mini|Lage von El Raval im Stadtgebiet [] ist ein Stadtteil von Barcelona und gehört zum Verwaltungsbezirk Ciutat Vella ( für „Altstadt“).

El Raval wurde im 14. Jahrhundert eingemeindet und ist mit 42.900 Einwohnern pro Quadratkilometerhttps://www.bcn.cat/estadistica/catala/dades/barris/terri/sup/sup416.htm (katalanisch) einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile Barcelonas. Mit seiner engen Bebauung aus Fabriken und einfachen Mietshäusern aus der Zeit der Industriellen Revolution war El Raval lange Zeit ein Armenviertel. Durch umfangreiche Modernisierungen seit Mitte der 1980er Jahre im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1992 ist in vielen Teilen von El Raval eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität zu verzeichnen, jedoch bei fortschreitender Gentrifizierung. Wegen seines hohen Migrantenanteils gilt El Raval als multikulturellster Stadtteil – etwa 50 % der Einwohner stammen aus rund 140 verschiedenen Nationen.

Etymologie

Das katalanische Substantiv raval geht zurück auf hispano-arabisch rabaḍ und bedeutet „Vorort“ oder „Vorstadt“, meist außerhalb der Stadtmauern gelegen.Yvonne Kiegel-Keicher: Iberoromanische Arabismen im Bereich Urbanismus und Wohnkultur. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2005, ISBN 3-484-52324-7, S. 147ff. Das Wort existiert in der katalanischen Sprache in der männlichen Form (el raval), aber auch in der weiblichen Form (la raval; balearischer Dialekt: sa raval). Für den Stadtteil Barcelonas wird jedoch stets die männliche Form verwendet. Das Wort wird pauschal im Sinne von „Vorort“ verwendet, aber auch – wie im Falle von Barcelonas El Raval – als Eigenname.

Begrenzung

Die Grenzen des Stadtteils verlaufen bis heute nahezu vollständig entlang der mittelalterlichen Stadtmauer, die im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Deren Verlauf orientierte sich größtenteils an bereits vorhandenen Pfaden aus der Zeit der Römischen Besatzunghttps://barcelonaturisme.com/El-Raval/_xMCfM9AMDl_lKCezjRpMoNEhx38rOUP8Ob0Jr1Lo8XA (englisch) und verlief in Höhe der heutigen Straßen Avinguda del Paral·lel, Ronda de Sant Pau, Ronda de Sant Antoni, Carrer de Pelai. Ein kurzes Stück dieser Mauer ist noch erhalten an der Avinguda del Paral·lel in Höhe der Werftanlagen Drassanes Reials. Im Osten wird Raval durch die Rambla begrenzt – auch dort verlief eine Stadtmauer. Außerhalb des mittelalterlichen Befestigungsrings gehört die künstliche Halbinsel Moll de Barcelona zu El Raval, die im äußersten Südosten ins Meer ragt.

Historische Entwicklung

Vor der Eingemeindung mini|270px|Monestir Sant Pau del Camp mini|210px|Drassanes Reials Bis ins Mittelalter war El Raval nahezu unbewohnt und wurde überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Drei Straßen aus der Römischen Epoche kreuzten das Gebiet, die Barcelona mit umliegenden Orten verbanden: Eine Straße Richtung Sarrià (in etwa die heutige Carrer dels Tallers), eine Straße Richtung Llobregat (in etwa die heutige Carrer de l'Hospital) und eine Straße Richtung Montjuïc (in etwa die heutige Carrer de Sant Pau).

Vor der Eingemeindung existierten nur wenige relevante Bauwerke: Monestir Sant Pau del Camp (katalanisch für „Kloster des Heiligen Paul auf dem Feld“): Erbaut ab 1117; ein Vorgängerbau soll bereits im 10. Jahrhundert existiert haben, dazu ein kleines Dorf, das direkt an das Kloster angegliedert war. Drassanes Reials (katalanisch für „königliche Schiffswerften“): Erbaut ab 1280; beherbergen heute das Schiffahrtsmuseum. Convent de la Mare de Déu del Carme (katalanisch für „Kloster der Muttergottes von Karmel“): Erbaut ab 1291 vom Orden der Beschuhten Karmeliten, in Brand gesetzt 1835, abgerissen 1874, Standort an der Carrer del Carme/Carrer dels Àngels. Priorat de Santa Maria de Natzaret (katalanisch für „Kloster der Heiligen Maria von Nazareth“): Erbaut ab 1311, erhalten ist nur das kleine Eingangstor in der heutigen Passatge de Sant Bernat – als Zugang zur Carrer de la Verge.

Eingemeindung durch Ausbau der Stadtbefestigung

Im Jahre 1357 forderte der Consell de Cent (eine Art mittelalterliches Stadtparlament) von Peter dem Zeremoniösen (König von Aragon und Graf von Barcelona) die Modernisierung der Stadtbefestigung, um sich gegen feindliche Angriffe besser schützen zu können. Anlass war der 1356 begonnene Krieg Aragons gegen Kastilien. Die bis dato existierende Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert wurde als nicht mehr ausreichend erachtet. Der König genehmigte daraufhin den umfangreichen Ausbau der Verteidigungsanlagen; die Bauarbeiten begannen 1360.

mini|450px|Barcelona 1579: El Raval (bebaute Fläche vorne) ist vom Rest der Stadt durch die Rambla-Mauer getrennt

Das Stadtgebiet Barcelonas beschränkte sich damals auf den relativ kleinen Bereich, der heute als Barri Gòtic bekannt ist. Der Ausbau der Befestigungsanlagen wurde zur Stadterweiterung genutzt: Im Südwesten (weit außerhalb der bisherigen Stadtgrenze an der Rambla) wurde ein zusätzlicher Verteidigungswall erbaut. Die bereits bestehende Südwest-Mauer an der Rambla blieb aber erhalten und wurde modernisiert. Das etwa 110 Hektar große Areal zwischen alter und neuer Südwest-Mauer wurde eingemeindet und unter dem Namen El Raval bekannt. Dadurch vergrößerte sich das Stadtgebiet Barcelonas um etwa 70 Prozent.

Die Eingemeindung erfolgte aus militärstrategischen Gründen: El Raval bestand immer noch größtenteils aus Ackerflächen. Da sich diese nun innerhalb der Stadtmauern befanden, war im Fall einer Belagerung durch feindliche Truppen die Eigenversorgung mit frischen Lebensmitteln weitgehend sichergestellt. Deshalb war geplant, den neuen Stadtteil auch zukünftig überwiegend unbebaut zu lassen und landwirtschaftlich zu nutzen. Außerdem sollten die Krankenhäuser Barcelonas nach El Raval umgesiedelt werden. Bisher befanden sie sich im dichtbesiedelten Stadtkern, wodurch permanente Seuchengefahr herrschte, besonders durch Pest- und Leprakranke.

„Klosterwelt“ Die ursprüngliche Planung, El Raval weitgehend unbebaut zu lassen, wurde in den folgenden Jahrhunderten besonders in der Nordhälfte des neuen Stadtteils kaum eingehalten: Neben Krankenhäusern entstanden vor allem zahlreiche Klöster und kleine Siedlungen. Besonders im Zuge der Gegenreformation nach dem Konzil von Trient entwickelte sich El Raval ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Tierra de Conventos (spanisch für „Klosterwelt“).

Nur im Süden des Stadtteils gab es noch nennenswerte landwirtschaftliche Nutzflächen. Deren Bedeutung zeigte sich zum Beispiel am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1713/1714, als Barcelona 14 Monate lang von spanischen und französischen Truppen belagert wurde und auf seine autarke Lebensmittelversorgung dringend angewiesen war.

Die meisten Klöster in Barcelona (und somit auch in El Raval) wurden während der Unruhen vom Juli 1835 (katalanisch: Bullangues) geplündert und in Brand gesetzt. Durch die anschließenden Desarmortisations-Dekrete von 1836 unter dem spanischen Premierminister Juan Álvarez Mendizábal wurden die Kirchengüter enteignet. Die Mönchs- und Nonnengemeinschaften lösten sich auf oder siedelten in Vororte um. Die meisten Kloster-Ruinen wurden abgerissen und die Grundstücke an Privatleute versteigert.

Noch existierende Bauwerke aus der Zeit der „Klosterwelt“ (Auswahl):

mini|Kreuzgang im ehemaligen Hospital de la Santa Creu mini|Das ehemalige Convent de la Mare de Déu dels Àngels Hospital de la Santa Creu (katalanisch für „Krankenhaus zum Heiligen Kreuz“): Erbaut ab 1401, war mehr als 500 Jahre lang das Zentralkrankenhaus Barcelonas, beherbergt heute u. a. die Nationalbibliothek von Katalonien und das Institut für katalanische Studien.

Convent de la Mare de Déu dels Àngels (katalanisch für „Kloster der Muttergottes der Engel“): Erbaut 1562 bis 1566 im spätgotischen Stil vom Orden der Dominikaner, beherbergt heute die private Kunst- und Design-Schule Foment de les Arts i del Disseny (FAD), die Klosterkapelle wird vom benachbarten Museum für zeitgenössische Kunst (MACBA) als Ausstellungsfläche genutzt.

Convent de Santa Mònica (katalanisch für „Kloster der Heiligen Monika“): Erbaut 1636 vom Orden der Augustiner-Barfüßer, beherbergt heute das städtische Kunstzentrum Centre d'Art Santa Mònica.

Església de la Mare de Déu de Betlem (katalanisch für „Kirche der Muttergottes von Bethlehem“): Erbaut 1680 bis 1732 vom Orden der Jesuiten, galt als schönste Barock-Kirche Barcelonas, barocke Inneneinrichtung jedoch 1936 zerstört, wird auch heute als Kirche genutzt.

Nicht mehr existierende Bauwerke aus der Zeit der Klosterwelt (Auswahl):

Monestir de Santa Maria de Jerusalem (katalanisch für „Kloster der Heiligen Maria von Jerusalem“): Erbaut ab 1453, abgerissen 1868, Standort auf dem heutigen Plaza de la Gardunya, wenige Ruinenreste waren bis zur Sanierung des Platzes noch erkennbar.

Convent de Sant Josep (katalanisch für: „Kloster des Heiligen Josef“): Erbaut ab 1586 vom Orden der Karmeliter-Barfüßer (in Barcelona bekannt als Els Josepets – katalanisch für „die Josefiner“), geplündert und angezündet 1835, wenig später abgerissen, seit 1840 steht an gleicher Stelle die Boqueria-Markthalle.

Col·legi de Sant Vicent i Sant Ramon (katalanisch für „Schule des Heiligen Vinzenz und des Heiligen Raimund“): Genutzt seit 1758 als Ordensschule der Dominikaner, angezündet und geplündert 1835, Standort direkt auf der heutigen Rambla del Raval (zwischen Carrer de Sant Pau und Carrer de Sant Josep Oriol).

Abriss der Rambla-Stadtmauer mini|400px|links|Barcelona um 1695: Noch immer trennt die Rambla-Mauer El Raval vom Rest der Stadt

Die Stadtmauer entlang der Rambla bildete lange Zeit eine militärisch kaum noch notwendige Grenze zwischen El Raval und dem Rest der Stadt. Erst mit dem Abriss dieser Mauer begann die Umgestaltung der Rambla in einen Boulevard und die schrittweise Urbanisierung von El Raval. Der Abriss erfolgte jedoch etappenweise in einem ungewöhnlich langen Zeitraum zwischen 1704 und 1829.

200px|mini|Palau de la Virreina an der Rambla Die ersten relevanten Profanbauten in El Raval entstanden ab 1704 zuerst nur direkt an der Rambla, zum Beispiel:

Palau de la Virreina (katalanisch für „Palast der Vizekönigin“): Erbaut 1772–1778; gilt als schönster barocker Profanbau Barcelonas, beherbergt heute u. a. die Ausstellung Els gegants de la Ciutat (katalanisch für „die Stadtgiganten“).

Caserna de les Drassanes (katalanisch für „Kaserne an den Werften“): Erbaut 1792, zerstört 1935; war fast 150 Jahre lang der zentrale Militärstützpunkt in der Innenstadt.

Industrielle Revolution mini|Ausblick aus dem Fenster einer Mietskaserne auf den winzigen Innenhof

Mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert und dem damit verbundenen sprunghaften Bevölkerungswachstum Barcelonas setzte in El Raval ein Bauboom ein. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden unzählige Straßen und Gassen angelegt; Manufakturen, Fabriken und Wohnhäuser schossen wie Pilze aus dem Boden – die Bebauungsdichte war bald ebenso groß wie im Barri Gòtic. Allerdings führte dies zu größtenteils menschenunwürdigen Lebensumständen: In den Mietskasernen herrschten Armut, Elend und unhygienische Zustände. Die meisten Wohnungen waren überbelegt und verfügten über kein fließendes Wasser und auch nicht über Elektrizität. Fenster, die nur zu einem winzigen Innenhof/Lichtschacht führten, waren keine Seltenheit. El Raval wurde zum Arme-Leute-Viertel und blieb es teilweise bis heute.

Barri Xino

Die südwestliche Hälfte von El Raval war auch als Barri Xino oder Barri Xinès bekannt. Eine relevante Zahl chinesischstämmiger Einwanderer gab es dort aber nie. Die Übersetzungen Chinatown und Chinesenviertel beruhen möglicherweise auf einem Missverständnis. In der Umgangssprache hat chino neben Chinese und chinesisch die Bedeutung Mestize.

Die spanische Zeitung ABC bot 1931 folgende Deutung an, die auf einen Journalisten namens Paco de Madrid zurückgehe: