Die Lasdehner Straße ist eine Straße im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Sie beginnt nördlich an der Hildegard-Jadamowitz-Straße und endet als Sackgasse südlich an einem Fußgängerdurchgang zur Gubener Straße. An der Straße liegt das von Ludwig Hoffmann errichtete und heute denkmalgeschützte Schulgebäude, dessen südlicher Gebäudeteil die Ludwig-Hoffmann-Grundschule (Nr. 21) und dessen nördlicher Gebäudeteil die Temple-Grandin-Schule (Nr. 19, früher Schule am Friedrichshain, Kadiner Straße 9) beherbergt, dazu ein Erweiterungsbau für die Ludwig-Hoffmann-Grundschule (Nr. 13). Ebenfalls denkmalgeschützt sind die um 1890 errichteten Mietshäuser Nr. 24, 26, 28 und 30. Die Westseite ist geprägt durch denkmalgeschützte Bauten der Graudenzer Straße, die in ihrer lockeren Bebauung mit viel Grünfläche um die Häuser bis an die Lasdehner Straße heranreichen, wo der Pinguinspielplatz zwischen Hildegard-Jadamowitz-Straße und Graudenzer Straße den nördlichen Teil des Wohnensembles abschließt.
Straßengeschichte Die Lasdehner Straße wurde am 15. Mai 1935 nach der ostpreußischen Stadt Lasdehnen benannt, die heute in Russland liegt und Krasnosnamensk heißt. Angelegt wurde sie als Straße 7a der Abteilung XIV im Bebauungsplan, und sie hieß vom 24. Juni 1893 bis zu ihrer Umbenennung Litauer Straße, auch Litthauerstraße oder Lithauer Straße geschrieben, nach dem baltischen Land Litauen. Sie war ursprünglich die südliche Fortsetzung der Thaerstraße und führte nach der Einmündung in die Gubener Straße südwestwärts als Posener Straße (heute Wedekindstraße) weiter. Den heutigen verkürzten Verlauf erhielt der Verkehrsweg erst mit der Neubebauung der damaligen Stalinallee.
Die Hausnummernzählung beginnt am nördlichen Ende, wobei auf der Ostseite die ungeraden Zahlen und auf der Westseite die geraden Zahlen zu finden sind. Da nicht alle Wohnhäuser nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurden und Grundstücke heute zum Teil anders genutzt werden, sind etliche Hausnummern nicht mehr vorhanden.
Einige Gebäude, Anlagen und Einrichtungen Historisches Schulgebäude Architektur und Geschichte mini|Das denkmalgeschützte Schulgebäude in der Lasdehner Straße. Das historische Schulgebäude in der Lasdehner Straße wurde in den Jahren 1906 bis 1908 nach Entwürfen des Architekten Ludwig Hoffmann, als Gemeindedoppelschule erbaut. Dabei handelt es sich um ein vierstöckiges Gebäude mit drei Gebäudeflügeln, das als Baudenkmal gelistet ist.
An der Bearbeitung der Entwürfe und der Bauausführung waren die Magistratsbauräte Georg Matzdorff (1863–1930) und Herold sowie die Architekten Speer und Gerecke beteiligt. Die Schulanlage wurde am 14. November 1908 der städtischen Verwaltung übergeben. Die Kosten wurden angegeben mit 809 015 Mark.Jan Feustel: Wilhelminisches Lächeln. Bauten von Hoffmann und Messel im Bezirk Friedrichshain. Begleitmaterial zur Ausstellung, Heimatmuseum Friedrichshain. Berlin 1994, S. 53.
Hoffmann hat die bedeutende Straßenfrontlänge (67 m)Berlin und seine Bauten, Band V, Band C Schulen. Berlin 1991, S. 362.
In seiner Autobiografie gibt Hoffmann eine Länge von 75 m an.
Ludwig Hoffmann: Lebenserinnerungen eines Architekten. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Beiheft 10, Berlin (West) 1983, S. 178. genutzt und einen Baukörper konzipiert, dessen kunstvoll strukturierte Fassade eine starke architektonische Wirkung in der Lasdehner Straße entfaltet.
Die Vorderfront ist in 18 senkrechte Achsen unterteilt, wobei zwischen den vom Straßenpflaster bis unters Dach vorstehenden Wandpfeilern die vertikalen Achsen der Fenster mit den ornamentierten Fensterbrüstungen zurücktreten. mini|Die kunstvoll gestaltete Fassade des Hoffmann-Baus mit den Schmuckelementen von Georg Wrba. Die Fassade ist mit roten Klinkersteinen verblendet, ausgenommen der Sockel, die Schmuckfelder unter den Fenstern ab dem 2. Stockwerk sowie über den Eingangstoren und -türen, das vorkragende Dachgesims und die Bukranien darunter, die als Widder- oder Bärenköpfe die Lisenen abschließen. Sie sind aus grauem Sandstein.
