2052. Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre (Originaltitel: 2052: A Global Forecast for the Next Forty Years) ist eine Beschreibung von Tendenzen der globalen Entwicklung von Jørgen Randers. Er erschien 2012 und knüpft an den ersten weltweit bekannt gewordenen Bericht an den Club of Rome, Die Grenzen des Wachstums von 1972, an.
Er unterscheidet sich vor allem durch drei Eigenschaften von seinem Vorgängerbericht: Zum Ersten beschreibt er nicht ein drohendes Katastrophenszenario, sondern zeigt nur Tendenzen auf. Zum Zweiten ist er vor dem Hintergrund der Erfahrung seit 1972 zu lesen, nämlich, dass die gesamte Menschheit auf die vorhergehenden Berichte reagiert hat, aber mit 20- bis 40-jähriger Verzögerung. Drittens bietet er nicht nur Zukunftsszenarien an, sondern macht konkrete Vorschläge, wie der einzelne auf die sich abzeichnenden Entwicklungen reagieren sollte.
Hintergrund Randers legt im Unterschied zu „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) nicht alternative Zukunftsszenarien vor, die je nach dem Weg, den die Menschheit wählt, eintreffen werden, sondern eine einzige Prognose. Das sei möglich, weil man nach 40 Jahren Erfahrung die Hemmnisse, die einem Weg in die Nachhaltigkeit entgegenstehen, relativ gut einschätzen könne.„Wir sind gut informiert über die Gründe hinter den in diesen Jahrzehnten getroffenen Entscheidungen. Und haben einen ziemlich guten Einblick in die Zwänge, die uns an verschiedenen Fronten in Untätigkeit blockiert halten. Wir haben erfahren, wie schnell es gehen kann, bestimmte lösbare Probleme durch Technik zu lösen, und wie langsam die Menschheit bei weniger leicht zu lösenden Problemen vorankommt. Da wir über die ersten 40 Jahre so viel wissen, scheint es sinnvoll, aus eben diesen 40 Jahren gewisse Lehren zu ziehen und die nächsten 40 Jahre in den Blick zu nehmen. Wenn man ein dynamisches Phänomen untersucht, sollte man zu Beginn genauso weit zurückschauen, wie man nach vorne zu schauen plant.“ (S. 25) Seine Prognose sage freilich nicht irgendwelche Ereignisse voraus, sondern nur allgemeine Trends.„Meine Prognose schließt den freien Willen nicht aus; sie gründet vielmehr auf der Überzeugung, dass die menschlichen Entscheidungen von den Bedingungen, unter denen sie getroffen werden, beeinflusst sind. […] Wenn es Gründe gibt für die Annahme, dass die Bedingungen sich in einer gewissen Weise entwickeln, kann man sinnvollerweise auch die sich daraus ergebenden Entscheidungen prognostizieren.“ (Randers: 2025, S. 25) Wenn kein anderer Titel genannt wird, beziehen sich die folgenden Zitate alle auf diesen Titel. Zu diesen Trends werde gehören, dass in großen Teilen der Welt der Kapitalismus nicht mehr auf Profitmaximierung, sondern auf ökologische Ziele ausgerichtet sein werde.„Der Kapitalismus der alten Schule wird also in manchen Teilen der Welt überleben, in anderen wird er dagegen stark modifiziert werden.“ (S. 44) Auch das Wirtschaftswachstum werde zurückgehen, aber nicht aufgrund von Entscheidungen, sondern weil es trotz aller Anstrengungen nicht mehr durchzusetzen sein werde.Randers meint, „dass die Umweltbelastungen durch die Menschheit – würde der Konsum aller Menschen auf das Niveau der Vereinigten Staaten angehoben – um das Fünf – bis Zehnfache ansteigen würden. Nach meiner Einschätzung wird es auf unserem begrenzten Planeten nicht so weit kommen, einfach weil dafür nicht genug Platz ist. Aber die Menschheit wird es auf jeden Fall versuchen […]“ (S. 52) Er ist der Überzeugung, dass die gegenwärtige Betonung individueller Rechte nicht durchhaltbar sei. Sie müssten hinter dem Allgemeinwohl zurücktreten. Doch befürchtet er, dass das zu spät erfolgen werde, als dass dadurch der globale Temperaturanstieg von über zwei Grad verhindert werden könne.„Wir werden zu lange dem Ideal verhaftet bleiben, dass individuelle Rechte Priorität gegenüber dem Allgemeinwohl genießen, eine Sichtweise, die in einer immer dichter gedrängten Welt immer weniger hilfreich sein wird.“ (S. 58)
Der Umverteilungskampf wird zu einem niedrigeren Produktivitätswachstum führen. Dennoch wird das Wachstum nicht rechtzeitig genug gestoppt werden, so dass für die kommenden Generationen Katastrophen voraussehbar seien."Wir werden weiter optimieren, aber in erster Linie für unsere eigene Generation und die unserer Kinder. Infolgedessen werden es unsere Enkel in der Welt schwer haben."(S. 64)
Bis 2052 werde sich das Klima noch nicht katastrophal verändern. Dass sich die klimatische Veränderung auch ohne menschliche Einwirkung von selbst verstärke, werde erst nach 2052 festzustellen sein.„Die negativen Auswirkungen werden erheblich sein – aber nicht katastrophal, zumindest nicht vor 2052. Es gibt dann mehr Dürren, Hochwasser, Extremwetterereignisse und Insektenplagen. Der Meeresspiegel ist um 0,3 Meter gestiegen, das Sommereis der Arktis ist verschwunden und das neue Wetter belastet Landwirte und Urlauber gleichermaßen. Ökosysteme sind einige 100 km in Richtung der Pole gewandert oder einige 100 Meter bergauf. Den schalenbildenden Tieren in den Ozeanen macht das saure Wasser zu schaffen. Viele Arten sind ausgestorben.“ (S. 71)
Globale Prognose Die der Prognose zugrunde liegende Logik Randers geht von zwei Leitfragen aus: „Wie wird sich der Konsum über die nächsten 40 Jahre entwickeln?“ und „Unter welchen Bedingungen – in welchem gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld – wird dieser zukünftige Konsum stattfinden?“ (S. 78) Dabei setzt er Computermodelle ein, um Rückkopplungseffekte nicht zu übersehen. Die Prognose für 2052 geht auf viele – sich zum Teil widersprechende – Einzelprognosen zurück.Meine Prognose wird linear dargestellt […] Sie wurde aber keineswegs auf diese Weise entwickelt. Sie wurde vielmehr in einen iterativen Verfahren entwickelt. Nach langem Herumprobieren landete ich schließlich bei der hier präsentierten Prognose." (S. 82)
Bevölkerung und Konsum Nach Randers wird das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen, ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen. Die Erwerbsbevölkerung wird bereits um 2030 abnehmen. Produktivität und Bruttoinlandsprodukt werden weiter wachsen, aber langsamer. Denn Investitionen zur Verhinderung und Beseitigung von Umweltschäden werden zunehmen müssen. Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen, und der Staat wird sich stärker einmischen müssen. Insgesamt wird der Konsum nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.S. 87–128
Energie und CO2 Die Energieeffizienz werde weiter zunehmen. Der Energieverbrauch werde steigen, aber nicht endlos. Die Klimaintensität des Energieverbrauchs werde durch erneuerbare Energien gesenkt. Die CO2-Emissionen durch Energieverbrauch erreichten 2030 ihren Höhepunkt.„Die CO2–Konzentration in der Atmosphäre wird mit Sicherheit ansteigen, vor 2052 aber keinen sich selbst verstärkenden Klimawandel auslösen.“ (S. 41) Die Temperatur werde um mehr als zwei Grad steigen, und das werde zu ernsthaften Problemen führen.
Ernährung und Fußabdruck Beim Wettlauf um die letzten Rohstoffquellen werde die Biokapazität der Welt immer stärker ausgenutzt werden. Die Städte werden ergiebigere Rohstoffquellen für Metall als die letzten noch nicht ausgebeuteten Rohstofflagerstätten in der Natur (urban mining). So wie gegenwärtig die Zoos letzte Zufluchtsstätte für manche bedrohte Tierarten geworden sind, würden es dann Parks für die Natur ganz allgemein werden.
Die nicht-materielle Zukunft Randers argumentiert, das weltweite Bruttoinlandsprodukt werde aufgrund von Bevölkerungsschwund, allgemeiner Überalterung und nachlassender Produktivitätssteigerungen mittelfristig kaum noch zunehmen.„Wenn das BIP des Jahres 2052 geringer als erwartet ausfällt – in ökologischer Hinsicht ein Segen für den Planeten – dann liegt es nicht am mangelnden Wachstumsstreben der Staaten und ihrer Bevölkerung. Durch Überalterung und Bevölkerungsschwund der Gesellschaft werden einfach weniger tätige Hände verfügbar sein. Insbesondere aber wird die Produktivität der reifen Volkswirtschaften durch soziale Spannungen aufgrund der zunehmenden Ungerechtigkeit sehr viel langsamer steigen.“ (S. 198)
Das Internet werde ein völlig neues Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit entstehen lassen."Die traditionelle psychologische und erkenntnistheoretische Trennung zwischen dem geschriebenen und gesprochenen Wort ist bereits jetzt am Verschwinden und als Reaktion darauf entwickeln sich neue Normen, was Vertrauen, Privatsphäre und den Austausch von Gefühlen betrifft. Die Besonderheit der elektronischen Kommunikation über SMS, E-Mail und soziale Medien ist dabei, dass alles aufgezeichnet wird und zurückverfolgt werden kann. […] Das Paradoxe dabei: Was in elektronischer Form „zu den Akten“ gelegt wird, muss etwa alle zehn Jahre aufgefrischt werden und ist damit weit weniger dauerhaft als Aufzeichnungen auf Papier, die Jahrhunderte überdauern können." (S. 210) Wissen werde kein knappes Gut mehr sein, aber das werde nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen führen, da Erkenntnisse allein nicht ausreichten, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen."Jeder wird mit einer Berührung der Fingerspitze (oder vielleicht mit einem bloßen Gedanken, den ein Implantat auffängt) auf das gesamte Wissen der Menschheit zurückgreifen können. Im Idealfall sollte das die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität insgesamt erhöhen, da die richtige Antwort stets zur Hand ist. Dies gilt aber nur, wenn der Mangel an Wissen einen Engpass darstellt – beispielsweise bei der Suche nach dem passenden Saatgut, wenn sich das Klima so rasch verändert, dass keine Zeit dafür bleibt, in jahrelangen Aussaatversuchen eigene Erfahrungen zu sammeln.
Gerade in demokratischen Staaten aber werden menschliche Bemühungen nicht durch mangelndes Wissen, sondern durch mangelnden Konsens eingegrenzt. Der Zugang zu zusätzlichen Informationen erleichtert es nicht zwangsläufig, dass man zu einer Einigung kommt – ebenso gut können sich dadurch die Fronten verhärten. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen durch unangenehme Informationen nur wenig beeinflussen lassen." (S. 211) „Aufmerksamen Lesern ist sicherlich aufgefallen, dass die meisten der genannten Besonderheiten, die verloren gehen werden, für den Durchschnittsbürger kaum von Interesse sind, weil ihr Genuss für ihn ohnehin nie erschwinglich war. Das ist tatsächlich der Fall, und es ist einer der Hauptgründe, weswegen ich glaube, dass sich keine demokratische Mehrheit für vorbeugende Maßnahmen zu ihren Erhalt finden wird.“ (S. 214) Daher werde vermutlich eine „grüne Truppe“ zur Durchsetzung ökologischen Verhaltens eingerichtet werden, so wie heute die Blauhelme zur Friedenssicherung einträten."Ich vermute, der Übergang des Militärs zur „grünen Truppe“ – vielleicht Hand in Hand mit den Frieden stiftenden Blauhelmen der Vereinten Nationen – wird sehr viel rascher erfolgen als erwartet. Dies wird der immaterielle Ausdruck des vielleicht bedeutendsten nicht–materiellen Wandels der kommenden 40 Jahre sein: des geänderten Feindbilds. Nicht der nächste Nachbar mit einer abweichenden Meinung über Regierungssysteme oder Religionen wird der Feind sein, sondern der vom Menschen verschuldete Klimawandel. Nicht jemand anderes, sondern das Kollektiv, dem jeder von uns angehört – oder um ein Poster vom ersten Earth Day 1970 zu zitieren: 'Wir sind dem Feind begegnet und wir sind es selbst.'" (S. 227)
Der Zeitgeist von 2052 Betonung lokaler/regionaler Lösungen Schottland und die skandinavischen Staaten als Gewinner des Klimawandels