Friedrich G. Wallner (* 21. Juli 1945 in Weiten, Niederösterreich) ist ein österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker. Er vertritt einen Konstruktiven Realismus. mini|Friedrich G. Wallner, 1997

Leben Nach dem Besuch des Bundesrealgymnasiums in Tulln studierte Wallner an der Universität Wien zunächst Philosophie, klassische Philologie, Psychologie und Germanistik. Als Gymnasiast interessierte er sich sehr für Oswald Spengler und dessen Werk „Der Untergang des Abendlandes“, als Student distanzierte sich Wallner aber wieder davon wegen der impliziten biologistischen Struktur dieses Werkes. Seine Studien schloss er 1969 mit dem Lehramt für den philosophischen Einführungsunterricht, Latein und Deutsch als Nebenfach ab. Wallner unterrichtet ab diesem Zeitpunkt am Bundes-Oberstufenrealgymnasium [BORG] in Wiener Neustadt. 1972 folgte ein Doktorat aus Philosophie mit dem Thema „Demokritische und epikureische Ethik“Wallner: Demokritische und epikureische Ethik. 1972. Aufgrund der Publikation des Buches „Philosophische Probleme der Physik“Wallner: Philosophische Probleme der Physik. 1982. bekam Wallner 1978 einen Lehrauftrag mit dem gleichnamigen Titel am Institut für Theoretische Physik an der Universität Wien. In dieser Zeit arbeitete Wallner mit dem Physiker Roman U. Sexl zusammen.

1981 wurde Wallner für das gesamte Gebiet der Philosophie mit der Habilitationsschrift Die Grenzen der Sprache und der Erkenntnis. Analysen an und im Anschluß an Wittgensteins PhilosophieWallner: Die Grenzen der Sprache und der Erkenntnis. Analysen an und im Anschluß an Wittgensteins Philosophie. 1983. habilitiert. Bis 1987 hielt er interdisziplinäre Seminare, zu denen auch gelegentlich Vertreter anderer Disziplinen beitrugen.

Von 1976 bis 1987 arbeitete Wallner an den Wittgenstein-Symposien in Kirchberg am Wechsel mit. Als 1987 Wallner zum Professor für Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Wissenschaftstheorie (Epistemologie) berufen wurde, beendete er seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer. In den 1980er Jahren veranstaltete Wallner gemeinsam mit Herbert Pietschmann einwöchige Seminare für Physik- und Philosophielehrer in Mariazell (Steiermark). Zur gleichen Zeit begegnete Wallner Humberto Maturana, mit dem er eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit entwickelte. Seit 1980 ist Wallner ständiger Mitarbeiter des „Philosophischen Literaturanzeigers“ und der „Zeitschrift für Didaktik der Philosophie“. 1982 kam es zur ersten persönlichen Begegnung mit Karl Popper. Sehr anregend war für Wallner die Auseinandersetzung mit dem deutschen Philosophen Hans Blumenberg, („Die Legitimität der Neuzeit“).

1990 publizierte Wallner die Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus.Wallner: Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus. 1990. Dieses Buch war der Ausgangspunkt zahlreicher Vortragsreisen und Gastprofessuren. 1990 wurde Wallner Herausgeber der Reihe „Cognitive Science“ (Wiener Universitätsverlag). 1991 wurde der Verein „Institut für Konstruktiven Realismus“ gegründet und von der Stadt Wien über viele Jahre gefördert. 1994 war Wallner Initiator und Mitorganisator eines internationalen Kongresses in Peking über den Wiener Kreis mit einem Symposium über den Konstruktiven Realismus. Im Anschluss daran erfolgte eine ausgedehnte Vortragsreise zu chinesischen Universitäten. In diese Zeit fällt auch ein einwöchiges Seminar in Bodhgaya, Indien, unter der Leitung des Dalai Lama.

Von 1994 bis 2010 hielt Wallner Seminare über die Theorie, Struktur und Methodologie der Chinesischen Medizin an der Universität Wien. 2010 wurde Wallner emeritiert. Seither folgten weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung der Medizinsysteme, neben der chinesischen Medizin jetzt auch über die Traditionelle thailändische Medizin.

Ein seit 2008 bestehendes und bis 2015 geplantes Projekt beschäftigt sich mit 'Theory, Structure and Methodology of Chinese Medicine' in Zusammenarbeit mit der Academy for Chinese Medical Sciences in Peking unter Mitwirkung einiger österreichischer Mediziner und Naturwissenschaftler.

