Nitrylazid (Tetrastickstoffdioxid) ist ein instabiles Stickoxid, das sowohl als anorganisches kovalentes Azid als auch Nitrylverbindung gesehen werden kann. Der Stickstoffgehalt im Molekül beträgt 63,65 %.
Darstellung und Gewinnung Ein erster Hinweis auf die Bildung der Verbindung aus Nitroniumtetrafluoroborat und Lithiumazid in Acetonitril oder Tetrachlorkohlenstoff bei tiefen Temperaturen wurde schon 1973 gefunden.Doyle, M.P.; Maciejko, J.J.; Busman, S.C.: Reaction between azide and nitronium ions, formation and decomposition of nitryl azide in J. Am. Chem. Soc. 95 (1973) 952–953, . Umsetzungen von Nitrylchlorid mit Aziden wie Trimethylsilylazid oder Titandicyclopentanyldiazid ergaben statt der Zielverbindung bevorzugt das Chlorazid ClN3.Klapötke, T.M.; Schulz, A.; Tornieporth-Oetting, C.: Studies of the Reaction Behavior of Nitryl Compounds Towards Azides: Evidence for Tetranitrogen Dioxide, N4O2 in Chem. Ber. 127 (1994) 2181–2185, . Die Reaktion von Natriumazid mit Nitrylfluorid führte schon bei −115 °C zu einem explosionsartigen Zerfall der Reaktionsmischung. Eine Darstellung von Nitrylazid gelang durch die Umsetzung von Nitroniumhexafluoroantimonat mit Natriumazid in flüssigem Kohlendioxid bei −50 °C unter Druck, wobei die Verbindung nur spektroskopisch nachgewiesen und nicht isoliert wurde.
rahmenlos|hochkant=2.1|Synthese von Nitrylazid
Eigenschaften Nitrylazid ist so instabil, dass eine Reindarstellung nicht möglich ist. Das in Lösung gemessene Raman-Spektrum stimmt mit dem mittels Ab-initio-Berechnung ermittelten überein. Die Verbindung zerfällt leicht zum Distickstoffmonoxid, wobei eine zyklische Zwischenstufe postuliert wird. Eine quantenchemische Ab-initio-Berechnung ergab für den Zerfall eine stark exotherme molare Reaktionsenthalpie von −250 kJ·mol−1.
rahmenlos|hochkant=2.1|Reaktion von Nitrylazid
Einzelnachweise
Kategorie:Azidverbindung Kategorie:Salpetersäureverbindung