mini|Das Rotschlößle in Sankt Mang bzw. Schelldorf/Neudorf, auch Schelldorfer Schlößle genannt. mini|Pfarrkirche St. Magnus des Franziskanerklosters Lenzfried mini|Die ehemalige Gemeinde Sankt Mang lag östlich von Kempten rechtsseits der Iller (Karte von 1853) mini|Seit 1972 in dieser Form bestehende kreisfreie Stadt Kempten mit allen amtlichen Ortsteilen sowie Gemarkungsgrenzen (Gemeindegrenzen bis 1972, gestrichelt) mini|Die Gemarkung Sankt Mang nimmt den Osten und Nordosten des Stadtgebiets ein
Sankt Mang ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Kempten (Allgäu). Vor der Eingemeindung am 1. Juli 1972 war Sankt Mang eine Ruralgemeinde im damaligen Landkreis Kempten, die außer dem gleichnamigen Ort noch weitaus mehr Orte umfasste und heute den ganzen östlichen Teil des Stadtgebietes von Kempten bildet. Das Gegenstück zu Sankt Mang war die Gemeinde Sankt Lorenz. Namengebend für diese beiden jeweils mehrere Ortsteile umfassenden Gemeinden waren nicht ihre größten Ortschaften, sondern die beiden Kemptener Stadtpfarreien St. Lorenz (römisch-katholisch) und St. Mang (evangelisch-lutherisch).
Geographie Geographische Lage Die rechts der Iller liegende Gemeinde Sankt Mang hatte während ihrer Selbstständigkeit von der Weidachsmühle im Norden bis zur Grenze bei Durach im Süden eine Ausdehnung von acht Kilometern. Die ost-westliche Ausdehnung schwankte zwischen eineinhalb und sechs Kilometern. Die Gesamtfläche betrug 21,7 km². Im Norden und Osten bildeten die Leubas und ihr linker Nebenfluss Betzigauer Bach die Grenze. Auch die heutige Grenze weicht nur stellenweise und geringfügig von diesen Fließgewässern ab. Dichter besiedelte Orte waren neben dem historischen Gemeindezentrum Lenzfried das zusammengewachsene Siedlungsgebiet von Schelldorf, Neudorf, Kottern und Drahtzug, die 1962 im neuen Ortsteil und letzten Gemeindehauptort Sankt Mang vereinigt worden sind.Richard Dertsch: Stadt- und Landkreis Kempten (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Teil Schwaben. Band 5). München 1966, ISBN 3-7696-9869-X, S. 173.
Gemeindegliederung Die Gemeindeteilnamen Schelldorf, Neudorf, Kottern und Drahtzug wurden per Gemeindeordnung durch die Regierung von Schwaben mit Entschließung vom 29. September 1962 aufgehoben. Die Vereinigung der vier Siedlungsbestandteile des neuen Sankt Mang, das nun nicht mehr als St. Mang abgekürzt werden durfte, folgte mit der gleichen Entschließung.Robert Hüttinger: Vereinigung der zentralen Ortsnamen in der Gemeinde Sankt Mang Lkr. Kempten (Allgäu). In: Heimatverein Kempten (Hrsg.) Allgäuer Geschichtsfreund. Nr. 68, Kempten 1968, S. 22.
Sankt Mang bildet heute eine der drei Gemarkungen der Stadt Kempten und entspricht weitgehend dem statistischen Stadtteil 7 (St. Mang, Ludwigshöhe),Flächennutzungsplan der Stadt Kempten (Allgäu), Begründung, 2009 (PDF; 26,7 MB) der zum 31. Dezember 2012 eine Bevölkerung von 14.434 hatte.Auskunft aus dem Melderegister der Stadt Kempten (Allgäu) vom 7. März 2013, ohne Zweitwohnsitze Der Stadtteil wird für statistische Zwecke weiter in vier Bezirke gegliedert, von Nord nach Süd:Kempten Allgäu: Bürgerbefragung 2010 (PDF; 469 kB)
Bezirks- Nummer Statistischer Bezirk Bevölkerung 31. Dez. 2012Auskunft aus dem Melderegister der Stadt Kempten (Allgäu) vom 7. März 2013, ohne Zweitwohnsitze 70 Leubas/Ursulasried 1362 71 Lenzfried/Leupolz 2724 72 Ludwigshöhe/Schelldorf/Bachtelweiher 6112 73 Kottern/Neudorf 4236 7 Stadtteil St. Mang, Ludwigshöhe 14434
Die Bezirke werden weiter in Blöcke untergliedert.
