Die EUTM Mali () war von 2013 bis 2024 eine multinationale Ausbildungsmission der Europäischen Union (EU). Das Hauptquartier befand sich bis 2022 in Malis Hauptstadt Bamako und danach im Niger. Ziel war es, die malischen Streitkräfte Forces Armées et de Sécurité du Mali (FAMa) mit der geleisteten militärischen Grundlagenausbildung und Beratung dazu zu befähigen, gegen islamistische Milizen in der Region vorzugehen. Heute ist die Aufgabe der Mission, die Streitkräfte anderer afrikanischer Staaten, zu befähigen (vgl. unten). Die EUTM Mali wurde selbst nicht in Kampfhandlungen einbezogen. Parallel zu dieser militärischen Ausbildungsmission betrieb die EU die zivile Mission EUCAP Sahel Mali.

Daneben bestanden in Mali noch die UN-Friedensmission MINUSMA, die Mission MISAHEL der Afrikanischen Union und die französische Opération Barkhane.

Auftrag EUTM Mali leistete einen Beitrag zur Verbesserung der Kapazität der malischen Streit- und Sicherheitskräfte unter der vollen Kontrolle der malischen politischen Autoritäten im Hinblick auf:

Konsolidierung der operativen und strategischen Verbesserungen der FAMa, die mit Unterstützung von EUTM Mali erzielt wurden; Beitrag zur politischen und sicherheitspolitischen Stabilisierung Malis durch technische Unterstützung bei der Umsetzung des Friedensabkommens; Unterstützung der Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle, der Rechtsstaatlichkeit und der Ordnung auf dem gesamten Gebiet Malis; Unterstützung der G5 Sahel durch die Operationalisierung der G5 Sahel Joint Force durch Beratung und Schulungsunterstützung.

Geschichte Als Reaktion auf den Konflikt in Nordmali berieten am 15. Oktober 2012 die EU-Außenminister über Planungen zur Unterstützung und Ausbildung der malischen Sicherheitskräfte.

Am 10. Dezember 2012 hat der Rat der Europäischen Union das Krisenmanagementkonzept für eine GSVP-Ausbildungsmission in Mali gebilligt. Dabei soll die territoriale Integrität und die demokratischen Ordnung des westafrikanischen Staates unterstützt werden. Der Einsatz unter ziviler Aufsicht erfolgt auf Grundlage der Bitte der malischen Regierung und im Rahmen der Resolution 2071 des UN-Sicherheitsrates.Resolution 2071, auf unscr.com

Nach dem Vorstoß islamistischer Terrorgruppen (MUJAO, AQMI und Ansar Dine) im Dezember 2012 und Januar 2013 ins Zentrum Malis griff Frankreich mit der Opération Serval am 11. Januar 2013 militärisch gegen die Separatisten ein. International wuchs die Unterstützung und auch der bereits geplante Einsatz der African-led International Support Mission to Mali (AFISMA) wurde beschleunigt.

In einer Sondersitzung der EU-Außenminister am 17. Januar 2013 in Brüssel – an der auch der malische Außenminister Hubert Coulibaly teilnahm – wurde offiziell der Beginn der Ausbildungsmission für die malische Armee beschlossen. Die gemeinsamen Kosten der Operation wurden auf 12,3 Mio. Euro für ein Mandat von 15 Monaten veranschlagt.

Die Ausbildungsmission war zunächst auf den vergleichsweise ruhigen Süden beschränkt. Seit April 2016 gilt für die europäischen Ausbilder die Nordschleife des Nigers als Nordgrenze. Gefechtsbeteiligung bleibt – auch in Form von „Tactical Monitoring“ – weiterhin ausgeschlossen.

Am 14. Mai 2018 beschloss der Rat der Europäischen Union zur Verstärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Sahelzone die Regionalisierung ihrer GSVP-Missionen EUCAP Sahel Mali, EUCAP Sahel Niger und EUTM Mali. Der regionalen Koordinierungszelle sollen auch Experten für innere Sicherheit und Verteidigung der G5 Sahel-Staaten angehören. Bis zum 18. Mai 2020 wurden 59,7 Millionen Euro gemeinschaftlich zur Verfügung gestellt.

Mitte September 2021 wurde bekannt, dass Mali beabsichtige, seine Sicherheitskräfte durch die russische Söldnergruppe Wagner ausbilden zu lassen. Daraufhin stellten mehrere beteiligte Staaten die Mission als solche und ihre Teilnahme im Speziellen infrage (vgl. unten).

Aussetzung und Verlegung der Mission Am 11. April 2022, etwa 1½ Monate nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, stoppte die EU die Ausbildungsmission, weil die malische Übergangsregierung keine Garantien gegeben habe, nicht mit der Söldnergruppe Wagner zusammenzuarbeiten. Die eingesetzten Soldaten der EUTM Mali blieben nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell jedoch in Mali, um Sicherheitskräfte strategisch zu beraten und um ihnen die Regeln der Kriegsführung beizubringen. Später wurde die Mission in das Nachbarland Niger verlegt, um das dortige Militär auszubilden.

Missionsende Das 5. Mandat der Europäischen Union für die Mission war bis zum 18. Mai 2024 datiert. Eine weitere Verlängerung fand nicht statt.

Zwischenfälle und Verluste Am 21. März 2016 wurde das Hauptquartier in Bamako von drei mit Sturmgewehren bewaffneten Angreifern attackiert. Ein Angreifer wurde während des Feuergefechtes getötet, die beiden anderen Tage später von der malischen Polizei verhaftet. Missionsangehörige oder unbeteiligte Zivilisten wurden hierbei nicht verletzt.

Am 18. Mai 2017 waren mehrere Missionsangehörige von einem Anschlag auf die Ferienanlage „Le Campement“ bei Bamako betroffen. Dabei wurde der portugiesische Sargento-Ajudante Fernando Benido bei dem Feuergefecht zwischen den Angreifern und Soldaten der Missionen EUTM und Barkhane tödlich getroffen. Der spanische Infante de Marine Antonio Carrero verstarb bei einem Unfall auf dem Kraftfahrzeugmarsch zur Anschlagsstelle.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2019 wurde das Training Center an der malischen Offizierschule in Koulikoro von mehreren Angreifern mit Handfeuerwaffen sowie zwei als Sprengsätzen präparierten Autos angegriffen. Der Angriff wurde von malischen und spanischen Sicherungskräften abgewehrt. Hierbei wurden drei malische Soldaten, die den Zugang bewachten, verletzt. Missionsangehörige kamen nicht zu Schaden.

Ausbildung / Schulung für malische Sicherheitskräfte Bisher haben ca. 15.000 malische Sicherheitskräfte an nachstehenden Ausbildungen / Schulungen im Koulikoro Training Centre teilgenommen:

8 gemischte Kampftruppen-Bataillone GTIA (Groupement Tactique Interarmées) ausgebildet; 5 gemischte Kampftruppen-Bataillone GTIA weitergebildet / erneut trainiert; 7 gemischte Kampftruppen-Kompanien ETIA (Elément Tactique Interarmées) ausgebildet; 9 Kurse für Kompaniechefs der FAMa durchgeführt; 4 Kurse für Kompaniechefs der Nationalgarde durchgeführt; 33 Kurse für Ausbilder der malischen Sicherheitskräfte (train the trainers / instructor course).

22 mobile Ausbildungen wurden an anderen Standorten durchgeführt; darunter neben den Einheitsaus- und -weiterbildungen auch Sonderlehrgänge beispielsweise für Scharfschützen oder Fliegerleitoffiziere. Die vermittelten Ausbildungsinhalte umfassen auch immer Fragen der Menschenrechte und der Umgang mit Kriegsgefangenen.

Ausbildung / Schulung für G5 Sahel Weiterhin wurden nachstehende Schulungen für die G5 Sahel durchgeführt: 3 Kurse für G5 Sahel Verbindungsoffiziere; 3 Kurse für G5 Sahel Stabsoffiziere; 2 Einsatzvorbereitende Ausbildungen für Angehörige der G5 Sahel.

Organisation (ab 2022 teilweise überholt vgl. Einleitung) Der Missionskommandeur (Mission Force Commander – MFCdr) kommandiert über das Missionhauptquartier eine Beratereinheit in Bamako, eine Ausbildungs- und Trainingseinheit in Koulikoro sowie die an beiden Standorten vorhandenen Sicherungskräfte und die Sanitätseinrichtungen. In naher Zukunft sollen auch am G5 Sahel Missionshauptquartier in Sévaré Angehörige der EUTM Mali eingesetzt werden.

