jane Maxwell war das vierte von insgesamt fünf Kindern von Sir William Maxwell, 3. Baronet (um 1715–1771), einem schottischen Großgrundbesitzer, aus dessen Ehe mit Magdalene Blair. Die Familie Maxwell bewohnte mit ihren zwei Söhnen und drei Töchtern Myrton Castle, welches heute eine Ruine ist. Janes Bruder Sir William Maxwell, 4. Baronet (um 1751–1812), erbte 1771 den Titel und Besitz und ließ 1791 ganz in der Nähe von Myrton Castle durch Alexander Stevens (1739–1796) Monreith House als neuen Familiensitz bauen. Der Anbau des Portals durch den Architekten Sir Robert Smirke erfolgte 1821.Historic Scotland: Monreith House. Listed Building Report, listed 20th July 1972.
Obwohl der Lebenswandel von Janes Vater nicht über jeden Zweifel erhaben war, er galt als Trunkenbold, galten die Maxwells of Monreith als respektable Familie, verfügten sie doch über verwandtschaftliche Beziehungen zu einigen der wichtigsten schottischen Familien wie den Maxwells of Caerlaverock (vormals Earls of Nithsdale), oder zu Alexander Montgomerie, 9. Earl of Eglinton.Sir Michael Maxwell of Monreith: Lady Jane Maxwell. Speech to the Clan Maxwell Society of the USA, 1997.
Leben in Edinburgh Während Sir William Maxwell, 3. Baronet, mit mäßigem geschäftlichem Erfolg seine geerbten 30.000 acres umfassenden Ländereien von Myrton Castle aus verwaltete und wegen ständigen finanziellen Schwierigkeiten immer mal wieder ein Stück Land verkaufen musste, lebte Jane mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern Catherine und Eglantyne, der späteren Lady Wallace, seit 1760 in eher bescheidenen Verhältnissen in einer Mietwohnung im zweiten Stock an der Hyndford’s Close an der Royal Mile in Edinburgh. Jane war damals elf Jahre alt. Ihre Schwestern Catherine und Eglantyne waren 13 und neun Jahre alt. Dass die Mutter mit den Kindern in Edinburgh lebte, entsprach durchaus den Gepflogenheiten des schottischen Landadels. Denn nur in Edinburgh konnte man zu dieser Zeit in Schottland den Kindern eine gute Ausbildung zuteilwerden lassen. Zudem war es Tradition, dass die jungen Damen in Edinburgh in die Gesellschaft eingeführt wurden.
Der Unfall miniatur|Monreith House, der heutige Familiensitz der Maxwells of Monreith. Als Jane 14 Jahre alt war, hatte sie beim Spielen auf der Straße in Edinburgh einen Unfall. Sie griff mit den Fingern ihrer rechten Hand in die Speichen des Rades eines Fuhrwerkes. Als das Fuhrwerk sich weg bewegte, wurde ihr von der rechten Hand ein Finger abgerissen. Nach diesem Unfall trug Jane, wenn immer möglich, Handschuhe. Im Handschuh ersetzte ein aus Holz geschnitzter Finger denjenigen, den sie beim Unfall verloren hatte. In Monreith House wird bis heute einer dieser Holzfinger aufbewahrt zusammen mit einem Schriftstück, das Jane nach dem Unfall linkshändig verfasste und wo sie beschrieb, wie sich der Unfall zugetragen hatte.
Bonnie Jennie of Monreith, the Flower of Galloway Als Jane 16 Jahre alt war, war sie zu einer Schönheit herangewachsen. Das eigens zu ihren Ehren geschriebene Lied Bonnie Jennie of Monreith, the Flower of Galloway berichtet noch heute von ihrer Schönheit. Es war zu dieser Zeit, als sie sich in einen jungen Offizier aus der Familie Fraser, verliebte. Der junge Offizier verließ jedoch schon bald mit seinem Regiment Schottland, wohl in Richtung Amerika. Nicht lange nach dessen Abreise wurde Jane informiert, dass der junge Fraser gestorben sei.The Burns Encyclopedia: Gordon, Jane, Duchess of Gordon.
