miniatur|300px|Lage der Walachei in Rumänien (orange); Kleine Walachei (Oltenia) und Große Walachei (Muntenia). Die Geschichte der Walachei als eigenständiges Staatsgebilde begann de facto im frühen 14. Jahrhundert, als im November des Jahres 1330 Basarab I. (1310–1352) in der Schlacht bei Posada die von König Karl I. Robert angeführten Ungarn besiegte und so seine Unabhängigkeit gegenüber der ungarischen Krone durchsetzen konnte. Die Entstehung der Walachei als Woiwodschaft war möglich geworden durch das Machtvakuum angesichts der Schwäche der diesen Raum kontrollierenden Mächte. Dank einer geschickten Schaukelpolitik und wechselnden Koalitionen zwischen den Tataren, Ungarn und den bulgarischen Herrschern konnten die lokalen Anführer ihren Handlungsspielraum ausweiten und schließlich einen eigenen Herrschaftsverband etablieren. Zu Beginn des 15. und Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich schrittweise die osmanische Oberhoheit durch, deren definitive Ausgestaltung um die Mitte des 16. Jahrhunderts stattfand und in der Phanariotenzeit Anfang des 18. Jahrhunderts kulminierte. Der wachsende Machtverfall der Hohen Pforte führte dazu, dass Russland zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Anspruch erhob, als Schutzmacht über die Geschicke der Walachei mitzubestimmen.daniel-ursprung.ch (PDF; 2,5 MB), Daniel Ursprung: Die Walachei als historische Region — Schnittstelle europäischer Verflechtungen an der Peripherie. In: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Razvan Ungureanu (Hg.): Rumänien. Raum und Bevölkerung. Geschichte und Geschichtsbilder. Kultur. Gesellschaft und Politik heute. Wirtschaft. Recht und Verfassung. Historische Regionen. LIT Verlag, Wien / Berlin 2006. SS. 806–824. Die Walachei bestand über ein halbes Jahrtausend als relativ klar fassbare politisch-administrative Einheit, als Herrschaftsverband unter wechselnder Oberhoheit und mit größtenteils stabilen Grenzen bis zum Jahr 1859, als durch die doppelte Wahl von Alexandru Ioan Cuza die Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau vollzogen und somit die Grundlagen des modernen rumänischen Staates gelegt wurden.

Etymologie Dem von dem Königreich Ungarn schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verwendeten Ausdruck der Terra Transalpina (wörtlich ‚Land jenseits der (transsilvanischen) Alpen‘, ähnlich wie veraltet ungarisch Havaselve ‚Land jenseits der Berge‘) entspricht die rumänische Bezeichnung Muntenia (wörtl. ‚Bergland‘) eine in der Moldau entstandene Bezeichnung für die Walachei. Diese Bezeichnungen beziehen sich im engeren Sinne nur auf den östlich des Olt gelegenen Teil der Walachei, die Große Walachei. Das Gebiet westlich des Olt, die Kleine Walachei, wurde auch nach der Integration in den walachischen Herrschaftsverband weiterhin als Banat von Severin bezeichnet. Der Begriff Oltenien für die Kleine Walachei ist eine auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückgehende Neuschöpfung. Lange Zeit wurde unter diesem Begriff das Gebiet des Fogarascher Distriktes in Siebenbürgen verstanden. Als zusammenfassende Bezeichnung für die Walachei, die beide Gebiete, östlich wie westlich des Olt, umfasste, etablierte das ökumenische Patriarchat um die Mitte des 14. Jahrhunderts als Kanzleibegriff die Bezeichnung Ungrovlachia. Der Name Vlachia wurde um die Referenz auf das benachbarte und den Anspruch auf Lehenshoheit erhebende Ungarn ergänzt, um die Walachei nördlich der Donau von einer ganzen Reihe weiterer unter dem Namen Vlachia bekannter Gebiete in Südosteuropa zu unterscheiden. In der kirchenslawischen Kanzleisprache der Walachei erscheint der Landesname schließlich ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts analog als Zemlja Ungrovlachiskaja ‚ungrovlachisches Land‘, ab dem 16. Jahrhundert in rumänischer Sprache als Tara Romäneascä ‚rumänisches Land‘. Vereinzelt wurde die Walachei in Anlehnung an ihren ersten Herrscher und Gründer der Dynastie im 14. und 15. Jahrhundert auch als Terra Bazarab bezeichnet, nicht zu verwechseln mit Bessarabien. Gelegentlich wurde ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in den Quellen auch Maior Vlachia (Walachei) von Minor Vlachia (Moldau), nicht zu verwechseln mit der Kleinen Walachei, unterschieden.

