Als Le Classique (, auch als Derby de France oder Le Classico bekannt) werden die Derbys zwischen den französischen Fußballclubs Paris Saint-Germain (kurz: PSG oder Paris SG) aus der Hauptstadt Paris und Olympique Marseille (kurz: OM) aus der südlichen Hafenstadt Marseille am Mittelmeer bezeichnet.leclassico-psg-om.e-monsite.com: (französisch) Der Name lehnt sich an die Duelle der beiden spanischen Topclubs Real Madrid und dem FC Barcelona an, die den Namen El Clásico tragen.

Geschichte Olympique Marseille mini|120px|Mit dem Brasilianer Raí gewann PSG 1986 seinen ersten Meistertitel. mini|120px|Jean-Pierre Papin erzielte von 1986 bis 1992 in 215 Spielen 134 Tore für OM mini|120px|Franck Ribéry war bei Olympique von 2005 bis 2007 tätig.

Die Gründung von Olympique Marseille geht auf das Jahr 1899 zurück.om.net: (französisch) Marseille gehörte 1932 zum Kreis der 20 Gründungsmitglieder der Division 1. Sie tragen den Spitznamen Les Phocéens (). Die erste Meisterschaft in der Division 1 errang OM 1937 aufgrund einer besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Sochaux. Im gleichen Jahr wurde das Stade Vélodrome eingeweiht. Die Spielstätte ist heute, nach seiner Renovierung und Erweiterung auf 60.000 Plätze für die Fußball-Weltmeisterschaft 1998, das größte Stadion im französischen Ligabetrieb. Nach zwei zweiten Plätzen in den Folgejahren 1938 und 1939 unterbrach der Zweite Weltkrieg den Spielbetrieb der obersten Spielklasse. Nach dem Weltkrieg konnte Olympique Marseille 1948 den zweiten Meistertitel einfahren. Es schlossen sich wechselhafte Jahre, in denen die Weißblauen zwischen Mittelfeld und unterem Teil der Tabelle pendelten, an.

Im Jahr 1959 musste Marseille als letztes Gründungsmitglied der Division 1 den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Nach einer kurzen Rückkehr 1962 konnte sich OM Mitte der 1960er Jahre wieder im französischen Fußballoberhaus festsetzten. Nach dem Pokalsieg 1969 und einem zweiten Platz 1970 in der Liga konnte sich Olympique 1971 und 1972 ein drittes und viertes Mal in die Siegerliste der Division 1 eintragen. Der jugoslawische Stürmer Josip Skoblar erzielte in der Meistersaison 1970/71 44 Tore. Eine Bestleistung, die bis heute Bestand in der höchsten französischen Spielklasse hat und er erhielt zusätzlich den Goldenen Schuh als bester Torschütze des Jahres in Europa. Mit dem Erfolg im Coupe de France 1972 schaffte der Verein das Double. In den 1970er Jahren folgte noch ein Pokalgewinn 1976. Danach glitt der Verein wieder ins Mittelmaß ab und 1980 folgte der Abstieg. Nach der Rückkehr 1984 konnten die Marseillais mit dem 17. Platz knapp den erneuten Abstieg verhindern.

Einen steilen Aufstieg nahmen die Südfranzosen mit der Übernahme des Präsidentenamtes durch den Geschäftsmann und Politiker Bernard Tapie im Jahr 1986. Der Verein verpflichtete in den folgenden Spielzeiten unter anderem die deutschen Nationalspieler Rudi Völler, Karlheinz Förster und Klaus Allofs. Des Weiteren trugen in der Zeit von Mitte der 1980er Jahre bis in die Mitte der 1990er Jahre Éric Cantona, Jean-Pierre Papin, Abédi Pelé, Chris Waddle, Marcel Desailly, Jean Tigana, Alain Giresse, Enzo Francescoli, Didier Deschamps, Fabien Barthez, Alen Bokšić und Basile Boli das Trikot von Olympique. Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. 1989 konnte mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg das zweite Double gewonnen werden. Mit dem Titelgewinn der Division 1 begann eine Serie von vier Meisterschaften (1989, 1990, 1991 und 1992) in Folge. Der Höhepunkt war der Gewinn der UEFA Champions League 1993 gegen den AC Mailand (1:0). Zuvor scheitere man 1991 im Finale des Europapokals der Landesmeister im Elfmeterschießen (3:5) an Roter Stern Belgrad.