Heirat mit dem Duke of Gordon miniatur|links|Der Ehemann von Jane, Alexander Gordon, der 4. Duke of Gordon. Porträtiert von Pompeo Batoni (1764). Am 23. Oktober 1767 heiratete Jane den 24 Jahre alten Alexander Gordon, 4. Duke of Gordon. Der junge Duke galt damals als eine der besten Partien in Großbritannien. Er hatte bereits mit neun Jahren den Titel sowie ein beachtliches Vermögen geerbt.
Es war auf ihrer Hochzeitsreise, als Jane von ihrer Jugendliebe, dem jungen Offizier Fraser, einen Brief erhielt wo dieser sie bat, ihn zu heiraten. Der junge Fraser war also keineswegs tot, wie man Jane berichtet hatte. Jane brach zusammen, hielt jedoch ihre Ehe mit dem Duke of Gordon aufrecht. Jane und der Offizier Fraser blieben in Kontakt.
miniatur|Jane, Duchess of Gordon, mit ihrem Sohn George, Marquess of Huntly, dem späteren 5. Duke of Gordon. Die Spuren des Unfalls in Edinburgh an der rechten Hand werden durch das Dokument verborgen. Porträtiert von George Romney (1778). Während der nächsten 20 Jahre lebten der Duke und die Duchess of Gordon in Gordon Castle, welches der Herzog 1769 durch den aus Edinburgh stammenden Architekten John Baxter zu einem der größten Schlösser Schottlands ausbauen ließ. Nach dem Umbau wies die Hauptfassade des Schlosses eine Länge von über 170 Meter auf. Jahre später wurden die meisten Vergrößerungen jedoch wieder rückgängig gemacht. Jane organisierte Bälle und lud zu großen Abendgesellschaften. Sie machte Gordon Castle zu einem weitherum bekannten Treffpunkt der Gesellschaft. Jane interessierte sich jedoch auch für die Landwirtschaft und ließ eine Vielzahl von Bäumen auf den Ländereien ihres Ehemannes pflanzen.
Das Ehepaar hatte sieben Kinder, zwei Söhne und fünf Töchter. Der Erstgeborene, George, der Marquess of Huntly, der spätere 5. Duke of Gordon (* 2. Februar 1770 in Edinburgh; † 28. Mai 1836 in London) wurde 1770 geboren. Etwa zur selben Zeit gebar eine Frau namens Jane Christie dem Duke einen weiteren illegitimen Sohn, der ebenfalls George hieß. Jane sprach dann jeweils zur Unterscheidung der beiden Jungen von „My George and the Duke’s George“.
Gönnerin von Robert Burns Um 1780 begann Jane ihre gesellschaftlichen Aktivitäten nach Edinburgh zu verlegen. Schnell wurde sie zur gefeierten Gastgeberin. In Fragen des guten Geschmacks war ihr Urteil tonangebend. Horace Walpole nannte sie einst „The Empress of Fashion“. Der Zutritt zu ihrem Literarischen Salon war begehrt. Sie unterstützte und förderte junge Künstler und Talente. Es war denn auch in ihrem Salon in Edinburgh, wo der junge Robert Burns erstmals seine Gedichte der Gesellschaft von Edinburgh vortrug. Jane wurde zu einer der wichtigsten Gönnerinnen von Robert Burns.
Umzug nach London miniatur|links|Das Abzeichen für das Barett der Gordon Highlanders. Der Duke und die Duchess of Gordon zogen 1787 nach London. Zuerst mieten sie ein Haus in der Downing Street von Lord Sheffield. Danach zogen sie um in ein Haus des Marquess of Buckingham in der Pall Mall und anschließend in ein Haus am St. James’s Square. Auch in London wurde Jane schon bald mit ihrer lebensfrohen Art zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Gastgeberinnen. Sie zählte sowohl König Georg III. zu ihren Freunden und regelmäßigen Gästen, als auch Premierminister William Pitt, dessen Tory-Partei sie unterstützte. Damit stand sie in direkter Konkurrenz zu ihrer damaligen größten Rivalin um die Gunst der besseren Gesellschaft in London, Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire. Wie Jane, so galt auch die Duchess of Devonshire als einflussreiche Dame der Gesellschaft und Stilikone. Im Gegensatz zu Jane, unterstützte die Duchess of Devonshire jedoch die Whig-Partei.
