Die Geschichte Österreichs reicht von der ersten Besiedelung in der Altsteinzeit bis zur Gegenwart. In der Eisenzeit kennzeichneten Hallstatt- und Latènekultur das Gebiet des späteren Österreich. Während der Antike wurde ein Großteil der Region Teil des Römischen Reichs und mit der Völkerwanderung beginnend von unterschiedlichen Gruppen besiedelt. Im Jahr 996 unter dem Namen „Ostarrichi“ erstmals erwähnt, gehörte das Land zunächst als Markgrafschaft zum Herzogtum Baiern und war von 1156 bis 1453 als Herzogtum und von 1453 bis 1806 als Erzherzogtum eigenständiger Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches. Die Dynastie der Habsburger erwarb als Haus Österreich ein weiträumiges Herrschaftsgebiet und stellte über mehrere Jahrhunderte den Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Das 1804 ausgerufene Kaisertum Österreich (das damals auch Ungarn und Böhmen umfasste) war mit seinem westlichen Teil von 1815 bis 1866 Teil des Deutschen Bundes und bildete ab 1867 mit dem nun eigenständigen Königreich Ungarn die Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie. Nach deren Auseinanderbrechen am Ende des Ersten Weltkriegs entstand Österreich 1918–1921 in seinen heutigen Grenzen, nachdem die Sieger des Ersten Weltkriegs den demokratischen Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich verhinderten. 1934 Diktatur geworden, wurde Österreich 1938 vom nationalsozialistischen Regime dem Deutschen Reich eingegliedert. Seit 1945 ist Österreich wieder eine unabhängige, seit 1955 souveräne Republik, die 1995 der Europäischen Union beitrat.

mini|hochkant|Der rot-weiß-rote Bindenschild, das historische Symbol Österreichs

Überblick In der Altsteinzeit besiedelten erstmals Menschen das Gebiet des heutigen Österreich. In der Keltenzeit von 800 bis 400 v. Chr. entstand auf diesem Territorium das Königreich Noricum. Um die Zeitenwende eroberten und besiedelten die Römer das Land südlich der Donau. Die bedeutendste römische Siedlung in Österreich war Carnuntum.

Ab dem 6. Jahrhundert besiedelten Bajuwaren das Land, das im 8. Jahrhundert ins Fränkische Reich eingegliedert wurde. Karl der Große errichtete um 800 n. Chr. die Awarenmark, eine Grenzmark im heutigen Niederösterreich, um das weitere Vordringen von Slawen und Awaren aus dem Osten zu stoppen. Im 10. Jahrhundert entstand die Markgrafschaft Österreich östlich der Enns, die dem Herzog von Bayern unterstand. Die älteste erhaltene Urkunde, in der das Land als „Ostarrichi“ (mit der Bedeutung „Östliche Mark“) genannt wird, stammt aus dem Jahr 996. Seit 1156 (Privilegium minus) herrschten eigenständige Herzöge aus dem Geschlecht der Babenberger in Niederösterreich. Die Gebiete des heutigen Österreich lösten sich sukzessive von Bayern. Sie gehörten bis zum Jahr 1806 zum Heiligen Römischen Reich und von 1815 bis 1866 zum Deutschen Bund.

Nach dem Tod des letzten Babenbergers übernahm der deutsche König Rudolf I. 1276 als erster Habsburger die Herrschaft über Österreich. In den folgenden Jahrhunderten wurde Österreich Stammland der Habsburger, unter denen es zur führenden Macht im Heiligen Römischen Reich aufstieg. Im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts dehnten die Habsburger vor allem durch geschickte Heiratspolitik ihre Herrschaft auf Spanien, die Niederlande und Teile Italiens aus. So entstand der habsburgisch-französische Gegensatz, der die europäische Politik für mehr als 200 Jahre prägte. Kaiser Karl V. übertrug die österreichischen Länder 1521 auf seinen Bruder Ferdinand I., der erste zentrale Verwaltungsstrukturen schuf. 1526 erbte Ferdinand die Königreiche Böhmen und Ungarn. Letzteres stand nach der Schlacht von Mohács jedoch zum größten Teil unter der Kontrolle des Osmanischen Reichs, das nun direkt an die österreichischen Länder grenzte. Auch nach der erfolglosen ersten Belagerung Wiens durch die Türken blieb die osmanische Bedrohung noch eineinhalb Jahrhunderte lang bestehen.