Frühgeschichte miniatur|Römische Provinz Dakien im 1. Jh. Spuren menschlichen Lebens sind schon für das Paläolithikum auf dem Territorium der Walachei nachweisbar. Im 1. Jahrhundert v. Chr. stand das Gebiet für kurze Zeit unter der Herrschaft des dakischen Königs Burebista. Seit dem Jahre 106 n. Chr. gehörte der westliche Teil der Walachei im Rahmen der römischen Provinz Dakien für 165 Jahre zum römischen Reich. Die römische Herrschaft östlich des Olt in der Großen Walachei dauerte bis ins Jahr 118 n. Chr. und war zusammen mit einem Teil der Kleinen Walachei der Provinz Moesia inferior (Niedermösien) angegliedert. Nach der Aufgabe der Provinzen nördlich der unteren Donau und dem Rückzug der römischen Verwaltung im Jahre 271 n. Chr. begann eine über ein Jahrtausend währende Zeit, aus der nur äußerst spärliche und wenig zuverlässige Informationen zur Geschichte der Walachei verfügbar sind.

Völkerwanderung miniatur|links|Reich der Gepiden im 6. Jahrhundert Die Walachei, insbesondere ihr östlicher Teil als Ausläufer der Steppengebiete nördlich des Schwarzen Meeres, wurde zur Zeit der Völkerwanderung zu einem Durchzugsgebiet diverser Stammesverbände, welche diese Region als Einfallstor und Ausgangsbasis für ihre Kriegs- und Beutezüge ins byzantinische Reich südlich der Donau oder als Durchgangsstation vor dem Weiterzug nach Siebenbürgen und Pannonien nutzten. Im 3. und 4. Jahrhundert etablierten sich in der östlichen Walachei die Goten. In den Quellen tauchen die Bezeichnungen Gutthiuda oder Gothia für das Gebiet der Walachei auf. Danach folgten die Hunnen im 4. und 5. Jahrhundert, die Gepiden westlich des Olt im 5. und 6. Jahrhundert, als das Gebiet der Walachei unter dem Namen Gepidia in den Quellen erscheint und die Awaren in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Seit der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts ließen sich in mehreren Wellen Slawen in der Walachei nieder, ihr erster namentlich bekannter Anführer war ein ab etwa 578 in den Quellen meist Daurentios genannter Mann, dem womöglich ein Ältestenrat zur Seite stand.

Das Erste Bulgarische Reich dehnte seine Herrschaft im 8. oder frühen 9. Jahrhundert auch nach Norden in die Walachei aus. Danach übten die Steppenvölker der Petschenegen und Kumanen vom 10. bis zum 11. Jahrhundert die Herrschaft über die Walachei aus, bis sie schließlich im 13. und 14. Jahrhundert im Rahmen der Goldenen Horde unter die Herrschaft der Tataren geriet. Während der ganzen Zeit kam es jedoch zu keiner territorial organisierten Reichsbildung mit Landesausbau, vielmehr ist von einer vermutlich sehr dünnen, nach dem 6. Jahrhundert stark slawisch geprägten sesshaften, Ackerbau und Viehzucht treibenden und nur lokal organisierten, Bevölkerung auszugehen, die den wechselnden Oberherrschaften nomadischer Steppenvölker tributpflichtig war. Walachen oder Vlahen waren zwischen Donau und Südkarpaten nach einigen Belegen seit der Mitte des 11. Jahrhunderts, schriftlich erst ab dem frühen 13. Jahrhundert mit Sicherheit belegt.

Mittelalter miniatur|Die Walachei im Mittelalter miniatur|Walachei, dargestellt in der Nürnberger Chronik (1493)

Nach der vollständigen Eingliederung Siebenbürgens ins ungarische Königreich im 12. Jahrhundert griff dieses über die Karpaten hinaus, um Handelswege zu erschließen und Grenzmarken gegen das bulgarische Reich sowie die Kumanen, die über das Gebiet der späteren Moldau und der östlichen Walachei – in zeitgenössischen Quellen Cumania genannt – herrschten, einzurichten.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erkannten die Kumanen die ungarische Oberhoheit an und um 1227 wurde ein katholisches Bistum in Milcovul in der Gegend der heutigen Stadt Focșani errichtet. Der kumanische Herrschaftsbereich reichte im Westen bis zum Fluss Olt., Barbarii cumani, strămoșii noștri?