Gründung der Gordon Highlanders: Die Wette mit dem Prince Regent miniatur|Janes Wettpartner, der Prince Regent, der spätere König Georg IV. Porträtiert von Sir Thomas Lawrence (um 1814). Die Revolutionsregierung von Frankreich erklärte 1793 Großbritannien den Krieg. Die britische Armee verfügte zu dieser Zeit jedoch nicht mehr über genug Rekruten, sodass die britische Regierung Janes Ehemann, den 4. Duke of Gordon, beauftragte, ein neues Regiment aufzustellen. Der Militärdienst war zu dieser Zeit bei den wehrfähigen jungen Männern nicht sehr beliebt. Entsprechend hatte die britische Regierung Mühe, Soldaten zu rekrutieren. Dies veranlasste Jane zu einer Wette mit dem Prince Regent, dem späteren König Georg IV. Sie wettete mit ihm, dass sie mehr Rekruten anwerben könne als er bzw. die britische Regierung. Obwohl Jane damals schon 45 Jahre alt war, war sie immer noch äußerst attraktiv. Um ihre Wette zu gewinnen, bediente sich Jane einer ungewöhnlichen Rekrutierungstechnik: In eine Uniform und einen schwarzen Hut mit Federn (highland bonnet) gekleidet, besuchte sie Festveranstaltungen im schottischen Hochland (country fairs), wo sie Tanzveranstaltungen organisierte (reels). Jeder, der tanzte, trat automatisch der Armee bei und erhielt den sogenannten „King’s shilling“, eine Münze, den damals üblichen Rekrutierungslohn, von der Duchess of Gordon höchstpersönlich, den diese zwischen ihren Lippen einklemmte und jedem Rekruten mit einem Kuss übergab. Auf diese Weise rekrutierte Jane 940 Soldaten und legte damit den Grundstein für die Gründung der Gordon Highlanders, welche am 24. Juni 1794 erstmals an einer Parade in Aberdeen in Erscheinung traten. Die Soldaten stammten denn auch mehrheitlich aus dem Gebiet der umfangreichen Ländereien des Dukes of Gordon, wie Badenoch, Lochaber und Strathspey sowie aus dem Landkreis von Aberdeen, Banff und Elgin. Das Kommando über das neue Infanterieregiment lag bei Janes Sohn, Lieutenant-Colonel George Gordon, Marquess of Huntly, dem späteren 5. Duke of Gordon. Das Regiment bestand bis 1994 in der britischen Armee.The Geograph Britain and Ireland Project: Duchess of Gordon’s Monument.
Kinrara House Mit zunehmendem Alter wurde Jane depressiv. 1799 erkrankte sie ernsthaft. Dies hatte auch mit ihrer familiären Situation zu tun. Ihr ältester Sohn George zog in den Krieg was Jane veranlasste in einem Brief an einen Freund zu schreiben: „Oh where and oh where has my highland laddie gone?“ Ihr zweiter Sohn Alexander (* 1785; † 8. Januar 1808) starb bereits mit 23 Jahren unverheiratet. Kam dazu, dass nun ihr Ehemann seine Mätresse Jane Christie einlud in Gordon Castle zu wohnen. Für seine Gattin baute der Duke unweit des Weilers Alvie in der Nähe des Flusses Spey ein Haus, genannt Kinrara. Jane lebte dort für weitere sechs Jahre, wo sie weiterhin zu Abendgesellschaften einlud. Das Haus besteht noch heute.
Drei Dukes und ein Marquess: Die Verheiratung der Töchter miniatur|Lady Rachel Evelyn Russell (1826–1898), eine Enkelin von Jane, porträtiert von Sir Edwin Landseer (1835). Gerüchten zufolge soll sie die gemeinsame Tochter von Georgiana Russell, der Duchess of Bedford, geb. Maxwell, und ihrem Geliebten, dem Maler Sir Edwin Landseer, gewesen sein.