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich auch in den österreichischen Ländern die Reformation. Die gegen 1600 einsetzende Rekatholisierungspolitik der Habsburger war ein auslösender Faktor des Dreißigjährigen Kriegs, zu dessen Beginn es so schien, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine zentral gelenkte Monarchie unter ihrer Herrschaft verwandeln. Auf Druck der anti-habsburgischen Koalition aus Frankreich, Schweden und den meisten protestantischen deutschen Staaten mussten sie sich ab 1648 jedoch auf ihre österreichischen und böhmischen Länder im Reich beschränken. 1683 wurden die Osmanischen Streitkräfte ein zweites Mal vor Wien geschlagen und im Großen Türkenkrieg bis hinter Belgrad zurückgedrängt.

Als die spanische Hauptlinie der Habsburger 1700 ausstarb, begann der Spanische Erbfolgekrieg zwischen den Habsburgern und König Ludwig XIV. von Frankreich. Aus der Erbmasse erhielt Österreich 1713 im Frieden von Utrecht die Spanischen Niederlande, Neapel und die Lombardei. Damit und mit den Eroberungen auf dem Balkan erreichte es seine größte territoriale Ausdehnung. Gleichfalls 1713 wurde die Pragmatische Sanktion erlassen, die eine einheitliche Erbfolge vorsah und eine Teilung des Habsburgerreichs verhindern sollte. Dennoch begann 1740, nach der Thronbesteigung Maria Theresias, die durch die Heirat mit Franz Stephan von Lothringen die neue Dynastie Habsburg-Lothringen begründet hatte, der Österreichische Erbfolgekrieg, in dem Schlesien an Preußen verloren ging. Mit den Schlesischen Kriegen begann der Dualismus zwischen Österreich und Preußen, der von da an die Reichspolitik wesentlich beeinflusste. Unter Kaiserin Maria Theresia wurden tiefgreifende Reformen in allen Bereichen des Staates eingeleitet, die von ihrem Sohn, Kaiser Joseph II., fortgesetzt wurden.

Auf die Kaiserkrönung Napoleons I. 1804 reagierte Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich. 1806 legte er die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nieder, das damit zu existieren aufhörte. Österreich nahm an den Napoleonischen Kriegen teil und wirkte 1814/15 als Gastgeber des Wiener Kongresses führend an der Neuordnung Europas mit. Im 19. Jahrhundert gefährdeten die nationalistischen Strömungen in den Ländern der Habsburgermonarchie zunehmend deren Existenz. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Differenzen zwischen den einzelnen Volksgruppen nicht mehr zu übersehen. Da das deutsche Element des Staates nach seinem 1866 von Preußen erzwungenen Ausscheiden aus dem Deutschen Bund geschwächt war, kam es 1867 zum Österreichisch-Ungarischen Ausgleich und zur Schaffung der kaiserlichen und königlichen Doppelmonarchie. Es gelang auf Dauer aber nicht, die nationalistischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat zu verringern. Sie gipfelten 1914 in der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo, die in einer Kettenreaktion (→ Julikrise) zum Ersten Weltkrieg führte.

Gegen Ende des verlorenen Krieges lösten sich die nicht-deutschen Volksgruppen aus dem Staatsverband. Dadurch und durch den Vertrag von Saint-Germain (1919) entstand Österreich in seinen heutigen Grenzen. Es wurde am 12. November 1918 unter dem Namen Deutschösterreich zur Republik ausgerufen. Die anhaltenden, schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise und innenpolitische Spannungen führten im Februar 1934 zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die mit der Maiverfassung von 1934 in einen autoritären Ständestaat mündeten. Nur zwei Monate später unternahmen die österreichischen Nationalsozialisten, die das Land dem Deutschen Reich angliedern wollten, einen Putschversuch, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet wurde. Der Putsch konnte zwar niedergeschlagen werden, aber mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht erzwang die Regierung Adolf Hitlers am 12. März 1938 doch noch den Anschluss Österreichs. Als „Ostmark“ blieb es bis 1945 Teil des NS-Staates. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Österreich als Republik wiederhergestellt, blieb aber noch zehn Jahre lang von den alliierten Siegermächten besetzt. 1995 trat Österreich der Europäischen Union bei.