Preise und Ehrungen 1984: Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für Geisteswissenschaften 1985: Theodor-Körner-Preis 1986: Verleihung eines Wissenschaftsstipendiums durch das Kulturamt der Stadt Wien 2016: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. KlassePreise und Auszeichnungen im Juni 2016, Medienportal der Universität Wien, abgerufen am 15. Jänner 2017.

Schriften Werke Wallner publizierte von ca. 1972 bis 1983 unter „Friedrich Wallner“. Da „Wallner“ ein häufiger Name ist, publizierte er zur besseren Unterscheidbarkeit danach unter „Fritz G. Wallner“ bis ca. 1999. Danach abwechselnd unter „Fritz G.“, „Fritz“ und „Friedrich“ (anscheinend auch vom jeweiligen Verlag abhängig), seit 2008 vorwiegend unter „Friedrich G. Wallner“. Der mit „G.“ abgekürzte, zweite Vorname, leitet sich von einem chinesischen Ehrennamen her, der Wallner anlässlich eines Chinaaufenthalts verliehen wurde.

Friedrich Wallner: Demokritische und epikureische Ethik. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Wien 1972. Herbert Pietschmann, Friedrich Wallner: Philosophische Probleme der modernen Physik: Doppelseminar für Physiker und Philosophen. Skripten zur Lehrerfortbildung Allgemeinbildende Höhere Schulen, Wien 1980. Friedrich Wallner: Philosophische Probleme der Physik. Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (Klagenfurter Beiträge zur Philosophie: Reihe Lehrmaterialien), 1982, ISBN 3-85369-514-0. Friedrich Wallner: Die Grenzen der Sprache und der Erkenntnis. Analysen an und im Anschluß an Wittgensteins Philosophie (= Philosophica 1, zugleich Habilitationsschrift). Braumüller, Wien 1983, ISBN 3-7003-0360-2. Friedrich Wallner: Wittgensteins philosophisches Lebenswerk als Einheit. Überlegungen zu und Übungen an einem neuen Konzept von Philosophie (= Philosophica 2). Wilhelm Braumüller, Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1983, ISBN 3-7003-0472-2. Fritz G. Wallner: Kritische Methode und Zukunft der Anthropologie. Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1985, ISBN 3-7003-0632-6. Fritz G. Wallner (Hrsg.): Karl Popper – Philosophie und Wissenschaft: Beiträge zum Popper-Kolloquium (= Philosophica 4). Braumüller, Wien 1985, ISBN 3-7003-0572-9. Fritz Wallner, Karl Müller, Friedrich Stadler (Hrsg.): Versuche und Widerlegungen – Offene Probleme im Werk Karl Poppers. Geyer-Edition, Wien/Salzburg 1986, ISBN 3-85090-122-X. Reinhard Koland, Fritz G. Wallner: Ethik am Prüfstand. Eine empirische Grundlegung von Recht, Moral und Gerechtigkeit und eine Kritik politischer Ästhetik (= Philosophica 8). Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1988, ISBN 3-7003-0770-5. Fritz Wallner: Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus (= Cognitive Science 1). 1. Auflage. Wiener Universitätsverlag, Wien 1990, ISBN 3-85114-046-X. Karl W. Kratky, Fritz Wallner: Grundprinzipien der Selbstorganisation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-10971-6. Fritz Wallner, Arne Haselbach: Wittgensteins Einfluss auf die Kultur der Gegenwart (= Philosophica 9). Braumüller, Wien 1990, ISBN 3-7003-0876-0. Fritz Wallner: Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus (= Cognitive Science 1). 2. Auflage (übersetzt ins Spanische von Hugo D. Ochoa, ins Portugiesische von Azevedo da Silva, ins Japanische von Tsugio Mimuro, ins Arabische von Azelarabe Lahkim Bennani). Wiener Universitätsverlag, Wien 1991, ISBN 3-85114-046-X. Fritz Wallner, Cor Van Dijkum (Hrsg.): Constructive Realism in Discussion. Faculty of Social Science Press, Utrecht 1991, ISBN 90-800773-1-3. Fritz Wallner: Acht Vorlesungen über den konstruktiven Realismus (= Cognitive Science 1). 3., überarbeitete Auflage. Wiener Universitäts-Verlag, Wien 1992, ISBN 3-85114-046-X. Fritz Wallner: Wissenschaft in Reflexion (= Philosophica 10). Braumüller, Wien 1992, ISBN 3-7003-0973-2. 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