mini|Volkmarsen von der Kugelsburg aus fotografiert

Volkmarsen ist eine Kleinstadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geografie mini|Blick über die Stadt zur Kugelsburg mini|Volkmarsen und Kugelsburg Lage Volkmarsen liegt in Nordhessen, rund 28 km (Luftlinie) westnordwestlich von Kassel am Nordrand des Waldecker Tafellands und an dessen Abflachung zum Diemeltal hin. Der Naturpark Habichtswald befindet sich östlich der Stadt.

Durchflossen bzw. tangiert wird Volkmarsen vom Diemel-Zufluss Twiste im Westen, in die südwestlich der Kernstadt die Watter und nördlich die Wande und die östlich verlaufende Erpe münden. Neun Bäche durchziehen die Gemarkung der Gemeinde, ehe ihr Wasser über die Twiste in die Diemel geführt wird. Ein von der Twiste abgeleiteter Kanal als zusätzlicher Schutz vor den Stadtmauern ist noch heute im Westbereich der Altstadt als „Mühlengraben“ zu sehen.

Nachbargemeinden Volkmarsen grenzt im Norden an die Stadt Warburg (Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen), im Osten an die Gemeinde Breuna und die Stadt Wolfhagen (beide Landkreis Kassel), im Süden und Westen an die Stadt Bad Arolsen, sowie im Nordwesten an die Stadt Diemelstadt (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Stadtgliederung Zu Volkmarsen gehören neben der namengebenden Stadt Volkmarsen die Ortsteile Ehringen, Herbsen, Hörle, Külte und Lütersheim mit dem Naturdenkmal Hollenkammer.

Geschichte

mini|194x194px|Die evangelische Kirche erhält neue Bronzeglocken, 2010 mini|Stadt mit Burgruine um 1800 mini|Rathaus Überblick Volkmarsen wurde im Jahre 1155 erstmals urkundlich in einer Corveyer Zehntliste erwähnt. In einem Schutzbrief von Papst Gregor IX. wurde Volkmarsen 1233 erstmals als Stadt bezeichnet.

1304 verpfändete das Kloster Corvey eine Hälfte der Stadt und der Kugelsburg an den Erzbischof von Köln; die zweite Hälfte erwarb dessen Nachfolger im Jahr 1440. 1476 wurden für einen Feldzug des hessischen Landgrafen gegen die Stadt Volkmarsen Ausrüstung und Soldaten in Registern aufgestellt, darunter aus dem Gericht auf dem "Fogelsberg".Georg Landau: Zwei Rüstungsregister aus den Jahren 1474 und 1476. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 1 (1837), S. 326–352, hier S. 334–352. Ab 1507 gehörten die Stadt und die Burg zum Herzogtum Westfalen, nachdem das Kloster Corvey auf seine Rechte auf Rückerwerb verzichtet hatte.

1802 okkupierte Hessen-Darmstadt das Herzogtum Westfalen. Dabei kam es fast zum bewaffneten Konflikt, als sich Truppen von Hessen-Darmstadt und von Hessen-Kassel um den Besitz der Stadt stritten. Gleichzeitig erhob Erbprinz Wilhelm von Nassau-Oranien als neu eingesetzter Fürst von Nassau-Oranien-Fulda Ansprüche auf die Stadt. Zunächst konnte sich Hessen-Darmstadt durchsetzen, bis 1806 Erbprinz Wilhelm die Stadt erhielt, die aber schon ein Jahr später zum napoleonischen Königreich Westphalen kam und zum Sitz des Kantons Volkmarsen wurde.

Nach dem Wiener Kongress 1814 erhielt Preußen die Stadt, trat diese aber 1817 an Kurhessen ab. 1866 wurde der Ort erneut preußisch, als Kurhessen von Preußen annektiert wurde.

Vom 19. September 1945 (Proklamation der amerikanischen Militärregierung zur Gründung des Landes Hessen) bis zum 1. August 1972 gehörte die Stadt zum Landkreis Wolfhagen im Regierungsbezirk Kassel im Land Hessen.

Amtsgericht Als die im Fürstentum Waldeck mit der preußischen Justizreform von 1848/1849 in jedem Landkreis gebildeten Kreisgerichte im Jahre 1869 mit Umsetzung des im Oktober 1867 mit Preußen abgeschlossenen Akzessionsvertrages in Amtsgerichte umgewandelt wurden, erhielt Volkmarsen ein eigenes königlich-preußisches Amtsgericht als Außenstelle des damaligen Amtsgerichts Arolsen. Im Jahr 1940 wurde diese Volkmarser Gerichtsbarkeit wieder vollständig zurück auf das Amtsgericht in Arolsen übertragen.

Das noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Gerichtsstraße/Ecke Erpeweg (Nähe des heutigen Kreisels am Gleisdreieck) erbaute repräsentative Gerichtsgebäude im Baustil der Neorenaissance mit mehreren Volutengiebeln (vergleichbar dem Amtsgericht Eschwege) stand ab Beginn der 1970er Jahre über mehrere Jahre leer und verfiel zusehends. Nach kontrovers geführten Diskussionen erfolgte 1978, gegen den Willen der Denkmalschutzbehörde, der Totalabriss zugunsten des seitdem dort befindlichen Supermarktes.

Gebietsreformen im 20. Jahrhundert Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kam Volkmarsen am 1. August 1972 aus dem damaligen Landkreis Wolfhagen zum Landkreis Waldeck, der 1974 zum Landkreis Waldeck-Frankenberg erweitert wurde.

Am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ehringen, die ebenfalls dem Landkreis Wolfhagen angehörte, auf freiwilliger Basis eingemeindet. Am 1. August 1972 kamen Herbsen, Hörle, Külte und Lütersheim (alle im Landkreis Waldeck) kraft Landesgesetz hinzu. Für alle nach Volkmarsen eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Amokfahrt beim Rosenmontagszug 2020

Beim Rosenmontagszug kam es am 24. Februar 2020 zu einer Amokfahrt,Verdacht bestätigt sich: Die Tat in Volkmarsen war eine Amokfahrt, hna.de, 26. Februar 2020 bei der ein Autofahrer vorsätzlich in eine Gruppe feiernder Karnevalisten fuhr. 154 Personen wurden verletzt, darunter mindestens 20 Kinder. Der Autofahrer sowie eine weitere Person, die Filmaufnahmen des Geschehens angefertigt hat, wurden festgenommen. Die hessische Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Der Täter schwieg zu den Motiven seiner Tat.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Volkmarsen 6779 Einwohner. Darunter waren 175 (2,6 %) Ausländer, von denen 100 aus dem EU-Ausland, 33 aus anderen europäischen Ländern und 38 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich die Ausländerquote auf 9,1 %.) Nach dem Lebensalter waren 1308 Einwohner unter 18 Jahren, 2712 zwischen 18 und 49, 1398 zwischen 50 und 64 und 1359 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2874 Haushalten. Davon waren 789 Singlehaushalte, 762 Paare ohne Kinder und 989 Paare mit Kindern, sowie 297 Alleinerziehende und 57 Wohngemeinschaften. In 564 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 1890 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.

Einwohnerentwicklung

Religionen Aufgrund der Zugehörigkeit der Kernstadt zum Herzogtum Westfalen während und nach der Reformation blieb die katholische Konfession dort vorherrschend, während die umliegenden Dörfer zur 1526 protestantisch gewordenen Landgrafschaft Hessen gehört hatten: • 1885: 1876 katholische (= 83,53 %), 252 evangelische (= 11,22 %), 118 jüdische (= 5,52 %) Einwohner • 1961: 2854 katholische (= 74,54 %), 937 evangelische (= 24,47 %) Einwohner • 1987: 3432 evangelische (= 53,2 %), 2716 katholische (= 42,1 %), 300 sonstige (= 4,7 %) Einwohner • 2011: 2349 katholische (= 34,7 %), 3278 evangelische (= 48,3 %), 1152 sonstige (= 17,0 %) Einwohner

Die katholische Kirchengemeinde Volkmarsen ist seit 1821 dem Bistum Fulda zugeordnet.

Aufgrund der Eingemeindungen von umliegenden Orten, wie z. B. Herbsen, deren Einwohner bis zu 90 % der evangelischen Konfession angehörten, stieg die Zahl der Protestanten in der Gesamtgemeinde auf den derzeitigen Anteil.

Die evangelische Kirchgemeinde konnte Mitte des 19. Jahrhunderts ihre eigene Kirche errichten. Im August 2010 erhielt sie neue Bronzeglocken, deren Tonfolge b-des-es auf das Geläut der katholischen St.-Marien-Kirche abgestimmt ist. Die evangelische Kirchgemeinde gehört seit 2008 dem Kirchenkreis Twiste-Eisenberg an.

Eine von Hobbyarchäologen entdeckte Schachtmikwe in einem Fachwerkgebäude im Steinweg belegt bereits für das ausgehende Mittelalter eine jüdische Gemeinde in Volkmarsen. Das Ritualbad konnte dendrochronologisch in das frühe 16. Jahrhundert datiert werden. Architektonische Elemente ordnen die Mikwe jedoch einem mittelalterlichen Bautyp zu.Artikel in der Jüdischen Allgemeine vom 4. Juli 2014

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Volkmarsen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Volkmarsen 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 29,4 9 33,6 10 38,0 12 41,9 13 40,1 13 39,0 12 29,4 9 26,1 8 15,1 5 14,2 4 17,2 5 15,0 5 16,2 5 21,4 7 26,7 8 31,7 10 28,4 9 34,4 11 13,5 4 12,6 4 – – – – 7,2 2 5,3 1 11,5 4 6,3 2 9,8 3 – – – – – – Unabhängige Unabhängige Liste VolkmarsenUnabhängige Liste Volkmarsen – – – – 6,4 2 7,3 2 – – – – – – – – 4,1 1 4,9 2 7,1 2 6,2 2 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 59,0 55,9 54,7 54,7 57,6 64,3

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Volkmarsen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sieben weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat Bürgermeister ist seit dem 1. September 2022 der parteiunabhängige Hendrik Vahle, der bis dahin Kämmereileiter und büroleitender Beamter der Stadtverwaltung war. Er wurde als Nachfolger von Hartmut Linnekugel, der nach vier Amtszeiten nicht mehr kandidiert hatte und in den Ruhestand verabschiedet wurde, am 6. März 2022 im ersten Wahlgang bei 41,45 Prozent Wahlbeteiligung mit 82,93 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Volkmarsen 2022

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: nur Einzelergebnis 2016 ist archiviertVotemanager: Wahltermine Stadt Volkmarsen, seit 1997; Hinweis: Bürgermeisterwahlen 2004 sind nicht aufbereitet 2022–2028 Hendrik VahleHendrik Vahle: Über mich - HNA, 6. März 2022: 1998–2022 Hartmut LinnekugelHNA, 31. August 2022:

Wappen

Städtepartnerschaften links|61x61px Volkmarsen unterhält seit 1990 partnerschaftliche Beziehungen zur Stadt Buttelstedt (seit 2019 Ortsteil der Stadt Am Ettersberg) in Thüringen.

Der Bahnhofsvorplatz trägt seit 1992 den offiziellen Straßennamen Buttelstädter Platz und in Buttelstädt wurde der Platz vor der Schule umbenannt in Volkmarser Platz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|222x222px|Relief am früheren Kino-Eingang der Burg-Lichtspiele (2019)

Museen Der Geschichts- und Heimatverein Volkmarsen e. V. betreibt das Heimatmuseum mit Ausstellungen und Aktionstagen sowie der Geschichtswerkstatt im Haus Dr. Bock an der Kasseler Str. 6.

Das Dokumentations- und Informationszentrum des Vereins Rückblende – Gegen das Vergessen e. V.Website des Arbeitskreises Rückblende – Gegen das Vergessen e. V. über jüdisches Leben in Volkmarsen und Umgebung befindet sich seit 2019 im Gustav-Hüneberg-Haus am Steinweg 24, in welchem die bereits oben erwähnte Mikwe freigelegt wurde.

Kino Das ehem. Kino Burg-Lichtspiele wurde im Jahr 1945 von Georg und Wilhelmine Koch an der Oberen Stadtmauer/Ecke Wächterstraße eröffnet und durchgängig bis 1995 im Familienbesitz betrieben. Das Kino bestand aus einem großen Kinosaal mit einer separaten Loge. Nach Schließung und Umbau werden die Räumlichkeiten seit 1997 von einem lokalen Elektronik-Fachmarkt als Verkaufs- und Servicecenter genutzt. Am früheren Kino-Eingang erinnert ein Relief mit Filmmotiven an die Geschichte des Kinos.

Geopark Auf dem Volkmarser Stadtgebiet gibt es drei Stationen des Geoparks Grenzwelten: Kugelsburg, Sauerbrunnen und Bergbaustollen des Ralekesberges.Webseite des „Nationalen GeoParks GrenzWelten! – Geostationen“

Bauwerke

Katholische Kirche, St. Marien (Marienkirche) in der Kernstadt (gebaut um 1260)