Die Simba-Rebellion war ein bewaffneter Aufstand, der sich von Ende 1963 bis Anfang 1969 im Osten der Demokratischen Republik Kongo im Kontext der sogenannten Kongo-Krise ereignete. Die Rebellen, Anhänger des 1961 ermordeten ehemaligen Premierministers Patrice Lumumba, die von China, der Sowjetunion und später einer Gruppe kubanischer Soldaten unter Che Guevara unterstützt wurden, eroberten in den Jahren 1963/64 weite Teile des Ostens des Landes und riefen dort eine Volksrepublik aus. Der Aufstand der oftmals archaisch bewaffneten Simbas war von teils großer Brutalität gekennzeichnet und kostete zehntausende Kongolesen sowie hunderte von Europäern das Leben. Der kongolesischen Zentralregierung unter Führung des 1960 an die Macht geputschten Oberst Mobutu sowie von Premierminister Moïse Tschombé gelang es bis Anfang 1969, mit Unterstützung aus den USA, durch belgische Truppen und von einem internationalen Söldner-Kontingent, den Aufstand niederzuschlagen.

Verlauf mini|Belgischer Soldat vor den Leichen einiger getöteter europäischer Geiseln (Stanleyville, November 1964). mini|In Richtung des Flughafens von Stanleyville flüchtende Europäer (1964). mini|links|Gaston Soumialot (zweiter von rechts), einer der Anführer der Rebellen, Bild aus dem Januar 1965. Im Oktober 1963 gründeten Christophe Gbenye und Gaston Soumialot, beides Weggefährten des 1961 ermordeten ehemaligen Premierministers Lumumba, in Brazzaville das Comité National de Libération (teils auch als Conseil National de Libération bezeichnet, abgekürzt CNL). Gbenye hatte sowohl in der Regierung Lumumbas als auch in der Gegenregierung Gizengas das Amt des Innenministers bekleidet und bat die Sowjetunion und die Volksrepublik China nachfolgend um Unterstützung im Kampf gegen die Zentralregierung.David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 379. Soumialot hatte sich zuvor in der kurzlebigen linksnationalistischen Parti Solidaire Africain (PSA) von Gizenga engagiert.

Die neu gegründete CNL, der sich auch rasch Laurent-Désiré Kabila von der lumumbistisch orientierten Association Générale des Baluba du Katanga (BALUBAKAT) anschloss,Georges Nzongola-Ntalaja: The Congo from Leopold to Kabila: A People's History. Bloomsbury Publishing/Bloomsbury Academic. London, Oxford 2002, S. 130f. wurde vor allem im Osten des Kongo sehr schnell von lokalen lumumbistischen Rebellengruppen und Warlords unterstützt, zumal Lumumba gerade im Gebiet um Stanleyville seine früheren Hochburgen gehabt hatte.

Vormarsch der Rebellen In der Folge entsandte China Militärberater nach Burundi, welche die Rebellen in Guerillatechniken ausbildeten; Unterstützung kam auch aus der UdSSR. In Süd-Kivu wurden die Rebellenstreitkräfte von Soumialot und in Nord-Katanga von Kabila angeführt.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 382. Soumialot hatte anfangs sein Operationsgebiet im kongolesisch-burundischen Grenzgebiet und konnte vor allem mit Unterstützung von Rebellengruppen aus Burundi Süd-Kivu bereits Ende 1963 weitgehend unter Kontrolle bringen.Frank Villafana: Cold War in the Congo: The Confrontation of Cuban Military Forces, 1960-1967. Routledge. Abingdon, New York 2017, S. 69.

Im Mai 1964 gelang es den Rebellen, am Tanganjikasee die Städte Uvira und Albertville zu erobern.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 383. Der Vormarsch der Aufständischen ging oftmals einher mit schweren Kriegsverbrechen und teils barbarischen Gewalttätigkeiten. Anfang August eroberten die Rebellen Stanleyville und ermordeten geschätzt 2500 Intellektuelle, Wohlhabende und Évolués (eine Bezeichnung für Kongolesen, die einen europäischen beziehungsweise verwestlichten Lebensstil führten).David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 384. Andere Schätzungen sprechen indessen auch von mehr als 20.000 ermordeten Kongolesen im Umfeld von Stanleyville.Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluß – Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. DVA 1986, ISBN 3-421-06307-9, S. 332. Zudem seien auch wahllos ehemalige, noch von den belgischen Kolonialherren eingerichtete Missionsstationen und Schulen zerstört worden. Ferner wurden in Paulis nach der Eroberung durch die Simbas rund 4000 Menschen ermordet – darunter auch der Gouverneur der Provinz Uélé, Paul Mambaya, sowie sein Stellvertreter, Joseph Tabolo. Zeugenaussagen berichteten später von großen Grausamkeiten, die im Rahmen dieser Gewaltexzesse geschahen, unter anderem das Verbrennen von Personen mit Benzin, Verstümmelungen und teils auch kannibalistische Handlungen. Für diese Massaker wurden später im Schwerpunkt Kabilas Simba-Streitkräfte verantwortlich gemacht.Guy Arnold: The A to Z of Civil Wars in Africa. Scarecrow Press/Rowman & Littlefield Publishing Group. Lanham (MD) 2008, S. 204.

In dem eroberten Gebiet gründeten die Rebellen am 5. September 1964 die République Populaire du Kongo (Volksrepublik Kongo). Gbenye wurde Präsident und Soumialot Verteidigungsminister. Die verschiedenen Rebelleneinheiten wurden zur Armée Populaire de la Libération (Volksbefreiungsarmee) zusammengefasst. Oberbefehlshaber dieser neugegründeten Armee wurde Nicholas Olenga.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 385.

Gegenoffensive der Zentralregierung Als der neu ernannte Premierminister des Kongos Moïse Tschombé begann, gegen die Rebellen vorzugehen, stand er vor dem Problem, dass er sich kaum auf die circa 30.000 Soldaten umfassende Nationalarmee (Armée Nationale Congolaise, ANC) verlassen konnte. Zum einen hatte sie dem Vormarsch der Rebellen kaum Widerstand geleistet, was teils auch dem vorherrschenden Aberglauben (siehe letzten Abschnitt bezüglich Bewaffnung und Motivation der Aufständischen) geschuldet war, zum anderen misstraute ihm die Armee aufgrund seines wenige Jahre zuvor gescheiterten sezessionistischen Versuchs, die Katanga-Provinz zu einem unabhängigen Staat zu machen.

Insofern musste sich Tschombé auf seine Verbände aus Katanga, die Katanga-Gendarmen sowie südafrikanische, belgische, irische und französische Söldner stützen, die schon während seines Sezessionsversuchs in Katanga den Kern seiner Streitkräfte ausgemacht hatten. Etwa 300 Söldner standen unter dem Kommando des Iren Mike Hoare. Ebenfalls beteiligten sich belgische Offiziere als Militärberater und die US-Luftwaffe mit Transportflugzeugen an der nun anlaufenden Offensive. Darüber hinaus unterstützte der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA die Regierungsseite mit einem Luftwaffenkontingent, das aus etwa 200 Exilkubanern bestand und ursprünglich für die Invasion in der Schweinebucht 1961 gebildet worden war. Diese Fliegerstaffel war zunächst mit unbewaffneten North American T-6 zur Aufklärung und psychologischen Beeinflussung der Rebellen ausgestattet gewesen, wurde im Verlauf des Konflikts aber immer stärker bewaffnet, unter anderem mit North American T-28 und B-26K. Die Einheit arbeitete eng mit Hoares Söldnern zusammen und bot diesen die für Söldnereinheiten noch ungewohnte Luftnahunterstützung. Unter anderem vernichteten Hoare und die CIA-Flieger am 1. November 1964 ein Hauptquartier der Simba in Kindu.