Erdgeschichte

Die Erdgeschichte des Alpenraums und des Granit- und Gneisplateaus der böhmischen Masse und deren Vorländer lässt sich heute bis in das Zeitalter des Proterozoikums zurückverfolgen. Wesentlich für die Geologie und heutige Geographie Österreichs war die Alpidische Gebirgsbildung und die Entwicklung des Randmeeres Paratethys seit der Kreidezeit.

Ur- und Frühgeschichte des heutigen Österreichs mini|hochkant|Die Venus von Willendorf, entstanden um 25.000 v. Chr. (Naturhistorisches Museum, Wien)

Die ältesten Spuren von Menschen in Österreich, über 250.000 Jahre alt, fand man bislang in der Repolusthöhle in der Steiermark.

Altsteinzeit Während der Eiszeiten waren die Alpen vergletschert und wenig bis gar nicht zugänglich. Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören der mittleren Altsteinzeit, der Zeit des Neandertalers, an. Etwa 70.000 Jahre alte Spuren des Neandertalers sind aus der Gudenushöhle im nordwestlichen Niederösterreich bekannt. Auch viele Fundstellen der jüngeren Altsteinzeit liegen in Niederösterreich. Die bekanntesten befinden sich in der Wachau, darunter auch Fundorte der beiden ältesten österreichischen Kunstwerke, die figürlichen Frauendarstellungen der sogenannten „Venus vom Galgenberg“ von Stratzing/Krems-Rehberg (36.000 Jahre alt, Reliefplastik, 7,2 cm, grünes Serpentin) und der Venus von Willendorf (30.000 Jahre alt, 11 cm, Oolith). Eine 2005 entdeckte, in Rötel gebettete und unter einem Mammutschulterblatt befindliche Säuglings-Doppelbestattung vom Wachtberg in Krems an der Donau aus der Zeit des Gravettiens, ist mit einem Alter von etwa 27.000 Jahren (datiert mittels Radiokarbonmethode) die älteste Bestattung Österreichs.

Mittelsteinzeit Abris (Felsschutzdächer) aus dem Bodensee-Rheintal, eine Bestattung von Elsbethen und wenige weitere Fundstellen mit mikrolithischen Artefakten sind spärliche Zeugen der Übergangszeit zwischen als Jäger und Sammler lebenden Gruppen und sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern.

Jungsteinzeit Während der Jungsteinzeit werden nach und nach alle Regionen Österreichs, in denen Landwirtschaft möglich ist, oder Rohstoffe vorhanden sind, besiedelt. Die erste nachgewiesene bäuerliche Siedlung aus der Zeit der ältesten Linienbandkeramik stammt aus Brunn am Gebirge. Das älteste Industriedenkmal Österreichs, das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe, stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Nachfolgend ist eine dichte Besiedlung der Lengyel-Kultur nachgewiesen, während der in Niederösterreich eine Reihe von Kreisgrabenanlagen errichtet wurde.

Kupfersteinzeit Die ältesten Kupferobjekte haben ihren Ursprung im Karpatenbecken, unter anderem das Depot von Stollhof (Niederösterreich). Höhensiedlungen sind im Osten Österreichs verbreitet. Im Laufe der Kupfersteinzeit werden auch die inneralpinen Gebiete vollständig auf der Suche nach Rohstoffen – insbesondere Kupfer – erschlossen. Der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi (Mann vom Tisenjoch), der etwa 3300 v. Chr. lebte. Die Mondseekultur ist durch Pfahlbauten um die Alpenseen gekennzeichnet.

Bronzezeit Die bereits zu Beginn der Bronzezeit vermehrt entstehenden Wallanlagen scheinen als Macht- und Handelszentren Abbau, Verarbeitung und Handel von Kupfer und Zinn überwacht zu haben. Der florierende Handel mit Rohmaterial und Halbprodukten spiegelt sich in den Ausstattungen der Gräber (Pitten, Franzhausen, Niederösterreich) wider. In der Urnenfelderzeit wird mit dem Salzabbau in der Nordgruppe des Salzbergwerks von Hallstatt begonnen.

Eisenzeit Die Eisenzeit Österreichs ist durch die Einflüsse der mediterranen Hochkulturen und der Steppenvölker geprägt. Der Übergang zwischen der älteren Hallstattzeit und der jüngeren, keltisch geprägten Latènezeit erfolgte fließend.

Hallstattkultur mini|Lederschuh aus der Hallstattkultur, 800–400 v. Chr.