Kommandeure Land Dienstgrad Name von bis Brigadegeneral François Lecointre Brigadegeneral Bruno Guibert Brigadegeneral Marc André Rudkiewicz Brigadegeneral Alfonso García-Vaquero Pradal Brigadegeneral Franz Xaver Pfrengle Brigadegeneral Werner Albl Brigadegeneral Eric Harvent Dez. 2016BrigadegeneralPeter DevogelaereDez. 2016Juli 2017BrigadegeneralBart LaurentJuli 2017Jan. 2018BrigadegeneralEnrique Millán MartínezJan. 2018Nov. 2018BrigadegeneralPeter MirowNov. 2018Jun. 2019BrigadierChristian HabersatterJun. 2019Dez. 2019BrigadegeneralJoão Pedro Boga RibeiroDez. 2019Jun. 2020BrigadegeneralFrantišek RidzákJun. 2020Jan. 2021BrigadegeneralFernando Luis Gracia HerreizJan. 2021Juli 2021BrigadegeneralJochen DeuerJuli 2021Dez. 2021BrigadierChristian Rienerhttps://www.bundesheer.at/cms/artikel.php?ID=11460 Österreich übergibt Kommando der EU-Ausbildungsmission in Mali, abgerufen am 18. Juli 2022Dez. 2021Juni 2022BrigadegeneralRadek Hasalahttps://eutmmali.eu/change-of-command-at-the-european-training-mission-in-mali-2-2-2/ CHANGE OF COMMAND AT THE EUROPEAN TRAINING MISSION IN MALI, abgerufen am 18. Juli 2022Jun. 2022Dez. 2022BrigadegeneralSantiago Ortiz-RepisoDez. 2022Mai 2024

Missions-Hauptquartier (Mission Field Headquarters – MFHQ) Das in Bamako im Azalaï Hotel Nord-Sud angesiedelte Hauptquartier war die wichtigste Komponente des MFCdr. Die Angehörigen des MFHQ berieten den MFCdr bei der Führung der Mission und koordinieren die Aktivitäten der anderen Einheiten. Es bestand, wie die meisten höheren militärischen Führungskommandos aus unterschiedlichen Führungsgrundgebieten (FGG):

FGG 1 (J1) behandelt alle in der Mission anfallenden Personalangelegenheiten. In diesem FGG sind auch die für die Pressearbeit verantwortlichen Soldaten angesiedelt.

FGG 2 (J2) beschäftigt sich klassisch mit „Feindkräften“; im Falle von EUTM Mali verantwortet dieses FGG neben der Auswertung der Situation in Nord- und Zentralmali auch die Auswertung der Sicherheitslage an den Ausbildungsstandorten. Auch überprüfen die Soldaten dieses FGG die Lehrgangsteilnehmer auf mögliche Verbindungen zu separatistischen und/oder islamistischen Kräften.

FGG 3 (J3) „führt“ die Mission. Hier werden die direkt anstehenden Trainings koordiniert sowie einzelnen unterstellten Einheiten geführt. In diesem FGG ist auch die Operationszentrale angesiedelt, in der auch Vertreter aller anderen FGG sitzen.

FGG 4 (J4) ist verantwortlich für das Material, darunter Fahrzeuge, Betriebsstoffe, Waffen, Munition. Innerhalb dieses FGG werden auch die von Mali zur Verfügung stehenden Liegenschaften verwaltet.

FGG 5 (J5) ist verantwortlich für die langfristige Planung. Hier werden in Zukunft anstehende Ausbildungen geplant, aber auch missionsinterne Übungen wie beispielsweise Evakuierung von Liegenschaften oder MedEvac. Zur Durchführung wird die abgeschlossene Planung an das FGG 3 abgegeben.

FGG 6 (J6) ist verantwortlich für Kommunikation, elektronische Datenverarbeitung und -übertragung. Dies reicht von der Ausgabe von Handfunkgeräten über das Einrichten und Betreiben von Local Area Networks bis zum Betreiben von Satellitenkommunikationsanlagen für die Kommunikation mit Brüssel.

FGG 7 (J7) betreibt den Lessons Identified / Lessons Learned - Prozess und stellt eine gesamtheitliche Betrachtung der Missionstätigkeit sicher.

FGG 8 (J8) verwaltet das Finanzwesen der EUTM gemäß den Bestimmungen des European Peace Facility - Mechanismus (früher „ATHENA“-Mechanismus).

Weiterhin stehen dem MFCdr weitere einzelne Berater zur Seite, unter anderem

ein Rechtsberater (Legal Adviser – LegAd), ein Sanitätsoffizier (immer ein Arzt, meist ein Tropenmediziner), ein politischer Berater (Political Adviser – PolAd) oder auch ein Psychologe.

Ausbildung- und Trainingseinheit (Education and Training Task Force – ETTF) Diese Einheit, die im Koulikoro Training Center (KTC) an der malischen Offizierschule (École militaire interarmes du Mali – EMIA) angesiedelt ist, bietet Schulungen für die Einheiten der malischen Sicherheitskräfte und für Militäreinheiten der G5 Sahel an und unterstützt Schulungen in den militärischen Ausbildungszentren mit dem Ziel, die Führungs- und Managementfähigkeiten von malischen Offizieren und Unteroffizieren zu verbessern. Für Ausbildungen außerhalb der Standorte Koulikorou und Sévaré werden für die jeweils angeforderten Trainings gemischte Ausbilderteams (Combined Mobile Advisory and Training Teams – CMATT) zusammengestellt.