mini|Joxe Azurmendi, 2006 Joxe Azurmendi Otaegi (geboren am 19. März 1941 in Zegama, Baskenland; gestorben am 1. Juli 2025 in San Sebastian, Baskenland) war ein in Euskara, d. h. der baskischen Sprache, schreibender baskischer Schriftsteller, Philosoph, Essayist und Dichter. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher zu Themen wie Ethik, Politik, Philosophie der Sprache, zur Technik, zu baskischer Literatur und allgemeiner Philosophie.
Joxe Azurmendi war Herausgeber der Veröffentlichungsreihe Jakin irakurgaiak, in der unter seiner Leitung bisher über 40 Bücher erschienen. Darüber hinaus wirkte er an der Übersetzung philosophischer Werke ins Baskische für den Verlag Klasikoak, Sammlung von Übersetzungen der Klassiker der Gedanken (Webseite der Universität Baskenland) mit. Er war einer der Gründer der Baskischen Sommeruniversität Udako Euskal Unibertsitatea. Er hatte den Lehrstuhl für moderne Philosophie inne und unterrichtete an der baskischen Universität Euskal Herriko Unibertsitatea. Im Jahr 2010 wurde er von der Akademie der Baskischen Sprache Euskaltzaindia zum akademischen Ehrenmitglied ernannt.Altzibar, X.:“XX. mendeko euskal literatura: saiakera” In Mari Jose Olaziregi, Euskal literaturaren historia, Donostia: EIZEI, 2011.Iturriotz, A. 2010: "Zergatik Azurmendi?" Hegats, 45:9-17.
Biografie Joxe Azurmendi studierte Philosophie und Theologie an der Baskischen Universität sowie in Rom und Münster.Vorwort von Gandiaga in Azurmendi: Hitz berdeak. EFA, Oñati 1971.
Zu Beginn der 1960er Jahre schloss Azurmendi sich der kulturellen Bewegung um die Zeitschrift Jakin an. Er war Direktor der Zeitschrift, als sie zum ersten Mal vom Franco-Regime verboten wurde. Seit der Wiederaufnahme ihres Erscheinens ist Azurmendi ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift. In den frühen 1970er Jahren widmete er sich der Verbreitung grundlegender Texte in baskischer Sprache zu im Baskenland diskutierten Themen: Nation, Sozialismus, InternationalismusAzurmendi: Arana Goiri-ren pentsamendu politikoa. Hordago Lur, Donostia 1979, S. 1., Ästhetische AutonomieSoto, Mikel 2025: Mirande. Herriminez, ezin-minez, Aduna, Elkar. S. 498–504. etc. In den 1980er Jahren begann er an der Baskischen Universität zu lehren. 1984 stellte er seine Dissertation über Jose Maria Arizmendiarrieta, den Gründer der Genossenschaftsbewegung von Mondragón, vor. In ihr vertritt Azurmendi die These, dass Arizmendiarrieta mit diesem Projekt beabsichtigte, das Individuum und die Gesellschaft im Rahmen einer Organisation zusammenzuführen, in der sich Sozialismus und französischer Personalismus vereinen können.Andoni Olariaga: Joxe Azurmendi. Askatasunaren pentsalaria in Alaitz Aizpuru: Euskal Herriko pentsamenduaren gida. UEU, Bilbao 2012, ISBN 978-84-8438-435-9, S. 149.
Er war Gastprofessor an der Universität zu Köln, der Universität Padua und der Ruhr-Universität Bochum, wo er von den 1980er Jahren bis zu seiner Emeritierung jährlich mehrere Monate verbrachte. 2011 trat er in den Ruhestand und wurde zum Professor Emeritus der Universität des Baskenlandes ernannt.Azurmendi, Haritz 2019: Joxe Azurmendiren nazioa Nazionalismo Ikerketen argitan. Abertzaletasun kulturalaren defentsa Euskal Herri garaikidean, Doktorarbeit, EHU. S. 16
1992 veröffentlichte er Espainolak eta euskaldunak [Spanier und Basken], sein bekanntestes Werk. Es war eine Reaktion auf einen Text von Claudio Sánchez-Albornoz, in dem es heißt: „Die Basken sind die letzten, die sich in Spanien zivilisiert haben; im Vergleich zu allen anderen Völkern fehlen ihnen tausend Jahre Zivilisation… Es sind rüde, simple Menschen, die sich zudem für Söhne Gottes und Erben seines Himmelreiches halten. Dabei sind sie nichts anderes als nicht romanisierte Spanier.“Azurmendi: Espainolak eta euskaldunak. Elkar, Donostia 1992, ISBN 84-7917-205-3, S. 17. In seinem Werk widerlegte Azurmendi die Stereotype einiger spanischer Intellektueller über die Basken.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erreichte sein Werk den Höhepunkt mit der Trilogie Espainiaren arimaz [Die Spanische Seele] (2006, Elkar), Humboldt. Hizkuntza eta pentsamendua [Humboldt. Sprache und Denken] (2007, UEU) und Volksgeist. Herri gogoa (2008, Elkar). Diese Trilogie spiegelt die bedeutendsten Aspekte seines Denkens wider.
2009 veröffentlichte Azurmendi sein persönlichstes Werk, Azken egunak Gandiagarekin [Die letzten Tage mit Gandiaga], in dem er über verschiedene Formen der Rationalität in der Wissenschaftstheorie, Religionsphilosophie und philosophische Anthropologie nachdachte. Seine zentrale These lautete, dass uns die wissenschaftliche Rationalität die notwendige Sprache für die Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens genommen habe.Arrieta, A. (2013): "Eranskina: Joxe Azurmendiren Azken egunak Gandiagarekin" in Arimak eta balioak, Donostia: Jakin. p. 100
Azurmendi starb am 1. Juli 2025 im Alter von 84 Jahren in San Sebastián. Seinem Wunsch entsprechend gab es weder eine Totenwache noch eine öffentliche Beerdigung.Zapiain, M. (2025): Ez dakizun tren baten zain, Jakin, (269/270). ISSN O211/495X
Sein Denken Azurmendis Werk entstand und entwickelte sich in einer Zeit kultureller, politischer und wertebedingter Krisen. Er sah dies nicht als etwas Negatives, sondern als Chance. Sein gesamtes Denken kreist um die Verteidigung der Freiheit in allen Bereichen, letztlich um die Gewissens- und Gedankenfreiheit.
Folglich geht es in seinem Werk nicht darum, dieser Krise zu entfliehen; vielmehr stellt Azurmendi Überlegungen an, wie man in einer solchen Situation leben kann. Dabei bedient er sich einer relativistischen BetrachtungsweiseInterview mit Azurmendi in: Hegats (45), S. 209. und kämpft, nachdem die Modernität die Menschen jeder soliden Grundlage beraubt hat, gegen die Überreste des Dogmatismus, zu dem eine Krisengesellschaft neigt. Er kritisiert den modernen Staat, dem er vorwirft, die neue Kirche zu sein, die das Bewusstsein kontrolliertAzurmendi: Barkamena, kondena, tortura. Elkar, Donostia 2012, ISBN 978-84-9027-007-3., ebenso wie die Instrumentalisierung der Moral und die Politiker, die statt der Probleme in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu lösen sich auf das Gebiet der Moral flüchten, um ihre Verantwortung unter dem Deckmäntelchen vermeintlich absoluter Prinzipien zu verbergen.
Von großer Bedeutung ist sein Beitrag zur Infragestellung kanonischer Sichtweisen bezüglich bestimmter Themen. Hervorzuheben ist seine Interpretation Azurmendis der deutschen Aufklärung, die auf seinen fundierten Studien in Deutschland beruht. Mit ihr widerlegt er den anscheinenden Gegensatz zwischen der französischen Aufklärung und der deutschen Romantik und eröffnet eine neue Perspektive auf die verschiedenen Aspekte dieses Gegensatzes.Azurmendi: Volksgeist. Herri gogoa. Elkar, Donostia 2008, ISBN 978-84-9783-404-9, S. 129. Anders als einige spanische und französische Intellektuelle wie Alain FinkielkrautAzurmendi: Euskal Herria krisian. Elkar, Donostia 1999, ISBN 84-8331-572-6, S. 119. vertritt er die These, dass der Nationalismus in Frankreich entstand (Montesquieu, Voltaire, Rousseau, Ernest Renan) und anschließend von den deutschen Aufklärern und Romantikern neu interpretiert wurde. Damit stellt er die Art und Weise infrage, in der Autoren wie Goethe, Schiller, Herder oder Humboldt ein metaphysischer Nationalismus zugeschrieben wird.
Einen nicht unbedeutenden Teil seines Werkes widmete Azurmendi darüber hinaus baskischen Denkern, die er aus der Vergessenheit holte, neu interpretierte und deren Rezeption er von verschiedenen Stereotypen befreite. Hier seien u. a. seine Arbeiten zu Jon Mirande, Orixe und UnamunoAzurmendi: Unamunoren atarian. In: Alaitz Aizpuru: Euskal Herriko pentsamenduaren gida. UEU, Bilbao 2012, ISBN 978-84-8438-435-9, S. 29.Azurmendi: Bakea gudan. Txalaparta, Tafalla 2012, ISBN 978-84-15313-19-9. genannt.
Joxe Azurmendi war ein Autor, der aus der baskischen Kultur heraus und für diese dachte. Sprachlich wurde er von den baskischen Autoren der Nachkriegszeit beeinflusst.Azurmendi: Kierkegaard-en egunkari ezkutua. In: J.L. Ormaetxea: Txillardegi lagun giroan. UEU, Bilbao 2000, ISBN 84-8438-007-6. Auf dem Gebiet der Sprache hat er auch Forschungen über Autoren wie Heidegger, Wittgenstein, George Steiner oder Humboldt durchgeführt. Die Tatsache, dass er sein umfangreiches Werk in baskischer Sprache verfasst hat, steht in vollständiger Kohärenz zu seinem Denken, das sich auch in seinen Gedichten ausdrücktAizpuru, Alaitz 2013: Suak erreko ez balu (I). In: hAUSnART 3 (2013), S. 102–121.Aizpuru, Alaitz 2016: Joxe Azurmendi 60ko poesiaren eraberritzean, HEA.Estankona, I. 2010: "Artean gazte eta berde: Azurmendiren Hitz berdeak eta Manifestu atzeratua", Hegats, 45: 71–83.Zulaika, J. 2020: Arbola beltzaren poema: Azurmendi, euskal mende hautsiaren lekuko, Jakin, 237: 15–28.:
Schriften Die Datenbank der Baskischen Wissenschaftsgemeinschaft Inguma, Website der UEU. führt über 180 Veröffentlichungen von Azurmendi.
Essays Hizkuntza, etnia eta marxismoa (Sprache, Ethnie und Marxismus) (1971, Euskal Elkargoa) Kolakowski (Kołakowski) (1972, EFA). In Zusammenarbeit mit Joseba Arregi Kultura proletarioaz (Über die proletarische Kultur) (1973, Jakin EFA) Iraultza sobietarra eta literatura (Die sowjetische Revolution und die Literatur) (1975, Gero Mensajero) Gizona Abere hutsa da (Der Mensch ist nichts als ein Tier) (1975, EFA) Zer dugu Orixeren kontra? (Was spricht gegen Orixe?) (1976, EFA Jakin) Zer dugu Orixeren alde? (Was spricht für Orixe?) (1977, EFA Jakin) Artea eta gizartea (Kunst und Gesellschaft) (1978, Haranburu) Errealismo sozialistaz (Sozialistischer Realismus) (1978, Haranburu) Mirande eta kristautasuna (Mirande und das Christentum) (1978, GAK) Arana Goiriren pentsamendu politikoa (Das politische Denken von Arana Goiri) (1979, Hordago Lur) Nazionalismo Internazionalismo Euskadin (Nationalismus-Internationalismus im Baskenland) (1979, Hordago Lur) PSOE eta euskal abertzaletasuna (Die PSOE und der baskische Patriotismus) (1979, Hordago Lur) El hombre cooperativo. Pensamiento de Arizmendiarrieta (Der kooperative Mensch. Das Denken Arizmendiarrietas) (1984, Lan Kide Aurrezkia) Filosofía personalista y cooperación. Filosofía de Arizmendiarrieta (Personalistische Philosophie und Kooperation. Die Philosophie Arizmendiarrietas) (1984, EHU) Schopenhauer, Nietzsche, Spengler, Miranderen pentsamenduan (Schopenhauer, Nietzsche, Spengler im Denken Mirandes) (1989, Susa) Miranderen pentsamendua (Das Denken Mirandes) (1989, Susa) Gizaberearen bakeak eta gerrak (Frieden und Kriege des Tiermenschen) (1991, Elkar) Espainolak eta euskaldunak (Die Spanier und die Basken) (1992, Elkar) Karlos Santamaria. Ideiak eta ekintzak (Karlos Santamaria. Sein Denken und Handeln) (1994, Gipuzkoako diputazioa (Unveröffentlicht)) La idea cooperativa: del servicio a la comunidad a su nueva creación (Die kooperative Idee: Vom Dienst an der Gesellschaft zu ihrer Neugestaltung) (1996, Gizabidea Fundazioa) Demokratak eta biolentoak (Demokraten und Gewalttäter) (1997, Elkar) Teknikaren meditazioa (Überlegungen zur Technik) (1998, Kutxa Fundazioa) Oraingo gazte eroak (Die verrückte Jugend von heute) (1998, Enbolike) El hecho catalán. El hecho portugués (Die katalanische Gegebenheit. Die portugiesische Gegebenheit) (1999, Hiru) Euskal Herria krisian (Das Baskenland in der Krise) (1999, Elkar) La violencia y la búsqueda de nuevos valores (Die Gewalt und die Suche nach neuen Werten) (2001, Hiru) La presencia de Nietzsche en los pensadores vascos Ramiro de Maeztu y Jon Mirande (Die Präsenz Nietzsches in den baskischen Denkern Ramiro de Maeztu und Jon Mirande) (2002, Euskalerriaren Adiskideen Elkartea) Etienne Salaberry. Bere pentsamenduaz (Etienne Salaberry. Sein Denken) (1903–2003) (2003, Egan) Espainiaren arimaz (Die spanische Seele) (2006, Elkar) Volksgeist. Herri gogoa (2007, Elkar) Humboldt. Hizkuntza eta pentsamendua (Humboldt. Sprache und Denken) (2007, UEU)