Westlich des Olt am Durchbruch der Donau durch die Karpaten am Eisernen Tor im äußersten Westen der Walachei hatte die ungarische Krone um die gleiche Zeit eine Grenzmark, das sogenannte Banat von Severin eingerichtet, das bis in die Walachei reichte. Durch den Einfall der Mongolen bzw. Tataren im Jahr 1241 wurde der ungarische Einfluss in der Walachei stark eingeschränkt, das Gebiet geriet in der Folge unter die Vorherrschaft des tatarischen Herrschaftsverbandes der Goldenen Horde. Beidseits des Olt im Karpatenvorland wurden um die Mitte des 13. Jahrhunderts kleinräumige walachische Herrschaftsdistrikte unter formeller ungarischer Oberhoheit erwähnt. Nach dem Tode des Khans Nogai 1299 war die Macht der Goldenen Horde an der unteren Donau stark geschwächt. So konnte sich aus lokalen Formationen, auf die Ungarn nominell nach wie vor Anspruch erhob, die aber noch unter Oberhoheit der Goldenen Horde standen, ein Herrschaftsverband verselbständigen, was letztendlich zur Gründung des Fürstentums Walachei führte.

Fürstentum Walachei

miniatur|Die Walachei und die verbündete Dobrudscha um 1390 miniatur|hochkant|Basarab I.

Gründung Spätestens in den 1320er Jahren hatte sich in der Walachei mit Zentrum im Karpatenvorland und der Residenz in Argeș, zeitweise auch in Câmpulung, aus dem Zusammenschluss diverser Territorien ein eigener Herrschaftsverband gebildet. In der Schlacht bei Posada im November des Jahres 1330 gelang es Basarab I. (1310–1352) die von König Karl I. Robert angeführten Ungarn zu schlagen und seine Unabhängigkeit gegenüber den ungarischen Königen durchzusetzen. Er gründete die erste Landesdynastie in der Walachei, die Terra Basarab. Basarab I. gilt als Gründer der Walachei.

Sein Sohn Alexandru I. (1352–1364) orientierte das Land endgültig zum orthodoxen Glauben und gründete die Metropolie von Argeș. Mit der Gründung der Klöster Tismana, Cozia, Curtea de Argeș begann ab 1359 der Aufbau einer orthodoxen Kirchenorganisation.books.google.de, Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen, Konrad Clewing: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, Südost-Institut München

In den Jahrzehnten nach 1330 wurde das gesamte Gebiet zwischen Unterlauf der Donau und Südkarpaten erobert und unter Kontrolle gebracht.

Verwaltung miniatur|Einteilung in Județe im 14.–16. Jahrhundert miniatur|hochkant|Wappen der Walachei miniatur|hochkant|Wappen der Walachei Die Herrscher dieses Landes trugen den Titel eines Woiwoden, einen aus dem Slawischen stammenden Begriff, der ursprünglich Heerführer bedeutete, im Königreich Ungarn aber auch einen königlichen Stellvertreter bezeichnete. Die Nachfolgeregelung basierte ursprünglich auf einem gemischten Erbwahlrecht, wobei alle männlichen Angehörigen des Woiwodengeschlechtes wählbar waren. Den Woiwoden standen die Bojaren als Aristokratie zur Seite. Die Kriterien der Zugehörigkeit zum Bojarentum waren nicht genau geregelt, neben Abstammung von einem Bojarengeschlecht und Landbesitz spielte spätestens ab dem 17. Jahrhundert die Ausübung von Hofämtern die entscheidende Rolle.

Die administrative Verwaltungseinheit waren in der Walachei die Kreise, (), deren Namen vereinzelt bereits ab dem Ende des 14. Jahrhunderts, vor allem aber im Verlauf des 15. Jahrhunderts erschienen. Die Județe bildeten sich meist entlang von Flusstälern, von denen sie in der Regel auch den Namen übernahmen, ein Hinweis darauf, dass sie vermutlich aus dem Zusammenschluss von Talschaften und nicht als Burgbezirke entstanden sind.

Die Kleine Walachei behielt auch nach ihrer Eingliederung in den walachischen Herrschaftsverband eine Sonderstellung unter einem Funktionsträger mit dem Titel eines Ban, in der Tradition des Banats von Severin. Diesem kamen als höchstem Würdenträger nach dem Woiwoden und als dessen Stellvertreter in der Kleinen Walachei mit einem eigenen Hof weitgehende administrative, richterliche und militärische Kompetenzen zu, so etwa die Blutgerichtsbarkeit.