Bei dieser Fassadengestaltung orientierte Hoffmann sich an Bauten seines Freundes, des Architekten Alfred Messel (1853–1909), wie dem 1906 fertiggestellten Warenhaus Wertheim am Leipziger Platz und der 1903–04 errichteten Landesversicherungsanstalt am Köllnischen Park.
Hoffmann erklärte rückblickend seine Überlegungen zur Gestaltung der sehr ähnlichen Fassaden der Gemeindeschule in der Lasdehner Straße und des Friedrichswerderschen Gymnasiums: „Es war mir interessant, an beiden Schulfassaden, bei dem Gymnasium und bei der Gemeindeschule das gleiche Thema – eine aufstrebende Tätigkeit in verschiedenem Charakter architektonisch durchzubilden; bei dem Gymnasium abgemessen und sorgsam überlegt, bei der Gemeindeschule volkstümlich und weniger gebunden. Bei ersterem die zarten Lisenen aus der im unteren Geschosse gleichmäßig durchgebildeten Fläche entwickelt, hier die derberen Lisenen auf das Straßenpflaster aufgesetzt. Dort unter den Fenstern die gleichgestimmten Taschnerschen antiken Köpfe in strenger Fassung, hier abwechselnd von Wrba gebildete lebhaft stilisierte Blumenkränze und Köpfe in freier Haltung. Bis zum kleinsten Detail wurden an beiden Fassaden die verschiedenen Arten des Betriebs im Gebäude zum Ausdruck gebracht.“Ludwig Hoffmann: Lebenserinnerungen eines Architekten. Bearbeitet und aus dem Nachlass herausgegeben von Wolfgang Schäche und Julius Posener. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Beiheft 10, Gebr. Mann Verlag Berlin 1983, S. 178–179.
Nähert man sich dem Schulgebäude in der Lasdehner Straße aus einiger Entfernung, so macht sich eine Besonderheit des Baus bemerkbar. Das Gebäude erscheint als mächtiger kompakter roter Klinkerbau. Die Fenster sind ebenso wenig zu erkennen wie viele andere Details. Erst beim Näherkommen werden die Details sichtbar. Die ganze Vielfalt der Fassade erschließt sich erst, wenn man vor dem Bauwerk steht.
Die Westfassaden der beiden Seitenflügel treten als dreiachsige Risalite zu beiden Seiten des Mittelflügels hervor. Daran schließen noch zwei wieder zurücktretende schlichte Bauteile mit den Sanitärtrakten an. Den ursprünglichen Charakter der Doppelschule betont auch der Eingangsbereich mit zwei Toren und den zwei niedrigeren Fußgängerpforten daneben. Dahinter befindet sich eine repräsentative „vierschiffige kreuzgratgewölbte Pfeilerhalle“.Jan Feustel: Wilhelminisches Lächeln. Bauten von Hoffmann und Messel im Bezirk Friedrichshain. Begleitmaterial zur Ausstellung, Heimatmuseum Friedrichshain. Berlin 1994, S. 55. mit zwei Durchfahrten zum Hof und den Zugängen zu den beiden Schulen über kleine seitliche Treppen.
Hoffmann hat bei diesem Bau in Kauf genommen, dass Klassenräume zur Straße gelegen sind und Korridore zum Hof. Hier war ihm vor allem die architektonische Wirkung wichtig. Die Klassenräume der Seitenflügel gehen zum Hof. Die vier Treppenhäuser befinden sich in den inneren Raumwinkeln und am Ende der Seitenflügel. mini|Terrakotten von Georg Wrba an der Hoffassade des Hoffmannschen Schulgebäudes. Die Schmuckelemente der Fassade schuf der Bildhauer Georg Wrba (1872–1939), ebenso die Terrakotten an der Hoffassade unter den Fenstern des zweiten Stockwerks. Hier finden sich Darstellungen von Kindern und Tieren, balgende, aber auch brav sitzende Hunde, kämpfende Ziegenböcke und vieles andere, was einen derben Humor offenbart. Die Reliefs gehören zu einer Serie, die Wrba für andere Gebäude entworfen hat, und von der sich auch einige an der Schule in der Hausburgstraße finden. mini|Relief von Georg Wrba an der Hoffassade des Hoffmannschen Schulgebäudes Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Gebäudes stark beschädigt, erkennbar noch lange an zahlreichen Einschusslöchern in der Fassade. Das zugehörige Lehrergebäude im Schulhof wurde vollständig zerstört.Hoffmann, Ludwig; Hessling, Bruno; Wasmuth, Ernst: Neubauten der Stadt Berlin: Gesamtansichten und Einzelheiten nach den mit Maßen versehenen Original-Zeichnungen der Fassaden und der Innenräume sowie Naturaufnahmen der bemerkenswertesten Teile der seit dem Jahre 1897 in Berlin errichteten städtischen Bauten. Berlin; New York: Bruno Hessling, 1902–1912. - 11 Bände, Band 11, Tafel 11 (Gemeindedoppelschule an der Litthauer Straße) Bauzeichnungen Fassade zur Straße und Lehrerwohnhaus. Das originale Walmdach existiert nur noch über der Aula, allerdings ohne die früher vorhandenen Fledermausgaupen. Der nördliche Gebäudeflügel erhielt einen neuen Anbau.
Umfassende Sanierungsmaßnahmen wurden 2002 bis 2012 vorgenommen. Dazu gehörten die Dachsanierung, Erneuerung der Sanitätsstränge und denkmalgerechte Sanierung der Fassaden und Fenster sowie die sukzessive Sanierung der Flure, Treppenhäuser, Klassenräume und der Schulaula. Als Baukosten wurden 10,6 Mio. Euro angegeben.Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung, Kerstin Klipker, Eckart Schwalm (Hrsg.): Sanierungsgebiet Warschauer Straße – Ergebnisse der Stadterneuerung. S. 38.
Auch die Grundinstandsetzung der Sporthalle im südlichen Gebäudeflügel erfolgte. Dafür wurden 2004 aus dem 100-Millionen-Programm des Senats für die Sanierung von Schul- und Sportstätten 450 000 Euro zur Verfügung gestellt.SVE: Berlin Sanierung: 100 Millionen für Schulen und Sportstätten von SVE. In: Tagesspiegel: 29. Januar 2001.
Die Aula wurde 2007/2008 durch das Architekturbüro Leisering denkmalgerecht saniert.Referenz der Firma Leisering
Zeitgleich wurde das Dach durch das Ingenieurbüro Reinhard Damm saniert und die gewölbte Auladecke nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Am 9. Mai 2008 wurde die Aula durch eine gemeinsame Feier der Ludwig-Hoffmann-Grundschule und der Schule am Friedrichshain eingeweiht.Kiez-Klub im Regenbogenhaus – Einrichtung der Jugendförderung Friedrichshain-Kreuzberg (Hrsg.): Ganz schön historisch. In: Kiez-Blatt vom Mai 2008, S. 5.
Nutzung bis Anfang der 1990er Jahre Die über den Eingangstüren angebrachten Schulbezeichnungen zeigen, dass das Gebäude ursprünglich zwei nach Geschlechtern getrennte Schulen beherbergte. Dabei handelte es sich um die 233. und 235. Gemeindeschule, die bereits am 1. April 1900 als evangelische Knaben- und evangelische Mädchenschule gegründet wurden und nach Fertigstellung des Gebäudes hier einzogen, die Mädchenschule im nördlichen und die Knabenschule im südlichen Gebäudeflügel. Damals hatte das Schulgebäude die Adresse Litauer Straße 18.Willi Gensch, Dr. Hans Liesigk, Hans Michaelis (Bearbeiter): Der Berliner Osten. Berliner Handelsdruckerei, Berlin 1930, S. 368.
Nach dem Krieg nutzte die 3. Volksschule das Gebäude, die erst zur 3. Grundschule, dann 1956 zur 3./4. Grundschule und 1959 zur 3./.4. Polytechnischen Oberschule wurde. Danach wurden zwei Schulen gebildet. Im nördlichen Gebäudeflügel etablierte sich die 3. POS und im südlichen die 4. POS. Die 3. POS führte den Namen „Kurt Schlosser“, die 4. POS ab 1972 den Namen „John Sieg“.Nach Unterlagen in der Ludwig-Hoffmann-Grundschule Im Jahre 1985 wurden dann die Klassen der 3. POS Kurt-Schlosser in die 4. POS John-Sieg eingegliedert.
In den Nordflügel zog die Abteilung Volksbildung des Rates des Stadtbezirks Friedrichshain ein. In die Eingangshalle der Schule wurde eine Trennwand eingezogen und der Eingang von der Lasdehner Straße für diesen Bereich nicht mehr benutzt. Es wurde ein Zugang von der Kadiner Straße geschaffen und der nördliche Seiteneingang des Schulgebäudes unter der Adresse Kadiner Straße 9 geführt. 1991 hatten hier die Abteilung Bildung und Kultur des Bezirksamtes Friedrichshain (Bezirksstadtrat, Schulamt und Schulaufsichtsbehörde) und die Abteilung Umwelt und Naturschutz (Bezirksstadtrat, Umweltamt, Naturschutzamt) ihren Sitz.Bezirksamt Friedrichshain (Hrsg.): Berlin Friedrichshain – Informationsbroschüre. Berlin 1991