Gemeindeteile Auf das Gebiet der früheren Gemeinde und heutigen Gemarkung Sankt Mang entfallen aktuell 45 der 155 amtlich benannten Gemeindeteile der Stadt Kempten:
Gemeindeteil- schlüssel (Kempten) Name Typ Bevölkerung 25. Mai 1987 004 Aschen Einöde 4 006 Bachen Einöde 4 007 Bachtelmühle Einöde 14 012 Binzenried Weiler 14 013 Birken Einöde 9 014 Bockarten Weiler 17 022 Dolders Einöde 10 033 Felben Weiler 8 034 Greinats Weiler 13 035 Grub Einöde 7 038 Hafenthal Weiler 9 040 Hasenbühl Einöde 6 042 Haßberg Einöde 5 047 Hinterholz Einöde 13 050 Hochstraß Weiler 15 052 Höflings Einöde 6 054 Hub Weiler 19 057 Kargen Weiler 19 060 Klingen Einöde 0 068 Lenzfried Pfarrdorf 2117 070 Letten Weiler 18 071 Leubas Kirchdorf 357 072 Leupolz Dorf 141 073 Leupratsried Dorf 69 080 Moos Weiler 10 083 Motzen Einöde 5 086 Oberbühl Einöde 6 100 Reinharts Weiler 21 104 Riederau Weiler 1) 106 Rockhöflings Weiler 9 107 Rößlings Dorf 39 111 Sankt Mang Stadtteil 7838 112 Schatten Einöde 8 114 Schnattern Einöde 4 120 Sommers Weiler 18 125 Steig Weiler 42 127 Sterklings Einöde 7 138 Tannen Weiler 19 140 Unterbühl Einöde 5 146 Unterwies Einöde 5 148 Ursulasried Kirchdorf 193 149 Voglsang Einöde 12 151 Vorderwaldmanns (auch Waldmanns) Einöde 3 154 Weidachsmühle Einöde 7 156 Wettmannsberg Weiler 25 Sankt Mang ehemalige Gemeinde 11170 1) baulich verbunden mit Ursulasried, Bevölkerung dort enthalten
Zuletzt wurden die Ortschaften, die später zum heutigen und größten Gemeindeteil Sankt Mang zusammenwuchsen, im Amtlichen Ortsverzeichnis von 1950 separat aufgeführt, und erstmals 1950 mit Schelldorf an erster Stelle (Gemeindehauptort): Ortschaft Typ Bevölkerung 1925 Bevölkerung 1950 Bevölkerung 1954 Drahtzug Einöde 12 13 keine Kottern Pfarrdorf 1541 2580 2500 Neudorf Dorf 754 819 814 Schelldorf Dorf 1567 2185 2759 Sankt Mang späterer Gemeindeteil 3874 5597 6073
Davon gingen in der früheren Ortschaft Schelldorf bis 1911 die Orte Neuschelldorf, Oberwies, Grünschlößle, Höhle, Ziegelstadel und Falchen auf.Peter Blickle: Historischer Atlas von Bayern: Kempten. München 1968, S. 363
Geschichte Die Gemeinde entstand aufgrund des Bayerischen Gemeindeedikts im Jahr 1818 durch die Abtrennung der ländlichen Siedlungen östlich der Iller, die erst 1811 der Stadt Kempten zugeschlagen worden waren.Franz-Rasso Böck, Ralf Lienert, Joachim Weigel (Hrsg.): Jahrhundertblicke auf Kempten 1900–2000. Verlag Tobias Dannheimer, Allgäuer Zeitungsverlag, Kempten 1999, ISBN 3-88881-035-3, S. 20ff. Diese lagen auf dem Gebiet der bis 1803 zum Fürststift Kempten gehörenden (und dann aufgelösten) Hauptmannschaften Lenzfried und Leubas.Peter Blickle: Historischer Atlas von Bayern: Kempten. München 1968, S. 363
1909 entstand an der Außerfernbahn der Bahnhof Sankt Mang, der durch die Bahnverwaltung in „Kottern-Neudorf“ umbenannt wurde. Heute heißt er St Mang. 1912 wurde der Sitz des Gemeinderates von Lenzfried nach Neudorf in die Ludwigstraße und 1920 nach Schelldorf an die Duracher Straße verlegt. Das dortige Haus befand sich bereits auf Kemptener Boden und konnte erst 1921 durch einen Gebietsaustausch nach Sankt Mang eingegliedert werden.
1919 erließ die Gemeinde wegen Wohnungsmangels ein Zuzugsverbot. In der Folge schloss sich die Ruralgemeinde dem Bau- und Sparverein Kempten und Umgebung (heutige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu, kurz BSG) an, um bis 1927 in Kottern 46 Häuser mit 87 Wohnungen zu bauen. 1922 wurde die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt errichtet, fünf Jahre später folgte die deutlich kleinere evangelische Christuskirche, die von den Architekten Heydecker entworfen war. 1930 öffnete das Schulhaus Kottern seine Türen, finanziell unterstützt von der Spinnerei und Weberei Kottern. Dieser Betrieb verhalf der Gemeinde zu ihrer Leistungsfähigkeit.
Die Gemeinde umfasste 1955 insgesamt 52 Ortschaften,Heinrich Uhlig: Sankt Mang. Geschichte einer Allgäuer Gemeinde. Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten (Allgäu) 1955, S. 2.Diese Zersplitterung der Gemeinde wurde sogar in Reiseführern erwähnt. zuletzt 48 Ortsteile, großteils Weiler und Einöden.
Vor der Eingemeindung von Sankt Mang zu Kempten (1972) sprachen sich noch im Dezember 1971 92,5 Prozent der Bevölkerung der Sankt Manger Gemeinde für eine Selbstständigkeit aus. Favorisiert wurde ein Anschluss an das benachbarte Wiggensbach. Mit dem Anschluss an Kempten war das international bekannte Logistikunternehmen Dachser nunmehr ein Kemptener Unternehmen. Davor war Dachser über Jahrzehnte die Haupteinnahmequelle der Gemeinde Sankt Mang.Christine Tröger: „Schwierige Situation“. In: Kreisbote Kempten, 4. Juli 2012, S. 3.
Einwohnerentwicklung 1819 lebten in Sankt Mang 956 Einwohner; um 1860 waren es 2107. 1875 lag der Wert bei 2596. Im Jahr 1900 lebten in der Gemeinde 3948 Einwohner, ein Großteil (2715 Einwohner, 69 %) davon in Kottern, Neudorf und Schelldorf. Lenzfried hatte 300 Einwohner. 1925 lebten in Sankt Mang 5412, 1939 waren es 6351 Menschen und 1954 insgesamt 8176 Einwohner.Heinrich Uhlig: Sankt Mang. Geschichte einer Allgäuer Gemeinde. Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten (Allgäu) 1955, S. 322f. 1987, also nach der Eingemeindung und strukturellen Änderungen der aufgelösten Gemeinde wohnten in den Ortsteilen der ehemaligen Gemeinde 11.170 Einwohner, davon 7838 im größten, gleichnamigen Ortsteil.
Die Bevölkerungsentwicklung der ehemaligen Gemeinde Sankt Mang ist in der nachstehenden Aufstellung wiedergegeben:
Jahr 1819 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 Einwohner 956 1265 1755 1921 2170 2167 2361 2660 2737 2830 3095 3359 4003 4720 5145 Jahr 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2000 2005 Einwohner 5316 5485 5770 5869 7034 7736 8102 7909 6937 11170 12946 14138
Öffentliche Einrichtungen Der Stadtteil Sankt Mang verfügt über eine eigene Stadtteilbibliothek im Rotschlößle.
Politik Gemeindevorsteher und Bürgermeister Letzter Bürgermeister war Ludwig Jaud von der SPD. Er regierte von 1960 bis zur Gemeindeauflösung 1972. Bis 1869 gab es nur Gemeindevorsteher, das Amt des Bürgermeisters wurde durch die 1869 entstandene neue Gemeindeordnung eingeführt.
1818–1844: Honorius Merk 1844–1869: Johannes Haneberg (letzter Gemeindevorsteher) 1870–1898: Josef Kiechle (erster Bürgermeister) 1898–1903: Johann Hartmann 1903–1912: Johann Hummel 1912–1918: Franz Xaver Riedle 1919–1934: Basilius Schegg 1934–1945: Karl Reichle 1945–1946: Josef Weiher 1946–1960: Franz Xaver Eberspacher (CSU) 1960–1972: Ludwig Jaud (SPD)
Wappen Die Gemeinde Sankt Mang erhielt ihr Wappen im Jahr 1947 durch den bayerischen Ministerpräsidenten verliehen.
In dem in blau und gold geteilten Wappenschild steht der golden nimbierte Magnus von Füssen in schwarzer Mönchskutte; in der rechten Hand hält er den goldenen Abtstab, die linke ist segnend erhoben. Vor ihm ist ein linksgewendeter grüner Drache abgebildet.
Das Wappen verkörpert den Ortsnamen und die Magnuslegende, nach der Magnus im Allgäu nicht nur das Ungeziefer vernichtete, sondern auch einen Drachen besiegte und damit die Bevölkerung befreite. Der Abtstab kennzeichnet ihn als Gründer des Klosters Sankt Mang in Füssen.
Auch die Farben im Wappenschild gehen auf Magnus zurück. Diese sind in diesem Kontext seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar und erinnern an Pippin I. und das Wappen von Altburgund.
Ehrenbürger
Die Gemeinde ehrte Bürger, die sich Verdienste um die Gemeinde und um das Gemeinwohl erworben haben. Nach der Eingemeindung wurden diese durch die Stadt Kempten übernommen.
Literatur Heinrich Uhlig: Sankt Mang. Geschichte einer Allgäuer Gemeinde. Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten (Allgäu) 1955. Ralf Lienert: Sankt Mang Blicke. Geschichte der Gemeinde 1818–1972: Eine Bestandsaufnahme 30 Jahre nach der Gemeindegebietsreform. Kempten 2002, ISBN 978-3-936208-27-6.
Weblinks
Offizielle Website des Stadtteilbüros Sankt Mang
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Kempten (Allgäu) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kempten (Allgäu)) Kategorie:Gemeindegründung 1818