Der Krieg in Mali (auch Mali-Krise, Mali-Krieg oder als Mali-Konflikt bezeichnet) ist ein seit Januar 2012 andauernder bewaffneter Konflikt zwischen der malischen Regierung, die von mehreren europäischen Staaten militärisch unterstützt wird, der bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung der Tuareg sowie diversen nichtstaatlichen Milizen, von denen mehrere dem islamistischen Spektrum zuzurechnen sind.

Der Konflikt begann mit dem bewaffneten Unabhängigkeitskampf der Tuareg im Norden des Landes, der zwischenzeitlich die einseitige Abspaltung der nördlichen Regionen und die Ausrufung eines unabhängigen Staates Azawad zur Folge hatte. Die Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) verlor jedoch sukzessiv die Kontrolle über die zuvor eroberten Gebiete an islamistische Milizen. Nach Eroberung des gesamten Nordens erweiterten jene islamistischen Gruppen den bewaffneten Kampf auf die südlicheren Gebiete des Landes. Daraufhin intervenierten französische Streitkräfte an der Seite der malischen Zentralregierung und konnten im Rahmen der Operationen Serval den Vormarsch der islamistischen Milizen stoppen und alle zuvor verlorenen Gebiete zurückerobern. Die daran anschließende Operation Barkhane mehrerer westlichen Staaten zielte auf eine fortlaufende Bekämpfung islamistischer Milizen ab.

Seit 2013 werden zudem im Rahmen der UN-Mission MINUSMA über 10.000 Blauhelmsoldaten zur Stabilisierung des Landes eingesetzt, an der sich auch die Bundeswehr mit über 1.000 Soldaten beteiligt.

Nach zwei Militärputschen innerhalb eines Jahres verschlechterte sich das Verhältnis der malischen Regierung zu den europäischen Verbündeten, woraufhin der französische Präsident Macron im Juni 2021 das Ende der Operation Barkhane und den Abzug der französischen Truppen verkündete. Beobachtern zufolge soll die aktuelle Regierung Malis verstärkt mit Russland kooperieren. Soldaten der Gruppe Wagner kämpfen mutmaßlich seit Dezember 2021 an der Seite der malischen Streitkräfte.

Konfliktparteien Republik Mali und internationale Verbündete

die malische Regierung und Sicherheitskräfte (Armee, Nationalgarde, Gendarmerie National, nationale und lokale Polizeikräfte); die französische Operation Barkhane (seit 2021 beendet) und die multinationale Task Force Takuba; Plateforme des mouvements du 14 juin 2014 d’Alger (PLATFORME); Vereinigung der pro-malinesischen Tuareg und weiterer Ethnien aus Nord- und Zentral-Mali. Größte Gruppierungen sind: Le Groupe autodéfense touareg Imghad et alliés (GATIA), überwiegend Imghad-Tuareg; La Coordination des mouvements et Front patriotique de résistance (CM-FPR), hier sind die beiden größten Gruppen die Selbstverteidigungsmilizen der Songhai-Ethnie Ganda Koy und Ganda Izo Les Forces de libération des régions Nord du Mali (FLN) Mouvement arabe de l’Azawad (MAA)

Drei gemischte Bataillone (Stärke 600–800 Soldaten; zu gleichen Teilen bestehend aus malischer Armee, Platforme und CMA) in Gao, Kidal und Timbuktu. Die Aufstellung wurde 2013 im Abkommen von Ouagadougou vereinbart. Auftrag der Bataillone soll die Überwachung des im Abkommen vereinbarten Disarmament, Demobilisation and Reintegration-Programme (Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung) sein.

Gruppe Wagner (der russischen Regierung nahestehende Söldnerarmee), Berichten zufolge seit 2022 auf Anforderung der malischen Militärregierung im Land aktiv

Tuareg-Rebellen alternativtext=300px|mini|Flagge der MNLA Coordination des mouvements de l’Azawad (CMA); Vereinigung der separatistischen Tuareg und weiterer Ethnien. Größte Gruppierungen sind: Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) der Haut conseil pour l’unité de l’Azawad (HCUA) Teile des Mouvement arabe de l’Azawad (MAA)

MNLA und HCUA sind von Tuareg-Stamm der Ifoghas dominiert, repräsentieren allerdings auch weitere Stämme.

Die MAA repräsentiert die in den Regionen Kidal, Timbuktu und Gao lebenden Araber.

Islamistische Milizen

Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM); eine Al-Qaida nahe Organisation, hervorgegangen aus dem Zusammenschluss von in Mali befindlichen Teilen von Al-Qaida im islamischen Magreb, Ansar Dine und Al-Mourabitoune (auch Mujao) Islamischer Staat in der Größeren Sahara (ISGS)

JNIM und ISGS habe trotz der Rivalität der Dachorganisationen im Grenzland zwischen Mali, Burkina Faso und Niger eine de facto Zusammenarbeit etabliert.

Multilaterale Akteure

African-led International Support Mission to Mali (AFISMA), wurde im Jahr 2013 in die MINUSMA Mission überführt Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA)

Auftrag von MINUSMA ist die Herstellung eines sichereren Umfeldes für die Bevölkerung in Nord- und seit kurzem auch in Zentral-Mali. Ausdrücklich kein Auftrag von MINUSMA ist die Parteinahme im Konflikt zwischen malischer Regierung, Platform und CMA, sowie die aktive Bekämpfung der terroristischen Gruppen.

EUTM Mali EUCAP Sahel Mali

Konfliktverlauf

Hintergrund Konflikte zwischen den Tuareg, die vielfach halbnomadisch als Viehzüchter leben, und westafrikanischen Volksgruppen, die traditionell sesshafte Bauern sind, haben in Afrika eine Geschichte, die bis in die vorkoloniale Zeit reicht. Auch nach der Unabhängigkeit Malis gab es in den nordöstlichen Landesteilen – auch Azawad genannt – mehrfach bewaffnete Unabhängigkeitsbestrebungen des Tuareg-Volkes. Neben 2012 war dies auch in den Jahren 1963, 1991 und 2006 der Fall.

Territorialkonflikt im Norden Malis (2012–13)

Sezessionskrieg der Tuareg und die Abspaltung des Azawad mini|Tuareg Rebellen feiern die zwischenzeitliche Unabhängigkeit, 2012 Die Ursprünge des bewaffneten Unabhängigkeitskampfes der Tuareg stehen im engen Zusammenhang mit dem Libyenkrieg im Jahr 2011. Laut der US-amerikanischen Analyseplattform Stratfor wurden bereits Jahre vor dem internen Konflikt in Libyen mehrere tausend Tuareg-Kämpfer in die militärischen Strukturen des libyschen Staates eingegliedert und kämpften schlussendlich auch an der Seite der nationalen Streitkräfte gegen die bewaffnete libysche Opposition und die Luftwaffenstreitkräfte verschiedener NATO-Staaten. Nach dem Tod von al-Gaddafi kehrten die militärisch ausgebildeten und bewaffneten Kämpfer der Tuareg nach Nord-Mali zurück und gründeten gemeinsam mit lokalen Einheiten die sogenannte „Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad“ (MNLA). Dieses Momentum der militärischen Stärke durch die Rückkehr kampferprobter Veteranen aus dem Libyenkrieg nutzte die neu formierte MNLA im Januar 2012 und nahm erneut ihren bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Staat auf. Der Konflikt begann am 17. Januar 2012 mit dem Angriff auf Menaka. Aufgrund der schwachen Autorität des malischen Staates im Norden des Landes und der fehlenden Präsenz der nationalen Streitkräfte konnten die Kämpfer der Tuareg schnelle Geländegewinne erzielen und eroberten innerhalb weniger Monate den gesamten Norden des Landes. Teilweise liefen Tuareg, die in der malischen Armee oder den Sicherheitskräften dienten, zu den Aufständischen über. Im März 2012 kam es in der malischen Hauptstadt Bamako zu einem Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré, dem die Putschisten Unfähigkeit bei der Bekämpfung des Aufstandes vorwarfen. mini|Malische Soldaten in Bamako während des Putsches in 2012 Am 31. März wurde Gao kampflos den Aufständischen überlassen, am 1. April Timbuktu besetzt. Bereits am 6. April 2012 beendete die Führung der MNLA ihre Kampfhandlungen und erklärte unilateral die Sezession ihrer militärisch besetzten Gebiete von der Republik Mali. Der unabhängige Staat sollte in Anlehnung an den Namen der MNLA Azawad heißen.