Nach dem größten Erfolg kam der Absturz. Der Meistertitel 1993 wurde OM wegen der „Affäre OM-VA“, Spielmanipulation durch Bestechungsgelder, aberkannt. Darüber hinaus wurde Marseille zur Saison 1994/95 in die Division 2 strafversetzt.soccernet.espn.go.com: Artikel vom 10. März 2011 (englisch) In der Division 2 wurde OM auf Anhieb Meister, jedoch verweigerte der französische Fußballverband dem Verein den direkten Wiederaufstieg. Ein Jahr später jedoch durfte Marseille den Aufstieg feiern, indem man Tabellenplatz 2 erreichte. Im Jahr 2010 konnten die Phocéens, nach einer Durststrecke von 17 Jahren, ihren neunten Meistertitel bejubeln. Hinzu kamen drei Gewinne des Coupe de la Ligue in den Jahren 2010, 2011 und 2012 sowie 2010 und 2011 die Trophée des Champions.

Paris Saint-Germain mini|120px|Zwischen 2002 und 2003 trug Didier Drogba das OM-Trikot und erzielte in 35 Spielen 19 Tore. mini|120px|Weltfußballer Ronaldinho war von 2001 bis 2003 in Diensten der Parisiens. mini|120px|PSG verpflichtete den schwedischen Stürmer Zlatan Ibrahimović zur Saison 2012/13.

Der Paris Saint-Germain Football Club entstand im Jahr 1970 aus dem Vorstadtclub Stade Saint-Germain nach einer Fusion mit dem Paris FC.psg.fr: (französisch) Paris Saint-Germain empfängt seine Gegner in dem seit 1897 bestehenden Parc des Princes im 16. Arrondissement der Stadt. Nachdem Paris Saint-Germain den Platz von Stade Saint-Germain in der Division 2 einnahm, gelang dem Liganeuling 1971 der sofortige Aufstieg in die Division 1. Nach einem 16. Platz in der ersten Saison 1971/72 verlor der Verein seine Lizenz, da er gegen die Regeln des Fußballverbandes FFF verstieß. Demnach mussten in jedem Profiverein auch Abteilungen für Amateur- und Jugendmannschaften vorhanden sein. Paris Saint-Germain wurde in die dritte Amateurliga herabgestuft und Paris FC übernahm den Platz in der Division 1. Zugleich wechselte der Spielerkader von PSG zum PFC.

Ab 1973 engagierte sich der Modeschöpfer Daniel Hechter als Geldgeber und wurde 1974 für vier Jahre der Vereinspräsident. Unter Leitung von Trainer Just Fontaine, erfolgreichster Torschütze der Fußball-Weltmeisterschaft 1958 mit 13 Treffern, meldete sich die Parisiens schon zur Saison 1974/75 wieder im französischen Fußballoberhaus zurück. Nach durchschnittlichen Jahren in den 1970ern konnten die Rouges et Bleus Anfang der 1980er Jahre ihre ersten Erfolge mit dem Gewinn des Coupe de France 1982 und 1983 feiern. Der vorläufige Höhepunkt war der Gewinn der Meisterschaft in der Saison 1985/86. Unter Leitung von Trainer Gérard Houllier und dem Torhüter Joël Bats, den Mittelfeldmännern Luis Fernández und Safet Sušić sowie dem Stürmer Dominique Rocheteau blieb der Verein bis zum 20. Spieltag ohne Niederlage und schloss die Spielzeit mit einem Vorsprung von drei Punkten auf den FC Nantes ab.weltfussball.de: Spielplan der Division 1985/86

Die bisher erfolgreichste Zeit der Hauptstädter lag in den 1990er Jahren. 1991 übernahm der Pay-TV-Sender Canal+ den Verein. Die zweite Meisterschaft 1994 errangen die Rotblauen mit Trainer Artur Jorge und dem Nationaltorhüter Bernard Lama, dem torgefährlichen Mittelfeldspieler Raí sowie David Ginola und George Weah, dem liberianischen FIFA-Weltfußballer von 1995. Des Weiteren gingen der Pokalwettbewerb Coupe de France 1993, 1995 und 1998 auf das Konto der Pariser. Im Ligapokal war man wie auch im Spiel um den französischen Supercup 1995 und 1998 erfolgreich. Auf europäischer Ebene konnte PSG den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1996 gegen Rapid Wien sowie im Jahr darauf die erneute Endspielteilnahme feiern. Dort unterlag man aber mit 0:1 gegen den FC Barcelona. PSG ist der jüngste Verein, der einen Europapokal gewinnen konnte.