Daraufhin wurden die in dem Gebiet verbliebenen Europäer von den bedrängten Rebellen als Geiseln genommen und im Hotel Victoria Palace in Stanleyville festgehalten. Als die Simba drohten, alle Europäer umzubringen, löste das eine noch größere Militäroperation der belgischen und US-amerikanischen Streitkräfte aus. Diese setzte sich aus einer Bodenoffensive (Operation Ommegang) und einer Luftoffensive (Operationen Dragon Rouge und Dragon Noir) zusammen. Am 24. November 1964 sprangen 343 belgische Fallschirmjäger über dem Flughafen von Stanleyville ab und befreiten zusammen mit Hoares 5. Kommando die Stadt von den Aufständischen. Zwei CIA-Flugzeuge hatten zuvor die Flugabwehrgeschütze zerstört. Anschließend wurden 2000 Europäer mit C-130-Transportflugzeugen evakuiert. Die Transportflugzeuge sowohl für die Luftlandeeinheit als auch für den Transport der Zivilisten stellte die US Air Force. mini|links|Eine C-130 der US-Luftwaffe landet in Paulis, um befreite Geiseln auszufliegen. Ungefähr 100 Europäer sowie der Bürgermeister von Stanleyville, Léopold Matabo, sowie die Journalisten Sylvère Bondekwe und Guillaume Zambite (Herausgeber der lokalen Zeitung La Gazette), waren zuvor von den Lumumbisten ermordet worden, teils unter sehr grausamen Umständen. Im Rahmen der Kämpfe eroberten die Söldner auch die Makasi-Bierbrauerei. Die exilkubanische Fliegereinheit nannte sich in der Folge danach Makasi Air Force und übernahm den Büffel vom Logo der Brauerei als Wappentier auf ihren Flugzeugen.

Wenige Tage später wurden 90 Missionare weiter im Landesinneren von den Rebellen getötet. Die gleiche belgische Fallschirmjägereinheit sprang zwei Tage nach ihrem Einsatz in Stanleyville in der Operation Dragon Noir über Paulis ab und befreite rund 300 Geiseln. Rund 20 Europäer und Amerikaner hatten die Lumumbisten kurz zuvor umgebracht, nachdem sie die Nachricht von dem Angriff auf Stanleyville erreicht hatte.Thomas P. Odom: Dragon Operations: Hostage Rescues in the Congo, 1964–1965, Combat Studies Institute US Army Command and General Staff College (Leavenworth Papers No. 14), Fort Leavenworth, Kansas, 1988, S. 121–146. Die befreiten Geiseln sowie die abgesetzten Fallschirmjäger wurden danach von der US-Luftwaffe evakuiert.

Niederschlagung des Aufstandes mini|Che Guevara (erste Person rechterhand im Vordergrund) an einem Funkempfänger während des Simba-Aufstandes (1965). Als sich die Rebellion bereits in der Defensive befand, landete im April 1965 Che Guevara mit über hundert kubanischen Soldaten schwarzer Hautfarbe im Aufstandsgebiet, um den Kampf der Simba zu unterstützen.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 388. Die Einheit wurde per Boot über den Tanganjikasee versorgt. Die CIA setzte dagegen die Makasi Air Force mit sechs T-28 und zwei B-26K sowie die sogenannte Makasi Navy, bestehend aus zwei Patrouillenbooten mit Radaranlagen, ein. Mit Hoares Söldnern als Bodenkomponente kam es in der Region auch zu größeren Gefechten mit dem kubanischen Expeditionskommando. Von der geringen ideologischen Überzeugung der Aufständischen enttäuscht, reiste Che Guevara nach sieben Monaten wieder ab.David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 389. Seine Erfahrung hielt er in seinem später wiederaufgefundenen Tagebuch fest.Ernesto Che Guevara: Der afrikanische Traum: Das wiederaufgefundene Tagebuch vom revolutionären Kampf im Kongo. KiWi-Paperback, 200. Auch gab es innerhalb der Rebellen zunehmende Meinungsverschiedenheiten, als sich die Kriegslage zu Ungunsten der Aufständischen verschlechterte. So äußerte sich etwa Che Guevara später abwertend über Kabila, dem er unterstellte, dieser habe sich eher mit Frauen und mit Alkoholgelagen vergnügt, als die notwendige Disziplin eines Revolutionärs aufbringen zu wollen. mini|links|Soldaten der Nationalarmee und weiße Söldner im Gefecht.