Übernahme des Azawad durch islamistische Milizen Im weiteren Verlauf des Konfliktes verbündete sich die MNLA mit radikalislamischen Milizen, wie Ansar Dine, Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) sowie mit dem, in der Sahelzone aktiven Ableger von Al-Qaida „Al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (AQIM). Ab Juni 2012 geriet die MNLA in Konflikt mit den islamistischen Gruppierungen, da diese mit der zwangsweisen Einführung der Scharia in Azawad begonnen hatten, welche von den moderaten bis säkularen Kräften der MNLA abgelehnt wurde. Bis Juli 2012 hatten die islamistischen Milizen die MNLA gewaltsam aus allen bedeutenden Städten aus dem Norden des Landes verdrängt. Am 1. September 2012 wurde Douentza, eine Stadt in der Region Mopti unter der Kontrolle der Ganda-Iso-Miliz, von der MUJAO eingenommen. Am 28. November 2012 vertrieb die Ansar Dine die MNLA aus Léré, einer Kleinstadt im Kreis Niafunké in der Region Timbuktu.

Abkommen von Ouagadougou Am 18. Juni 2013 wurde das Abkommen von Ouagadougou zwischen der Republik Mali und den bewaffneten Rebellengruppen der MNLA und der HCUA unterzeichnet. Die Tuareg kündigten eine Waffenruhe an.

Bei der im Juli stattfindenden Präsidentschaftswahl gewann Ibrahim Boubacar Keïta die meisten Stimmen und löste somit die Übergangsregierung des Militärs ab. Zeit Online, September 2013

Im September desselben Jahres kündigte die MNLA den Waffenstillstand auf, nachdem Regierungstruppen das Feuer auf Steine werfende Demonstranten eröffnet hatten. Der Vizepräsident der MNLA, Mahamadou Djeri Maiga, sagte zum Vorfall: „Was passiert ist, ist eine Kriegserklärung.“

Internationalisierung des Konfliktes (ab 2013)

Intervention Frankreichs – Operation Serval (2013–14) mini|Konfliktlage in Nordmali 2013|393x393pxBis zum Jahresende 2012 verschlechterte sich die militärische Situation der malischen Armee zusehends nach mehrmonatigen Kämpfen. Als im Januar 2013 der Kollaps der malischen Armee und ein Durchmarsch der Islamisten in die Hauptstadt Bamako drohte, bat der malische Präsident Dioncounda Traore den Präsidenten Frankreichs, François Hollande, sowie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon um Hilfe. Dies war der Startschuss für einen Militäreinsatz gegen die Rebellen, welcher als Opération Serval bekannt ist. Die militärische Übergangsregierung, welche sich im März 2012 an die Macht geputscht hatte, stellte einen Antrag an die Vereinten Nationen, um im Rahmen des Prinzips der kollektiven Verteidigung Truppen aus Frankreich zur militärischen Unterstützung gegen die bewaffneten Milizen im Norden des Landes zu erhalten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterstützte diesen Antrag durch die Resolution 2085 im Dezember 2012, in dem er die Mitgliedsstaaten dazu aufrief, die Malischen Streitkräfte mit militärischen Mitteln zu unterstützen. Diesen Antrag auf Militärhilfe durch Einladung des Staates, welcher nach völkerrechtlichen Standards eine legale Kriegsbeteiligung markiert, wurde von Frankreich angenommen und in Form der Operation Serval umgesetzt. Die Zielsetzungen der Operation waren den Vormarsch der islamistischen Gruppen zu stoppen und die territoriale Integrität Malis wiederherzustellen. Mit Beginn des Jahres 2013 operierte die französische Armee mit über 4000 Bodentruppen, inklusive ihrer Luftwaffe auf malischem Territorium. Bis Ende Januar 2013 eroberten französische und malische Truppen mehrere Städte zurück, darunter die strategisch wichtigen Städte Gao und Timbuktu. Bei der Befreiung von Timbuktu führte das 2e régiment étranger de parachutistes den ersten Gefechts-Absprung von Fallschirmjägern seit der US-Invasion in Grenada (1983) durch. Zur gleichen Zeit verstärkten mehrere westafrikanische Staaten der ECOWAS, die im Rahmen der Operation AFISMA Truppen zur Verfügung gestellt hatten, ihre Kontingente in Mali.

Innerhalb eines Jahres wurden alle Städte, deren Kontrolle die malischen Streitkräfte verloren hatten, von den Soldaten der Operation Serval zurückerobert. Anfang 2014 erklärte der französische Präsident, die Ziele des Militäreinsatzes seien größtenteils erfolgreich umgesetzt worden.

2014 endete im Wesentlichen der konventionelle Konflikt um die Unabhängigkeit des Azawad. Das Wesen des Konfliktes wurde zu einem Gemisch aus: