mini|Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann der USA bei den Ruder-Weltmeisterschaften 2003 Ein Leichtgewicht im Rudern (auch Leichtgewichtsruderer, Abkürzungen „L“, „LG“, „Lgw.“ oder „Lwt.“ von light weight) ist ein Sportler, der bei einer Regatta an einem Rennen der Leichtgewichtsklasse teilnimmt. Die Leichtgewichtsklasse wird durch altersklassenabhängige Obergrenzen für das Körpergewicht der Ruderer und eine Grenze für das Mannschaftsschnittgewicht definiert.

Die Leichtgewichtsklasse ist die einzige beschränkte Gewichtsklasse im Rudersport. Daneben existiert einzig die offene Klasse, deren Teilnehmer gelegentlich auch als „Schwergewichte“ bezeichnet werden. Gewichtsklassen sind ansonsten nur im Kampfsport und in der Schwerathletik üblich.

Unterschiede zu Ruderern der offenen Gewichtsklasse In der Kraftausdauer-Sportart Rudern korreliert die vom Ruderer erbrachte physikalische Leistung mit seinen biometrischen Merkmalen Körpergröße, Körpergewicht und Körperbautyp. Die physikalische Leistungsfähigkeit hat bei anaerober Belastung der Muskulatur einen positiven Einfluss auf die Bootsgeschwindigkeit. In der offenen Gewichtsklasse sind deshalb männliche Ruderer etwa 190 cm bis 200 cm groß und wiegen 90 kg bis 100 kg, weibliche Ruderinnen messen 175 cm bis 185 cm bzw. 70 kg bis 80 kg. Die „Idealmaße“ hinsichtlich der Körperhöhe erreichen selbst in Deutschland und der westlichen Welt weniger als 10 % der Bevölkerung. In anderen Teilen der Welt ist die mittlere Körperhöhe geringer und die Menge der für das Rennrudern in der offenen Klasse körperlich geeigneten Personen entsprechend kleiner. Leichtgewichtsruderer messen etwa 178 cm bis 186 cm bei rund 72,5 kg (Männer) bzw. etwa 164 cm bis 174 cm bei rund 58,5 kg (Frauen). Der Körperbautyp ist geschlechtsunabhängig meist meso- oder ektomorph, während Ruderer der offenen Gewichtsklasse häufiger auch einen endomorphen Typ aufweisen.

Der Weltruderverband (FISA) hat dies Anfang der 1970er Jahre erkannt und die Leichtgewichtsklasse mit einer Gewichtsbegrenzung für Männer bei den damals noch jungen Ruder-Weltmeisterschaften 1974 eingeführt; Leichtgewichtsrennen für Frauen folgten 1985 und seit 1996 werden drei Leichtgewichts-Bootsklassen bei der olympischen Regatta ausgefahren. Dadurch wurde der Ruderleistungssport für einen viel größeren Personenkreis und neue Länder geöffnet, nachdem das Leichtgewichtsrudern bereits viele Jahrzehnte ein Schattendasein führte und kaum ernst genommen wurde.

Die körperliche Homogenität unter Leichtgewichtsruderern durch die Gewichtsgrenze hat einige Folgen. Eine gute Rudertechnik spielt in der beschränkten Klasse eine erheblich größere Rolle für den sportlichen Erfolg als bei den Ruderern der offenen Gewichtsklasse. Außerdem sind Rennen der Leichtgewichtsklasse dafür bekannt, häufig mit engen Zieleinläufen zu enden.

Im Vergleich zu Ruderern der unbeschränkten Gewichtsklasse sind Leichtgewichte auf der olympischen Wettkampfstrecke von 2000 Metern um rund 2 % bis 6 % langsamer, wenn als Referenz die Weltbestzeiten aller Bootsklassen miteinander verglichen werden. Der Unterschied kann bei ungünstigen Bedingungen wie Gegenwind größer sein, da dann die körperliche Leistungsfähigkeit eine größere Rolle spielt. Über Langstreckendistanzen von beispielsweise 6 Kilometern verschwindet der Unterschied zwischen den Gewichtsklassen, weil die Muskulatur dabei größtenteils unterhalb der aeroben Schwelle arbeitet und der Leistungsvorteil durch ein höheres Körpergewicht deshalb geringer ist. Eine höhere physische Leistung wird daher näherungsweise komplett über stärkere Reibung des Bootsrumpfes im Wasser dissipiert und nicht in eine höhere Geschwindigkeit umgesetzt. Bei Langstreckenrennen kann dies bei vergleichbaren Bedingungen regelmäßig beobachtet werden.

Wettkämpfe Internationales Leichtgewichtsrudern mini|hochkant|Der Däne Eskild Ebbesen ist mit drei olympischen Gold- und zwei Bronzemedaillen der erfolgreichste Leichtgewichtsruderer. Auf internationaler Ebene werden bei der olympischen Regatta (seit 1996), bei Ruder-Weltmeisterschaften, Ruder-Europameisterschaften und den Vorbereitungsregatten des Ruder-Weltcups Rennen für Leichtgewichte ausgetragen. Da die olympische Regatta der nominell anspruchsvollste Wettkampf im internationalen Rudersport darstellt, sind die olympischen Leichtgewichts-Bootsklassen meist auch mit den besten Leichtgewichtsruderern besetzt. Das sind im Speziellen: der Leichtgewichts-Doppelzweier der Frauen (LW2x) der Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer (LM2x) Der Wettbewerb im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann der Männer (LM4-) wurde von 1996 bis 2016 ebenfalls bei den Olympischen Spielen ausgetragen, danach aber auf Drängen des Internationalen Olympischen Komitees aus dem Programm genommen. Demnach können ab 2020 maximal je zwei Frauen und zwei Männer je Nation im Leichtgewichtsrudern an der olympischen Regatta teilnehmen. In der offenen Gewichtsklasse sind erheblich mehr Bootsplätze vorhanden (im Falle einer Qualifikation aller Bootsklassen je 22 Frauen und Männer, jeweils inklusive eines Steuermannes).

Bei den jährlichen Ruder-Weltmeisterschaften werden seit 1974 für Männer und seit 1985 auch für Frauen Leichtgewichts-Bootsklassen ausgetragen. Zusätzlich zu den olympischen Bootsklassen sind dies Leichtgewichtsbereich: der Leichtgewichts-Einer der Frauen (LW1x) der Leichtgewichts-Einer der Männer (LM1x) der Leichtgewichts-Doppelvierer der Frauen (LW4x) der Leichtgewichts-Doppelvierer der Männer (LM4x) der Leichtgewichts-Zweier ohne Steuermann der Frauen (LW2-) der Leichtgewichts-Zweier ohne Steuermann der Männer (LM2-) In der Vergangenheit wurden auch zunächst der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann der Frauen (LW4-) und später der Leichtgewichts-Zweier ohne Steuermann der Frauen (LW2-) bei Ruder-Weltmeisterschaften ausgetragen. Aufgrund geringer Meldezahlen wurden die Riemen-Bootsklassen der leichten Frauen allerdings nach 2003 aus dem Programm gestrichen. Der Leichtgewichts-Achter der Frauen (LW8+) war nie im Programm der Ruder-Weltmeisterschaften, während der Leichtgewichts-Achter der Männer von 1974 bis 2015 ausgetragen wurde. Der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann (LM4-) wurde nach der Streichung aus dem olympischen Programm nach 2017 auch nicht mehr bei Weltmeisterschaften gerudert.

Bei den frühen Ruder-Europameisterschaften von 1893 bis zur zeitweisen Einstellung nach der Austragung im Jahr 1973 wurden keine Bootsklassen für Leichtgewichte ausgefahren. Seit der Wiederbelebung der Europameisterschaften im Jahr 2007 sind die olympischen Leichtgewichts-Bootsklassen im Programm.

Nationales Leichtgewichtsrudern Auf nationaler Ebene findet in vielen Ländern Leichtgewichtsrudern in der Senioren-Altersklasse statt (ab 19 Jahre). Dabei stehen im Wesentlichen die auch international ausgefahrenen Bootsklassen im Fokus.

Deutschland Das Leichtgewichtsrudern hat in Deutschland eine frühe historische Verankerung. In der Chronik des Rudersports in Deutschland des Deutschen Ruderverbandes wird für das Jahr 1925 die Einführung von Leichtgewichtsrennen dokumentiert. In demselben Jahr übertrug der Rundfunk am 12. Juli 1925 ein Ruderrennen auf dem Dortmund‑Ems‑Kanal in Münster, womit sowohl der Rudersport als auch neu eingeführte Wettbewerbsformen eine breite öffentliche Wahrnehmung erfuhren. Die Aufnahme von Leichtgewichtsrennen ist damit bereits in der frühen Phase des organisierten Rudersports in Deutschland belegt und Bestandteil seiner strukturellen Entwicklung gewesen, nicht Ergebnis späterer sportpolitischer Entscheidungen.

Vereinigten Staaten von Amerika Das Leichtgewichtsrudern entwickelte sich in den Vereinigten Staaten früh als eigenständige Form des Hochschulruderns. Als Ausgangspunkt gilt das Jahr 1917, als Joseph Wright, neu berufener Rudertrainer an der University of Pennsylvania, erstmals gezielt eine Mannschaft für Ruderer mit einem Körpergewicht von höchstens 160 Pfund (ca. 72,6 kg) organisierte. Diese formale Trennung von offenen und leichten Mannschaften wird in der sporthistorischen Literatur als früheste belegte Einführung einer Leichtgewichtskategorie im US-Rudersport und als Beginn des Leichtgewichtsruderns als eigenständiger Tätigkeit in den Vereinigten Staaten gewertet.

Das erste eindeutig dokumentierte Leichtgewichts‑Ruderereignis mit Regattacharakter fand am 20. Mai 1922 statt. Dabei handelte es sich um ein Hochschulrennen zwischen Harvard, Yale und Princeton, das von Princeton gewonnen wurde, während Yale den zweiten Platz belegte. Diese Veranstaltung wird in mehreren institutionellen und historischen Darstellungen als erste bedeutende (Universitatetsvergleich) Leichtgewichtsregatta in den USA beschrieben, da sie eine organisierte Mehrboot‑Konkurrenz zwischen unabhängigen Universitäten darstellte und über den Charakter eines einzelnen Schaurennens hinausging.

England

In England entwickelte sich das Leichtgewichtsrudern schrittweise aus dem traditionellen Universitätsrudern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Erste universitäre Leichtgewichtsrennen sind für diesen Zeitraum belegt, wobei insbesondere die Universitäten Oxford und Cambridge in den 1920er‑ und 1930er‑Jahren eigene Leichtgewichtsformationen einführten. Als frühestes klar dokumentiertes Wettbewerbsformat gilt das Jahr 1922, in dem erstmals ein offizielles Leichtgewichts‑Boat‑Race zwischen Oxford und Cambridge ausgetragen wurde. Ein Jahr später, 1923, wurden bei der Henley Royal Regatta erstmals eigenständige Leichtgewichtsrennen in das Regattaprogramm aufgenommen. Diese Ereignisse markieren die früheste nachweisbare Institutionalisierung des Leichtgewichtsruderns in England. Da sich entsprechende Rennen aus bestehenden Universitäts‑ und Regattastrukturen entwickelten, lässt sich kein einzelnes, isoliertes „erstes“ Leichtgewichtsrennen benennen; vielmehr entstanden mit dem Leichtgewichts‑Boat‑Race von 1922 und den Henley‑Wettbewerben von 1923 die ersten dauerhaft etablierten Leichtgewichtswettkämpfe des Landes.

Olympische Spiele Das Leichtgewichtsrudern war von 1996 bis 2024 Bestandteil des olympischen Programms. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschloss im Oktober 2023, die Leichtgewichts-Disziplinen ab den Spielen 2028 in Los Angeles zu streichen und durch das Format Coastal Rowing zu ersetzen.Coastal Rowing ist olympisch In: rudern.de

Gewichtsgrenzen und Wiegen Die Gewichtsgrenzen werden international vom Weltruderverband im „FISA Rule Book“ nur für Senioren (Ruderer ab 19 Jahre) festgelegt, da auf dieser Ebene keine Leichtgewichtsrennen für Junioren oder Kinder veranstaltet werden. Für diese Altersklassen sind die Gewichtsobergrenzen von den nationalen Ruderverbänden festgelegt. Der Deutsche Ruderverband legt in seinen „Ruderwettkampf-Regeln“ sowie den „Bestimmungen für die Durchführung von Jungen und Mädchen-Wettbewerben“ folgende Gewichtsklassen fest, wobei die Grenzen für Senioren dem internationalen Standard entsprechen: Altersklasse männlich weiblich Mannschaftsschnitt indiv. Einzelgewicht Mannschaftsschnitt indiv. Einzelgewicht Kinder 12 Jahre 45,0 kg Kinder 13 Jahre 50,0 kg Kinder 14 Jahre 55,0 kg 52,5 kg Junioren B (U-17) 62,5 kg 65,0 kg 52,5 kg 55,0 kg Junioren A (U-19) 65,0 kg 67,5 kg 55,0 kg 57,5 kg Senioren B (U-23) Senioren A (offene Altersklasse) Masters (ab 27 Jahre) 70,0 kg 72,5 kg 57,0 kg 59,0 kg