Paris Saint-Germain blieb, wenn auch ohne Meistertitel, in den weiteren Jahren erfolgreich. In die bisherige Titelsammlung reihten sich drei weitere Pokalsiege 2004, 2006, 2010 und ein Ligapokaltriumph 2008 ein. 2001 ging man im UI-Cup als einer von drei Siegern hervor. Seit Mai 2011 hält die katarische Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI) 70 % der Aktienanteile von Paris Saint-Germain. Mit den neuen Geldgebern im Rücken wurden millionenschwere Spielertransfers zur Ligue 1-Saison 2011/12 getätigt. Der Argentinier Javier Pastore kam für 42 Millionen Euro vom US Palermo.kicker.de: PSG macht Pastore-Deal perfekt Artikel vom 6. August 2011. Auch die einheimischen Nationalspieler Jérémy Ménez, Kevin Gameiro, Blaise Matuidi sowie der Malier Mohamed Sissoko, Maxwell und Thiago Motta wechselten in die Stadt an der Seine. Trotz des ersten Tabellenplatzes in der Liga ersetzte Carlo Ancelotti Ende Dezember 2011 Antoine Kombouaré auf der Trainerbank.kicker.de: Kombouaré macht den Weg für Ancelotti frei Artikel vom 30. Dezember 2011. Am Ende der Saison trugen die Spielerverpflichtungen der Hauptstädter keine Früchte. Man hatte nach einer umkämpften Saison gegenüber dem Überraschungsmeister HSC Montpellier, der seine erste Meisterschaft feierte, das Nachsehen.sueddeutsche.de: Frankreichs Überraschungsmeister Montpellier – Routiniers aus der zweiten Reihe Artikel vom 21. Mai 2012.

Weitere Verstärkungen wurden für die Saison 2012/13 verpflichtet. Der schwedische Stürmerstar Zlatan Ibrahimović kam im Paket mit dem brasilianischen Abwehrspieler Thiago Silva für 62 Millionen Euro vom AC Mailand.kicker.de: Ibrahimovic: "Das hier ist die Zukunft" Artikel vom 18. Juli 2012. Hinzu kamen Ezequiel Lavezzi für ca. 30 Millionen Euro vom SSC Neapel und Lucas für rund 43 Millionen Euro vom FC São Paulo.sport.t-online.de: Artikel vom 3. Juli 2012.spox.com: Lucas Moura wechselt zu Paris Saint-Germain Artikel vom 8. August 2012.sportal.de: Paris Saint-Germain: Erfolg hat seinen Preis Artikel vom 2. Januar 2013. Diese hohen Transferaufwendungen trugen diesmal Früchte, Paris Saint-Germain gewann zwischen 2013 und 2016 viermal in Folge die französische Meisterschaft.

Rivalität Im Gegensatz zu anderen traditionsreichen, europäischen Derbys wie dem Glasgower Old Firm, dem Manchester Derby, dem Derby della Capitale in Rom oder dem innerfranzösischen zwischen der AS Saint-Étienne und Olympique Lyon blickt das Duell zwischen PSG und OM auf eine relativ kurze Zeitspanne zurück. Dementgegen hat es sich mittlerweile zum problematischsten Duell des Landes entwickelt.ligue1.com: OM-PSG D-2: The match that divides a nation Artikel vom 23. Oktober 2009 (englisch) Anders als bei anderen Derbys zieht das Duell seine Brisanz nicht aus der räumlichen Nähe, wie bei dem Revierderby Dortmund gegen Schalke oder dem Frankenderby Nürnberg gegen Fürth, sondern daraus, dass Paris und Marseille die größten Städte und OM wie PSG die beliebtesten und einflussreichsten Fußballvereine Frankreichs sind. Die beiden Clubs sind bis dato die einzigen französischen Sieger eines großen europäischen Wettbewerbes (OM 1993 und PSG 1996). Die Rivalität der beiden Städte bezieht sich aber nicht nur auf den Fußball, sondern auch auf historischer, kultureller und sozialer Ebene. Die Weltstadt Paris im Norden des zentralistisch ausgerichteten Frankreich, die alle anderen Städte in den Schatten stellt, gegen die rund 800 km südlicher gelegene Hafenstadt Marseille im sonnigen Süden an der Mittelmeerbucht Golfe du Lion. In der Ligue 1 Saison 2011/12 belegten Paris Saint-Germain und Olympique Marseille mit durchschnittlich 42.882 beziehungsweise 40.445 Zuschauern Platz 1 und 2 der Zuschauertabelle. Auf den weiteren Plätzen lagen Olympique Lyon (33.067), AS Saint-Étienne (21.478), FC Toulouse (21.446) und Stade Rennes (20.725).ligue1.com: Ligue 1 2011/2012 – Zuschauertabelle (französisch)